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Die Wahrheit · 1904-01-01 · Heft 1 (1.1.1904) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1904
Issue
Heft 1 (1.1.1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Die Wahrheit Redaktion u. Administration:! Wien, H/j Novaragasse 27. Telephon Nr. der Druckerei 15302. Inserate 20 Hell, per Nonpareille-Zeile. Abonnementsu. Jnsertionsbetcäge sind in Wien zahlbar i und klagbar.! Unabhängige Heitschrift für Mische InLereben. ’t Erscheint jeden Irei 1 ag. Motto : ..Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ Verugsprers: Ganzjährig . . . K. 12 — Halbjährig . . . K. 6.— Für Cultusbeamte: Ganzjährig . . . K. 10 — Für Ausland: Ganzjährig ... 8 Mrrk. ü Rubel oder 16 Fcs. Ur. 1. Mien, 1. Jänner 1904. Inhalt: An unsere Leser. — Tempora mutantur. — Belgrad und Kischenew. — Amraphel-Haminnrabi. — lieber jüdische Mittelschulen. — Orgiiiiisativn des Judentums. — Ueber Samson Raphael Hirsch. — Aus der Wiener Knllusgemeinde. — Kleine Chronik. — Literarische Nachrichten. — Feuilleton. An unsere Leser! Bei dem Ernste der gegenwärtigen Zeiten bedarf das Judentum mehr denn je einer starken und unabhängigen Presse, die nicht nur rrmlvok und unerschrocken den Kampf nach Außen führt, sondern auch im eigenen Lager strenge Wache statt. Von dieser Ueberzeugung durchdrungen, hat „Die Wahrheit" auch im abgelaufenen Jahre an ihrem Programme, das Interests für die erhabenen Ziele des Judentums in allen Wevötllerungsschichten zu wecken, festgehalten, und ihr Bestreben wird auch fernerhin darauf gerichtet sein, jüdisches Leöen in alten seinen Erscheinungen zu pflegen, die innere Hrganisation mit assen Kräften zu fördern, die Worfälle iw Kemeindennd Bereinsteöen mit waßvolter und ostjelltiver Kritik zu beurteilen und dabei gleichzeitig den Kampf nach Außen mit Würde und Entschiedenheit zu führen. Diese publizistische Tätigkeit bitten wir durch Abonnierung unseres Mattes und durch möglichste Verbreitung desselben zu fördern. Durch Uebernahme des Druckes unseres Blattes seitens der bewährten Firma Woriz Waizner & Solm. der bisherigen Herausgeber der „Weuzeit", wird auch ei r e vorteilhafte Veränderung in der äußeren Form unseres Blattes eintreten, die unseren geschätzten Lesern gewiß willkommen sein dürste. Abonnements-Bedingungen: Vierteljährig Kr. 3. -, Halbjährig Kr- 6.—, ganzjährig Kr. 12.—. Probenummern stehen zur Verfügung. Die Weöaktion. Tempora mutantur. Dem jüdischen Lesepublikum ist in der vorigen Woche eine Ueberraschung bereitet worden, die gewiß bei Vielen schmerzliche Empfindungen erwecken mußte. Das älteste jüdische Blatt in Oesterreich, „Die Neuzeit", sah sich nach 43jähriger, ehrenvoller publizistischer Tätigkeit gezwungen, ihr weiteres Erscheinen einzustellen, und wer sich die Mühe gab, aus den einfachen nnd schlichten Erklärungen der dermaligen Herausgeber des Blattes den wahren Grund ihres bedauernswerten Entschlusses herauszulesen, der konnte sich der Ueberzeugung nicht verschließen, daß die mangelnde materielle Unterstützung des Publikums ihnen solche Opfer auferlegte, die weit über dasjenige hinausgingen, wozu sie sich im Dienste für die Interessen der Allgemeinheit verpflichtet fühlten. Und so hat Jndifferentismus, dieser bekannte Schädling im Jndenttime, dem die jüdische Publizistik, besonders in Oesterreich, auf Schritt und Tritt begegnet, wieder ein Opfer gefordert, nnd in der ernsten Zeit, da wir gerne jeden neuen Streiter in unsere Mitte willkommen heißen, ist ein wackerer Kämpe von unserer Seite gerissen worden. Es wäre undankbar, über diese Tatsache nur einfach zur Tagesordnung überzugehen, besonders aber am Abschlüsse einer so vieljährigen und bedeutsamen publizistischen Tätigkeit nicht jener glänzenden Erscheinungen zu gedenken, die an der Wiege der „Neuzeit" gestanden und ihre ersten Schritte in die Oeffentlichkeit geleitet haben. Dr. Leopold Kompert, der feinfühlige Dichter und verständnisvolle Kenner der jüdischen Volksseele, und Simon Szanto, der glänzende Stylist und scharfblickende Beobachter, zu denen sich später noch Dr. Adolf Jellinek, der bezaubernde Redner und tiefsinnige Gelehrte, nnd viele andere reiche Talente gesellten, an denen die damalige Wiener Gemeinde keinen Mangel hatte, vereinigten sich zur Herausgabe eines jüdischen Blattes, in welchem alle politischen, religiösen, sozialen und kulturellen Erscheinungen der Zeit von der Perspektive des Judentums aus beurteilt werden sollten. Und so entstand „Die Neuzeit", die wie ein Frühlingsbote in den jüdischen Gemeinden begrüßt wurde und Woche für Woche fruchtbringende Anregungen zur inneren und äußeren Organisation des Judentums brachte. Was wir heute vielfach als fertiges Gebäude sehen, wurde damals in kleinen Steinchen zufammengetragen und den Männern, die diese mühsame und segensreiche Arbeit im Laufe der Jahre geleistet, gebührt ungeschmälerter, aufrichttger Dank, an dem auch die letzten Heraus-

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