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Die Wahrheit · 1904-03-11 · Heft 11 (11.3.1904) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 11 (11.3.1904)
Date
1904-03-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Ocherr.-MM. Cantoren-Zeitung Nr. 11. Leilage )ur Zeitschrift „Vie Wahrheit^. 24. Zahrg. Zur Snherfeier. Jene Kantoren, welche an der Sulzer-Zentennarfeier teilzunehmen gedenken, werden ersucht, ihre Teilnahme beim Präsidium des österr.-ungar. Kantoren-Vereines anzumelden. Die erste Zusammenkunft der Wiener Kantoren mit den von auswärts eintreffenden Kollegen findet Sonntag, den 20. März, 10 Uhr vormittags, im Vereinslokale des österr.- ungar. Kantoren-Vereines, 1., Seitenstettengasse 4, 4. Stock, statt. Daselbst werden auch die nötigen Ordres für die Teilnehmer an den einzelnen Festlichkeiten erteilt werden. Sonntag, den 20. März, 727 Uhr abends, findet der Festgottesdienst im Tempel in der Seitenstettengasse statt. Montag, den 21. März, 1^12 Uhr vormittags, Festsitzung des österr.-ungar. Kantoren-Vereines und Enthüllung des Sulzerbildes im Sitzungssaals der israel. Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, 2. Stock. Die Teilnehmer erscheinen im schwarzen Festkleide. Abends ^7 Uhr Festgottesdienst im Leopoldstädter Tempel. Die Kantoren versammeln sich vor den Festgottesdiensten im Vereinslokale, I., Seitenstettengasse 4, 4. St. Dienstag, den 22. März, vormittags, findet eine Kantorenversammlung behufs Besprechung von Standesfragen statt. Abends eine gesellige Zusammenkunft. Die vom „Jüdischen Museum" für den 23. März geplante festliche Veranstaltung im kleinen Musikvereinssaale findet erst im Monate April statt. Anläßlich der Zentennarfeier für den verewigten Altmeister hat der Vorstand des österr.-ungar. Kantoren-Vereines auch beschlossen, mit erhöhter Energie die Gründung eines Pensions- und Witwenfondes anzustreben, und er glaubt durch Verknüpfung desselben mit dem Namen Sulzers dessen Andenken am schönsten zu ehren. Zu diesem Behnse wird der Vorstand die Sammlungen in Wien neuerdings aufnehmen und ebenso werden in den nächsten Tagen an die Kollegen auswärts Sammelbögen versendet werden, um in gleichem Sinne in ihren Gemeinden dem Vereine Spender und unterstützende Mitglieder zu werben. Es wird erwartet, daß jeder Kantor mit allen Kräften sich dafür einsetzen wird, auf diese Weise das Andenken Salomon Sulzers zu ehren und gleichzeitig dem Wohle und der Zukunft des gesamten Kantorenstandes zu dienen. Kultnsbeamten-Mend. Zur Illustration des Kapitels „Kultusbeamten-Elend", das in Nr. 8 d. Bl. geschildert wurde und dessen Schauplatz Ostpreußen war, will ich nachstehenden analogen Fall mitteilen: R .. . ist eine Filiale der Kultusgemeinde Oberhollabrunn (Niederösterreich). Dortselbst wirkt als Religionslehrer, Kantor und Schochet Herr T.durch nahezu acht Jahre zur vollen Zufriedenheit, was durch die jeweilig vorgenommenen Prüfungen der inspizierenden Herren Rabbiner konstatiert wurde. Trotzdem haben es sich zwei Herren dieser Filiale zur Lebensaufgabe gemacht,, nicht eher zu ruhen, bis T. von seinem Posten entfernt wird; selbstredend finden diese Herren noch einige andere gleichgesinnte Seelen, die sich mit ins Schlepptau nehmen ließen. Und fragt man nach der Ursache, so lautet die Antwort: „Wir wollen ihn nicht, er ist schon zu lange bei uns!" Um ihr Ziel sicher zu erreichen, wie die Partei nämlich glaubt — und den Angestellten T. . . . ganz unschädlich zu machen, sind Verleumdung und Lüge Mittel zum Zweck. Wir werden des näheren hierüber noch ausführlich berichten. 