Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 48 (25.12.1903)
- Date
- 1903-12-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nt. 48 Die Vahrheit. Ssico 9 die Welt aber und, die vielen Millionen Glaubensbrüder, die Eins jiiit den Jndentmn lind seiner ehrwürdigen Alttradition sich suhlen, bedürfen ihrer so sehr und so dringend wie des Augenlichtes, wie Alles, das uns lirb gmd wert, auererbt und unveräußerlich geworden ist. Schneidet und kürzet, reutert und stürzet Ihr Neuerer und Besserer der Tempelliturgie, hältst Talmi und Blech auf den Goldgrund unserer frommen Volksliteratur! Die Folge ist iiist, das Ergebnis ein Wahn. Schon die Gegenwart alleitt läßt uns in DduHeu erschaudern der nuheilkündeuden Symptome halber, die WlUl^Wrwegeu wahruimiüt. Was wird erst die Zukunft uns lehrend Cantor I. Schwarz, Lin;. Verschiedene Nachrichten. Wien. Dienstag, den 29. December 7 Uhr abends findet im „Hotel Savoy" (Englischer Hys) Mariahilferstraffe 81 die General-Versammlung de» Temprlvereines für die Bezirke Mariahilf und Neubau statt. Wretk. (Vortragscyclus aus jüdischer Geschichte und Volkskunde). 29. Dezember. -(Dienstag)--^präzise halb 8 Uhr''Abends im Festsaale des österr. Ingenieur- und. Architektenvereines, 1., Eschenbachgasse 9, Herr Dr. E. David : „Aus dem inneren Leben der deutschen Juden im Mittelalter". Der Eintritt ist frei. Wien. Herr Ccmmerzialrath Leopold Pollak, Präsident des Wiener Handelsgremiums und Chef der Firma Hermann Pollak's Söhne, ist iu Anerkennung seiner hervorragenden commcrziellen Thätigkeit von Sr. Majestät dem Kaiser in den Adelsstand erhoben worden. Wien. (Kleidcrspende.) Herr Commerzialrat Ludwig Zwieback, I.,' Kärntnerstraße, hat" in mnnifizenter Weise für die verwaisten und verlassenen Kinder, externe Schützlinge des isr. Waisenvereines, eine namhafte Spende von allen Gattungen der Kinderbekle'dung zur Verfügung gestellt und damit angesichts des nahenden Winters einem großen Bedürfnisse begegnet. Es sei dem freundlichen Geber hieinit der verbindlichste Dank abgestattet. Wien. Donnerstag den 17. d. M. feierte der Präs s des Josefstädter Tempelbauvereines,Herr Michael Straffer, seinen 89. Geburtstag, aus welchem Anlasse Samstag, der 19. d. M. i.n Tempel, Vlkl., Neudeggergasse 12, eine Feier stattsand Zu derselben haben sich u. A. eingesunden: der Gesammt-Vorstand des Josesüädter Tempel-Vereines an der Spitze der Präses Herr Hermann Beck, Herr Cultus orsteher Salo Cohn, die Herren k. k. Ober-Potizei Rath Stuckart, Alfred Straffer, Gustav Straffer, Josef Gerbel, Berstl. die Herren Beth.rusvorsteher A. Wmterberg, Gottlieb Bettelheim und H. Liebermann u. v. A. Eir.geleitet wurde die Feier durch die Einweihung der . von Herrn Cultusvorsteher Salo Cohn, einem warmen Förderer des Teinpels, zu Ehren des Jubilars gespendeten Thora-Rolle. Den'gesanglichen Theil der Feier besorgte in ganz vortrefflicher Weise Ober-Cantor Kwartin unter Assistenz des unter der Leitung des Herrn Cantor Edelmann stehenden Chores. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Bauer, welcher in derselben die unvergänglichen Verdienste des Jubilars hervorhob. Bezugnehmend auf die durch Herrn Salo Cohn gespendete Thorarolle beleuchtete Redner auch die überaus segensreiche Thätigkeit dieses Mannes, der sich in wahrhaft munificenter Weise an jedem Wohlthätigkeitsakte^ in hcrvorragenster Weise betheiligt. Nach der Feier wurde im Sitzungssaals das Bild des Jubilars — eine Spende des Gesammt-Vorstandes — enthüllt. Wie». (Leichenbegängniß.) Am 20. d. M. wurde Herr Josef H- Mittler, Inspektor der Asiekuranzgesellschast Generali, zu Grabe getragen. Eine große Anzahl von distinguirten Trauergästen aus der Finanzwelt, Großindustrie und Kaufmannschaft warmi erschienen, um dem Verewigten die