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Die Wahrheit · 1905-01-20 · Heft 3 (20.1.1905) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 3 (20.1.1905)
Date
1905-01-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 3. Die Wahrheit. Seite 7. :Selbstverherrlichung sie mit Moses, so erhabenen Lehren und j Satzungen mißverständlich umspringen und mit denselben unbewußt, aber oft auch bewußt, greulichen Humbug treiben. Wie auf sie gemünzt klingt der Psalmvers : Isch baar lo jedoh, uch’sil lo jowin es sos! Wer Verständnis bar, kann der's ahnen?! Und der Toren Schar, kann's die mahnen?! Und wo Interesse gar. nützt da mahnen?! Zum richtigen Verständnis und Erfassen des geistigen Inhaltes unserer Bibel ist aber die Voraussetzung jener Momente unerläßlich, unter welchen unsere Bibel entstanden, und richtig! .die damalige Verfassung Israels kennen zu lernen, für welches! sie Moses niedergeschrieben. : Vor mehr denn 3000 Jahren, als in Egypten und bei i den andern Völkern noch der krasseste, ausschweifendste Götzen- und Opferkult in vollster Blüte stand, so zwar, daß nebst anderen Greueln, Menschenopfer als höchste Potenz der Gottesverehrung glorifiziert wurde, unternahm und verstand es Moses, das wahrhaft gigantische Werk zu vollbringen: ein Volk, das eben in diesem Egypten durch Jahrhunderte in zielbewußt grausamster Sklaverei gehalten wurde, für die höchsten, erhabensten Ideen und Ideale menschlichen Denkens empfänglich zu machen, dafür zu erwärmen, zu begeistern. Mußte da nicht unter solchen Umständen Moses hoher, umfassender, weitschauender Geist alles auf das Gelingen eines großangelegten, edlen Planes setzen, selbst auf die Gefahr von Konzessionen, die gegen seine eigene Ueberzeugung waren?! Und wie richtig sein Denken und seine Maßnahmen waren, das beweisen aufs eklatanteste die Folgen, welche seine Lehren und sein Wirken gezeitigt, so wie der Einfluß, den die Bibel j gewonnen und bis heute sich noch zu bewahren weiß. Und so! wie die Bibel der Ausgangspunkt war der heutigen allgemeinen Aufklärung. Kultur und Zivilisation, die uns mit Stolz, Genugtuung und Selbstbewußtsein erfüllen, so wird man auch bei fortschreitender Entwicklung der Zivilisation und Aufklärung allmählig aus unsere Bibel zurückgreifen; deun successive wird man doch inne werden, welch hoher, sittlicher, überlegen geistiger Ernst und weitblickende Voraussicht in ihr obwaltet und Alles und Jedes durchgeistigt ist, fern von jeder selbstsüchtigen Tendenz, fern von jeder Gleißnerei, Sentimentalität, Bevormundung und Ueberhebung; endlich fern von allen Mysterien und Dogmen, welch letztere Moses individuell und prinzipiell perhorreszierte, weil solche mit der übersinnlichen Gottesidee kontrastieren, welche jedoch sein ganzes Denken und Streben absorbierte. HI. Das bereits aus der Schöpfung hervorgegangene Gebot der Heiligung des Sabbaths ist, als erstes Gebot, der eigentliche Beginn der Gesetzgebung Moses. Dieses erste Gebot eines allgemeinen, vollständigen Ruhetages zur körperlichen Erholung Aller: Herr, Diener, Herrin, Magd, Sklave, Tier rc., so wie zur geistigen Erholung der Menschen von dem Alltagleben und zur Erhebung über dasselbe, zu Höherem, Idealem bildet gleichsam die Manifestation und Deklaration der Prinzipien und Intentionen unserer Bibel, aus welchen alle ihre Lehren und Satzungen hervorgingen. Dieses eine Gebot, eigentlich Verbot der übermäßigen Ausnützung der Kräfte, involviert alle Merkmale der vollsten Freiheit, sowie das Prinzip sozialer, humaner, sanitärer und ökonomischer Fürsorge für Alle ohne Unterschied. Wir entnehmen auch aus demselben das Bestreben der kulturellen und ethischen Entwicklung und der geistigen Anregung Aller zum selbständigen Denken, Forschen und Streben nach Wahrheit und Erkenntnis des Hehren bis zur Ueberzeugung. Um seine Brüder für die Sabbathfeier besonders stark zu erwärmen und zur strengen Einhaltung derselben anzueifern, machte sie Moses auf ihre egyptische Sklaverei aufmerksam, in der sie jeder Erholung sowohl, als jeder geistigen Erhebung beraubt waren — geistig und körperlich