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Die Wahrheit · 1904-03-18 · Heft 12 (18.3.1904) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 12 (18.3.1904)
Date
1904-03-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Die Wahrheit Redaktion u. Administration: Wien, Il/j Novaragasse 27. Telephon Nr. der Druckerei 15302. Inserate 20 Hell, per Nonpareille-Zeile. Abonnementsu. Jnserlionsbeträge sind in Wien zahlbar und klagbar. Unabhängige Aeikfchrifi für Mische Interessen. Krscheint jeden Kreilag. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" Gerngspreis: Gan;iährig . . K. 12 —! Halbjährig . . K. ü.— | Für Culnisbeamte: i Ganzjährig . . . K. IO — { Für Ausland: | Ganzjährig ... 3 Mark, j 6 Rubel ober 16 Fes. j 12 ♦ JLrV*. Wie», 18. Wirr; 1904. Inhalt: Salomon Sulzer..—. Aus Sulzers Leben und Wirken. — Aus der Woche. — Zeitbilder. — Zur Charakteristik Spinoza's. — Ter Prophet Elias. — Ein fünfzehnjähriger Dichter. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton. — Inserate. ScrLornon Srrtzer. 30. März 1904 jährt sich zum hundertsten Male der Tag, an welchem Salomon Sulzer, der Organisator und Reformator des modernen Synagogen-Gesanges, der unerreichbare und unvergleichliche Zionssänger, das Licht der Welt erblickte. In dankbarer Verehrung rüsten sich die Wiener Kultusgemeinde, die Stätte seiner genialen Tätigkeit, und seine Jünger, die Cantoren, deren Stand er eigentlich gegründet und zu erhöhter Bedeutung und Ansehen geführt hat, um den Manen des unsterblichen Meisters pietätvollen Tribut zu pflichten. Aber die Huldigungen, die diese dem Andenken Salomon Sulzers darbringen, werden aus der ganzen Erdeurunde ein begeistertes Echo finden; denn der Name Salomon Sulzer hat nicht blos lokale Bedeutung, er ist vielmehr durch das glanzvolle Wirken und Schaffen feines Trägers tief eingegraben in der Geschichte des gesamten modernen Judentums. Salomon Sulzer war eine glänzende, aber auch notwendige Erscheinung seiner Zeit, ja man könnte fast sagen, er wurde von der Vorsehung dem damaligen nach sozialer und geistiger Emanzipation strebenden Judentum gesandt, um auch die jüdische Synagoge aus den Banden des Ghetto zu befreien. Die Führer in Israel rangen seit dem Beginn der Emanzipationsepoche darnach, die Heranwachsende, für freiheitliche Ideale sich begeisternde Jugend für die altehrwürdige Synagoge wieder zu gewinnen, das Gotteshaus zum Mittelpunkt des religiösen Lebens zu machen und ihm die ursprüngliche Würde durch Restaurierung edlerer Formen und Vortragsweisen wieder zu erkämpfen. Nach vielen vergeblichen Versuchen war endlich in Sulzer die geeignete Persönlichkeit erstanden, der das Moment der Kunst in Wirksamkeit setzte, um Vergangenheit und Gegenwart harmonisch zu vereinen. Dieser hohen Ausgabe der synagogalen Reformation hat Salomon Sulzer sein Leben gewidmet. Ein Leben voll Kampf und Arbeit, voll Streben und Wirken, aber auch reich an Ehren und Erfolgen. Dem Werke Sulzers ist die Unsterblichkeit gesichert und seine Name wird fortleben, so lange von jüdischen Lippen inbrünstige Gebete zum Throne Gottes emporsteigen, solange in jüdischen Synagogen Lob- und Danklieder dem Schöpfer des Weltalls ertönen.

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