Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1905
- Issue
- Heft 2 (13.1.1905)
- Date
- 1905-01-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2. Gerte 6. Die Wahrheit nicht das erstemal, daß dem neuen Hofrate die Huld des Königs zuteil geworden, denn die wirklich großen Verdienste, die sich Herr v. Jellinek in so überaus reichen! Maße erworben hat, konnten an allerhöchster Stelle nicht unbekannt bleiben >und mußten auch die Anerkennung des gekrönten Königs finden. Hofrat v. Jellinek ist bereits seit Jahrzehnten eine allererste Kraft auf dem Gebiete des vaterländischen Verkehrswesens und wenn man bedenkt, daß er von seinem unvergeßlichen Vater und Amtsvorgänger, dem genialen Begründer der ersten Pester Straßenbahn mit Pferdebetrieb, ein den damaligen Verhältnissen wohl entsprechendes, immerhin aber klein zu nennendes Verkehrsmittel übernommen, und dasselbe mit kundiger r?and nicht nur in eine achtunggebietende Großbahn mit elektrischem Betriebe umgestaltet und diese fort und fort vergrößert und derart ausgestaltet hat, daß sie heute nicht nur das größte derartige Verkehrsmittel Ungarns ist, sondern zu den ersten und besteingerichtetsten, aber auch bestgeleitetsten Straßenbahnen der Welt zählt, so mag man ein Bild bekommen von der hervorragenden Wirksamkeit und den unbestreitbaren Verdiensten des ebenso fachtüchtigen, als schaffensfreudigen Direktionspräsidenten und Generaldirektors der Budapester Straßenbahngesellschaft. Mit dem Wirken bei der großen Straßenbahnunternehmung ist eben die Tätigkeit des Hofrates Jellinek noch lange nicht erschöpft. Der Träger eines so klangvollen Namens, der zu den populärsten Männern des Landes gerechnet wird, kann sich mit der Entfaltung einer einseitigen Tätigkeit nicht begnügen, sein Feuergeist sucht immer weitere Kreise zu erringen und zu durchdringen und so finden wir den Herrn Hofrat auch als Präsidenten der ungarischen Kaufmannshalle an der Spitze der zweitgrößten kaufmännischen Sozietät Ungarns. Wie sehr er diese Körperschaft gehoben und sie zu hohen Ansehen gebracht, darüber ließe sich mehr schreiben, als in den Rahmen dieses Blattes hineingezwängt werden könnte. Tatsache ist's, daß.Hofrat Jellinek „seine" Kaufmannshalle zu einem gewaltigen Faktor auf dem Gebiete des vaterländischen Handels umzuwandeln verstanden hat. Aber auch im Direktionsrate der Pester ungarischen Kommerzialbank, die zu den größten Geldinstituten Oesterreich-Ungarns zählt, begegnen wir dem vortrefflichen Manne und auch da stellt er sein herrliches Wissen und sein bewunderungswürdiges Können in den Dienst der Allgemeinheit. Kehren wir zur Straßenbahn zurück. 'Nicht nur daß diese alle Bezirke Budapests durchquert, hat sie sämtliche Vororte und Sommerftischen mit der Großstadt verbunden. Damit läßt sie sichs jedoch noch lange nicht genügen. Sie rief Vizinalbahnen ins Leben, beteiligte sich an dem Zustandekommen der viel bewunderten Kaiser Franz Josefs-Untergrundbahn, und wenn von alldem die Rede ist, so begegnen wir abermals dem Hofrate Jellinek als dem Urheber all dieser Schöpfungen. Nun begreifen wir, warum Aller Sympathien diesem seltenen Manne zufliegen, und nach tausenden zählen die Ovationen und Gratulationen, die ihm anläßlich der allerhöchsten Auszeichnung zuteil wurden. Die ungarische Kaufmannshalle veranstaltete zu Ehren ihres ausgezeichneten Präsidenten ein Festbankett, dem die Anwesenheit des Handelsministers H i e r o n y m i, des Oberbürgermeisters Markus und der hervorragendsten Vertreter unseres öffentlichen Lebens ein besonderes Lustre verlieh und das eines der glänzendsten war, das je in der Kaufmannshalle gefeiert wurde. In sämtlichen Toasten wurden die großen Verdienste des Hofrates Heinrich v. Jellinek auf dem Gebiete des Handels und Verkehrswesens gewürdigt. Budapest. _ D. H. Spitzer. Aus der Mteuer Kultusgemeiude. In der am 6. Jänner stattgehabten öffentlichen Plenarsitzung des Kultusvorstandes, an welcher auch bereits die neuen Vorstandsmitglieder Architekt Oskar Marmorek, Herr Salo Landau, kaiserl. Rat Leopold Sachs und