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Die Wahrheit · 1904-04-15 · Heft 15 (15.4.1904) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 15 (15.4.1904)
Date
1904-04-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Suffer-Feier. Ueber die anläßlich des hundertsten Geburtstages > Salomon Sulzers auswärts veranstalteten Festlichkeiten erj halten wir folgende 4Nachrichten: Lemberg: Sonntag, den 3. d. M. beging unsere Tempelgemeinde die Zenteunarfeier unseres unvergänglichen Salomon Sulzer in feierlichster Weise. In der fortschrittlichen Gemeindesynagoge fand eine erhebende Gedenkfeier statt, der nebst einem zahlreichen Publikum zahlreiche Mitglieder der Kultusrepräsentauz und die Verwalter des Gotteshauses beiwohnten. Das Programm der Feier war ungefähr an dasjenige der in Wien stattgehabten Tempelfeierlichkeit angepaßt und wurden die Festgesänge vom verstärkten Damen- und Männerchor unter Leitung des Oberkantors Halpern mit Begleitung der Orgel in stimmungsvoller Weise vorgetragen, worauf Rabbiner Dr. Caro eine den Anlaß der Feier gehörig würdigende Predigt hielt. Hannover: Freitag, den 18. und Sonnabend, den 19. März wurde die Sulzer-Zeutennarfeier in der hiesigen Synagoge begangen. Der größte Teil der Gesänge wurde aus dem Schir Zion entnommen und vom Oberkantor Linhard vorgetragen. Auch am Sonnabend morgens war unser Gotteshaus zu dieser Feier durch elektrisches Licht glänzend erleuchtet. Der hiesige Landrabbiner Dr. Gronemann gedachte in seiner Rede der hervorragenden Verdienste Sulzers. Elberfeld: Die Festpredigt des ersten Pessachtages umfaßte neben ihrer sonstigen Bedeutung auch die besondere, daß Herr Rabbiner Dr. Auerbach des genialen Mannes gedachte, welcher gerade vor einem Jahrhundert das Licht der Welt erblickte und durch seine hervorragende Tätigkeit auf die Umgestaltung des Gottesdienstes von epochemachendem Einfluß war. Sulzers Verdienst bestehe darin, daß er für die Erhaltung des traditionellen Gottesdienstes dadurch gewirkt habe, daß er die alten Gesänge dem Geiste der Bildung und dem Bedürfnis der neuen Zeit entsprechend gestaltete, wodurch fein Schir Zion ein Werk geworden sei, das auf beiden Hemisphären sich verbreitet hat. Darum habe auch die hiesige Gemeinde sich veranlaßt gesehen, das Andenken des Gefeierten zu ehren und sollte diese Ehrung auch in dem heutigen MuffaffGottesdienste durch eine dem Gedächtnisse Sulzers gewidmete Fest-Keduschah (komponiert von Hermann Zivi) ihren Ausdruck finden. Der Redner sprach gleichzeitig dem Kantor und dem Ehor lobende Anerkennung hiefür aus. InrNenstonsverlrchernngderKultusbeamten irr Mahren. Wie bereits berichtet wurde, hat die Delegirtenversammlung am 14. März l. I. den definitiven Abschluß der Pensionsversicherung der Gemeindeangestellten genehmigt. Ich glaube im Sinne vieler Kollegen zu handeln, wenn ich dem löblichen Kuratorium des mähr.-jüd. Landesmassafondes, insbesondere aber Sr. Hochwohlgeboren dem Herrn Regierungsrat Dr. Spitzer, der sich um das Zustandekommen der Versicherung besonders verdient gemacht har, und den löblichen Vorständen den wärmsten Dank hiemit öffentlich ausspreche. Wenn wir nun auch diese für uns so hervorragende Aktion mit aufrichtiger Dankbarkeit anerkennen, so können wir uns doch nicht verhehlen, daß der isr. Kultusbeamte ein trauriges Dasein fristet, und daß seine materielle Lage noch viel zu wünschen übrig läßt. Wenn wir die alltäglichen Konkurse einer Prüfung unterziehen, so finden wir, daß von den Beamten alles Mögliche und Unmögliche gefordert wird; der Anzustellende soll ein musikalisch gebildeter Kantor, Schochet, Kore, Religionslehrer, eventuell Sekretär und Mohel sein. Und was wird ihm für diese Leistungen geboten? 