Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1905
- Issue
- Heft 1 (6.1.1905)
- Date
- 1905-01-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3062972-3063265-3063266--03457-3070215- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
N»er;igjiUlrigrs Amtsjnbiliinm. Nagy-Kanizsa im Dezember 1904. Das vierzigjährige Amtsjubiläum unseres verdienstvollen Oberkantors, des Herrn Leon Kartschmaroff, hat sich am 24. und 25. Dezember.in solch erhebender und ehrender Weise abgespielt, daß eme detaillierte Darstellung desselben für den ganzen Kultusbeamtenstand von höchstem Interesse sein dürfte. Die Jubiläumsfeier nahm schon Freitag abends ihren Anfang. Oberkantor Kartschmaroff erschien im Feiertagsornate ln dem vollbeleuchleten, mit Blumen dekorierten Tempel und zelebrierte mit gewohnter Virtuosität den Abendgottesdienst. Samstag vormittags, 10 Uhr, wurde Herr Kartschmaroff von einer Deputation in den Tempel geleitet und zu seinem mit Guirlanden und Blumen reich geschmückten Sitze geführt. Beim Einzuge stimmte der Chor unter Orgelbegleitung den großen Hallelujah an. Der Jubilar wurde als Maftir mit dem vollen Namen “iiirbx -t'-.'ma p nnm n mn wna zur Thora gerufen, worauf der durch erbetene Damen und mehrere Mitglieder des Gesangvereines verstärkte Tempelchor den Psalm Hine borchu exekutierte. Nach Verlesung des Tora-Abschnittes folgte Las Chasak, und Kantor Goldmann rezitierte den von ihm für diese Feier verfaßten Mischeberach. Hierauf exekutierte der 'verstärkte Chor 8e hajom osso adonaj. Herr Kartschmaroff rezitierte sodann mit sichtlicher Rührung einen Mischeberach für Gemeinde und Rabbiner und spendete namhafte Beträge für verschiedene Wohltätigkeitsanstalten. Den Gipfelpunkt der Feier bildete die vom Oberrabbiner Dr. Ed. Neumann gehaltene Festrede. Mit bekannter, meisterhafter Eloquenz sprach derselbe über Harmonie und Musik, würdigte die hervorragenden Verdienste des Jubilars als gottbegeisterten Sängers, der stets auf seiner Warte zur Ehre seines religiösen Berufes stand, und schilderte seinen kunstvollen Gesang, seinen Fleiß, seine Pünktlichkeit, und seine seltene Ausdauer und Berufstreue. Nach der Predigt wurde vom verstärkten Chor der Psalm „Horm ladonai" gesungen, sodann folgte das Muffaphgebet mit der harmoniereichen Lewandowskischen Keduscha. Oberkantor Kartschmaroff, dessen gottbegnadetes Organ nach vierzigjähriger Amtstätigkeit noch wie ehedem in frischer Jugendkraft brilliert, vollführte diesen herrlichen Gottesdienst zur Bewunderung aller feiner Zuhörer. Nicht minder wurde den außerordentlichen, vom Chordirigenten Herrn Moriz Eckstein einstudierten Piecen allgemeine Änerkennnng zuteil. Dankende Erwähnung gebührt auch jenen liebenswürdigen Damen, die zu Ehren des Jubilars beim Gottesdienste mitgewirkt haben. Es waren dies: Frau Adolf Arvai, Frau Dr. Sandor Engel, Frau Armin Fischer, Fräulein Malvine Broch, Margit Blau, Hirfchl Julie, Emma Kohn und Margit Prager. Abends 7 Uhr wurde dem Jubilar vom gesamten Chorpersonale unter Führung des Dirigenten eine Serenade dargebracht, nach -deren Beendigung der Chordirigent und Fräulein Margit Blau dem Jubilar einen Lorbeerkranz überreichten. Am 25., vormittags 11 Uhr, war im Gemeiude-Sitzungssaale eine Festversammlung. Der Jubilar und Familie wurden durch eine Deputation eingeholt und mit lebhaften Eljenrufen empfangen. Der Präses-Stellvertreter, Herr Dr. Jak. Rothschild, hielt mit der ihm eigenen Beredsamkeit eine längere Ansprache, in welcher er die vielen Verdienste des Jubilars anerkannte, mit außerordentlicher Hochschätzung feiner vielverehrten Gattin gedachte und dem Wunsche Ausdruck lieh, daß der Jubilar noch lange, lange zur Freude der Gemeinde und zur Zierde unseres Tempels in Jugendkraft erhalten bleiben möge. Hierauf überreichte er das Ehrengeschenk der Gemeinde, eine prachtvolle, -silberne Jardiniere, mit herrlich ausgestatteter Gratulationsadresse, und