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Die Wahrheit · 1904-05-13 · Heft 19 (13.5.1904) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 19 (13.5.1904)
Date
1904-05-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 18. Die Wahrheit Lette 9. — Bei demselben Gottesdienste feierte auch der Chorknabe Otto Rindskopf, Sohn des Religionslehrers Max Rindskopf und dessen Gattin Magda geb. Hartmann, seine Barmizwa. Der Konfirmand las ausgezeichnet die Hafthora. Wien. Letzten Sonntag fand die Beerdigung des Herrn Dr. Simon Steinach aus Hohenems bei zahlreicher Beteiligung statt. Derselbe übte in seiner Heimat etwa 30 Jahre die ärztliche Praxis aus, ebenso in der nahen Schweiz. Oberkantor Singer vollzog die liturgische Funktion. Am Grabe schilderte Prof. v. Basch die Bedeutung des Berblicheneu wie auch dessen Leistungen auf wissenschaftlichem Gebiete und Herr Lucian Brunner sprach als Landsmann, das humane und wohlwollende Wesen des Menschenfreundes betonend. Er hinterläßt eine trauernde Witwe und zwei Löhne, von denen einer Universitätsprofessor in Prag, der andere Direktor einer Spinnerei ist. Die Erde sei ihm leicht! —n. Wien. Fräulein Eugenie Baue r, Tochter des Hoflieferanten Herrn Hermann Bauer, hat sich mit Herrn Max Lichtmeß, Mitchef der Firma I. Lichtmeß Söhne, verlobt. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Der Verein unternimmt unter Führung seines Präsidenten Herrn S. Brod am Mittwoch den 18. Mai eine Exkursion nach dem neuen Polizei-Gebäude an der Elisabeth- Promenade. Zusammenkunft \'24 Uhr nachmittag im Turm-Vestibulc Ecke Berggasse-Elisabeth-Promeuade. Vereins-Abzeichen werden angelegt. Gleichzeitig teilt die Vereinsleitung mit, daß am Montag den 30. Mai dem im Jahre 1899 verstorbenen Mitglieds, Architekt Adolf Goldenberg, auf Kosten der Vereinsleitung am Friedhofe in Baden bei Wien ein Grabmal gesetzt und eine Leichenfeier abgehalten wird. Zusammenkunft am 30. Mai *^3 Uhr nachmittag bei der Abfahrt Südbahnhof Wien X. Wien. Der humanitäre Verein „Wahrheit und Friede" veranstaltete Sonntag den 8. d. M. m seiiiem Bethause eine Trauerandacht für den jüngst aus dem Leben geschiedenen Lemberger Kantor Baruch Schor. Der Rabbinatskanditat phil. Dr. Rvseumann hielt die Gedenkrede (Hesped) und der Preßbnrger jugendliche Chasen Herr Josef Rosenblatt sang mit Chorbegleitung die üblichen Gebete: Psalm 49 und das HI mole rachamim. Ueber Intervention des Berichterstatters ergriff noch der Hof- und Gerichtsadvokat Herr Dr. Liftschitz das Wort, um dem verblichenen Sangesmeister begeisterte Worte des Gedenkens und der Verehrung zu widmen. Baruch Schor, sagte Dr. Liftschütz u. A., war ein Träger der Geschichte des Judentums, er verstand es "durch seine Gesänge all den Leiden und, wenn Sie wollen, auch den Freuden, die das jüdische Volk bis auf den heutigen Tag durchzulebeu hat, den beredtesten Ausdruck zu verleihen; und jeder Glaubensgenosse, der jemals den gottesdienstlichen Funktionen Schors gelauscht hat, wird niemals der angestammten Religion den Rücken kehren. Der jüdische Kantor ist die einzig berufene Person, die Liebe und Anhänglichkeit an dem Glauben unserer Väter zu wecken nnd dauernd wach und rege zu erhalten. Als Schor einmal in der Synagoge zu Kiew in Anwesenheit des Czareu Alexander II. einen Gottesdienst verrichtete, äußerte sich der Kaiser: „Wenn das betende Judentum so gut sei wie das singende, dann habe ich Ursache auf meine jüdischen Untertanen stolz zu sein." Möge mit