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Die Wahrheit · 1903-12-18 · Heft 47 (18.12.1903) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 47 (18.12.1903)
Date
1903-12-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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6 Aedaction mtb Adinillistratio r: Die«, ir/t. Novaragasse 27 7 — . JÜ. k. bfterri Po!'v7r>usia Check-Como Dir. 846.251 Inserate Kl Heller per Noupnreille-Zeile. IboiineiiieutS» und JuseratioilSbelräge sind in Wien zahlbar )f mtb klagbar. b( .___ tr, —- »r. 47. ^abhängige Heitfchrifi für Mische Inieressen. Erscheint jeden Freitng. Uotto: „Vas LisFs! 6otts» ist ^»Krdoit!" j Bermrspreis: | Ganzjährig . . . . K. 12.- j! Halbjährig . . fl 6.— I Für ßultuSvK'aiute: Ganzjährig.... K 10.— Für Ausland: Ganzjährig . . .8 Mark. 6 Rubel oder 18 Fc» tvien, 18. Dezember IM. Wtza t r lieber jüdische Mittels h ule«. — Pflicht und Religion. — Mommsen und die jüdische Geschichte. — Hilfsverein für die nothleidende jjchische Bevölkerung iii Gal zicn. — Gemeinde :-.ud Vereinsbote. — Publikationen des Oesterr.-ung. Cantoren-Vereines. — Zur Pflege der jüdischen Sangeskunst. — Verschiedene Nachrichten. as: Ldj zu? 7. ide lieber jüdische Mittelschulen. Die kürzlich erfolgte Veröffentlichung des letzten Jahres' ichtes des Wiener Nabbinerseminars gab zweien geschätzten itarbeitern unseres Blattes Anlaß, sich mit der von dein klor der Anstalt freimütig eingestandenen Tatsache \n beschäfen, daß ein nicht unbedeutender Perzentsatz der Hörer nach solvierung der Studien nicht zum Rabbinerexamen zugelassen rden kann. Der Eine glaubte die Ursache dieser Erscheinnng dem Unterrichtsplane zu finden, der Andere in der Qualität Hörermaterials. So treffend und beherzigenswert auch die iregungen beiter Herren waren, so scheint uns dennoch, daß der geistvolle Kanzelredner, Rabbiner Dr. Adolf Schmiedl, i Kernpunkt der Frage berührt hat, indem er in seiner anläßlich 40 jährigen Bestgndes des Wiener Beth-hamidrasch gehalm Festrede darauf hinwies, daß es uns leider in Oesterreich jüdischen Volks- und Mittelschulen, und namentlich an letzteren >le. In Deutschland ist die Frage der jüdischen Mittelschulen ou längst praktisch gelöst worden, aber bei uns haben erst traurigen Erfahrungen der letzten Jahre derselben größere Mllität verliehen .und die öffentliche Diskussion wird sich geß baldigst mit diesem wichtigen Thema ernstlich beschäftigen llssen. Zur gründlichen Vorbereitung derselben hielten wir es |on vor einigen Jahren für angezeigt, an einen der Hervorst geiidsten jüdischen Pädagogen Deutschlands und Leiter einer Aschen Mittelschule heranzutreten und ihn zu bitten, daß er unserem Blatte Einiges über Geschichte, Entwickelung und michtung der jüdischen Mittelschulen in Deutschland verösfent, he. Indem wir nun die uns seinerzeit zur Verfügung gestellte rbeit, im Nachfolgenden wiedergeben, glauben wir nicht nur •|j iseren Lesern einen hochinteressanten Moralischen Beitrag »iiit zu bieten, sondern auch allen jenen Faktoren, die sich mit eser jüdischen Schulfrage zu beschäftigen haben werden, einen geistlichen Dienst zu erweisen: Es ist Mendclsohn's unsterbliches Verdienst, daß er seinen laubensgenossen in Deutschland den Weg gewiesen zu den forren europäischen Enlturlebens, daß er in ihnen das Ver- '.igen geweckt hat, an dex Bildung ihrer Zeit selbst tätig teil- >»ehmen. Wie sehr auch der große.Denker von vielen feiner üiiger mißverstanden wurde, die dun Streben.nach Assimilation Satzungen der Väter und deren reichen Wifsensinhalt zu ijcni bereit waren, so hat sich durch Mendelsohns glänzendes kieUeiipiel.der. Drang nach zeitgemäßer Bildung unter den deutschen Juden immer weiter verbreitet und die Möglichkeit und die Grundlage für ihre bürgerliche Befreiung geschaffen. Aber noch war es den Juden nicht leicht gemacht, ihren Wissensdurst zu befriedigen, da der Eintritt in die höheren Lehranstalten des Staates für sie noch mit Schwierigkeiten verknüpft war. Ehe es noch gelang, diese Schwierigkeiten hi.iwegzm äumen, fanden sich in einzelnen Gemeinden opferwillige Männer, die jüdische Lehranstalten zur Förderung moderner Bildung unter ihren Glaubensgenossen ins Leben riefen. So wurde 1801 von dem bekannten Israel Jakobsohn (fMerem Finanzrath und Präsidenten des israelitischen Conststorium zu Cassel) in seiner Vaterstadt Seesen am Harz, eine Anstalt zur Heranbildung jüdischer Knaben gegründet. Dieselbe nahm auch christliche Kinder auf, um eine soziale Annäherung zwischen den verschiedenen Confessionen herbeizufnhren und die Gegensätze möglichst auszugleichen. In gleichem Sinne wurde von einem Kreise modern gebildeter jüdischer Männer in Frankfurt a. M. 18 Ü4 eine Lehranstalt ins Leben gerufen, die — in Anlehnung an das bekannte Basedowsche Pamgoginm in Dessau — den Namen Philantropin erhielt. Bald nachher entstand durch die Hochherzigkeit des Jsak Herz Samson die nach ihm benannte Samionschule zu Wolsenbüttel. in der Männer, wie Jost und Z'iuz. ihre erste Bildung empfingen. Die Franzschule in Dessau und die schon am Ende des 18. Jc.hrhunderts begründete Wllhelms« schule in Breslau haben sich nur wenige Jahrzehnte erhalten. Alle diese Anstalten waren zu dem Zwecke gegründet, die Assimilation der Juden zu fördern, und erstrebten vor allem eine tüchtige Ausbildung ihrer Zöglinge in profanem W sseu. Sie erreichten darin auch sehr gute Re'ultate und erlangien großes Ansehen; namentlich das Philantropin in Frankfurt a. M .wurde wegen seiner vorzüglichen Leistungen sowohl in christl'chen vi' in jüdischen Kreisen sehr gewürdigt. Die Pflege jüdischen W ss u ' wurde neben den anderen Lehrgegenständen allerdings mi: ’ii geringem Maße betrieben. Als nun durch die Hardenbergschen Gesetze in Preußen, um dieselbe Zeit auch in den meisten anderen deutschen Staaten, die öffentlichen Schulen den Juden zugänglich wurden, glauvten die jüdischen Anstalten ihre Gleichberechtigung dadurch erweisen zu müssen, daß sie ihren jüdischen Charakter immer mehr abstreiften. Sie entwickelten sich mit der Zeit, namentlich seitdem das Liebeswerben von jüdischer Seite in christlichen Kreisen nicht mehr zurückgewiesE wurde, zu interkonfessionellen Anstalten, die

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