verkümmerten und der Apathie, der Verzweiflung anheimgegeben wurden. Er erinnerte ffie an die Antwort Pharaos, vor dem sie den Wunsch nach einer kurzen Erholung und religiösen Erhebung äußerten, und dieser sie mit vehementer Schroffheit und Animosität aufs verletzendste abwies und zurief: »Lässig, müßig seid ihr; darum sprechet ihr: Wir wollen gehen, dem Ewigen opfern!" Mit vernichtender Strenge und Ankündigung verschärfter drückendster Maßnahmen und mit tyrannischer Frivolität fügte er hinzu: „Und nun geht, arbeitet! und Stroh wird euch nicht gegeben; die Zahl der Ziegel aber müßt ihr dennoch, wie bisher, liefern! ' (II. M. 5, 17.) Mit dem Hinweise erhoffte Moses, daß seine Brüder, eingedenk ihres einstigen grausamen schmachvollen Schicksals, wohl zum Bewußtsein der Wohltat und des eminent erziehlichen Momentes der Sabbathruhe kommen würden und die strengste unverbrüchlichste Beobachtung und Betätigung derselben aufs eifrigste anstreben werden. Gerade wegen dieser hohen und vielseitigen Bedeutung der Sabbathruhe ist derselben in uuserer Bibel so oft und so nachdrücklichst Erwähnung getan und aufs strengste und eindringlichste, ja sogar mit Androhung der Todesstrafe eingeschärst worden. (S. I. M. 2, 1; H. M. 20, 8-11; II. M. 31, 12—17; V. M. 5, 12—15.) Und aus all diesen Vorschriften ersehen wir, daß das der Sabbathruhe und -Heiligung zu Grunde liegende Prinzip dahin zielt, ein nach allen Richtungen wahrhaft freies und kulturell entwickeltes Volk zu schaffen, ein Ziel, das Moses stets vorschwebte und das er mit dem Einsätze seiner ganzen gewaltigen Persönlichkeit unentwegt anstrebte. Diesem Sabbathtage reiht sich ergänzend an: das von Knechtschaft erlösende und dem Fruchtboden durch das Brachliegen neue Kraft bringende, jedes siebente Jahr wiederkehrende Sabbathjahr und diesem wieder jedes fünfzigste wiederkehrende allgemeine Befreiungs- oder Jobeljahr. Welche Fürsorge Moses der dienenden Klasse, als der geringsten im Volke, gewidmet hat, geht daraus hervor, daß er seine Befreiungsgesetze, denen er so viel Wichtigkeit beilegte, an die Spitze der Zivilgesetze stellte, die er nun seinen Brüdern mitteilte, nachdem er ihnen die zehn Gebote als Grundgesetze verkündet hatte. II. M. 21, 1—2: »Und dies sind die Rechte, die du den Kindern Israels vorlegen sollst: Wenn dein Bruder sich dir als Knecht verkauft, so soll er sechs Jahre dienen, aber im siebenten soll er ausgehen zur Freiheit umsonst" u. s. w. In noch humanerer Weise hat Moses für die in Knechtschaft sich befindenden weiblichen Geschlechtes vorgesorgt. (Ebendaselbst.) Aber nicht nur der Mensch, sondern auch der fruchttragende Boden, ja das ganze Land, Alle und Alles sollte der Ruhe und Erholung teilhaftig werden. HL M. 25, 1: »Der Ewige redete zu Moses und sprach: „Rede zu den Kindern Israels und sprich zu ihnen: Wenn ihr in das Land kommt, das Ich euch gebe, so soll das Land eine Ruhe halten dem Ewigen zu Ehren, daß Er alleiniger Herr deines Landes sei. — Sechs Jahre besäe dein Feld und sechs Jahre beschneide deinen Weinberg und sammle seinen Ertrag ein; aber im siebenten Jahre sei eine hohe Ruhe für das Land, eine Ruhe dem Ewigen: da sollt du nicht besäen dein Feld und deinen Weinberg nicht beschneiden, den Nachwuchs deiner Ernte sollst du nicht einernten und die Trauben deines unbeschnittenen Weinstockes nicht lesen — ein Ruhejahr sei für das Land!" »Und zähle dir sieben Ruhejahre, sieben Jahre siebenmal, so daß dir sei die Zeit der sieben Ruhejahre neunundvierzig Jahre; dann lasse ergehen Posaunenschall im siebenten Monat am zehnten des Monates; am Bersöhnungstage sollt ihr lassen ergehen den Posaunenschall durch euer ganzes Land. Und heiligt das fünfzigste Jahr und rufet Freiheit aus im Lande allen seinen Bewohnern; ein ..Jobel" soll dasselbe euch sein: da kehret ihr zurück jeder zu seinem Eigentume und jeder soll zu seinem Geschlechte zurückkehren" rc. bis Vers 55 ds. Und so wie die Sabbathe und das Jobeljahr die edelsten und rationellsten Motive zur Basis haben, in demselben Sinne

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