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Die Wahrheit · 1904-05-13 · Heft 19 (13.5.1904) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 19 (13.5.1904)
Date
1904-05-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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O ekerr-uiipr. Kantoren -Zeitung. Itr. 19. Äkllage illt Zeitschrift „Die Wahrheit^. 24. Zahrg. Aus dem österr.-nngar. Kantoren- Uereine. Montag, den 9. d. M.. 8 Uhr cwcnds, fand im österr.- ungar. Kantoren-Vereine unter dem Vorsitze des Vizepräsidenten I. Bauer eine Versammlung der Wiener Kantoren statt, an welcher die Kollegen: Schorr, Guttmann, Jurberger, Löwit, Weißmann, Pekarnik, Smotritzky, Rothwein, Cznczka. D. L. Rotter, Baßl, Schleifer, Serebrenit, Kulka, Schreidstein, Qnartin, Edelmann und Rohmann teilnahmen. Die Kollegen Blatt, Dünmann, Klager und Jos. Schlesinger ließen ihr Fernbleiben entschuldigen. Nachdem der Vorsitzende die Anwesenden begrüßt und ihnen, sowie insbesondere dem in der Sitzung nicht anwesenden Vereinspräsidenten Oberkantor I. Singer, sowie Herrn Kantor Löwit für ihre hervorragenden Leistungen und Mühewaltungen anläßlich der vom österr.-ungar. Kantoren-Berein veranstalteten Zentennar-Feier gedankt hatte, erstattete Vereinssekretär Dr. Löwy in Vertretung des durch Unwohlsein verhinderten It. Vizepräsidenten M. Blatt ein eingehendes Referat über die Vorgeschichte der am 12. d. M. im Musikvereinsaale statrfindenden musikalischen Gedenkfeier für Salomon Snlzer, nach welchem allgemein die Ueberzeugnng platzgriff, daß der artistische Leiter derselben, Ehormeister Professor Joses Snlzer, hier und bei früheren Anlässen die dem Kantorenstande gebührende Rücksichtnahme außer Acht gelassen hatte. Hierüber wurde schärfste Mißbilligung ausgesprochen und nur infolge der wiederholten, dringlichen und überaus ehrenden schriftlichen Einladung des Präsidenten des Kuratoriums des „Jüdischen Museums," Herrn Baurat Stiaßny, der in der Mittwoch den 11. d. abgehaltenen zweiten Kantorenversammlung diese Einladung persönlich wiederholte, wurde beschlossen, korporativ an der Veranstaltung im Mnsikvereinssaale teilzunehmen. Nach Erledigung dieser Angelegenheit beschließt die Versammlung eine besondere Vertrauensknndgebung für den Vereinspräsidenten Oberkantor I. Singer, und werden die Kollegen Obercantor Bela Guttmann und Alois Kulka beauftragt, denselben von seiner Wohnung in den Sitzungssaal zu holen. Bei seinem Erscheinen daselbst wird der Vereinsprüsident jubelnd akklamiert und durch den Vizepräsidenten Oberkantor I. Bauer von den gefaßten Beschlüssen verständigt. Nachdem Oberkantor Singer für die ihm durch die Akklamation zu Teil gewordene Ehrung und die besondere Vertrauenskundgebung gedankt hatte, widmete er den beiden in letzter Zeit verstorbenen Kantoren, Baruch Schorr in Lemberg und Gerson Weiß in Bukarest folgenden Nachruf: „Meine geehrten Herren Kollegen! Wenn es auch nicht Gepflogenheit unseres Vereines ist, selbst den Heimgegangenen Bereinsmitgliedern Nachrufe zu widmen, so fühle ich mich dennoch, der Anschauung einiger Vorstandsmitglieder Rechnung tragend, veranlaßt, in dieser Stunde zweier, letzthin Heimgegangener, vortrefflicher Kollegen, wenn auch nur in kurzen Worten, zu gedenken. Der Eine war ein durch seine ausgezeichnete Eigenart weltberühmter polnischer .Chasen,. der nicht allein als Größe, unter den Chasonim sondern auch insoferne als Pfadfinder einer Annäherung der alten „Schul" an die moderne Synagoge bezeichnet werden muß, als er neben der Vorführung des traditionellen