Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 36 (9.9.1904)
- Date
- 1904-09-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Overkantor David Kahn. Arad. Zu seinem 70. Geburtstage. Am ersten Tage Roschhaschonoh begeht Oberkantor David Kohn in Arao seinen 70. Geburtstag. Der wackere und rüstige Jubilar der nach vorübergehender Amtierung in mehreren mährischen und ungarischen Gemeinden jetzt schon mehr als vier Jahrzehnte ununterbrochen in einer der hervorragendsten Gemeinden des ungarischen Judentums fungiert und dort im Vereine mit dem feinfühligen Musikdirektor Grünzweig einen Mustergottesdienst geschaffen hat, gehört zu den glänzendsten und bedeutsamsten Vertretern des Kantorentums. In seiner Jugendzeit war es ihm gegönnt, noch den großen Interpreten des jüdischen Traditionsgesanges, zu denen auch sein berühmter Vater „Chonele Chasen" gehörte, zu lauschen, und gleichzeitig auch zu Fußen Meister Sulzers zu sitzen und als einer der ersten seiner Schüler im weiteren Sinne den modernen Synagogengesang in sich aufzunehmen. Durch die harmonische Vereinigung der beiden Richtungen, die er auf dem Wege ernster Studien errang, erlangte er seine große Bedeutsamkeit als Künstler und Kantor, und wenn die glänzendsten Repräsentanten des Kantorenstandes aufgezählt werden, darf auch der Name David Kohn nicht fehlen. In seiner außerordentlichen Bescheidenheit geht der Jubilar gerne allen Ovationen uns dem Wege, aber um so rückhaltsloser wird gewiß die Gemeinde, in welcher er einen so herrlichen Gottesdienst geschaffen, den Jubeltag feiern, und auch die Fachkreise dürfen sich diesen Anlaß nicht entgehen lassen, um David Kohn ihre Verehrung und Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Gilt es doch einen Mann zu feiern, der sein ganzes Leben der heiligen Kunst geweiht, jener Kunst, die den Menschen über alles Irdische erhebt und ihn jeden Schmerz und allen Kummer vergessen macht. Und daß David Kohn ein gottbegnadeter Künstler ist, das beweist sein ganzes Leben und Wirken, das klar wie ein Spiegel vor uns liegt. Er gehört zu jenen Auserlesenen, an deren Wiege sich schon die Musen einfinden, um sie fürs ganze Leben zu ihren Lieblingen zu erkiesen. Und ihm sind sie stets treue Begleiter gewesen, und heute noch am Abende seines Lebens ist der Zauber seiner unverwüstlichen Stimme noch gewaltig und auf den Flügeln seines herrlichen Gesanges führt er noch seine Gemeinde zu weihevoller Andacht. . Bedarf es angesichts dieser Tatsachen noch eines besonderen Hinweises auf die fachliche Bedeutung des Jubilars? Gewiß nicht! Der Name David Kohn ist in den Fachkreisen des Jn- und Auslandes so populär, wie es nur bei demjenigen der Fall sein kann, bei dem Können, Wirken und Leben harmonisch vereint erscheinen. Eine solche harmonische Vereinigung bildet das ideale Lebensprinzip unseres verehrten Jubilars und diese allein schon ist es, welche ihn geradezu als Zierde des Kantorenstandes hinstellt, der ihm für sein Streben und Schaffen herzlichen, innigen Dan! sagt. Möge es dem verehrten Kollegen vergönnt sein, noch viele, viele Jahre jugendstark und geistesfrisch zu wirken und zu schaffen, zu singen und zu sagen — das ist unser Feftgruß zu seinem Jubeltage. Die Dorlesmig ans der Thora. Von Dr. M. H. Friedländer. (Schluß.) Bei Gelegenheit muß bemerkt werden, daß die Palästinenser, die dem Usus des dreijährigen Zyklus huldigten, nicht jährlich, wie dies bei -uns. üblich ist. sondern zu Ende des dritten Jahres, und zwar an jenem Sabbath, an dem der letzte Thora-Abschnitt vorgelesen wurde, das Fest der Gesetzesfreude „Simchat Thoragefeiert haben mochten. Der Ursprung des Simchat-Thorafeftes ist im Midrasch Chasit zu finden. Dort heißt es in Bezug auf den Vers (Melach. 