Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 24 (17.6.1904)
- Date
- 1904-06-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 11. Nr. 24. Krakau- An Stelle des verstorbenen Kultuspräsidenten Hirsch Landau wurde der bisherige Vizepräsident Max Ehrenpreis zum'Kultuspräsidenten gewählt. Vizepräsident wurde Bernhard Eichhorn. Gyöngyös. General von Schweitzer weilte dieser Tage in unserer Stadt, welche seine Geburtsstadt ist. Er erschien zum Gottesdienste in der Synagoge und besuchte auch den Herrn Oberrabbiuer. Zu Ehren des Herrn Generäls fand ein Bankett statt, bei welchem der Herr Dechant einen Trinkspruch auf den General ausbrachte. Budapest. «Ein jü dis ch er Ko lonis aii ons v erein in U n g a r n.) Die Idee einer systematischen Hilfsaktion zugunsten der aus! ihren Wohnsitzen durch völlige Existenzunmöglichkeit hinausgedrängten! Juden Rußlands, Galiziens und Rumäniens hat nun auch in Ungarn! Wurzel geschlagen. An der Sammlung von Fonds für die Zwecke einer > prompten Abhilfe haben sich ja die ungarischen Juden bekanntlich in rühmlichster Weise beteiligt; aber auch nun, wo es gilt, durch Ankauf von Terrains und Ansiedelung der Emigrantenfamilien an der dauernden und planvollen Lösung des Problems des jüdischen Elends teilzunehmen, wollen sie nicht zurückstehen. Die Erkenntnis, daß auf allen Gruppen der jüdischen Bevölkerung, die nicht selbst zu den Aermsten und Verfolgten gehören, das „nobile officium" lastet, an dem von Baron Edmund Rothschild und Baron Moritz Hirsch inaugurierten Kolonisationswerke nach Kräften mitzuarbeiten, hat sich hier darum langsamer Bahn gebrochen,. weil Ungarn infolge der starken jüdischen Einwanderung gewissermaßen sein eigenes Galizien und Rumänien hat. Gerade dieser Umstand jedoch hat schließlich wesentlich mit dazu beigetragen, die Einsicht in die Notwendigkeit einer auswärtigen Kolonisationsaktion reifen zu lassen. Mehr als anderswo hat man in Ungarn Gelegenheit, sich handgreiflich davon zu überzeugen, daß die Infiltration der jüdischen Emigrantenmassen in die westlichen, liberalen Länder mit erheblicher ansässiger jüdischer Bevölkerung geradezu verhängnisvoll wirkt, indem sie einerseits die Einwanderer dem schwersten Existenzkampf aussetzt, andererseits die Harmonie der einheimischen Juden mit der Landesbevölkerung erschüttert. Die jüdischen Emigranten bringen die jüdische Frage mit sich; sollen nicht alle zivilisierten Staaten von der letzteren angesteckt werden, so müssen die auswanderungsbedürftigen jüdischen Elemente auf leeren oder dünnbevölkerten Gebieten angesiedelt werden, wo sie, weit «mtfernt, die soziale Frage zu verschärfen, neue Kulturarbeit leisten können. Für die Zwecke der jüdischen Kolonisation eignet sich nun ganz besonders der Orient: das! haben die bisherigen Ansiedelungsversuche zur Evidenz dargetan. Diese j Erwägungen haben eine Reihe der einflußreichsten Persönlichkeiten der I jüdischen Gemeinde Budapests veranlaßt, die Gründung eines jüdischen > Kolonisationsvereines in Ungarn ins Auge zu fassen und in einer Ver-! sämmlung, welche Ende Mai stattfand, eingehend zu erörtern. Ein Tele- § gramm der Pariser Zentralleitnng der Kolonisationsvereine, welches sofort beantwortet wurde, hatte die Verbindung mit den gleichstrebenden Organisationen hergestellt. Die dauernde Aufrechthaltung dieser Verbindung wurde von den Mitgliedern der Versammlung als wichtiges Erfordernis bezeichnet. Allgemein machte sich die Ansicht geltend, daß die Mittel eines noch so blühenden Einzelvereines zu gering wären, um auf eigene Hand in gedeihlicher Weise Kolonisation treiben zu können; nur auf dem Wege der Sammlung der Fonds und ihrer gemeinsamen Verwendung durch ein Zentralorgan sei eine rationelle und wirklich bedeutende Aktion durchzuführen. Im weiteren Verlaufe der Diskussion wurde noch