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Die Wahrheit · 1905-02-03 · Heft 5 (3.2.1905) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 5 (3.2.1905)
Date
1905-02-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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O elinx- Ungar. Kantoren -Zeitung. Im Interesse der Erhaltung des F-achblattes -werden die geehrten Herren Cantoren dringend ersucht, das Abonnement umgehend einzusenden und auch an den Begleich der Rückstände zu denken. Die Administration Hebräische Sprache and hebräische Mnsrlr. Unsere uralte, allen Völkern vorangehende Religion und .ihre guten Einrichtungen versucht man in ihren Grundfesten wankend zu machen, denn an den Bau des großen weltgeschichtlichen Gebäudes treten in neuester Zeit falsche Baumeister heran, um Reparaturen vorzunehmen, welche eher der Zerstörung gleichen. In kurzen Intervallen bringen jüdische .Zeitungen Berichte von Versammlungen, in welchen gegen das teuere Vermächtnis Israels, gegen die hebräische Sprache losgezogen wird, um dieselbe aus Haus und Hof zu vertreiben, b. h. aus Gottes-, Schul- und Familienhaus zu verdrängen, damit an ihre Stelle die mehr verständliche Landessprache treten soll. Es ist nicht das erstemal, daß ein solcher Versuch gemacht wird. Ein gewisser Dr. Lehmann, Rabbiner in Dresden, hat vor ungefähr einem Jahrzehnt eine gleiche Propaganda unternommen, es gelang ihm aber nicht, für seine Ansichten Anhängerschaft zu gewinnen. Vor zirka zwei Monaten hörte man wieder die sattsam bekannte Schlachtfrage im Wiener antisemitischen Gemeinderat aufwerfen und siehe, mit dem Verderben des Judentums Hand in Hand gehen stolz einher die Begutachtungen fortschrittlich sein wollender Rabbiner, die dahin lauten, daß die rituelle Schlachtung wirklich als unmodern und überflüssig abgeschafft werden kann. Und als drittes Glied eines Triumvirats von Reformen hörten wir in unserem Fachblatt jüngst den Ausspruch eines Fachmannes aus Deutschland: es Zäbe keine hebräische Musik! Untersuchen wir einmal den ersten Fall, die Ausmerzung des hebräischen Wortes aus Schule, Haus und Tempel. Die hebräische Sprache heißt Loschon hakodesch, sie ist eine heilige Sprache, und da Gott durch Moses im 3. Buch, 19. Kap. verkünden läßt: „Mein Heiligtum ehrfürchtet," so Ist alles, was zu diesem Heiligtum gehört, also auch die heilige Sprache, damit gemeint, und den Frevlern ist von Gottes- und Rechtswegen ein „Hände weg!" zuzurufen. Und was die Schönheit der hebräischen Sprache betrifft, so braucht man sich nur in die Schriften Herders zu vertiefen. Auch ein alter Musiktheoretiker, namens Gottfried Fink, hat vor fast einem Jahrhundert in seiner Klavier- und Gefangschule der hebräischen Sprache als textlicher Unterlage zum Gesänge gedacht und dieselbe als ..höchst malerisch und erhaben" bezeichnet. Also, ein Nichtjude tritt für die hebräische Sprache als Gesangssprache -ein. Wenn sich nun unsere jüdischen Lehrer darüber empören, daß gewissenlose Streber sich als Reformatoren ausspielen, so ist dies ganz begreiflich, denn wo läßt sich eine dankbarere Aufgabe denken, als wenn Schule und Gotteshaus sich in der Pflege der heiligen Sprache ergänzen? Und so wie die israelitischen Lehrer hier als treue Wächter Wacht halten, so sind c§ andererseits die ehrwürdigen, von ihrem hohen Beruf ganz -erfüllten Herren Rabbiner, welche die rituelle Schlachtung bis -aufs äußerste zu verteidigen wissen werden. Nun kommt