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Die Wahrheit · 1905-01-13 · Heft 2 (13.1.1905) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1905
Issue
Heft 2 (13.1.1905)
Date
1905-01-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Im Interesse der Erhaltung des Fachblattes werden die geehrten Herren Cantoren dringend ersucht, das Abonnement umgehend einznsenden nnd auch an den Begleich der Rückstände zu denken. Die Administration Zur Kantoralen Organisation. Es wird wohl von niemandem bestritten werden können, daß die kantorale Organisation in Oesterreich-Ungarn zum ersten Male mit dem Erscheinen der Oesterr.-nngar. Cantoren-Zeitung angeregt wurde und erst durch die Gründung des Oesterr.-nngar. Cantoren-Bereines lebendige Gestalt erhielt. Mehr als zwei Jahrzehnte sind seit diesem Zeitpunkte dahingegangen, und wenn wir die einzelnen Phasen der Entwicklung verfolgen, werden wir zu der Erkenntnis gelangen müssen, daß in erster Linie der Mangel an Solidaritätsgesühl unter den Kantoren Oesterreich- Ungarns der größte Feind ihrer beruflichen Organisation gewesen ist. Trotz der gleichen Verhältnisse hüben und drüben, trotz der gleichen Leiden und Uebelstände, ist immer, statt das Einigende zu suchen, das Trennende hervorgeholt und durch das Festhalten unbegründeter und schädlicher Sonderstandpunkte der Zusammenschluß der Bernfsgenossenschast verhindert worden. So ist es zu Zeiten des seligen Friedmann gewesen, der im Gebiete der ungarischen Krone andere Wege gehen zu müssen glaubte und mir seiner gewiß wohlgemeinten aber unzweckmäßig angelegten Aktion Schiffbruch litt, und so wiederholt es sich auch jetzt, da neuerdings im ..Palyazat" eine besondere Organisation der ungarischen Kantoren angeregt wird. Wir haben unzählige Male auf die Gemeinsamkeit der Interessen der österreichischen und ungarischen Kollegen, die abgesehen von der wirtschaftlichen nnd politischen Verbindung der beiden Teile der Monarchie, in dem steten Wechsel zwischen hüben und drüben bedingt ist, hingewiesen, so daß wir füglich hierüber nicht weitere Worte verlieren sollten. Aber da immer wieder von der Verschiedenartigkeit der Gesetze und dergleichen Dingen gefaselt wird, können wir es doch nicht unterlassen zu konstatieren, daß seit dem Bestände des österr.-ungar. Vereines ebensoviel ungarische als österreichische Kantoren die Wohltaten des Vereines, oder sagen wir besser, die Rechte der Mitgliederschaft in Anspruch genommen haben. Und wenn das Vergangene schon vergessen sein sollte, dann wollen wir ein lehrreiches Exempel aus der jüngsten Zeit anführen. Ein ungarischer Kollege wurde durch die Chikanen eines Gemeindegewaltigen auf Knall und Fall seiner Stellung verlustig. Hat ihn die Grenze an der Leitha gehindert, sich an den Oesterr.-nngar. Cantoren- Verein zu wenden? Nein! Er kam nach Wien, und feine Kollegen hier haben ihm unter Mitwirkung des Oesterr.-nngar. Cantoren-Vereines die Mittel geboten, um seiner Notlage zu steuern und eine neue Existenz zu erlangen. Derartige Fülle sprechen beredter und deutlicher als spaltenlange Artikel und sie sollten eine ernste Warnung sein, den Zusammenschluß der Kantoren Oesterreich-Ungarns nicht durch staatsrechtliche Spitzfindigkeiten zu stören. Der Oesterr.-nngar. Cantoren-Verein wird sich Niemandem aufdrängen. Unbeirrt um persönliche und nationale Eifersüchteleien geht er seine Wege weiter, zum Wohle der gesamten Bernfsgenossenschaft, aber er wird niemals die Hoffnung aufgeben, daß nur Einigkeit zum Ziele führt und daß endlich einmal diese Erkenntnis bei allen einsichtigen Kollegen als das wahre Heil aufdämmern wird. Dllöki^litionell lieg öfterr-iing.Runioreil-OemneZ. Herr Oberkantor Leon Kartschmaroff hat anläßlich seines 40jährigen Amtsjubilüums dem österr.