eine Reihe anderer leitender Prinzipien für den geplanten Kolonisationsverein festgestellt, u. a., daß er nicht etwa die Auswanderung von Juden aus Ungarn, sondern ausschließlich die Ansiedelung ausländischer Juden zu fördern hätte. Die Versammlung beschloß, sich zunächst betreffs dieser leitenden Ideen der ganzen Kolonisationsaktion mit dem Pariser Zentralkomitee und den Vorständen der übrigen Kolonisationsvereine zu verständigen. Sobald, wie zu erwarten ist, in den allgemeinen Fragen volle Uebereinstimmung festgestellt wird, soll im Herbst an die definitive Gründung des Kolonisationsvereins geschritten werden. Für das rasche Aufblühen und die finanzielle Leistungsfähigkeit der neuen Organisation bieten die Persönlichkeiten, welche derselben ihr Interesse zugewendet haben, vollauf Gewähr. Petersburg. Israelitische Zeitungen teilen mit, daß auf Betreiben des Lord Rothschild in Bälde in London eine Konferenz stattfinden wird, die sich mit der Frage der Besiedelung Ostafrikas durch Juden beschäftigen soll. Angesichts der verstärkten Allswanderung von Juden in verschiedene Gegenden der alten und neuen Welt ist der Gedanke aufgetancht, in St. Petersburg ein Erkundigungsbureau für jüdische Auswanderer ins Leben zu rufen und Filialen desselben in Odessa, Riga und Warschau zu eröffnen. «^uöl'i^ationm des öfterr.-nng.Jluntoceu-leranes. In der Donnerstag, den 9. d. M., stattgehabten Vorstandssitzung wurde der an anderer Stelle dieses Blattes reproduzierte Rechnungs- Ausweis pro 1903 genehmigt und dem Bereinskassier, Oberkantor M. Scharr, für seine außerordentliche Mühewaltung der Dank des Vorstandes votiert. Eingezahlte Mitgliedsbeiräge: B. Singer, Jungbunzlau, K 2; Kornfeld, Wien, K8; Rosenfeld, Pisek, K2; Lagodzinsky, Zwittau, K 2; Guttmann, Wien, K 3; Skolnik, Stanislau, K 4; Baßel, Wien, K 4; Löwy, Neunkirchen, K 4; Tauber, Wien, Nachtrag vom April, K 8. Eingang der Sammlungen: durch Kollegen M. Friedl, Klosterneuburg, K 64 70; durch Kollegen A. Zuckermandel, Tabor, K 11; durch Kollegen I. Skolnik, Stanislau, K 14. Indem wir den geehrten Herren Spendern, sowie den geehrten Herren Kollegen, welche dieselben vermittelten, herzlichen Dank sagen, bitten wir auch die übrigen Herren Kollegen, welche noch im Besitze von Sammelbögen sind, von denselben baldigst Gebrauch machen zu wollen und das Ergebnis der Sammlung an den Bereinskassier Herrn Oberkantor M. Schorr, Wien, II., Obere Donaustraße 47, einzusenden. Der Vorstand. Rechmmgs Ausweis des österreichisch-ungarischen Kantoren-Bereines für das Jahr 1903. , Einnahmen K h Ausgaben j K h Kassa-Saldo vom 81. Dezember 1902 . 397 59 Unterstützungen.1 140 Mitglicderbeiträge.. 799 61 Kanzleiregie und Verwaltungsspesen .J 353 84 Zinsen-Eingang. 500 — Organisationskosten (inkl. K 500.— Remuneration Sekretär); 863 03 Jahresspende aus der Gemeinde Tobitschau. 10 — Gehalt Sekretär und Vereinsdiener (X 320.—, X 40.—) i 360 — Saldo .... 209 67 Kantoren-Zeitung.! 200 — 1916 87 1916 87 ü 1 Jermögensstand am 31. Aezemöer 1903. Nominale 4 2 Perz. Einheitliche Notenrente. 3 Stück ä, 2000 K, 31 Stück ä 200 K.K 12200.— 4 „ fing. Theißlose, S. 0131, Nr. 38; S. 0699, Nr. 75; S. 4255, Rr. 16.„ 600.- 5 „ r/z 1860er Los, S. 17776, Nr. 13 .. 200.— 4 „ fing. Hypothekenbank-Lose, S. 1028, Nr. 65; S. 1802, Nr. 31; S. 1014, Nr. 65; S. 1522, Nr. 55.„ 800 — Gewinnstschein vom ung. Hypothekenbank-Los.. — „ „ Bodenkredit-Los, I. Emission, S. 1790, Nr. 27.. — 4 „ österr. Kronen-Rente, 5 St. ä 200 K, 1 Stück ä 100 K . . . .. 1100.— Wiener Verkehrs-Anlehen.. „ 2800.— Ab Lastenstand (800 K Bankdarlehen, 209.67 Saldo vom 31. Dezember 1903 Wien, am 31. Dezember 1903. Baarwert K 12175.60 „ 978.- „ 386.- „ 1096.- 1094.50 2807.— K 18650.10 „ 1009.67 K 17640.43 Revidiert und richtig befunden: Filipp Baßel, Ed. Regner. M. Schorr, Kassier.