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Die Wahrheit · 1904-10-21 · Heft 41 (21.10.1904) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 41 (21.10.1904)
Date
1904-10-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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♦ ♦ Im Interesse der Erhaltung des Fachblattes iverden die geehrten Herren Cantoren dringend ersucht, das Abonnement umgehend einznsenden und auch an den Begleich der Rückstände zu denken. Die Administration Gin bescheidener Inbilar. Budapest, im Oktober 1904. Rabbi Jochanan sprach: Wo immer in den heiligen Schriften von der Größe und Erhabenheit Gottes die Rede ist, dort wird auch dessen Herablassung geschildert, denn wahre Große ist mit Bescheidenheit so unzertrennlich verbunden, daß man sich die eine ohne die andere kaum vorzustellen vermag. Ein Mann, in dem diese Tugenden vereint sind, ist auch unser hochverehrter und allgemein beliebter Oberkantor Jakob Bachmann. Als Kantor gehört er zu jenen Heroen, von denen es im Talmud heißt, daß sie mit den Jahren an Weisheit und Fähigkeiten zunehmen. Schreiber dieser Zeilen war es vergönnt, schon in den siebziger Jahren sich an den Gesangsvorträgen dieses unvergleichlichen Vorbeters zu erbauen und noch jetzt versäumt er keine Gelegenheit, um Jakob Bachmann singen zu hören. Die klangvolle und schöne Tenorstimme, und der gemütvolle echt jüdische Vortrag, welche seinerzeit in Lemberg und in Odessa alle Synagogen- und Tempelbesucher bezauberten, haben sich auch in Budapest bis zum heutigen Tage in glänzendster Weise bewährt und Bachmann hat trotz seines vorgerückten Alters an den vergangenen hohen Feiertagen sowohl im gesanglichen als auch im rezitativen Teil des von ihm versehenen Gottesdienstes mit solcher Bravour fungiert, daß er sein Auditorium wahrhaft begeisterte. Diesem Umstande zufolge wurden Herrn Oberkantor Jakob Bachmann große Ovationen bereitet. Es war auch bereits eine lebhafte Agitation im Zuge, welche den Umstand, daß Bachmann heuer in der Rombach-Synagoge zum zwanzigsten Male an den hohen Feiertagen vorbetete, als Anlaß zur Veranstaltung eines Kantor-Jubiläums seitens der hiesigen Gemeinde benützen wollte. Allein Bachmann ist nicht blos ein Sänger und Vorbeter von Gottes Gnaden, sondern auch ein Talmid Chacham, der in seiner Bescheidenheit sich jede Feierlichkeit verbeten hatte. Er feierte daher nur im Kreise seiner Familie und in der Umgebung seiner intimsten Freunde die zwanzigste Jahreswende seines Kantorates in Budapest. An diese Mitteilung erlaube ich mir den aufrichtigsten Wunsch zu knüpfen, daß es diesem Meister der jüdischen Gesangskunst vergönnt sein möge, nach Ablauf von fünf Jahren sein 25jühriges Kantor-Jubiläum in Budapest im Vollbesitze seiner Kraft und seiner edlen Stimmittel, wie es noch heute Gott sei Dank der Fall ist, zu feiern. Armand Kende. Verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag den 21. d. M. findet im Leopoldstädter Tempel eine Predigt statt. Wien. Die Einschreibungen in Adolf Rotters Hebräischer Sprach- und Bibelschule, HX, Kolonitzgasse 15, fanden den 13. d. M. statt. Der Unterricht begann Montag, 17. Oktober, und ist für Mittellose unentgeltlich. Wien. Der Verein „Xsülus-Huusoriln" hat an den verflossenen hohen Festtagen an vier Stellen, im X, II., IV. und XX. Bezirk, einen unentgeltlichen Gottesdienst für die studierende Jugend und jugendliche Arbeiter.äbgehalten. Insgesamt dürften 450—500 junge Glaubensgenossen, die sonst in Gotteshäusern nirgends unentgeltlichen Einlaß gefunden hätten, Gelegenheit geboten worden sein, an den hohen Festtagen einem feierlichen und erhebenden Gottesdienst beizuwohnen. In jeder dieser Andachtsstätten lagen über 100 vom Vereine beigestellte einheitliche Gebetbücher aus, und Lehrer sowie Ordner, zumeist aus der Mitte des Vorstandes, unterwiesen die Jugend in der Gebetsolge. Um die Erhaltung dieser Institution hat sich in erster Linie der verehrte Vorstand unserer Kultusgemeinde verdient gemacht, welcher der erhöhten Tätigkeit des Vereines Rechnung tragend, die demselben bewilligte Subvention im heurigen Jahre entsprechend erhöhte, und der Sekretariatsadjunkt Herr Julius Braun. Ferner stellten sich noch folgende Herren in den Dienst der guten Sache: die Herren Religionslehrer Herrmann Ascher, Max Rindskops, Wilhelm Toch und I. Oehler, Herr Waisen-Jnspektor und Bürgerschuldirektor Jakob Mautner, die teils in erhebender Weise als Vorbeter fungierten, teils erbauende Predigten hielten. Endlich Herr Leopold Gollerstepper, der, unterstützt von dem Herrn Philipp Weiß und Herrn Sam. Kugel, den festlichen Gottesdienst in