Med. Dr. Isidor Schnabl teilnahmen, vollzog sich die zu Beginn des Jahres übliche Konstituierung des Vorstandes. Die. beiden verdienstvollen Vizepräsidenten und sämtliche bisherigen Vertreter wurden wiedergewählt und das freigewordene Mandat im Vertreterkollegium Mt Herrn Wilhelm Knffner besetzt. Eine ansehnliche Minorität von Stimmen erhielt Herr Kultusvorsteher Salo Cohn, dessen Wahl gewiß auch in weiteren Kreisen der Gemeiudemitgljeder sympathische Aufnahme gefunden hätte. Im Nachfolgenden der Bericht: Der Vorsitzende begrüßt zum Beginne der neuen Funktionsperiode die bisherigen und die neugewählten Vorstandsmitglieder auf das herzlichste und gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß sich diese Herren mit voller Hingebung dem Dienste der Gemeinde widmen werden. Dann fährt der Redner fort: „Als eine der Hauptaufgaben der Gemeindeverwaltung betrachte ich die Herstellung und Erhaltung des Gleichgewichtes im Gemeindehaushalte. Es ist mir eine Genugtuung, konstatieren zu können, daß derzeit dieses Gleichgewicht in der ordentlichen Gebahrung im großen und ganzen besteht; daran ändert auch nichts der Umstand, daß der Voranschlag für das Jahr 1905 in der laufenden Gebahrung mit einem Fehlbeträge von rund K 44.000.— schließt, weil es voraussichtlich möglich sein wird, dieses Defizit durch Ersparungen in Ausgaben und durch Erhöhung der prälimiuierten Einnahmen zu beseitigen. Wohl aber harrt unser eine Reihe außerordentlicher Aufgaben und Ausgaben. Als eine unabweisliche Notwendigkeit stellt sich die Erledigung der Mikwa-Frage dar. Der derzeitige Zustand der Mikma erfordert in irgend einer Form eine Abhilfe. Eine andere weitreichende Frage ist die Erwerbung von Friedhofsgründen. Wir werden in wenigen Jahren mit dem Belagraume am Zentralfriedhofe zu Ende sein und auch für die westlichen Bezirke, für welche seit der Sperrung des Währinger Friedhofes kein Friedhof mehr besteht, d. h. kein solcher, welcher der Kultusgemeinde gehört oder in deren Verwaltung steht, muß Vorsorge getroffen werden. Von verschiedenen Bethausvereinen werden in mehr oder weniger dringender Form un den Vorstand Ansuchen um Bestellung von Gemeinderabbinern gerichtet. Ich selbst und eine große Anzahl von Vorstandsmitgliedern sind der Anschauung, daß der derzeitige Status der Gemeinderabbiner vollkommen ausreichend, wenn nicht schon zu hoch ist. Dieser Umstand wird dem Vorstande Anlaß zu eingehenden Beratungen geben. Die Schaffung der Bezirkskommissionen hat die Tatsache ergeben, daß die Wünsche und Ansichten derselben mit den Anschauungen der Bethausvorstände und Bethausvereine der betreffenden Bezirke vielfach divergieren. Es wird Aufgabe des Kultusvorstandes sein, in diesem Widerstreite der Meinungen den richtigen Weg zu finden. Die Pflege der Wohltätigkeit nimmt im Gemeindebudget einen breiten Raum ein. Die Vorschriften unserer Religion, die Traditionen unserer Gemeinde bieten Gewähr dafür, daß nach dieser Richtung hin vieles geschieht und auch noch zu geschehen hat. Es darf aber nicht die Kultusgemeinde, welche als solche noch andere große Aufgaben zu erfüllen hat, zu einem Wohltätigkeitsinstitute, zu einer philantropischen Vereinigung gemacht werden. Zur Erfüllung einer großen Aufgabe, welche dem Kultusvorstande bevorsteht, werden die laufenden Einnahmen nicht ausreichen und wird die Gemeinde zu der Ausnützung ihres Kredites greifen müssen, den sie dank ihrer derzeitigen finanziellen Gebahrung genießt. Ich meine hier die Errichtung von Betstätten mit großem Fassungsraume in volkreichen Teilen unserer Gemeinde. Hiebei denke ich nicht an prunkvolle Tempel, sondern an einfache würdige Betstätten, die dem großen, insbesondere an den hohen Feiertagen fühlbaren Bedürfnisse entsprechen und der Errichtung der Privat-Minjanim steuern sollen. Bei diesem Anlasse kann ich nicht umhin, einem langgehegten Herzenswünsche neuerlich Ausdruck zu geben. Ich glaube, daß es geboten wäre, in Wien und zwar in der inneren Stadt einen monumentalen Tempel zu errichten, der die größte Gemeinde des Reiches würdig repräsentiere.