der dritte Faktor in Betracht. Er ist das Um und Auf unserer lieben Fachgenoffen. Es wurde ja schon zu oft darauf hingewiesen, daß es keine geschichtlich ausgezeichneten Beweise für ein Vorhandensein einer hebräischen Musik gibt, d. h. wenn man das Wort „Munk" hier als ein harmonisches Kunstprodukt auffaffeu will; um so bemerkenswerter und merkivürdiger erscheint uns aber dieses von Geschlecht zu Geschlecht überkommene Produkt als homophoner oder Einzelgesang. Und ist der Einzelgesang nicht Musik? Ist ja die Singstimme die Grundlage, der Urbegriff jeder Musik. Demnach existiert in Wirklichkeit eine althebrüische Musik und das ganze Chasonus, wenn es nicht mit Absicht verkorrumpiert wird, gilt uns ebenfalls als ein heiliges Vermächtnis, welches wieder von den jüdischen Kantoren als solches bewacht und bewahrt werden muß. Wir sehen also, daß alle Vertreter im Innern des israelitischen Kultus zu tun haben, um Talmireformen abzuwehren, und nur diejenigen unter ihnen, welche in der Tradition ausgewachsen sind und Gefühl für Religion haben, werden auch den Mut besitzen, solche gefährliche Ausfälle abzuschlagen und sich vereint gegen den inneren Feind zu rüsten, damit der äußere keine Gelegenheit finde, an das Judentum sich heranzuwagen. Was wir ererbt von unseren Vätern, wollen wir treu bewahren und verteidigen. Jungbunzlau, im Jänner 1905. B. 8. f)uM’ilntioneti des 4err.-ung.$utitoren~leranes. Die p. T. Vereinsmitglieder werden hiemit ersucht, den Pflichtbeitrag per Ar. 2 für den berufsunfähig ge» wordenen Kollegen H. £ ö w y, Neunkirchen, umgehend an den Vereinskassier, Oberkantor Nk. 5 df o r r, II., Ob. Donaustraße H7. einzusenden. Gleichzeitig ergeht an sämtliche Vereinsmitglieder die Bitte, die rückständigen und laufenden Nkitgliederbeiträge (2 Kronen pro Quartal) an den Vereinskassier einzuschicken. Konkurs. In der israelitischen Kultusgemeinde Baden bei Wien kommt bis zum 15. März 1. J. die Stelle eines Bassisten ledigen Standes, zur Besetzung. Derselbe muss eine kräftige Basstimme haben und ausreichende musikalische Kenntnisse besitzen, um das Chor dirigieren zu können. Zugleich muss der Offerierende befähigt sein, im Bedarfsfälle die Funktion eines rnan bvi »»-i x*np auszuüben. Verlangt werden Zeugnisse über musikalische Fähigkeiten und bisheriges Wirken, wie solche von autoritativer Seite über das sittliche und moralische Leben des Ansuchenden. Gehalt nach Uebereinkommen. Auch werden daselbst zwei Knaben, ein Altist und ein Sopran, gesucht. Dieselben müssen schöne Stimme besitzen, und dürfen das 12. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Gehalt per Knabe K 200 jährlich nebst Kost, Quartier, Kleidung und Schulbesorgung. Offerte, bis zum 15. Februar 1905 einzureichen, sind an Herrn Oberkantor M. Seifert, Bahngasse 15, zu richten. Baden, 16. Jänner 1905. Konkurs. Bei dem israelitischen Bethausverein in Orlau (Oest.- Schlesien) gelangt die Stelle eines Kantors, der zugleich Religionslehrer, Schochet und Koreh ist, vom 1. Mai 1. J. zur Besetzung. Mit diesem Posten ist ein Jahresgehalt von 1500 K nebst 20% Wohnungsbeitrag und Nebeneinkommen verbunden. Bewerber wollen bis längstens 15. Februar 1. J. an den gefertigten Obmann ihre Offerte mit Zeugnisabschriften, des Geburts-, Familien-und Bildungsnachweises einsenden. Den zum Probevortrage Zugelassenen werden die Reisespesen vergütet. Der Obmann Salomoit Blumenthal.

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