34. J. H. Unsere Richtung dein» Gebet. Seit uralten Zeiten, nach Maimonides schon seit Moses, war es Sitte in Israel, beim Gebet die Richtung nach dem jeweiligen Nationalheiligtum einzunehmen. So setzte der König Salomo einfach voraus, daß die in die Gefangenschaft geratenen Israeliten ihre Gebete richten werden nach dem Laitde, das Gott ihren Vätern gegeben, nach der Stadt, die er erwählt, und nach dem Hause, das er (Salomo) dem Namen Gottes gebaut. (I. Könige, 8, 48.) Ebenso wird von Daniel berichtet, daß er dreimal des Tages betete, während die Fenster seines Hauses in der Richtung nach Jerusalem geöffnet waren. (Dan. 6, 11.) Und der Talmud entscheidet demgemäß: Steht jemand außerhalb Palästinas, so richtet er sich nach Palästina; steht er in Palästina, so richtet er sich nach Jerusalem : steht er in Jerusalem, so richtet er sich nach dem Tempel u. s. w. So richtet sich ganz Israel beim Gebet nach einem Ort. (Berachot 30a.) Da wir (die europäischen Inden) westlich von Palästina uns befinden, so wenden wir uns nach Osten. (Tosafor das.) An dieser Sitte wird namentlich beim öffentlichen Gottesdienste und da vorzüglich vom Vorbeter streng festgehalten, selbst bei Gebetstücken, die eigentlich keine Gebete sind, wie Hymnen u. dergl. Nur äußerst wenige Ausnahmen sind zu verzeichnen, wo der Vorbeter, wie bei den Umzügen, gar keine Richtung einbalten kann, oder das Gesicht der Gemeinde zuwendet, sei es, weil die Worte nicht an Gott, sondern eben an die Gemeinde gerichtet sind, wie beim Ausheben der Thora. — Manche Kantoren wenden gerade bei den Worten: „P reiset den Herrn mit mir", der Gemeinde den Rücken zu, was entschieden als törichter Brauch nvoa? nsa zu bezeichnen ist. Sei es aber, um bei den Worten: „Sei denn willkommen. Tu des Mannes Krone", die Prinzessin Sabbath feierlich zu begrüßen. Nun aber gibt es manche Kantoren, die bei einem Dankgebet, in welchem alle Worte sich an Gott und kein einziges sich an die Gemeinde richtet, wir meinen beim K i d d u s ch, sich zur Gemeinde wenden, als ob sie ihr etwas ganz Besonderes zu sagen Hütten. Woher kommt dieser Brauch? Wir richten an die betreffenden Kantoren die ergebene Bitte um Beantwortung dieser Frage. Sonst läge die Vermutung nahe, daß hier nicht nur ein /nsvvorliegt, sondern, was viel schlimmer ist, eine komödiantenhafte Effekthascherei, und für so etwas ist doch unser Gotteshaus nicht gerade der geeignete Platz! Dr. I. Kahan, Znaim. Literatur. Injüngster Zeit wurde die Synagogenmusik durch einige schätzenswerte Piöcen bereichert. Es liegen uns mehrere Komvositionen vom verdienstvollen Chormeister des Jglauer Synagogen-Gesangsvereines, Herrn I. Kohn, vor. Diese zeichnen sich durch stilvolle Arbeit und wirkungsvolle, einfache Harmonie aus und sind den Kollegen aufs beste zu empfehlen. Zu beziehen beim obgenannten Komponisten. Weiters liegt uns die gemeinsam gearbeitete „Keduschah" in 4 Abteilungen für Sabbath¬ und Feiertage vom Kantor Emil Dworzan und dem Organisten Reinhold (Laupheim, Würtemberg) vor. Zu beziehen durch die Musikalienhandlung Klaiber, Laupheim. Diese Komposition ist sehr melodiös, mit einer sehr korrekt gearbeiteten Orgelbegleitung versehen und von vielversprechender Wirkung. Anläßlich der Säkularfeier Salomon Sulzers hat aus Pietät Herr Oberkantor H. Zivi, Elberfeld, eine Keduschah komponiert, welche bereits gedruckt und durch die Verlagsbuchhandlung I. W. Kaufmann, Leipzig, zu beziehen ist. Eine Besprechung dieser Komposition behalten wir uns für eine der nächsten Nummern vor.

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