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Die Wahrheit · 1904-05-27 · Heft 21 (27.5.1904) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 21 (27.5.1904)
Date
1904-05-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Im Interesse der Erhaltung des Fachblattes werden die geehrten Herrn Cantoren dringend ersucht, das Abonnement rrmgehend einzusenden und auch an den Begleich der Rückstände zu denken. Die Administration Instrumentalmusik in der Synagoge. Herr Rabbiner Dr. Stark hat in seinem Artikel „Tempora mutantur" überaus interessante und aus den besten Quellen geschöpfte Berichte gebracht und über die Zulassung der Orgel beim jüdischen Gottesdienste sehr oft das Richtige getroffen. Wenn er hierbei hauptsächlich die Berliner Orgelsrage in den Kreis seiner Betrachtung zog und zu der richtigen Erkenntnis kam, daß die religiösen Gefühle und Empfindungen nicht in allen jüdischen Gemeinden und Kreisen dieselben sind, das; in dieser Hinsicht vieles von Erziehung, Umgebung und Gewohnheit abhängt, so möchte ich diese Anschauung, wenn man d.e Meinung der Herren Rabbiner in Berlin Revue passieren läßt, ans die letzteren selbst angewendet wissen. Besonderen Anhaltspunkt dafür gibt uns die Erklärimg des Herrn Dr. Weisse. Wer ihn kennt und wer da weiß, daß er der Söhn des berühmten Talmudisten Rabbi Josef Weisse s. A. ist, den wird der konservative Standpunkt, den er dabei einnimmt, nicht überraschen. Als ich noch mit dem seligen Rabbiner Dr. Grünwald, dem ausgezeichneten Forscher, dem Mezzofanti der jüdischen Gelehrten, vereint zu fungieren die Ehre hatte, traf es sich öfter, daß ich mit seinem Schwiegervater, Rabbi Jos. Weisse, bei seinen Besuchen hier sehr anregende Stunden genoß. Als er einmal den Sabbat über in unserer-Gemeinde weilte und auch natürlich dem Gottesdienste beiwohnen wollte, ersuchte er mich, daß an diesem Samstag das Orgelspiel unterbleibe. Ich säumte nicht und brachte diesen Wunsch vor, allein der Vorstand wollte von seiner Maxime nicht abgehen, und so mußte Rabbi Josef den Gottesdienst mit Chor und Harmoniumbegleitung über sich ergehen lassen. Nichtsdestoweniger hatte er sich sehr lobend über den weihevollen Gesang ausgesprochen. Mir aber tat es sehr leid, diesem biederen Manne nicht zu Willen sein zu können, besonders weil ich wußte, daß er trotz seines starren Konservatismus sich außerordentlich für den Gesang interessirte. Aber aus der Gewohnheit, den Kantor immer allein vorbeten zu hören, nicht heraus wollend, hat er unsere Gemeinde nicht wieder über Sabbat besucht. Das Gefühl fürs Schöne wußte sich doch immer und zu jeder Zeit in das Herz des Israeliten Bahn zu brechen, die Töne der Königin der Instrumente konnten nicht verhallend und ungehört an seinem Ohre vorüberziehn, und gerade denjenigen, welche sich für die Verherrlichung des Gottesdienstes mittelst dieses Instrumentes eingesetzt haben, gebührt Dank und Anerkennung. Nicht nur, weil durch sie die großen Tempel in den Stand gesetzt wurden, ihren Gottesdienst großartiger zu gestalten, sondern, und das ist die Hauptsache, weil die kleinen Synagogen, woselbst sich das Bedürfnis nach Regelung fühlbar machte, mit Hilfe eines Harmoniums den Gesang heben konnten. Die paar mühsam aufgebrachten Knabenstimmen von einst, die von einem dürftig musikalischen Vorbeter geleitet wurden, haben mit ihren notdürftig einstudierten Liedern, welche barbarisch heruntergeschrien wurden, eher verheerend als andachterregend gewirkt. Um eben dieser Formlosigkeit entgegenzutreten, hat sich sich schon vor mehr als 60 Jahren in Prag der bekannte Verein zur