letzte Ehre zu erweisen. Man bemerkte de» Herren Culmsvorsteher Baurat Wilhelm Stiaßny, ein Schwager des Verewigten, Negierungsrat Piesling, k. k. Hoflieferant Josef Quittner, Fabrikant Moser, Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Alsreo Mittler, Fabrikanten S. Heit u. A. In der Zeremonienhalle des Döblinger Friedhofes sang Herr Oberkantor Kläger in B gleitung seines Chores die Trauergesänge ergreifend vor. Hierauf hielt Herr Prediger Dr. Gelbhaus eine tief empfundene Trauerrede, in welcher er die Tugenden des Verewigten schilderte. Wien Samstag, den 19. d. M. der nstaltete der jüdische Arbeiterverein im Hotel Central, II. Taborstraße eine Makkabäerfeier mit anschließendem TanzkrÜnzcheu, welches Fest einen animirten Verlauf nahm. Herr Obercantor Jg. Oesterreicher assistirt von se'nem Chorpersonal, entzündete die Chanukalichter und hierauf wurde die Zeit bis Mitternacht mit anregenden Vorträgen ausgefüllt. Den Glanzpunkt des Abends bildeten die gesanglichen Darbietungen des Herrn Obercdntor Oesterreicher, der einige Lieder un er stürmischem Beifall zu Gehör brachte. Nach Mitternacht wurde eifrig dem Tanze gehuldigt und wir freueten uns zu sehen, wie die, das ganze Jahr hindurch schwerer Arbeit obliegende jüdische Jugend einmal auch so recht vergnügt sein konnte. N. Ch. Wien (Liter. Geselligkeitsverein jüd. Mädchen «Moria".) Sonntag, den 27. d. M. wird der Vortrag des Herrn Dr. S. Krenbergev. Präsident des Land.'skomitees, über das Thema „Midchenb Hdung" mit naschließender Diskussion stattsinden. Gäste heczlihft willko nnien. Wien. (l. Wiener Jüdischer Turnverein.) Am 16. November l. I. fand im Turnsaale, Wien, l , Mölkerbastei 5 die IV. ordentliche öauptversawmlnug statt. Nach eurer kurzen Ansprache des Vorsitzenden. Herrn Carl Ptowitz, wurden die einzelnen Referate erstattet. Zuerst berichtete der I. Turnwart, Herr Rudolf Pollak, ausführlich über den Turnbetrieb im vergangenen Jahre und betonte insbesondere den vollen Erfolg, den das am 4. April 1903 im Nonacher Ballsaale stattgefnndenen Schauturnen dem Vereine gebracht hatte. Sodann hielt Herr Löwy sein Referat über die Gründung der Jüdischen Turncrschaft zu Basel und über das daselbst stattgefundene Schauturnen. Der Verein war bei demselben durch die Herren Emerich Löwy und Dr. Egon M. Zweig vertreten. Run folgte der Bericht des Zengwartes, Herrn I. Löwenbein, und der Caffa- Bericht des Herrn Siegfried Beer, dann wurde dem abtretende» Ausschüsse das Absolutorium erteilt. Hierauf wurden die Wahle» vorgenommen. Znngöuuzkan. Die hiesige Ortsgruppe des Hilfsvereines für die notleidenden galizischen Juden, dessen rühriger Präses, Herr Fabrikant Haas ist, veranstaltete in der Channkawoche eine Makkabäerseier Den Neigen eröffnet« Her? Rabbiner D . M. Hoch, mit einem von ihm verfaßten Prolog, in welchem er den Kampf Judas mit den Syrern mit dramatisch belebter Steigerung schilderte. Auch in einem zweiten Vortrage „Die Makkabäer und wir" sprach er in zwangloser zeitgemäßer Form über die gesellschaftlichen Verhältnisse oer heutigen Juden und der zur Zeit Juda Makkabis. Frau Dr. Steinreich, die liebenswürdige Gattin unseres allverehrten Herrn Cultnsvorstehers, trug hierauf zwei schöne G dichte iu launiger Weise vor, die stürmischen Beifall ernteten. Ein junger Studiosus rezinerte ein böhmiiches Gedicht „Der jüoische Friedhof in Prag" von Jaroslav Vrchlizky. Den musikalischen Teil, der zwischen obigen Rezitationen eingestrent war, leitete Herr Oberkantor B. Sing r und gefielen besonders die Vorträge des Vioiinspielers Herrn G. Pick und des Lied, rsängera Herrn Beranek. Am folgenden Sabbath erzielte Her? Rabbiner Dr. Hoch durch eine treffliche, groß angelegte Predigt abermals starken Erfolg, .indem er die Lichtgestalt. Josefs in unsere Rübe