Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 34 (4.9.1903)
- Date
- 1903-09-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 34 Die Wahrheit Seite 1-1 des Rabbiners,-um ihn zum Amtsantritt zu beglückwünschen. Unter anderen erschien auch eine Deputation, der zionistischen Organisationen in Fünfhaus, bestehend aus den Herren Dr. Krenberger, Pick, Mohr und Bernhard, um im Namen ihrer Gesinnungsgenossen den neuen Seelsorger zu begrüßen. Der Führer, der Deputation. Herr Dr. Krenberger, bemerkte in seiner Ansprache, daß Dr. Grunwald wegen seiner wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiete der .Volkskunde von seinen Gesinnungsgenossen siets sympatisch beobachtet wurde, weil sie darin ein ihrem Standpunkt' befreundetes Streben erkennen. Redner und seine Genossen wissen, daß Herr Dr Grunwald in den zionistischen Kreisen Deutschlands sich warmer Sympathien erfreue, er wolle auch' nicht verschweigen, daß eine zionistische Propaganda im XII. und XV. Bezirk Dr, Grunwald speziell für Fünshaus zu gewinnen suchte, Allein auch aus der Antrittsrede und der Programmeytwicklung .Dr. Grunwald's haben Redner und Genossen eine sozialpolitische Auffassung wahrgenonunen, welche sie als eine der ihrigen verwandte, mit Genugtuung begrüßen. Sie geben sich deshalb der Hoffnung hin, daß Dr. Grunwald' ihre in diesen Bezirken zu Gunsten des jüdischen Volkes ins Leben gerufenen Institutionen mit seinem Einfluß fördern werde. Herr Dr. Grunwald sprach für die freundliche Begrüßung seinen verbindlichsten Dank und gab seiner Freude Ausdruck, die Führer der zionistischen Partei in seinem Wirkungsbezirk kennen zu lernen.. In der Tat verbinden ihn mit hervorragenden Mitgliedern der zionistischen Partei Deutschlands, mit Männern, deren ideales, opferbereites Streben ihm hohe Verehrung einslöße, Bande wärmster Freundschaft. Sein Beruf gebiete ihm aber, vor Allem die religiösen Aufgaben des Judentums zu pflegen und untersage ihm gleichzeitig jede parteipolitische Bethätigung. Alle Institutionen, welche zum' Heil des Judentums geschaffen seien und wirken, begleite er mit dem wärmsten Wohlwollen und dürfen seiner hilfreichen Unterstützung und Förderung nach jeder Richtung hin und zu jeder Zeit gewiß sein. Auf dem Gebiete gemeinnütziger Tätigkeit hoffe er auf ein friedliches, freundliches und einträchtiges Zusammenwirken im Dienste der uns allein gleich heiligen Sache des jüdischen Volkes. Derschie-eue jlachrichten. Mien. Aus den Kreisen des Vereines „Adaß, Jisroel" (Schiffschul)! wird uns geschrieben. Samstag, den 12. September 1903. werden es - 20 Jahre seit dem Herr Obercantor Wittmann, sein Amt in der Schisss schule angetreten hat. Herr Wittmann har durch seine hervorragenden Leistungen als CHasan eine große Schaar von Freunden und Verehrern j sich erworben, welche stets mit Andacht und Spannung seinen ange-! nehmen, erhebenden Vorträgen im Gotteshause lauschen. Durch seine humanen Gesinnungen ist er bei seinen Mitgliedern und Freunden I geschätzt. Seine Freunde bringen ihm aus Anlaß seiner zwanzigjährigen; rastlosen Amrsthätigkeit, die herzlichsten Glückwünsche entgegen. Oibenschitz. (Einweihung einer Ceremonien- und Leichenhalle). : Die erste Warnung, die Gott dem erstten Erdensohn zurief: „Xi wejom j acholcho inimenii maus tomos“ verwirklichte sich an den Gemeinden j Böhmens und Mährens. Seit das Licht der Civilisation in die dumpfen > Mauern des Ghettos mit Macht eindrang, seit wir mit Heißgier vom Baume des Wissens naschten, sind unsere Gemeinden dem successiven Hinsiechen verfallen. Die Judenheit, die Hierzulände sich fast ausschließlich der Industrie widmet, zieht dahin, wo eine lebenskräftige Industrie erblüht, in den Gemeinden aber bleiben noch zurück Leute, die entweder ein alteingerichtetes Geschäftlein von ihren Eltern erbten, oder die, denen die Courage zum Ausstiegen fehlt. Eibenschitz zählte noch vor ca. 40 Jahren zu den bedeutendsten Gemeinden Mährens, heute aber ist noch von der großen Gemeinde ein kleines Häuslein von Bale-Battim. und ein großer — Friedhof zurückgeblieben. All' die Gedölim, wie der selige Rabbiner Reb Bee Oppenheim; der Vater des in der jüdischen Gelehrtenwelt weitberühmten Jonathan Eibenschitz u. s. f, sie ruhen alle friedlich auf dem Gottesacker, und mit 'Recht ehrt die hiesige Gemeinde den Friedhof, schätzt ihn, als ein Denkmal vergangenen Flors. Der Vorstand der hiesigen Cultusgemeinde ging