Baruch Schor nicht der letzte derer zu Grabe getragen worden sein, die aus der jüdischen Volksseele heraus zu singen und ihr das Gotteswort so wirkungsvoll zu vermitteln imstande waren. Das Andenken Baruch Schors, es gereiche zum Segen! Wien. Der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria" hat Sonntag den 1. Mai mit dem ausgezeichneten Vortrage des Fräulein Thekla Blech über das Thema „Der jüdische Heine" seine diesjährigen literarischen Nachmittage geschlossen und wird während der Sommermonate jeden zweiten Sonntag Ausflüge veranstalten. Der erste Ausflug findet Sonntag den 15. d. M. statt. Abfahrt um 1 Uhr 20 Minuten von der Stadtbahnhaltestelle Schottenring-Augartenbrücke nach Weidlingau, von dort weitere Fußpartien. Gäste herzlich willkommen. Galant«. Am 28. April wurde hier ein edler und wahrhaft fronimer Mann, Herr Jakob R o s n e r aus Tos-Nyarosd, der bei Juden und Christen in gleich hoher Achtung stand, unter zahlreicher Beteiligung zu Grabe getragen. Herr Rabbiner I. Duschinsky hielt einen Hesped, in welchem er die hoh-n Tugenden des Verblichenen schilderte und außerdem nahmen noch mit wahrhaft rührenden Worten der Sohn des Dahingegrschiedenen, Herr I. Rosner aus Wien und dessen Schwiegersöhne. Herr M. Grosinger aus 9!. Tapolcsany und Herr Leopold Kaiser aus Galanta, beide große Gelehrte, Abschied von dem teuren Toten, Literatur Porta Sion: Lexikon zum lateinischen Psalter (Psalterium Gallicanum) unter genauer Vergleichung des EXX. und des hebr. Textes mit einer Einleittmg über die hebr.-griech.-latein. Psalmen und dem Anhang : Der apokryphe Psalter Salomons. Bon Jakob Exner, Dr. theol. phil., Prof, der Exegese N. T. in der hebr. Sprache am Priestersem. zu Trier. Trier 1903. Lex. 8". VIII. 234 Seiten u. 1936 Sp. gbd. M. 20-50. Dieses Werk ist nicht, wie man aus dem Titel entnehmen könnte, ein Lexikon in trockener Aufeinanderfolge lateinischer Wörter, sondern zugleich der umfangreichste Kommentar zu den Psalmen, der in deutscher Sprache bisher erschienen ist. Das will schon etwas heißen, wenn man an die umfangreichen und in ihrer Art hervorragenden Bearbeitungen von Schegg und Tbalhofer-Schmalzl, Graetz Delitzsch nnd Wolter denkt. Sehen wir uns das Werk näher an. Nach einem Vorworte, das in poettschem Schwünge von der Bedeutung und dem Gebrauche der Psalmen im Alten und Neuen Bunde handelt, beschäftigt sich die Einleittmg (S. 1—234) mit den einschlägigen Vorfragen: der Psalter im Kanon, Titel des Psalmenbuches, Zahl und Zählung der Psalmen, Fünfteilung des Psalters, Sammlung der Psalmen, die Psalmenüberschriften (Allgemeines, Ursprung der Psalmen (die Angaben der Texte, Kritik und Hyperkritikj, Charakter der Lieder, musikalische Notizen, liturgischer Gebrauch), der Urtext (die Masora, Form der hebr. Poesie) die griech.-latem. Uebersetzung (Allgemeines, Textdipereuzem, Messan. Psalmen, Psalmenliteratur. Das Lexikon selbst umfaßt 1864 Spalten. Nachdem die lateinischen Vokabeln erklärt und übersetzt sind, folgen die Aequivalente aus der DXX dem hebräischen Text, Targum, Syrer, Hieronymus, Aquilas, Symmachus (soweit es möglich), sodann zu den schwierigeren Stellen genau angeführte Erklärungen der bedeutendsten Autoren. Um dem Leser einen Einblick in diese überreiche Fundgrube zu gewähren, wollen wir uns an der Hand des Lexikons über die Stelle,, Ego hodie genui te“ Aufklärung verschaffen. Wir schlagen hodie auf nnd werden auf gigno verwiesen; hier finden wir die Stelle ausführlich