Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1904
- Issue
- Heft 8 (19.2.1904)
- Date
- 1904-02-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 8. Ltilinie zur Zeitschrift „Die Wahrheit". 24. Znl>r>k „Es ist eine alte Geschichte". Ja, meine lieben Amtsbrüder, von einer alten Geschichte will ich euch heut berichten. Von jener alten Geschichte, die sich ewig neu bleibt „und wem sie just passiert, dem brichlls das Herz entzwei". Von jener alten Geschichte, die am Ansang und Ende das düstere Wort ..Kultusbeamtenelend" als Signum sührt. Glaubet nicht, daß ich meine Phantasie zu .ünlse nehme, um Euch eine möglichst drastische Schilderung zu geben. € nein, zwei Briefe, die vor mir liegen, will ich nur wiedergeben; die sprechen in ihrer Schlichtheit mehr, als lange Abhandlungen über das Kapitel .Kultusbeamtenelend". N.bei P.. den 15. 1. 04. Mein verehrter Herr Oberkantor! In größter Not wende ich mich an Sie um Rat und Beistand. Ich hatte die Ehre, Sie in Posen gelegentlich der Kantorenversammlung kennen zu lernen, und weiß wohl, daß Sie für Ihre Kollegen ein mitfiihlendes Herz haben. Deshalb bitte ich Sie, Helsen Sie mir in meiner Notlage. Die hiesige Position, in der ich mich besinde, ist auf die Dauer unerträglich. Trotz meines überaus geringen Einkommens versehe ich mein Amt gewissenhaft und ich kann wohl sagen, daß ich in meinem Berufe nicht der Schlechteste bin. Doch es kann der Beste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Einen Feind habe ich hier, der die Gemeinde gegen mich aufhetzt. Was der Mensch und seine Anhänger mir schon angetan, läßt sich nicht schildern. Kleinlicher Dinge wegen zeigt er mich sofort beim Vorstand an. Weil ich beim Vorbeten aus Noten singe, weil ich die Chanukah- Lichter nicht richtig angezündet hätte u. s. w. Genug. Das Leben wird mir hier zur Hölle gemacht. Die Einnahmen aus Schechitah und Kibbudim werden immer geringer. Durch diese Uebelstände sah ich mich veranlaßt, mich um eine andere Stellung umzusehen, und ich hatte auch das Glück, in Berlin eine gute Stelle zu finden. Nun bin ich aber kontraktlich hier gebunden und die Gemeinde läßt mich nicht fort. Das Leben .wird mir aber immer schwerer gemacht. Darum bitte ich Sie, raten Sie einem unglücklichen Menschen. Ich komme mir wie ein gehetztes, wildes Tier vor, das sich nach Ruhe sehnt. Lange halteich diese Drangsalierung nicht aus. Ist es gar nicht möglich, von hier herauszukommen? In Erwartung Ihrer gefl. Antwort verbleibe ich mit kollegialem Gruß Ihr ergebener Heimann Jospe. N.bei P., den 20. 1. 04. Sehr geehrter Herr Oberkantor! Recht herzlich danke ich Ihnen für den Trost, den Sie mir in meiner traurigen Lage spenden. Ich bin verzweifelt und mutlos. Wie wird das enden? Traurig ist es um uns Kultusbeamte bestellt. Hoffentlich befreit mich Gott hier bald aus dem Elend. Herzlich grüßt Sie Ihr tief unglücklicher Heimann Jospe. Und der Schluß von der Geschichte? Im „Berliner Tageblatt" war am Dienstag, den 9. Februar d. I. folgendes Inserat zu lesen: „Am Sonnabend verschied plötzlich in N. bei P. mein geliebter Mann, unser teurer Vater und Schwiegervater, der Kantor H e i m a n n I o s p e im 53. Lebensjahre. Die Beerdigung erfolgt am Mittwoch den 10. d. M. in Berlin auf dem Friedhofe der belass Rsrosl-Gemeinde." U n d Ihr in dem P o fn e r S t ä d t ch en '. W enn Ihr am Jom k i p p u r i n Kittel und T a l l i s gehüllt zu Gott beten werdet, mag das bleiche Gesicht E u r e s toten C h a s a n s vor Euren A u g e n e r s ch e i n e n. Dann s ch l a g t E u ch auf die Brun und schreit, daß die Wände erzittern: „ O w i n u malkenu c h o t o n u 1 e f o b e c ko!a Magnus Davidsohn. MT KONKURS TW» Bei der israel. Kultusgemeinde Baden bei Wien ist die Stelle eines Tenoristen ab 1. März zu besetzen. Derselbe muss im Besitze einer hübschen Stimme und Biattleser sein. Gehalt 80 bis 90 K monatlich und Nebeneinkommen. Offerte sind an Oberkantor M. Seifert, Baden, ßahngasse 15. zu richten. Suche zu kaufen: Sulzer’s „Schir Zion*, Grätz, „Geschichte der Juden“. Bibliotheken hebräischer Bücher. Offerte an J. M. Belf, Wien, I., Rabensteig 3. Hamnazeach ira. 13 Hefte g-eteiit. pro HEeft ü. 1.— Zu beziehen beim Verfasser: M. W ODA K, Wien, II., Trstunfelsgasse Nr. 6. UQmn0700rh von berufeneu Autoritäten voi'züglichstbendimid^CClUll, gutachtet und als vortreffliche Arbeit und nach jeder Richtung bedeutsame Erscheinung wärmstens empfohlen, enthält Alles, was ein israel. Cantor innerhalb und ausserhalb des Tempels an Chasonus, Rezitativen und Kasualien benötigt, in reichster Fülle. Mekanntmachrrng. Es wird hiemit bekannt gegeben, daß ausschließlich die Mazzoth- Bäckerei des Adolf Schmied! (Friedmann's Eidam) XX., Marchfeldgasse 21 unter der Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde steht. Wien, im Februar 1904. E. Friedmann's Eidam. Isrnaz und Rosalia WolRsche Krankenunterstützungs-Stiftung. Am 2 Tjar(l7. April 1904) gelangen die halbjährigen Interessen der obigen Stiftung per K 200 an arme hilfsbedürftige Kranke der hiesigen israelitischen Kultusgemeinile in der Weise zur Verteilung, dass keiner der Beteilten einen Betrag unter K 50 erhält. Die Bewerber haben ihre mit dem Armuts- und Krankheitszeugirsse belegten Gesuche im Einreichungs-Protokolle der isr. Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, I. Stock, woselbst auch Gesuchsblankette während der Amtsstunden von 9 —12 Uhr vormittags unentgeltlich zu beheben sind, bis längstens 29. Februar 1904 zu überreichen. Gesuchsteller welche ihre Verwandtschaft mit den Stiftern nachzuweisen in der Lage sind, gemessen unter gleichen Verhältnissen vor anderen Bewerbern den Vorzug. Auszüge aus den Matriken der isr. Kultusgemeinde in Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich, sondern genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten. Verspätet überreichte oder, nicht entsprechend belegte Gesucht* werden nicht berücksichtigt "Wien, 1. Februar 1904. Das Kuratorium.