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Die Wahrheit · 1904-01-29 · Heft 5 (29.1.1904) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 5 (29.1.1904)
Date
1904-01-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Oesterr -Ungar. Cantoren -Zeituna. Zur Suster-Centemmrfeier. Der Vorstand der Wiener Kultusgemeinde hat beschlossen, das Andenken Salomon SulzeEs durch zwei Festgottesdienste am 20. und 21. März d. I., zu feiern. Der erste findet im Tempel in der Seitenstcttengasse, als der Stätte des eigentlichen Wirkens des unsterblichen Organisators des jüdischen Synagogengesanges, und der zweite im Leopoldstüdter Tempel statt. Bei der letzten Feierlichkeit sollen sämmtliche Wiener Cantoren, sowie die zur Centennarfeier erscheinenden Cantoren von auswärts Mitwirken. Außerdem ist eine Feier am Grabe Sulzer's und eine Festsitzung des österr.-ungar. Cantoren-Vereines geplant. Der hundertste Geburtstag Salomon Sulzers fällt eigentlich nach jüdischem Datum auf den 3. April (2. Tag Chol hamoed Pessach), doch wurde dieser Tag für die Centennarfeier aus dem Grunde nicht in Aussicht genommen, weil man den auswärtigen Cantoren, die während der Feiertage von ihren Gemeinden nicht abkommen können, die Teilnahme an der Feier ermöglichen wollte. Mit Rücksicht darauf wird auch eine imposante Teilnahme der Cantoren an dem Feste erwartet. Für die Synagogenfeier hat der Vorstand das vom Cantoren- Vereine vorgeschlagene Programm im wesentlichen aeceptieri. Dasselbe ist in folgender Weise zusammengestellt: 1. Mah towu 2. En komaucho Schir-Zion I. Nr. 128 3. Rede 4. Hinne borclm (Psalm 134) Schir-Zion II. Nr. 242 5. Uwnucho jomar (Ezchajhn). 6. Adon olam (Es dur) „ I. Feier auf dem Friedhofe: 1. Schochne bote chomer Schir-Zion I. 2. El mole rachamim 3. Rede 4. Scliiwissi. ,, I. Diejenigen Herren Cantoren, die an der Feier teilzunehmen gedenken, werden gebeten, ihre Anmeldung baldigst an den Vorstand des österr.-ungar. Cantoren-Vereines, Wien, I., Seitenstettengasse 4, gelangen zu lassen. Uerschiedene Nachrichten. Wien. (Literarischer Geselligkeitsverein „jüdischer Mädchen Moria".) Samstag, den 23. d. M. hat der Mädchenverein „Moria" eine Akademie mit anschließendem Tanzkränzchen unter großer Beteiligung, namentlich der zionistischen Kreise, im Hotel „Central" veranstaltet. Nach der herzlichen Begrüßung durch die Präsidentin, Frl. Berta Herrmann, sprach Frl. Helene Pasternak einen Prolog, der die Frauen und Mädchen zu zionistischer Arbeit aufforderte. Herr Dr. Martin Engländer hielt hierauf die Festrede und dann folgten musikalische und deklamatorische Vorträge, die vom Publikum mit. stürmischem Beifall ausgezeichnet wurden. Nach der Akademie hielt ein animiertes Tanzkränzchen die heitere Gesellschaft bis in die frühen Morgenstunden beisammen. Für den Nationalfonds wurde fleißig gesammelt. Ein rühriges Damen- und Herrenkomitee machte sich um das Gelingen des schönen Festes verdient. — Sonntag, den 24. d. M. hielt Herr Professor Dr. Leon . Kellner vor einem äußerst zahlreichen Publikum einen Vortrag über das Thema „Aus dem Leben Benjamin Discaelis". Der Referent entrollte in fesselnder Weise das Lebensbild Disraelis und erntete für seine ungemein interessanten Ausführungen wohlverdienten, reichen Beifall. Wien. (I. Wiener jüdischer Turnverein.) Am 16. Jänner d. I. fand im Hotel de France ein Unterhaltungsabend des Vereines unter starker Bet"iligung von Mitgliedern und Gästen statt. Nach einer kurzen Ansprache des Obmannes, Herrn Dr. Ludwig Werner, folgte: Rezitation einiger jüdischer Gedichte des Herrn Samuel Strauß, humoristische Vorträge des Frl. Ilona Schwarz, einige Lieder des Quartettes des jüdischen Männergesangsvereines „Schir Zion", die > „Lustige Gerichtsszene" (vorgetragen von den Herren Bettelheinr, Kurzer I und Fischl) und zum Schlüsse einige humoristische, sehr gut zum Bortrage .gebrachte Gesangspiöcen des Bereinsmitgliedes Frl. Selma Liebermann. I Sämtliche Vortragende wurden durch stürmischen Beifall der Anwesenden belohnt. An die Vorträge schloß sich eine Juxtombola und ein Tanzkränzchen. Der nächste Unterhaltungsabcnd findet am 20. Februar 1904 wiederum im Hotel de France statt. Wien. Der weit über die Grenzen Oesterreichs bekannte Schulmann und pädagogische Schriftsteller. Oberlehrer Philips Brunner, Lester der städtischen Mädchenschule in der Werderthvrgasse, ist am 25. d. M., um 9 Uhr abends, in seiner Wohnung, Döbling, Hofzeile 6. im 65. Lebensjahre gestorben. Mit Brunner ist ein hervorragender Pädagoge, einer der bedeutendsten Methodiker unter den Lehrern Oesterreichs, aus dem Leben geschieden. Die städtische Mädchenschule in der Werderthorgasse bat er zu einer allgemein anerkannten Musterschnle