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Die Wahrheit · 1904-12-30 · Heft 51 (30.12.1904) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 51 (30.12.1904)
Date
1904-12-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaktion u. Sldmiiiistratiou: Wien, II/, Novaragasse 27. Telephvil Nr. der Druckerei 15302. Inserate 20 Hell, per Nonpareille-Zeile. Abonneinentsu. Jnsertionsbeträge sind in Wie» zahlbar und klagbar. ^abhängige Heitfchrift für Mische Erscheint jeden Arei 1 ng. Motto : „Das Siegel Uottes ist Wahrheit!** j Vezngsp^eis: j Ganzjährig . . . K. >2.— Halbjährig ... St. Für ClNtnsbeamte: Ganzjährig ... St. io — Für Allvickild: Ganzjährig ... 8 Mark.'! l» Aiubet oder l« Fes. Ur. 51. Wie». 3V. Derembcr_ 1904. Inhalt: Aus der Woche. — Zur Schiller-Zentennarfeier. — Der Geist der Bibel. — Leket Joscher des R. Josef b. Moses. — Der Tod in jüdischer Beleuchtung. — Aus der Vergangenheit und Gegeuwart Ungarisch-Brods. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton. An unsere Leser! Bei dem Ernste der gegenwärtigen Zeiten bedarf das Judentum mehr denn je einer starken und unabhängigen Presse die nicht nur mutvoll und unerschrocken den Kampf nach Nutzen führt, sondern auch im eigenen Lager strenge Wache hält. Von dieser Ueberzeugnng durchdrungen, hat „Die Wahrheit" auch im abgelaufenen Jahre an ihrem Programme, das Interesse für die erhabenen Ziele des Judentums in allen Bevölkerungsschichten zu wecken, festgehalten, und ihr Bestreben wird auch fernerhin darauf gerichtet sein, jüdisches Leben in allen seinen Erscheinungen zu pstegen, die innere Organisation mit allen Kräften zu fördern, die Vorfälle im Gemeindr¬ und Verrinsleben mit mntzvollrr und objektiver Kritik zu beurteilen und dabei gleichzeitig den Kampf nach Nutzen mit Würde und Entschiedenheit zu führen. Diese publizistische Tätigkeit bitten wir durch Nbonnirrung unseres Blattes zu fördern. Abonnements-Bedingungen: Merteljährig Kr. 3—, halbjährig Kr- 6.—, ganzjährig Kr. 12.—. Probenummern stehen zur Verfügung. Die Wsöaktion. Ans der Woche. Man wird der jüdischen Presse das Zeugniß nicht versagen können, daß sie von dem allerdings selbstverständlichen Takt geleitet, die religiösen Feste Andersgläubiger keinerlei Erörterung unterzieht. Das ist, wir wiederholen es: selbverständlich und darf vielleicht nur darum überhaupt erwähnt werden, weil wir seit vielen Jahren mit Empörung sehen, wie die angeblich »christliche" Presse, nämlich die antisemitische, die Festtage der Juden mit höhnischen Glossen begleiten ... Ob dies im Sinne des geltenden Strafgesetzbuches ist, sei hier nicht untersucht. Tatsache ist, daß es noch keinem Staatsanwalt in den Sinn gekommen ist, das „Deutsche Volksblatt" wegen der spöttischen, aufreizend dummen und frechen Bemerkungen anläßlich des Versöhnungstages oder des Pessach-Festes zu konfiszieren. * # Aber es gibt troßdem ein christliches Fest, welches seit vielen Jahren eine Rubrik der jüdischen Presse bildet: es ist das Weihnachtsfest. Wir brauchen wohl nicht erst uns gegen die Vermuthuug zu verwahren, daß es einen Juden einfallen könnte oder würde dieses für jeden Christen von religiösem Sinn, heiliger Pietät, Schönheit und Poesie umflossenen Festes mit einem Worte nahe zu treten. Aber mit wahrer Beschämung und bitterer Demütigung muß immer wieder konstatiert werden, daß auch in zahlreichen jüdischen Häusern der Weihnachtsbaum prangt, der den unverständigen Kindern dank den unverständigen Eltern um zunächst die mildeste Bezeichnung zu wählen die Neigung zum Jesukindlein völlig aufdrängt. Der Weihnachtsbaum in einem jüdischen Hause ist eine ebenso unwürdige als lächerliche und empöreude Erscheinung, er bildet daselbst eine Versündigung an dem jüdischen Gefühle, aber auch im letzten Grunde eine Pietäthlosigkeit gegenüber dem Christentum, dem durch diese Nachäfferei keine Ehre wiederfährt. Niemals ist in einem normal denkenden Christen die Idee aufgeflackert, anläßlich des jüdischen Chanukafestes die„Menorah" anzuzünden; die Juden müßten sich sagen, daß es nur als Entartung bezeichnet werden kann, wenn sie den Weihnachtsdaum annektieren. * Die Betrachtungen und Reflexionen, die alljährlich in der jüdischen Presse über die Pervensität ausgestellt werden, welche der Weihnachtsbaum in einem jüdischen Hause enthüllt, haben vielleicht hie und da eine Wirkung erzielt. Einen durchschlagenden Erfolg haben sie, das konnte in Wien ein Spaziergang durch die Stadt lehren, nicht gehabt. Wenn die aus jüdsschem Empfinden aufsteigenden Worte nicht halfen, so werden vielleicht die satirischen Peitschenhiebe nützen, die auf die sich lächerlich machenden Iudenfamiliey aus diesem Anlasse in der „Abeiterzeitung" niedersausen. Da konnten sie am ersten Weihnachtstag ein Feuilleton lesen welches den Titel führte: „Ein Weihnachtsabend bei Samuel Deutsch" und mit dem Motto geschmückt war: „Mir geb'n einen Weihnachtsabend, Se we?n uns doch das Bergnig'n mach'n"

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