Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 44 (11.11.1904)
- Date
- 1904-11-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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*:l;x Oekerr-Ungar, fahren-Mung. Der Kautoreustand. Von Kantor Armin Wilkowitsch, Elbenschütz. Die Zeit der großen Arbeit für uns Kantoren, die „Jomim noroim", sind vorüber und ich rufe allen meinen lieben Kollegen ein herzliches und kräftiges „Jascher Koach" zu. Sie alle haben ihr Möglichstes zur Verherrlichung des göttlichen Namens getan und durch ihre tiefempfundenen Weisen die frommen Gemeinden zu weihevoller Andacht gestimmt. Ob mit dem Tallis über den Kopf, oder in den seidenen Talar gehüllt, hat jeder sein bestes Können für den heiligen Dienst eingesetzt und selbst das mißgünstigste Mitglied der Gemeinde mußte eingestehen, daß der Kantor im jüdischen Gottesdienst unentbehrlich und sein Beruf ein idealer ist. Damit aber der Kantorenberuf auch in Wirklichkeit ein idealer bleibe, müssen wir alle bestrebt sein, unseren Stand von den ihm anhaftenden Schlacken und Uebeln zu befreien. Der königliche Sänger Salomo singt in seinem „Lied der Lieder": ..Echese lonu schuolim, schuolim k’tanim mecliablim es keromenu; —uchromenu smodor!“ Halten wir Umschau! Kleine, winzige Füchslein sie zerstören unseren Weingarten — und die Reben sind unreif. Ja, kleine, nichtsnutzige Füchslein, Berussschnorrer, die von Gemeinde zu Gemeinde reisen, heißen sich „postenlose Kantoren". Und wer hindert sie in ihrem Tun? Wer kann sie aufsordern, ihre Kantoratsbefähigung vorzulegen? Darf sich doch Kantor heißen, wer nur will! Und so wird der Name „Schnorrer" mit dem Namen „Kantor" identisch, so wird unser idealer Berus herabgezerrt und herabgewürdigt! — Und unsere Reben sind unreif; denn trotz des allgemeinen Fortschritts in allen Kreisen und Berufen ist für unseren Beruf noch blutwenig geschehen und bisher noch kein Modus getroffen worden, um die Handwerkspfuscher aus der Welt zu schaffen. Gäbe es ein Kantoreninstitut, oder dergleichen, das jeder Kantorats-Kanditat absolvieren müßte, um den Kantortitel führen zu dürfen, dann würden sich die Verhältnisse freilich ändern, ja, mit der Zeit gänzlich regeln. Herr Oberkantor Singer - Wien hat in seinem letzten Artikel in diesem Fachblatte manche Wunde bloßgelegt, an welcher unser Stand schwer leidet, und manchen guten Weg gezeigt, den wir zu wandeln hätten. Dafür wird ihm gewiß jeder Berufsgenosse Dank zollen. Jedoch eine seiner Aeußerungen in dem bewußten Artikel hat mich ganz aus dem Geleise gebracht. Ich hätte wohl gewünscht, daß ein anderer Kollege hierüber an dieser Stelle das Wort ergreife, da aber bis nun mein Wunsch unerfüllt blieb, muß ich es tun. Nachdem der hochverehrte Herr Kollege mit scharfen Worten sich gegen die Ausländer gewendet hatte, meinte er, man möge doch trachten, daß keine fremden Elemente unseren Stand überschwemmen."*) Wer sind denn eigentlich die fremden Elemente? Ist nicht der Fremden Partriarch auch in Urkasdim geboren? Hoffentlich wird das Judentum, nach den derben Aufrüttelungen, die es überall erfährt, bald zur Erkenntnis gelangen, daß wir keine Teutonen, Franzosen, Russen rc. sondern, daß wir alle blos Juden sind, Kol Jisroel arewim seh boseh, und ob wir es wollen oder nicht, Juden bleiben müssen. Doch abgesehen von dem Mitleid und Mitgefühl, das wir unfern bedrückten und bedrängten *) Soweit wir die Tendenz des beregten Artikels, verstanden, hat sich Oberkantor Singer in demselben keineswegs gegen die ausländischen Berufsgenossen, auch nicht gegen fremdländische Kantoratseleven, die etwas tüchtiges gelernt haben, gewendet, sondern gegen jene