Rezitativs auch den geregelten Chorgesang der alten Synagoge einverleibte. Wenn es ihm nicht gelungen — vielleicht infolge seiner kantoralen Freizügigkeit — auch eine gleich hohe soziale Würdigung zu erringen, so müssen wir, jüdische Kantoren^ uns vor der ihm zuteil gewordenen Gnade Gottes demutsvoll neigen, welche es ihm verstattete, bis zu seinem letzten Hauche, gleichsam unter dem Kusse Gottes, inmitten seiner heiligen Funktion aus dem Leben zu scheiden, so daß wir Alle ehrfurchtsvoll unser Haupt neigen und das Psalmwort aussprechen: usehi acharisi kumohu Der zweite, teuere Heimgegangene war, im Gegensätze zum erstgenannten, ein moderner Kantor in des Wortes schönster und umfassendster Bedeutung. Von geringfügigsten Anfängen beginnend, machte der teure Heimgegangene die ganze schwere Schule seiner fachmännischen und sozialen Ausbildung durch und wurde, ein Pionnier unseres Bernses, in jene unwirtliche Gegend versetzt, um dortselbst zur Ehre unseres Standes zu wirken und zu schaffen. Auch seine allgemeine Bildung und sein soziales Wirken verschafften ihm die allgemeine Anerkennung seiner Mitbürger, so daß an seiner Leichenfeier nicht allein die Gemeindemitglieder sondern auch die Bürger der Stadtgemeinde sich hervorragend beteiligten. Ich ersuche Sie also, meine Herren Kollegen, sich von den Sitzen zu erheben und der beiden teueren Heimgegangenen, Herrn Oberkantor Baruch Schorr in Lemberg und Herrn Oberkantor Gerson Weiß in Bukarest, in stiller Wehmut zu gedenken und ihnen ein treues Andenken bewahren zu wollen." Diese tiefempfundenen Worte kollegialen Gedenkens wurden von den Kantoren mit trauenden Teilnahme angehört und als der Redner geendet hatte, wurde die Versammlung in vorgerückter Stunde geschlossen. * * Durch Herrn Kantor A. Hahn-Teschen sind an Spenden für den Kantoren-Berein X 64 und durch Herrn Kantor M. Fried l-Klosterneuburg X 64 gesammelt worden. Indem wir den hochgeschätzten Spendern und den geehrten Kollegen, die sich um die Sammlungen bemühten, innigen Dank abstatten, bitten wir auch die übrigen Kollegen, die ihnen zugesandten Sammelbögen möglichst bald benützen zu wollen und das Ergebnis der Sammlungen an den Bereinskassier einzusenden. Im letzten Ausweis wurden als Ergebnis der Sammlung des Oberkantors M. Kriener-Galgocz irrtümlich X 36 statt X 15 ausgewiesen. Gleichzeitig werden dieR. T. Mitglieder dringendst ersucht, die Jahresbeiträge pünktlich zu zahlen, damit sich nicht allzugroße Rückstände anhäufen.Der Vorstand des österr.-ungar. Kantoren-Bereines. Konkurs. Bei der israelitischen Kultusgemeinde in Floridsdorf gelangt die Stelle eines Kantors, der zugleich Sekretär sein muss, mit einem fixen Jahresgehalt von 2400 K und dem üblichen Nebeneinkommen per 15. August d. J. zur Besetzung. Musikalisch gebildete Bewerber, welche das 40. Lebensjahr nicht überschritten haben, eine gut geschulte Stimme besitzen und in der Lage sind, den Chorunterricht selbstständig zu leiten, haben die mit den Dokumenten über ihren Familienstand und mit einem curriculum vitae versehenen Gesuche bis 15. Juni d. J. an den gefertigten Vorstand einzureichen. Nur dem Akzeptierten werden die Reisespesen vergütet. Floridsdorf, 4. Mai 1904. Der Kultusvorstand. Konkurs. Wegen Abgang eines Tenoristen und eines Bassisten sind die Stellen im hiesigen Synagogenchore wieder zu besetzen. Reflektanten, die kräftige Stimmen besitzen und gute Blattleser sind, belieben ihre Offerte einzusenden an Herrn Oberkantor Linhard, Hannover, Körnerstrasse 11.

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