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Die Wahrheit · 1904-05-20 · Heft 20 (20.5.1904) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 20 (20.5.1904)
Date
1904-05-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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©eite: 10. Nr, 20. Die Wahrheit Gemütes, zur. Erbauung : des Hörers. Dies-kann nur durch einen einfachen, der Schnörkel und Zieraten entkleideten Gesang erreicht werden, "wie '..dies auf anderem Gebiete der bekannte Erlaß des neuenPapstes durchzusetzen bestimmt ist. Die Rouladen, Koloraturen, Läufe und Triller mögen , für andere musikalische Veranstaltungengespart bleiben; in den Vorträgen Sülze rascher Gesänge werden sie besser vermieden. Eine klassische Bestätigung dieser Wahrheit ward, am Festabend selbst geboten, als ein Solist die Wirkung - seines gelungenen Vortrages durch einen gelungenen, aber nicht hineinpassenden Mordent verunstaltete. Nur mit Bedauern ließ sich aus dem Mißgriff erkennen, - wie wenig der sonst sehr befähigte Sänger es vermochte, die eigentliche Bedeutung der betreffenden Gesangstelle zu erfassen. Es wird emsiger Restaurationsarbeiten und strenger Selbstzucht bedürfen, um dem seit Sulzer's Abgang eingerissenen musikalischen Verfall zu steuern. ' Zum Schlüsse sei noch daraus verwiesen, daß die über alles Lob erhabene Schulung des Knabenchors es dem Vorstande nahelegt, für eine gleichmäßige Fortdauer dieser Leistungen Sorge zu tragen. - Dr. St.. .r. SuLzer-Ieier in ZLrünn. Sonntag, den 8. Mai veranstaltete der mährische Kantorenverein, nach vorheriger Abhaltung einer Generalversammlung, in welcher Herr Landessanitäts-Jnspektor Regierungsrat Doktor Salomon Spitzer einstimmig zum Ehrenmitglied ernannt wurde, um 5 Uhr nachmittags eine solenne Sulzer-Gedenkfeier im Sitzungssaale der isr. Kultusgemeinde. Zur selben hatten sich eingefunden: In Vertretung der Kultusgemeinde Brünn, Herr Vize-Präsident Fabrikant Leopold Bauer, Herr Landessanitäts-Jnspektor Regierungsrat Dr. S. Spitzer, die Herren k. k. Professoren Dr. Max Grünfeld, Dr. Nathan Steinhart, Dr. H. Redisch, Professor Nascyer, Wien, Wilhelm Sonderling, Obmann des Verbandes Zion und Vorsteher der orthod. Gemeinde Brünn, Schriftsteller Dr. Berthold Feiwel, Berlin, Dr. M. Löwensohn, Landesadvokat Trebitsch, Max Nickel, Redakteur Brünn, Oberkantor Salomon Gruschka, Prag- Weinberge, Redakteur L. Schwarz, Brünn und viele Andere. Ihr Fernbleiben haben schriftlich und telegraphisch entschuldigt die Herren: Dr. H. Fialla, Präsident der Kultusgemeinde Brünn, der zur Zeit in Karlsbad zur Kur weilt, der Präsident des jüdischen Museums, Baurat W. Stiaßny Wien, Chorverein Schir-Zion, Obmann G. Hellmann, Jglau, Präsidium des österr.- ung. Kantorenvereines, Oberkantor Singer und Oberkantor Bauer, Wien, k. k. Hofmusiker Professor Josef Sulzer, Wien, Oberkantor Böla Guttmann, Wien, Emil Jellinek, Wien, ferner die Oberkantoren: Weiß - Jglau, Reichard - Kremsier, Weiß- Tobitschau, Lamberg - Kolin, Schön - Tachau, Stößl - Leipnik, Schulz-Bisenz, Braunfeld-Holleschau, Blümel-Jamnitz, Michalovsky-Holleschau und viele Andere. Nach herzlicher Begrüßung der Festteilnehmer durch den Präsidenten des Vereines, Herrn Oberkantor Josef Heller, begann derselbe seine Festrede mit einem Hinweis auf die Musikheroen zu Ende des 18. und Beginn des 19. Jahrhunderts. Aus dieser Zeitepoche ging für uns Kantoren und die ganze gebildete jüdische Welt ein Genie hervor, es ist Oberkantor Professor Salomon Sulzer, der Pfadfinder und Reformator des jüdischen Tempelgesanges. Der Redner schilderte hierauf in längerer Ausführung das Leben und Wirken des unsterblichen Altmeisters und bemerkte zum Schluffe, daß Sulzer das Kantorat von der Dunkelheit zur hellen Harmonie geführt hat, denn Xi mizijon teze Thöroh, aus dem Schir-Zion ist uns die Lehre hervorgegangen, und müssen wir dieses Vermächtnis als unschätzbares und unvergängliches Gut für alle Zeiten hoch in Ehren halten. Nach den meisterhaften Ausführungen. des Redners, ' wurde von sämtlichen Kantoren der Psalm 111, eine großangelegte Piece, von Herrn Oberkantor Heller nach Motiven der beiden Teile Schir-Zion meisterhaft zusammengestellt und für Männerchor bearbeitet, in hervorragender Weise zu Gehör gebracht. Abends 