rückte, das Unrecht, welches au ihm verübt wurde, dem Unrecht und der Grausamkeit verg ich, welches unfern Brüdern im fernen Osten und dem bekannten Märtyrer im Westen zugefügt wird. Aber bereits taet es, denn die Völker verlangen Einsicht und ein Morgen der Freiheit scheint sich zum Heile des Judentums vorzubereiten. Hrappan. Kapellmeister Siegfried T h e u in a n n, der Sohn des bekannten Fabrikanten Herrn I. Theumann in Wien, dem Heuer die musikalische Leitung unserer Oper an dein hiesigen Stadttheater anvertraut ist, verstand es, durch seife große musikalische Tüchtigkeit, die volle Gunst unseres musikliebenden Pnblicnms, wie die der Presse zu erwerben. Herr Kapellmeister Theumann hat in den bis jetzt hier unter seiner Leitung stattgehabten erfolgreichen Opern-Aufführungen „H u g e no tt e „Othell o", «Fideleo" und Wagner «Walküre" bvwiesen^ d iß er ein ebenso tüchtiger Musiker als feinfühliger, energischer und umsichtiger Dirigent ist, der seine Künstlerschaar, Sänger und Orchester zu vollem Siege zu führen versteht. Zum wiederholten Male mußte Herr T h e u m a u u nach den Aktschlüssen vor der Rampe erscheinen, um den begeisterten Dank der Zuhörer entgegenzuuehmen. B.sonders bei der letzt stattgehabten Aufführung von Wagners „Walküre", welches Werk er mit seinem masikaalischen Verständnis vorbereitet hhtte, und mit Umsicht und künstlerischer Energie leitete, dankte das musikliebende Publicum dem tüchtigen Dirigenten mit stürmischen Beifall und ries ihn wiederholt ans die Bühne. Herr Kapellmeister Theumann ist auch für die nächste Theater-Saison als Operndirigent für unsere Bühne engagirt worden. Obercantor Hingermarn. Szenicz. Am l0 d. M. verstarb in Mistelbach (N.-O.) Herr Lazar Mandl,^der durch ungefähr 30 Jahre, bis zu seiner vor einigen Jahren erfolgt n Pensionierung, als Cantor der hiesigen Cnltnsgememde wirkte. Die Leiche des Verblichenen wurde hieher überführt, nur im alten Chewra- Friedhofe neben seiner ihm im Tode vorangeganzenen Gattin bestattet zu werden. An dem Sarge trauerten seine Söhne, die Herren Josef und David Manrl, geachtete Kanflente in Wien, Professor Bernat Mandl ans Budapest, Dr. Simon Mandl Rabbiner in Nentitschein und Dr. med. Heinrich Mandl ans Verbo. Herr Dc. Simon Mandl schilderte in beredten Worten die Tugenden des Verblichenen und sein Wicken als Lchrrr und Erzieher seiner Kinder. Herr Bezücksrabbiner Macmorstein, dem es nach dem Mansche des Verstorbenen nicht gegönnt war,' dem langjährigen Freunde ei reu würdigen Na hruf zu halten verlas nur das Testament, aus welchem auch der edle, religiöse Charakter des Verstorbenen sprach. Die Söhne ließen den Ortsnamen namha'te Spenden znkommen. Bei der am 6. d. M. abgehaltenen Repräsentantensitznug der C altnsgemeinde machte der Präses, Herr Moritz S hönmann, offiziell Mitteilung von dein Hin'cheiden des langjährigen Beamten und berichtete, daß ec namens der Gemeinde der Familie persönlich kondolierte. Die Repräsentanz nahm den Bericht zur Kenntnis und gab ihrem S hmecze ob dieses Verlustes protokollarisch Ausdruck. Auch beschloß die R präsenta z in Anbetracht der pflich.eifrigen Dienste des Verblichenen und in Erwägung der allgemeinen Hochschätzung, deren derselbe sich zeit seines Wirkens in der Gemeinde erfreute, sein Andenken in der Weise za ehren, dag se.n Rune und der seiner Ga'tin aas der Gedenkcabell: in dee Shlagogr verewigt werde und an den jeweiligen Jahrzeicstagrn ein Seele alich: aag'znrdet und vom Cantor das Seelengebet verrichtet wird. Szokokcze. Sonntag, den 20. d. M. fand hier die Trauung des Fräuleins Sidonie Spranz Tochter des Herrn Karl Spraiz UN) seiner Gattin Marie, geb. Löwy mit Herrn Löwy statt. Den Tcannngsakt vollzogen der hiesige Religionslehrer Herr Sam. Wnß und Obercantor I. Reumann.