behandelt. Nachdem die Uebersetzung von Aquilas gegeben und auf die beiden n. Testl. Zitate hingewiesen ist, folgt die Erklärung von Menoschius, der dieser Stelle einen dreifachen Sinn zuschreibt. Im Anschluß hieran kommen die Bertteter der einzelnen Ansichten zu Wort: August. Bellarm, Lorin, Thomas, Athan u. A. Hierauf folgen noch die Ansichten der jüdischen Erklärer: Altschul, Kimchi, Graetz und Hirsch. Ein staunenswerter Sammelfleiß, verbunden mit exakt angewandter Kritik, gibt sich in dieser Arbeit kund. Man sieht, daß der Verfasser alles ihm Zugängliche durchforscht und das Beste dem Leser geboten hat. Nicht nur die neueren Werke über die Psalmen werden berücksichtigt, sondern der Verfasser steigt auch in das Mittelalter hinein nnd zieht die Erklärung der Scholastiker wie der jüdischen Gelehrten ans Licht, die griechischen und die lateinischen Kirchenväter sowie der Talmud treten auf, die ältesten Uebersetznngen werden der LXX und dem Urtexte zur Seite gestellt; Alles dabei in den Grundsprachen, wenn nötig, mit nebenstehender Uebersetzung, da der Verfasser auf Nichtkenner der orientalischen Sprachen meistens gebührende Rücksicht nimmt. Dazu kommt eine Inhaltsangabe und Zergliederung des ganzen Psalmes unter dem Stichwort des ersten Wortes eines jeden Psalmes, worüber eine besondere Tabelle noch orientiert. Im Anhänge (Sp. 1869—1932) wird der apokryphe „Psalter Salomons" im griechisckien Texte und deutscher Uebersetzung mit Anmerkungen geboten. Möge das verdienstreiche Werk recht vielen Nutzen stiften und den antisemitischen Klerus über den Talmud der jüdischen Gelehrten die Augen öffnen, die jüdischen Rabbiner hingegen zu fleißigen Arbeiten auf diesem Gebiete anregen. Müller S. Kleine Bibel. Biblische Geschichte und Religionslehre, fortgeführt bis zum Ende des jüdischen Staates. (Erweiterte Ausgabe des Buches für unsere Kinder.) Mit 1 Karte von Palästina und Karte von Vorderasien und Aegypten, einem Plane von Jerusalem und Zeichnung der Stiftshütte und Anhang: Abriß der Geographie Palästinas, Bibelkunde- und Zeittafel - Ausg. B. (VII, 418 S.) 8°. Stuttgart. I. B. Metzler. 1904. Geb. Hlw.'Mk. 2-60. Freudenthal, Pros. I. Spinoza. Sein L.'ben und seine Lehre. I. Band: Das Leben Spinozas. (XIV, 349 S.) gr. 8°. Stuttgart. F. Fromann. 1904. Mk. 680, geb. Mk. 7-80. Dand I. I. Die Hanna. Erzählungen aus Mähren. 258 S. 8°. Berlin. Schuster & Löffler. 1904. Mk. 3-—. geb. Mk. 4-50. H. Wilbrich. Der historische Kern des III. Makkabüerbuches (Hermes 39. Band, Heft 2, 1904, Seite 244—259.) (Ausführliche Besprechung obiger Werke Vorbehalten.) Feuilleton. Königin Kiiher. Eine Ghettogeschick)te von Dr. Max Grünfetd. (Fortsetzung und Schluß.) Mayer erfuhr nun zu seinem Entsetzen, daß von einer Prüfung Eduards nie die Rede gewesen, daß dieser junge Mensch ganz anderen Dingen in der Universitätsstadt seine Aufmerksamkeit zugewendet hatte, als den Wissenschaften. Geld hatte er genug angebracht und Awroms Mitgift hätte dazu beitragen sollen, seine Geldnot zu heilen. Nun war er am Purimabende aus der Universitätsstadt zurückgekehrt. Da hatte er von dem Purimspiele bei Awrom gehört. Er hatte nun, ehe er in dessen Haus ging, mit einigen gleichgesinnten Freunden im Wirtshause solange Purim gefeiert, bis er, nach dem alten Worte, tatsächlich Mordechai von Haman nicht unterscheiden konnte. Dies hatte sich gezeigt, als er an der Spitze seiner Spießgesellen in Amroms Stube eindrang.

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