brachte zur Kenntnis, daß der Gemeindevorstand als Ausdruck der besonderen Sympathie und Verehrung unter dem Namen „Leo Kartschmaroff Oberkantor" eine namhafte Stiftung gegründet habe, über deren Zinsengenuß dem Jubilar das Verfügungsrecht zur alljährlichen Verteilung zusteht. Herr Dr. Moritz Ollop, Präsident der Chewra Kadischa. würdigte die eminenten Leistungen des Jubilars außer dem Tempel und überreichte von der Chewra-Kadischa Gratulationszuschrift und Geschenk, eine prachtvolle elektrische Lampe mit elegantem Gestell. Frau Sam. Vidor, geb. Gutmann de Gelse, Präsidentin des Frauen- Vereines, gedachte in herzlichen Worten der verschiedenen Funktionen des Jubilars bei Festlichkeiten des Frauen-Bereines in und außer dem Tempel und übergab demselben Gratulations- Adresse und Geschenk, einen großen Silberkorb mit Henkel vom Frauen-Vereine; ferner brachte sie zur Kenntnis, daß der Frauen-Verein den Jubilar als gründendes ewiges Mitglied in den Verein ausgenommen habe. Die Gattin des Herrn Oberrabiners Dr. Ed. Neumann überreichte in Vertretung der Nagy- Kanizsaer Damenwelt nach einer eloquenten Ansprache an den Jubilar eine prachtvoll gebundene Gratulations-Adresse in losen Blättern, gefertigt von hunderten Verehrerinnen mit sinnreichen Widmungsgedichlen, sympathischen Zuschriften, angeregt und gesammelt von einer einstigen Schülerin Frl. Malvine Broch. Unter Führung des Oberrabiners traten nun die Amtskollegen mit Adresse und Geschenk, eine Salonuhr, heran, und zum Schluffe huldigte Herr Schuldirektor Samuel Bun unter Ueberreichuug einer Zuschrift und eines Silbergeschenkes dem Jubilar als Gesangsprofesfvr der Schule. Höchst gerührt dankte Oberkantor Kartschmaroff für die ihm bereiteten Ehrungen und schloß seine tiefempfundenen Worte mit einem Eljen auf Gemeinde und Vaterland. Der Präses-Stellvertreter schloß sodann diese denkwürdige Festsitzung, eine erhebende Feier, wie sie die Nagy- Kanizsaer Gemeinde bisher nicht gesehen hat. Der Löwenanteil an dem Arrangement dieses Huldigungssestes gebührt dem wackeren und verdienstvollen Sekretär der Gemeinde. Herrn Ludwig Barta. Während des ganzen Tages liefen von Nah und Fern Gratulations-Telegramme, Zuschriften, Silber- und Goldgeschenke, Angebinde aller Art und Ehrenbezeugungen ein. Von denjenigen, die ihre Verehrung durch Geschenke bezeugten, seien erwähnt: die Kinder des Jubilars, ferner Baron Wilhelm von Gutmann, Baron Aladar von Gutmann, Wien, Elek de Ujnep, Eben-- spanger Leon, Rosenfeld Adolf, Rosenfeld Jozsef, Dr. Blan Simon, Sommer Sandor, Weiser Josef, Blumenfchein V., Pollak Ede, Milhofer Ödön, Barta Erzsike, Singer Josef, Singer Samuel, Weißmayer Markus, Frau Dr. Szukitsch, Löwe Adolf, Dobrin Benö, Fischer Ignatz, Zerkovitz Lajos, Dr. Lustig, Meran, Weisz L. und F., Frau Schwarz Jda, Broch Malvine und Frau Gutmann Verona. — Durch Adressen und Zuschriften: Der österr.-ungar. Kantoren-Verein in Wien eine kunstvoll kalligraphisch mit symbolischen Emblemen ausgestattete Adresse mit Rahmen aus Mahagoniholz, die internationale Kantorenschule zu Berlin, Philadelphia Society of American Cantors, der mährische Kantoren-Verein, die Gemeinden Triesch, Temesvar und Szegedin, in welchen der Jubilar als Oberkantor amtierte, und andere hervorragende Gemeinden und Rabbiner. Bezüglich der weiteren Gratulationen unterlassen wir, um jede Verletzung zu verhüten, die Erwähnung der vielen nach Hunderten zählenden Namen und genügt es, wenn wir konstatieren, daß beinahe alle Kantoren des In- und Auslandes ihre herzlichen Glückwünsche einsandten. Abends halb 8 Uhr war ein Festbankett im Prachtsaale des Kasinos, an welchen nahezu 200 Personen, Männer und Frauen, die Elite Kanizsas, teilnahmen. So schloß diese denkwürdige Feier, die noch lange, lange in den Gemütern der Gemeindemitglieder fortleben wird, und so hat die altberühmte j Gemeinde Nagy-Kanizsas ihren verdienstvollen Oberkantor > gefeiert. G.. . .