erhoben. Um die Begründung und Ausgestaltung der Kindergärten in Oesterreich har er sich durch Wort mrd Schrift ein bleibendes Verdienst erworben. Brunner war von seltener Selbstlosigkeit und Aufopferungsfähigkeit, sein tiefes Erfassen der kindlichen Natur, seine Milde und seine Güte machten ihn zum Rargeber zahlloser Familien. Brunner wurde am 3. November 1839 zu Pohr'litz in Mähren geboren. Er wirkte vorerst in seiner Vaterstadt, in Mißlitz und Piesling, und kam 1871 als Lehrer an die Mädchenschule in Oberdöbling. Am Tage vor seinem Tode erschien ein neues Werk aus seiner Feder, eine Materialiensammluug für den deutschen Sprachnnrerricht. Ein Sohn Brunners ist der Schriftsteller und Redakteur Armin Brunner. Wien. Am letzten Samstag fand im Tempel des Vereines „Bethachneseth", im III. Bezirke, die Barmizwahfeier des Sohnes des allgemein beliebten und geachteten Cantors, Herrn N. Schwarz, statt. Das Gotteshaus war stark besucht, und die Anwesenden lauschten dem ausgezeichneten Haftora-Bvrtrag des Barniizwah, sowie der Ansvrache des Herrn Rabbiners Dr. Abeles. Im Tempel sowohl wie im Hanse, wo der! Barniizwah eine schwungvolle Rede hielt, fanden sich viele Gaste ein, und auch an zahlreichen, schriftlichen Gratularionen fehlte es nicht. Prag. (lieber die Musik der Juden». Der böhmische Musikschriftsteller und Kritiker, I a n B rumberge r, hat mit großer Gewissenhaftigkeit das fast unbekannte Gebier der Musik der Juden durchgearbeitet und ein Buch darüber geschrieben, welches das ganze Material von den ältesten bis zu den neuesten Zeiten umfaßt. Dieses schöne Werk, mit zahlreichen Notenbeispielen ansgestattet, ist eben in Prag in böhmischer Sprache erschienen. Kolin. Für die hiesige Kultusgemeinde wurde Herr Canror Lamberg aus Austerlitz einstimmig zum 1. Cantor akzeptirr. Herr Lamberg besitzt eine sehr schöne Stimme und ist ein tüchtiger Chase». Derselbe wird bereits im Februar seine Stelle antreten. Troppau. Der jüdische Religions-Professor an den hiesigen Mittelschulen, Herr D r. M a x H u ß, har sich mit dem Frl. I d a B o x h o r n, Tochter des Tempelvorstehers Herrn Salomon Boxhorii, verlobt. — Der einzige Sohn unseres verehrten Ober-Cantors. Herrn Max S i u g e r m a n n. feiert am Sabbath B'schalach seine Barmizwa im hiesigen Tempel. Großwardein. Der hiesige Ober-Cantor, Herr L. Rosenzweig, wurde nach Ablauf seiner Probezeit, in Folge seiner Tüchtigkeit, auf weitere drei Jahre einstimmig akzeptiert und ist ihm von Seite des Vorstandes nach Ablauf dieser Frist das Definitivum in Aussicht gestellt. Hannover. (Eine jüdische L a n d w i r t i ch a f t s s ch u l e.) Die israelitische Erziehungsanstalt Ahlem bei Hannover, deren segensreiches Wirken weit über die Grenzen ihrer Provinz bekannt ist, hat seit Jahresfrist ihre Wirksamkeit auf einen neuen Zweig der Jugenderziehung ausgedehnt durch Errichtung eines Mädchenheims. Vor 10 Jahren als Lehrgärtnerei und Erziehungshaus für bedürftige und verwaiste Knaben mit neu» Zöglinge» begründet, zählt sie augenblicklich deren 91 trotz der zahlreichen Abweisungen, die in Folge Platzmangels haben erfolgen müssen, und hat wegen ihrer großartigen Organisation von Personen aus den verschiedensten Kreifen uneingeschränktes Lob erhalten, so von Herr» Pastor Oehleckers, dem Leiter des Stephanstistes bei Hannover, von dem Herrn Geh. Regierungsrat Ludwig Klein zn Friedenau, dem Regierungspräsidenten von Hannover, Herrn v. Philippsborn, und der Frau Gräfin v. Waldersee, welche auch der Feier des 10jährigen Bestehens der Anstalt beigewohnt hat. Auch auf der im September 1902 veranstalteten Provinzial-Garrenbau- Ausstellung hat die Anstaltsgürtnerei 5 Preise erhalten, darunter die große silberne Medaille des Vereins zur Förderung des Gartenbaues im preußischen Staate. 83 in Ahlem ausgebildete jüdische Gärtner und Handwerker befinden sich z. Z. bereits in guten Stellungen. Der Betrieb beschränkt sich z. Z. nicht mehr auf die Gärtnerei allein, auch in anderen Zweigen der Landwirtschaft werden die jungen Leute dort praktisch unterrichtet. Im Dezember 1902 hat dann die Anstalt auch eine Mädchen-Abteilung eingerichtet mit jetzt bereits 31 Schülerinnen. Auch diese sollen praktischen Ber fen als Wirtschafterinnen, Köchinnen und Dienstmädchen in Stadt und Land zugeführt werden. So ist Ahlem jetzt eine Anstalt geworden, die nach den Worten des Herrn Regierungspräsidenten, nicht nur für die deutsche i Judenheit, sondern auch für das gesummte deutsche Vaterland segensreich I wirkt. Um so mehr ist es wohl Pflicht aller, besonders der jüdischen Wohltäter durch ihren Beitritt als Gönner der Anstalt deren Aufnahmefähigkeit I von Jahr zu Jahr zu steigern.

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