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Die Wahrheit · 1903-09-29 · Heft 37 (29.9.1903) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 37 (29.9.1903)
Date
1903-09-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redactio» und Administrativ':: Wien, H/,. Novaragasse 27 Kk. österr. Vo^ivaroassa Check-Conw Nr. 846.251' Inserate 20 Heller per Nonpareille-Zeile. Abonnements, und JnserationSbeträge sind in Wie» zahlbar und klagbar. Unabhängige Heiischrifi für Mische en. Erscheint jeden Freitag. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" Berngspreis: Ganzjährig. . K. 12.— Halbjährig . . . . S. 6.— Für CultuSbeamte: Ganzjährig.... 9.' 10i— Für Ausland: Ganzjährig . . .8 Mark. K Rubel oder 1k Fc» Nr. 37. Wien, 29. September t 1903. Inhalt r An unsere Leser! — Judenexzesse in Hoinel und Zablatow. — Die jüdische Orient»Colonisations«Gesellschaft. — Aus der Wiener Cultusgemeinde. — Kongreß gegen den Mädchenhandel. — Verschiedene Nachrichten. — Der Tag der Einkehr. In unsere Leser! Bei dem Ernste der gegenwärtigen Zeiten bedarf das Judenthum mehr denn je einer starken und unabhängigen Presse, die nicht nur mutvoll und unerschrocken den Kampf nach Küßen führtsondern auch im eigenen «Lager strenge Wache hält. Von dieser Ueberzeugung durchdrungen, hat „Die Wahrheft" jederzeit an ihrem Programme, das Interesse für die erhabenen Ziele des Iudenthums in alten Nevölkerungsfchichten zu meckensestgehalten,und ihr Bestreben wird auch fernerhin darauf gerichtet sein, jüdisches Leöen in allen seinen Erscheinungen zu pflegen, die innere Organisation mit allen Kräften zu fördern, die Wortässe im Kemeinde-und Wereinsleöen mit maßvoller und objektiver Kritik zu keurtheilen und dabei gleichzeitig den Kampf nach Außen mit Würde und Entschiedenheit zu führen. Solches Streben verdient gewiss die vollste Unterstützung aller Glaubensgenossen, und indem wir dieselben dringenost ersuchen, diese publicistische Thätigkeit durch Kbonnierung unseres Mattes und durch möglichste Verbreitung desselben zu fördern, bitten mir, den Mänumerationsbetrag für das am 1. Moder beginnende vierte Quartal umgehend einzusenden. Abonnement: Vierteljährig Kr. 3.— Probenummern stehen zur Verfügung. Die Redaction. Iudenerzeffe in Hömel und Zablotow. Wenn irgend etwas die Aliuahme zu bestätigen vermag, daß das Blutbad in Kischiuew unter Patronanz der russischen Negierung inszeniert wurde, so sind es die neuerlichen Judenexzesse, welche sich am 11. und 14. d. M. in der russischen Provinzstadt Homel (Gouvernement Mohilev) ereigneten und die geradezu schändliche Haltung, welche hiebei das Militär' einnahm. Ein christlicher Augenzeuge meldet hierüber im „Berl. Tagbl." folgendes: „Die Ereignisse selbst spielten sich in meiner Gegenwart in folgender Weise ab: Am 11. September fand Wochenmarkt statt. Nun gibt es zwei Lesarten über den Beginn der Streitigkeiten. Soviel steht jedenfalls fest, daß bei einem Heringskauf der jüdische Verkäufer und der russische Käufer in streit gerieten, aus dem eine Prügelei entstand. Dem Verkäufer und dem Käufer liefen andere Personen zu Hilfe. In kürzester Zeit war aber diese Prügelei durch das Einschreiten der Polizei , wieder unterdrückt. Da man in jüdischen Kreisen ahnte, was bevorstand, so sorgte die intelligentere Bevölkerung dafür, daß am Sonnabend und Sonntag durchaus Ruhe gehalten wurde. Angesehene Juden gingen durch die Straßen und warnten vor - jeglicher Ausschreitung. Am Montag war das Bild vollkommen verändert. Die Bahnarbeiter waren inzwischen aus gehetzt worden. Man sagte ihnen, sie wären verpflichtet, das zu rächen, was am Freitag geschehen war, und sie kamen daher von der Bahnstraße drohend und johlend in die Stadt. Und "nun das Charakteristische! Die Schloßstraße, in der die wohlhabende jüdische und christliche Bevölkerung wohnt, war bereits durch Militär abgesperrt. Das war ein deutliches Zeichen, daß die Regierungsbehörde durchaus wußte, was bevorstand, und daß sie die wohlhabende Bevölkerung zu schützen bereit war. Dagegen ließ man die Bahnarbeiter ruhig nach den ärmeren Vierteln passieren, und sie begannen ein unerhörtes Verwüstungswerk namentlich in den ärmeren Straßen. Die Häuser an der Techniker-, Wind- und Nowakowskystraße wurden ausgeplündert, und als sich die Juden in Bewegung setzten, um den Plünderern entgegenzutreten, wurden sie von dem Militär zurückgetrieben. Es fanden also auch hier in Homel Plünderungen und Demolierungen unter direktem Schutze des Militärs statt, während der Polizeimeister und der Jsprawnik (LandrÄt),' sowie die gesamte Polizeimannschast auf den Straßen nicht zu sehen waren. Da die Juden sich nicht tatlos ausplündern lassen wollten, so gab es auf beiden Seiten Tote und Verwundele. Die Zahl ist keine sehr große, aber ich glaube doch, daß etwa ' ein Dutzend Juden und ein Dutzend Christen bei der Mepvlte? gefallen sein werden. .. Das Charakteristische für einen Westeuropäer ist auch in diesem Falle, daß die Staatsbehörden die Plünderungen, genau

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