-ungar. Kantoren-Verein eine Spende von L 100.— zugewendet, wofür ihm der Dank des Vereinsvorstandes votiert wurde. * Die geehrten Kollegen werden dringendst ersucht, die ihnen zugesandten Sammelbögen in ihren Gemeinden zirkulieren zu lassen und das Ergebnis ihrer Sammlungen an den Vereinskassier, Herrn Oberkantor UI. Schorr, U)ien, II., Obere Donaustraße 47. zu senden. Der Vereinsvorstand. Aufruf! In keinem Bezirke Wiens ist die jüdische Bevölkerung so rapid angewachfen. wie in der Brigiltenan, denn während vor 15 Jahren kaum einige hundert Juden hier wohnten, ist die Zahl derselben während dieser Zeit auf beinahe 15.000 gestiegen. Die billigeren und bequemeren Wohnungs- und Mietverhältnisse haben diesen Zuzug bewirkt, und kein Wunder, daß die größte Zahl der Eingewanderten der armen und ärmsten Menschenklasse angehört. Die schlechten Erwerbsverhälruisse der zumeist aus armen Hausierern bestehenden Juden und die unter ihnen vorkommenden Notfälle haben es bewirkt, daß eine Anzahl den besseren Stünden angehöriger Glaubensgenossen vor ungefähr 10 Jahren einen Wohltätigkeitsverein gründeten, der den Namen „Brigittenauer isr. Unterstützungs-Verein" bis zum heutigen Tage führt und dessen Tendenz es ist, in Not geratene Glaubensgenossen wirksam zu unterstützen. Nur zu oft leider wird an die Leistungsfähigkeit dieses Vereines appelliert, und viele tausend Kronen beträgt die Summe der für Unterstützungen verausgabten Beträge. Es ist kaum möglich, die 9Iot und das Elend der hier zusammengepfercht lebenden Glaubensgenossen nur annähernd zu beschreiben, und fast täglich hat der Verein bei Delogierungen zu intervenieren und zu helfen. Die kolossalen Ansprüche, die an den Verein gestellt werden, überbieten die bescheidenen Einnahmequellen desselben, und der Vorstand des Vereines weiß kein anderes Mittel, als an die große Oeffentlichkeit, an die hochherzigen Gönner und Wohltäter unserer großen Gemeinde heranzutreten und zu bitten, daß ein Jeder, dem es nur irgendwie möglich, für die Aermsten der Armen, für die Enterbten des Glücks, welcher es in unserem Bezirke gar so viele gibt, sein Scherflein beitrage! Für den Vorstand des Brigittenauer isr. Unterstützungs-Vereines: S. D u b, PH. W ei ß, Adolf Schreiber, David P 0 l l a t s ch e k, Kontrollore. Obmann. Schriftführer. Hermann E l t b 0 g e n, Kultusvorsteher. Auf Wunsch stehe ich nicht an, obigen Aufruf aufs wärmste zu befürworten. Dr. E. David, Rabbiner der Israel. Knltusgemeinde Wien II. Gütige Spenden zu senden an denObmann. Herrn Adolf Schreiber, XX. Kluckygaffe 1, welche in den jüdischen Wochenblättern ausgewiesen werden. Danksagung. Wenn ich der übergrossen Zahl Briefe, Telegramme, Grüsse und Wünsche, Adressen und Widmungen, kostbaren und sinnigen Gaben gedenke, mit welchen mich, anlässlich meines 40 jährigen Amtsjubiläums, liebe Freunde und Kollegen von Nah’ und Fern überhäuft haben, so bangt mir bei aller Freudigkeit vor dem Bewustsein der Unmöglichkeit meiner so hochangewachsenen Daukespflicht, wie ich es ja so gerne möchte, unverzüglich nachzukommen. Und so nehme ich denn meine Zuflucht zur Oeffentlichkeit und entrichte Allen und Jedem, die mich mit so wohlwollender Teilnahme und freundlicher Anerkennung geehrt und beglückt haben, aus ganzem Herzen meinen wärmsten und innigsten Dank. N a g y-K a ni zs a, den 2. Jänner 1905. Leon Kartschmaroff.

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