Regelung des Gottesdienstes gebildet, der seine Tätigkeit in die ehemalige Altschule, jetzt Tempel, verlegte und dessen erster Oberkantor nicht Moritz Pereles (der Schwiegersohn des Rabbi Samuel Freund), wie Herr Rabbiner Dr. Stark behauptet, sondern Herr M. Maier war, der vereint mit Franz Skraup^), dem berühmten Komvonisten des böhmischen Volksliedes „Wo ist mein Vaterhaus", als Chordirektor Münnerchor mit Orgelbegleitung einsührte. Das war zu einer Zeit, wo noch in Prag die großen Talmüdisten und Juristen M. I. Landau, Wolfgang Wesely, Peter Beer maßgebend waren, und keiner hatte sich gegen diese Reform erhoben, denn über dem ganzen schwebte der Geist Michael Sachs', des großen Kanzelredners, der heute noch unerreicht dasteht und in Prag im Gedächtnisse seiner Zeitgenossen wie auch der späteren Geschlechter unvergeßlich bleiben wird. Jungbunzlau, im Mai 1904. B. Singer. lieber die Richtung beim Gebete."* **)) In einer der letzten Nummern unseres geschätzten Fachblattes, hat ein Herr P. unter der Chiffre P. b. P. meine Ansichten bezüglich der wi-np-Frage des Herrn Dr. Kahan zu paralisieren versucht, wofür ich ihm eigentlich sehr dankbar bin, da mir hierdurch Gelegenheit geboten wurde, meine in Nr. 15 angeführte Antwort, als tatsächlich eingehendst durchforscht, zu beweisen. Hinsichtlich der Frage I, beehre ich mich Herrit P. mitzuteilen, daß von der Hauptstadt an der Newa bis zum Bosvorus, welcher Erdstrich mit dem Gros der Judenschaft besiedelt ist, der rrrp in den a-na mit nren ar begonnen wird. Daß der anao Herrn P. unbekannt war, ist verzeihlich, aber ein anderes ist mir unbegreifiich. Herr P. führt nämlich den Rambam ©*n Absch. 29 Hai. 2 an, um zu dokumentieren, daß die früheren, a'paia den ibai beim Kiddusch gar nicht kannten, . währenddessen auf derselben Seite Hal. 7 der Rambam den j ■toi, als längst bekannten ai:a anführt, u. zw. wie folgt:? "ci iba'i "12 r6nm rrnpb brriD' baa sji®2 :n:ai Auch die Anführung des rriK mit den a-mis ist eine sehr irrrige Konklusion. und verweise ich diesbezüglich Herrn P. auf den njcs'a zum aa-ai zur selben Handlung. Ueberdies widerspricht sich Herr P. selbst mit der Frage I, wo er dann ausführt: „hierzu sei noch bemerkt, daß wohl der Kiddusch mit >L'L?.i ai> begonnen wird." Die Frage II, ist eigentlich gar keine Frage, da es doch selbstverständlich ist, daß man bei einer an die Gemeinde gerichteten Erläuterung, wie z. B. die der Sabbatweihe, sich der Gemeinde mit dem Gesichte zuznwenden hat, wie es die Prediger, Lehrer rc. tun. Aber ich werde Herrn P. noch einige religiöse Zeremonien anführen, bei denen sich der Vorbeter der Gemeinde mit dem Gesichte zuwendet, so bei der 7612.1 , beim Vin-i Verkünden und insbesondere beim Thoravorlesen „nach altem Ritus," wo sogar der „Balemer" in der Mitte des Tempels stand und der Vorbeter, oder Kore mit dem Gesichte der ganzen Gemeinde zugewendet, vortrug. I. Sagher -Kanitz. *) Feuilleton, „Gemeindezeitung", 1891, Nr. 18: Die beiden Skraup, von B. Singer. **) In Folge Raummangels verspätet Die Red. Dum'i^aiionen des ölterr.-img.Üuntorailiemties. Die geehrten Kollegen werden dringendst ersucht, die ihnen zugesandten Sammelbögen in ihren Gemeinden zirkulieren zu lassen und das Ergebnis ihrer Sammlungen an den Vereinskassier, Herrn Oberkantor AI. Schorr, lVien II., Obere Donaustraße 47, zu senden. Gleichzeitig ergeht an sämtliche Vereinsmitglieder die Bitte, die rückständigen und laufenden Alitgliederbeiträge (2 Kronen pro Quartal) an den Vereinskassier einzuschicken. Der Vereinsvorstand.

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