zweifelhaften Elemente, die mangels einer anderen Existenz, ohne jede fachliche und ethische Qualifikation sich in unseren Beruf hineindrängen. Und Leute dieser Sorte, die Herr Kollege Wilkowitsch selbst als Schädlinge und Berufsschnorrer bezeichnet, mit allen Mitteln von uns abschüttcln, ist gewiß im Interesse der Ehre und des Ansehens unseres Standes gelegen. I (Die Red.) i russischen und rumänischen Glaubensgenossen entgegenbringen sollen, muß doch jedermann eingestehen, daß diese Leute, wenn sie auch tausend Mängel und Unmanieren hätten, wenigstens etwas gelernt, von frühester Jugend sich unserem Fache gewidmet haben, und daß die meisten talmudisches, oder wenigstens hebräisches Wissen besitzen, während in deutschen Gauen die Thora nicht gepflegt wird. Wer will hier noch Chasan werden? Wer nicht mehr 'was Klügeres anznfangen weiß. Geraten wir also bei Verfolgung unseres Zieles nicht aus falsche Fährten, sondern suchen wir objektiv und leidenschaftslos nach Mitteln, die uns allen nützen und frommen. Uierzigjiihriges Anrlsjnbiläum. Nagy-Kanizsa, im November 1904. Wir stehen vor einer Feier der Ovation eines unserer ersten Kultusbeamten des Oberkantors, Herrn Leon Kartschmarofs, welcher zufolge seiner künstlerischen Berussfühigkeit als Koryphäe seines Standes anerkannt ist. Mit dem Ablaufe dieses Jahres, beschließt auch Herr Leon Kartschmaroff seine vierzigjährige hierortige Amtstätigkeit, und die Nagy-Kanizsaer Gemeinde rüstet sich, ihrem sich allgemeiner Hochachtung erfreuenden, verdienstvollen Oberkantor eine seine herrlichen Leistungen würdigende Jubiläumsfeier zu bereiten. Es ist bereits ein Festkomitee eingesetzt, welches seine diesbezüglichen Vorschläge dem Gemeinde-Vorstand unterbreiten wird. Das Jubiläum wird am 24. und 25. Dezember stattfinden, und zwar die und Samstag am 24. und, indem die Familie des Jubilanten erst tagsdaraus hier eintrifft, die eigentliche Jubilüums-Ovation, bestehend in einem Separat- Gottesdienst mit Predigt und Gesang — wozu der Regenschori Herr Moritz Eckstein zwei neue Piecen mit den Mitgliedern des Gesangsvereines und mehreren eigens hiezu erbetenen Damen einstudiert, ferner die Festsitzung des Gemeindevorstandes und den Empfang von Deputationen und Gratulationen rc. am 25. Wir enthalten uns über die hohe Bedeutung unseres Jubilanten als -.-tzz rvV», Sänger und Musiker jeder weiteren Anpreisung und überlassen dieses ^gerne der geübteren Feder eines anerkannt Berufeneren des Kantorenvereines, welcher Herrn Leon Kartschmaroff als Fachgenossen und altes Vereinsmitglied wohl zu würdigen wissen wird._ ™ 1 '' des ülteir-iiimiiiuitoieu-'fltTciiies. Die geehrten Kollegen werden dringendst ersucht, die ihnen zugesandten Sammelbögen in ihren Gemeinden zirkulieren zu lassen und das Ergebnis ihrer Sammlungen an den Vereinskassier, Herrn Oberkantor ZU. Schorr, IDieit, II., Obere Donaustraße 47, zu senden. Berichtigung In dem Ausweis der Mitgliederbeitrüge des österr. Ungar. Kantoren-Beremes, der in der vorigen Nummer veröffentlicht wurde, war bei Kantor I. Schönfeld, Tab, irrtümlich 2 ,fti\ statt 4 Kr. ausgewiesen und auch bezüglich der Spenden aus der Gemeinde Tab sei yiemit richtiggestellr, daß dieselben durch Herrn .Kantor Schönfeld, Tab, gesammelt wurden. Der Vereinsvorstand. Die geehrten Herrn Kantoren welche zur Erinnerung an die Centennarfeier Prof. Salomon Sulzers sich im Gruppenbild aufnehmen Hessen, werden höflichst und dringendst ersucht, dasselbe gegen Einsendung von 5 Kronen umgehend in der Redaktion d. Bl. abholen oder beziehen zu wollen. Das Bild, welches auch das Bild Salomon Sulzers enthält ist herrlich ausgeführt und fein ausgestattet. 00960658