Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 46 (25.11.1904)
- Date
- 1904-11-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ahrHsil Redaktion u. Adininislralion: Wien, 11/, Novaragasse 27. Anakhängige Heikschrift für Mische Telephon Sir. der Druckerei 15302. Ankerten» Inserate 20 Hell, per Nonpareille-Zeile. Erscheint jeden Ireilag. Llbonnemeulsu. Jnsertionsbeträg e sind in Wien zahlbar und klagbar. . Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" Rezugsppeis: Ganzjährig ... ft. 12.— Halbjährig ... ft. 6.— Für Cilltilsbeamte: | «Ganzjährig ... ft. 10 —‘ i| Für AuSlaud: Ganzjährig ....-> Ma rk. 6 :)iubel ober ib Fcs. |tv. 46. Wien, 23. Uovember 1964. Inhalt: Vorstandswahlen in der Wiener Kultusgemeinde. — Die vielgepriesene europähche Kultur. — Aus der Woche. — Aus der Vergangenheit und Gegenwart Ungarisch-Brods. — Verschiedene Nachrichten. Uorstimdsrvahlen in der Wiener Kultnsgemeinde. Das vereinigte Wahlkomitee für die isr. Kultusgemeindewahlen in Wien i904, versendet folgenden Wahlaufruf: Wähler, Glaubensgenossen! Zum viertenmale feit der Wirksamkeit unseres neuen Gemeindestatuts zur Vornahme der gesetzmäßigen Wahlen berufen. mahnen wir Euch, werte Glaubens- und Gesinnungsgenossen, hiermit an die Ausübung Eueres Wahlrechtes, an die Erfüllung Euerer Wahlpflicht. Wir lassen diesen Ruf an Euch ergehen, aus daß durch Euere einheitliche und verläßliche Betätignng und Mitwirkung bei d e r W a h l unser vereinigter Wille zur Geltung komme, die Ehre und den Frieden in unserer Mitte hochzuhalten und unserer großen jüdischen Gemeinde ihren ruhigen Bestand und ihre ausblühende Entwicklung und Entfaltung zn wahren. Um dieses großen Zweckes willen wollen uüd dürfen wir nur solche Mällner in den Kultusvorstand entsenden, welche volle Gewähr leisten, daß sie auf dem Gebiete des jüdischen Kultus und unserer religiösen Bedürfnisse, aus dem Gebiete der Humanität und Schule, der Administ r a t i o n u n d wirtschaftlichen Ordnung, aber auch in allen sich ergebenden Fragen und Belangen zur Hochhaltung und Befestigung der Würde des Judentums, zur Belebung und Kräftigung unseres Stammesbewußtseins ihr Bestes einsetzen und alle Gemeindemitglieder durch das Band der Brüderlichkeit und mittelst Förderung der Schwachen durch die Starken zu vereinigen bemüht sein werden. Was wir überdies an organischen und fortschrittlichen Aenderungen und Besserungen in unserer Gemeinde — systematisch und erfüllbar — derzeit verlangen, haben wir in unserem Programme zum Ausdruck gebracht, ohne hiermit unsere Wünsche und Anforderungen zu erschöpfen. Vieles und Wichtiges kann, dafern man nicht blos der Begehrlichkeil schmeicheln oder nur die Phantasie walten lassen will, lediglich in stufenweisem, geläutertem Fortschritte, Manches nur unter dem Schutze geänderter politischer Verhältnisse angestrebt und erreicht werden, — und dazu zählen wir mit einem Ausblicke in eine kaum ausbleibliche bessere Zukunft ganz besonders eine rechtliche Ausgestaltung der Verfassung der jüdischen Kultusgemeinden in Oesterreich, deren derzeit isolierte Bestände unter einander in einen organischen Zusammenhang gebracht werden sollen, der in einer legalen und legitimen Vertretung der ganzen österreichischen Judenh e i t seine Krönung zu finden hätte. Wähler und Glaubensgenossen! Den Männern, die wir Euch als die geeigneten und berufenen Bewerber um die durch Euch am 27. November d. I. zu verleihenden z e h n M a n d a t e im Kultnsvorstande empfehlen, Männern, die teils schon durch vieljährige Tätigkeit an dieser Stelle erprobt und bewährt sind, teils neu ihre Kräfte in den Dienst der Gemeinde zu stellen bereit sind, diesen Kandidaten, welche unser Programm als Richtschnur für ihr Wirken angenommen haben, gebet einmütig Euere Stimme und verhelfet dadurch unseren uns Allen gemeinsamen Bestrebungen und Prinzipien zu dem wohlverdienten Siege, den wir herbeiwünschen im Interesse unseres großen Gemeinwesens, welches in erster Linie berufen ist, der ideellen und werktätigen Verherrlichung jener nunmehr auch unter dem falschen Scheine der Wissenschaftlichkeit angefeindeten Religion zu dienen, welche durch das unverlierbare Vorrecht geheiliget ist, bereits vor Jahrtausenden der gesammten Menschheit das Gebot der Nächstenliebe, der Gleichheit Aller vor dem Rechte, und die unwandelbaren Gesetze der Moral und Ethik als unveräußerliches und ewig nachwirkendes Besitztum geschaffen und gespendet zu haben. Wahlprogramm. 1. Zur Betreuung und Verwaltung unseres großen jüdischen Gemeinwesens wollen wir nnr solche Märner berufen wissen, deren Charakter, Glaubenstreue, Stammesbewußtsein, Fähigkeiten und Pflichteifer volle Bürgschaft dafür bieten, daß sie gewissenhaft beitragen und Mitwirken werden, das Ansehen und die Stellung unserer Gemeinde innerhalb des Judentums stets zu mehren und zu diesem Behufe auch der religiösen und jüdischen Weiterbildung der nach wach senden Generation ihre nachhaltigste Bemühung zuzuwenden. 2. Wir verlangen und gewärtigen von allen jenen Männern, welche durch das Vertrauen ihrer Brüder als deren