Mariahilf leitete. Die Notwendigkeit der Existenz des Vereines „Tefilas Haneorim", welcher vor vier Jahren von dem greisen Obmanne, Herrn Joachim Gollerstepper, mit außerordentlicher Tatkraft lebensfähig gemacht wurde, erhellt deutlich aus dem Umstande, daß der Andrang zu den Gottesdiensten im heurigen Jahre ein sehr bedeutender war, so daß leider sehr vielen Ansuchen nicht entsvrochen werden konnte. Krems ft. b. Donau. Am 9. d. M. fand anläßlich des Ablebens unseres unvergeßlichen Seelsorgers des Herrn Dr. David Weiß in der k. k. Strafanstalt Stein, woselbst der Verblichene 27 Jahre das Seelsorgeramt versehen hat, ein feierlicher Trauergoltesdienst statt. Es muß nebstbei bemerkt werden, daß die jüdischen Sträflinge in der Anstalt eine kleine Gemeinde bilden und ihren Tempelvorsteher wählen. Beim Gottesdienst waren erschienen: Beamte und Ausseher der Anstalt und über Einladung der Vorstand des isr. Kultus gemeinde Krems. Das Bethaus war dicht gefüllt, kein Plätzchen blieb leer. Nach Absingen eines Psalms bestieg der Tempelvorsteher der Strafanstalt die Kanzel und hielt dem verblichenen Seelsorger der Anstalt einen tiefempfundenen Nachruf, welcher aus alle Anwesenden einen mächtigen Eindruck machte. Linz. Freitag, den 14. d. starb hier vom jähen Tode ereilt, Herr Max Bruder, langjähriger Vorstand der Chewra Kadischa und Mitglied der hiesigen isr. Gemeinderepräsentanz. Mit ihm ist ein Mann von hinnen geschieden, der im Judentum der Jetztzeit nicht sobald seinesgleichen finden dürfte. Trotz seiner umfangreichen kaufmännischen Tätigkeit war Max Bruder für alle und alles zu haben. Lag ein Glaubensgenosse krank darnieder, war er stets der Erste, der wie nur je ein geschulter Krankenpfleger Rat und Hilfe zu schaffen wußte; mochte es aus Eigen- oder Vereinskosten gehen, ihm wars gleich; er tat es voll Liebe und mit Umsicht. Und vollends im Sterbezimmer, an der Bahre eines toten Bruders, wie waltete er da seines Amtes! Wohltun im stillen übte er am allerliebsten. Brauch und Sitte des Altjudentums hielt er hoch in Ehren und wo es nur ging, waren sie ihm leitender Grundsatz, mitbestimmend für all sein Tun und Lassen. 27 Jahre stand Max Bruder der hiesigen Chewra Kadischa als Obmann vor und fast ebensolang war er als Mitglied der Linzer isr. Gemeindevorstehung in verschiedenen Fächern» zuletzt als Bau- und Wirtschastsrat tätig, immer und überall gleich Vorzügliches leistend. Für uns Cultusbeamten bekundete der Verblichene reges Interesse. Wo er dabei war, gereichte es uns stets zum Vorteil. In seiner Art wird er kaum jemals zu ersetzen sein. Einen Leichenkondukt von ähnlicher Jmposanz dürste die Linzer Judenschast noch nie gesehen haben. Zu tausenden wallten sie denn auch, Jud und Christ, am Sonntag nachmittags daher, um dem Bolksmann, den ein jäher Tod im 61. Lebensjahre dahingerafft, die letzte Ehre zu erweisen. Den Manen Max Bruders soll auch noch ein Trauergottesdienst in unseren Tempel gewidmet werden. Segen seinem Andenken; er ruhe saust und in Frieden. Sch . . . z Laienbach. Vor den hohen Festtagen verschied hier Herr Selig Glück, der 34 Jahre in der hiesigen Gemeinde als Chasen fungiert hat. Er war ein wahrer Jsch zaddik, ein Talmid Chochom und ein edler, lauterer Charakter, der durch sein menschenfreundliches Wesen sich viele Freunde, auch unter Christen, erworben hat. Das Leichenbegängnis gab Zeugnis von der großen Verehrung, welche der Verblichene in allen Kreisen genoffen hat. Die ganze Gemeinde und viele Mitglieder aus der Umgebung waren anwesend. Oberrabbiner Kraus, die Söhne des Dahingeschiedenen, Herr Emanuel Glück, Rabbiner Dr. Glück aus Schümek, und ein Enkel, der Talmudgelehrte Herr Max Beer, hielten Trauerreden, r/z'-i'yr,, Mähr.-Osträn. Nach dreijähriger Vakanz der hiesigen Oberkantorstelle ist es endlich unserer Gemeinde gelungen, einen mit herrlichen Stimmitteln begabten und versierten Oberkantor in der Person des Herrn Moriz Löwy, der früher in Floridsdorf gewirkt hat, zu aquirieren. An den vergangenen hohen Feiertagen hatten wir auch Gelegenheit, die Keuntniffe und Ausdauer des Herrn Löwy zu bewundern, und können wir unserer Gemeinde-Vertretung zu dieser vortrefflichen Wahl nur bestens gratulieren. Mähr.-Ostrau. (Oderfurt.) Am 30. d. M. findet die Einweihung des neuerbauten Tempels statt. f)umilsntionm des ötecr.-img. Jiuntorm-leranes. An sämtliche Vereinsmitglieder ergeht die Bitte, die rückständigen und lausenden Alitgliederbeiträge (2 Kronen [ pro (Quartal) an den Vereinskassier, Herrn Oberkantor ZIT. Schorr, Alien, II., Obere Donaustraße 47, einzuschicken.

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