600—1200 K jährlich. Von einem solchen Jahresgehalte soll ein Familienvater mit 6—8 Kindern — bekanntlich mangelt es an Kindersegen bei den Beamten nicht — seine Existenz finden? Dies ist ein wahres Beamtenelend. Diese triste materielle Lage wurde bedauerlicher Weise ber der Pensionsversicherung nicht berücksichtigt. Im Gegenteil, die meisten Gemeinden haben nicht den vollen Gehalt, sondern je nach Verhältnis 70 bis 80^ desselben versichert, so z. B. ein Beamter der 1400 K bezieht, wurde bloß auf 1000 K Pension versichert. Diese Pension wird erst nach vollstreckter 40 jähriger Dienstzeit und nachgewiesener Invalidität voll ausbezahlt. Dabei müssen die Beamten einen aliquoten Teil beitragen. Die Versicherung bietet jedoch andere nicht zu unterschätzende Vorteile und wir geben der Hoffnung Raum, daß die löblichen Vorstände ihre wohlwollende Gesinnung burch weitere Ausgestaltung der Altersversorgungsgenüsse betätigen werden. Der Gemeindebund versendet eben ein Zirkular, in dem derselbe auch diese Frage berührt. Möge die humane Wirksamkeit des löblichen Kuratoriums bei der Lösung dieser hochwichtigen Angelegenheit zum Vorbilde dienen! Holleschau, am 11. April 1904. Adolf Braunfeld. Weder die Wnlrlr der Inden. Zur Kritik dieser historischen Studie (Wahrheit Nr. 9) schreibt mir Kollege Alois Kaiser, der renommierte Kantor aus Baltimore, folgendes: Sr. Wohlgeboren Herrn Benedict Singer. Oberkautor in Jungbunzlau. Werter Herr Kollege! Mit immer steigendem Interesse verfolge ich in den letzten Nummern der „Wahrheit" die von Ihnen veröffentlichte Besprechung des in böhmischer Sprache erschienenen Werkes „Ueber die Musik der Juden" v. Branberger. — Es ist zu bedauern, daß eine solche wertvolle Arbeit in einer Sprache veröffentlicht wird, die nur Wenigen verständlich ist. Wäre es nicht eine ehrenvolle Aufgabe für den österr.-ungar. Cantorenverein, dieses für die Geschichte des Cantorats so wichtige mW für die Geschichte der jüdischen Musik so wertvolle Werk mit Bewilligung des Autors ins Deutsche übertragen zu lassen und im Drucke zu veröffentlichen? Im Falle sich meine oben angegebene Idee realisieren sollte, betrachten Sie mich gefälligst als einen Subskribenten auf das' Werk. Mit kollegialem Gruß zeichnet in aller Hochachtung Alois Kaiser, Eantor an der Ohel Salom-Gemeinde. Baltimore, den 9. März 1904. Weber die Wicht,mg beim Gebet. Herr Dr. Kahan-Znaim richtete die Frage an unsere Kollegen, woher der Brauch komme, daß der Vorbeter beim Kiddusch sich mit dem Gesichte zur Gemeinde wendet, obwohl der Kiddusch nur ein Lobgebet, somit nicht an die Gemeinde gerichtet ist. Nach eingehender Forschung glaube ich, daß die Begründung dieses Minhags in dem alten Ritus liegt, wo der Kiddusch nicht mit der „Brocho", sondern mit nw&n di» angefangen hat, welcher Teil kein Lobgebet ist, sondern vielmehr eine Erzählung, die der Gemeinde die Ursache der Samstag- Weihe erläutert. Einen Beweis für die Richtigkeit dieser Annahme glaube ich darin zu sehen, daß der Gebrauch noch heute meist in denjenigen Gemeinden beibehalten wurde, wo der „Jom Haschischi" rezitiert wird. I. Sagher, Kamtz.

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