8 Uhr wurde das Festkonzert mit dem großen Festchor eingeleitet, worauf ein Klavierkonzert meisterhaft gespielt von Frl. Elsa Heller, der von Herrn Hermann Eimer gesprochene Prolog, Liedervorträge derOpernsängerinFrl.Dora Feldern und ein italienisches Lied gesungen von Oberkantor Gruschka Prag-Weinberge folgte. Sämtliche Darbietungen fanden allgemeinen Beifall. Es müssen noch die ausgezeichneten Tischreden der Herren Professor Dr. Max Grünfeld, Professor Nascher, Wien, Regierungsrat Dr. S. Spitzer und des Vereinspräsidenten Oberkantor Heller besonders hervorgehoben werden. Der mährische Kantorenverein kann mit Stolz und Befriedigung aus diese Veranstaltung zurückblicken, und gebührt der wackeren Vereinsleitung, insbesondere dem rührigen und unermüdlichen Präsidenten Herrn Oberkantor Heller, Dank und Anerkennung. K. Sulzer-Ieier in Merlin. Sonntag, den 24. April fand in der hiesigen Lützowstraßensynagoge ein Konzert statt, welches die „Hilsskasse für isr. Kultusbeamte, deren Witwen und Waisen in Deutschland" anläßlich des 100. Geburtstages des verstorbenen Wiener Oberkantors und genialen Regenerators der Synagogenmusik, Prof. Salomon Sulzer, veranstaltet hatte. Die Chorgesünge wurden von dem trefflich geschulten Chor der Lindenstraßensynagoge unter Leitung des verdienstvollen und bewährten Chordirektors, Herrn Georg Bloch, mit künstlerisch liebevoller Hingabe an die Sache und musikalischer Präzision ausgesührt; es kamen Psalm 111, W’sseorew, Adaun aulom in Es-dnr, Meheroh — sämtlich Sulzersche Kompositionen — zur Aufführung. Die in diesen Piecen enthaltenen Soli wurden von den Kantoren Epstein- Berlin, Stabinski-Berlin, Schönberger-Potsdam und Ziwi-Elberfeld mit musikalischem Verständnis und in klangschöner Weise gesungen. Herr H. Deckert, Organist der Lindenstraßeusynagoge, begleitete sämtliche Gesangspiecen und trug sodann in vollendeter Weise den Priestermarsch aus der Orgelsinsonie von Ch. M. Widor vor. Einen besonderen Reiz erhielt das Konzert durch die Mitwirkung des berühmten Cellomeisters, Herrn Prof. Heinrich Grünseld, der mit dem Vortrag „Kol nidre“ von Lewandowski und „Adagietto;‘ von Bizet die Zuhörer ergriff und vom ersten bis zum letzten Tone im Bann hielt. Besonderer Dank gebührt dem Vorstande der Berliner jüdischen Gemeinde, welcher die Synagoge in gütiger Bereitwilligkeit für das Konzert zur Verfügung gestellt hatte, sowie dem hochgeschätzten, aus illustren Persönlichkeiten bestehenden Ehrenkomitc, das in liebevoller Weise zur Förderung des Unternehmens beigetragen hatte. Nach dem Konzert fand in Cassells Hotel ein Festessen unter zahlreicher Beteiligung hiesiger und auswärtiger Kantoren statt. Der Vorsitzende der „Hilsskasse", Kantor A. Friedmann Berlin, begrüßte in herzlichen Worten die Erschienenen und feierte in schwungvoller Rede das Andenken Sulzers und hob dessen unvergängliche Verdienste um den modernen Gottesdienst und die Hebung'des Kantorenstandes hervor. Nach ihm ergriff der Ehrenvorsitzende des Vereines, Herr Juftizrat Dr. Fedor Stern, das Wort. Er betonte besonders, daß der Kantor als der Hauptträger des jüdischen Gottesdienstes Anspruch aus Achtung und Beachtung habe, beklagte lebhaft, daß in der Gegenwart nach dieser Richtung hin leider so Manches zu wünschen übrig bleibe, und ermahnte in eindringlichen Worten zu einmütigem Zusammengehen, dann werde auch eine Wendung zum Bessern eintreten. Kantor Schönberger Potsdam toastete aus den Kantorenstand, Kantor Dubowski-Berlin sprach auf das Gedeihen der „Hilsskasse". Kantor Kalischer-Berlin, brachte einen Trinkspruch auf den Leiter des Sulzerkonzerts Herrn Chordirektor Georg Bloch aus. Es folgten noch weitere Toaste von Kantor Ziwi-Elberseld auf den Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde, sowie von den Kantoren Epstein-Berlin, Gold-Samter und Blitz-Dessau. Sodann sangen die Festteilnehmer ein von dem Schriftführer Kantor Kalischer verfaßtes, den Manen Sulzers gewidmetes Festlied nach der Melodie des Sulzer'schen „Adann aulom", und schließlich wurde das gemeinsame Tischgebet, für welches dem Senior der anwesenden Kantoren, Herrn Jacoby-Pyritz, von der Tafelrunde die Vor- I betersunktion übertragen worden war, verrichtet.

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