1, 3, 15): mikaan seheonu osin seuda legomro schel Thora. Man vergleiche auch Hagahot Aschen Ende Sukka. Was jedoch die Rangordnung der zur Thora Gerufenen betrifft, so wird schon in der Mischna Gittin 59 gelehrt, daß der Bortritt, den man den Kohanim gewährt, aus den Gesetzen der friedlichen Verkehres erstieße, mipne darke scholamn. Die Schriftgelehrten haben des Friedens wegen angeordnet, daß der Kohen zuerst, dann der Lewi und dann erst Jisroel zur Thora gerufen werde. An Sabbathen und Festtagen, wo mehr Individuen gerufen werden, ist folgende Ordnung getroffen worden: Vorerst soll der Kohen, dann der Lewi, als dritter Schelischi der Parnes, d. h. das religiöse Oberhaupt, zur Thora gerufen werden, dann kommt die Reihe an jene Gelehrten, die die Fähigkeit besitzen, die Rabbinerwürde bekleiden zu können. Dann folgen die Söhne der Rabbiner und dann erst die Synagogenvorsteher (Gittin 60). Dessenungeachtet wurde schon in der talmuoischen Zeit diese Anordnung selbst von hervorragenden Autoritäten völlig ignoriert. So wird im Talmud (Gittin 59) berichtet, daß R. Huna keinen Anstand nahm, an Sabbath- und Festtagen statt des Kohen selber die erste Parascha vorzulesen. Ebenso wird von Rab erzählt, daß er das Prärogativ des Kohen nicht im entferntesten berücksichtigte (Megilla 22). R. Jochanan sagte sogar, daß derjenige Gelehrte, der einem unwissenden Kohen das Prärogativ bei der Thoralektion einräumt, sich eines Vergehens schuldig mache. (Megilla 28.) Auch Maimonides in seinem Mischna-Kommentar zu Gittin, und R. Salomo b. Aderet..Raschba" waren entschiedene Gegner dieser hier erwähnten Rangordnung. Trotz dieser Opponenten, die zu den hervorragendsten jüdischen Geistesheroen des Mittelalters gehörten, hatte diese Rangordnung denn doch feste Wurzel gefaßt, so daß sie noch heute in allen jüdischen Gemeinden berücksichtigt wird. Es pflegt daher nicht selten vorzukommen, daß irgend ein angeblicher Kohen und ein sogenannter Lewi, selbst wenn sie alles religiösen Wissens bar find und außerhalb des Gotteshauses die wichtigsten religiösen Satzungen und Vorschriften verletzen nnd nicht im entferntesten beachten, dem Rabbiner oder einer sonstigen würdigen gelehrten Persönlichkeit bei der Thoralektion vorgezogen werden. Ein Abusus, der gerade mit dem Talmud kollidiert. Auch die Art des Aufrufes erlitt in der nachtalmudischen Zeit eine Veränderung. Während früher gebräuchlich war, jeden, der vor der Thora erscheinen sollte, namentlich anzurufen, schrieb R. Mordechai b. Hillel in seinem Werke (Mordechai zu Gitttn), daß es nicht nötig sei, den Aule gerade beim Namen anzurufen, sondern es kann dies auch mittels eines Zeichens geschehen. Die Benediktionen, die sogenannten Vor- und Nachbrocho, die von dem Aule ..Aufgerufenen" gesprochen werden, werden schon im Talmud (Megilla 32erwähnt. Im Interesse der Erhaltung des Fachblattes werden die geehrten Herren Cantoren dringend ersucht, das Abonnement nmgehend einznsenden und auch an den Begleich der Rückstände zu denken. Die Administration Duöl'i^ationen lieg öüerr.-img.JÜuntoreii-'Deccines. An sämtliche Vereinsmitglieder ergeht die Bitte, die rückständigen und laufenden Alitgliederbeiträge (2 Aronen pro Quartal) au den Vereinskassier, Herrn Oberkantor 7X1. Schon-, Wien, II., Obere Donaustraße ^7, einzuschicken.