jüngst daran eine Leichenhalle nach neuem Stile zu errichten. Die Gaben edler Spender, Subventionen von sämmtlichen hier befindlichen Woltätigkeits-Vereinen, eine namhafte Summe von seitens der Chewra Kadischa, ermöglichten die Ausführung des höheren Gedankens; und siehe da! ein prachtvoller Bau, wie aus Marmor gehauen glänzt weit über die Lande, überragt alle Zinnen der ganzen Umgebung. Am 30. August fand die Einweihung der Leichen- und Ceremonienhalle in folgender Weise statt: Am 2. d. M. nachmittags versammelten sich die Vorstände der Cultus- und politischen Gemeinde, der Vorstand Chewra Kadischa im Sitzungssaal der Gemeindekanzlei, von wo aus sie sich in den Tempel corporativ begeben hatten. Das Gotteshaus war schön geschmückt und feierlich beleuchtet. Beim Eintreten der Honoratioren begann die Orgel mit einem Präludium. Obercantor Loewensohn schritt zur Bundeslade hin, dann stimmte der Chor unter Leittung des Cantors Wilkowitsch Lla töwu an. Rach dem Minchagebete gingen die Festgäste zum Friedhof. Dort harrte der Baumeister, Herr Bürgermeister Ko ei, mit mehreren Gästen der Kommenden, begrüßte sie und überreichte die Schlüssel dem Cultusvorsteher. Der Vorsteher, Herr Isidor Sinaiberger, dankte in seinem, sowie im Namen der Cultusgemeinde dem Baumeister für die exakte Ausführung des Baues, betonte, daß dieser wie alle übrigen Bauten, die der Meister fügte, ein beredtes Zeugnis von seiner architektonischen Kunst ablegen. Die Ceremonienhalle wurde geöffnet und der Herr Vorsteher bestieg die Kanzel, begrüßte die Festgäste auf das freund- ' lichste und dankte in herzlichen Worten für ihr zahlreiches Erscheinen. Er dankte ferner den Genieindemitgliedern für ihre Opferwilligkeit, für die reichlichen Spenden, die sie der edlen Sache zuführten und schloß mit den Worten: „O. möge Gott seine Gnade über uns walten lassen, daß wir diese Stätte nur dann gebrauchen, wenn Wesen überreifen. Alters in. das Reich der. Seligkeit eingehen!" Obercantor Loewensohn recitatirte den Psalm 16. und seine klangvolle Stimme kam Dank der vorzüglichen Akustik um desto mehr zur Geltung; der Chor sang dann SvhiwissL Rabbiner Dr.-Handel bestieg die Kanzel, nm die -Fest- und Weihungsrede zu halten.'/Erklärte in schwungvollen und ergreifenden Worten die Bedeutung des Gemilus Chassodim, das ideale Wesen beü'Halewoos haiiiess und schloß mit den Worten: „Bilo hamowes lonezach. Ferner sprach noch der Bürgermeister Herr Samuel Jellinek und dankte dem Verstände der Cultusgemeinde für seine rege und zweckmäßige Wirksamkeit. Armiit Wilkowitsch. Höding. Sonntag den 30. August fand im hiesigen Tempel die Trauung des Herrn Moritz Brief, Sohn des Fabrikanten Johann Brief aus Wessely, mit Fräulein Eveline Beer statt. Es hatten sich zahlreiche Gäste und ein distinguirtes Publikum eingefunden. Man bemerkte auch den Cultusvorsteher Dr. Körner, Bürgermeister Rosenzweig aus Wessely, Obercantor.Bauer aus Wien, den Obmann des Vereines „Nächstenliebe", Herrn Rosenblatt aus Wien. Den Trauungsakt vollzog Rabbiner Dr. Lazarus, welcher an das Brautpaar eine schwungvolle Ansprache hielt. Den liturgischen Teil besorgte Obercantor Grünwald unter Mitwirkung des gutgeschulten Chores. ZSrod a. S. Anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät fand im hiesigen israelitischen Tempel ein feierlicher Gottesdienst statt, dem außer den Spitzen der Broder Behörden und der Repräsentanz der israelitischen. Gemeinde ein sehr zahlreiches Publikum beiwohnte. Der Gottesdienst verlief in weihevollster Stimmung, wozu wohl nicht in letzter Linie die außerordentliche Leistung des Chores beitrug, dessen feierliche Klänge, unterstützt durch die ernsten Töne der Orgel, ganz dazu geeignet waren^ die im Tempel herrschende Andacht nur noch zu steigern, und auch die hervorragende stimmliche Leistung des Cantors Klinkowstein, der mit seinem wohlklingenden Tenor und mit innigster Wärme einen Psalm von Lewandowski vortrug. Unter den Choristen und Choristinnen wollen wir Fräulein Madiarewic hervorheben, die mit einem angenehmen Sopran einen gediegenen Vortrag verbindet, welcher hauptsächlich in dem von ihr gesungenen Solo im Königspsalm zur Geltung kam. Vollste Anerkennung wurde auch dem Chordirigenten Schullmann zu Teil, denn sowohl seiner vortrefflichen Leistung als auch der des Herrn Cantors ist jener Tvtaleindruck zu verdanken, der das eclatanteste' Zeugnis davon ablegt wie sehr das hiesige Jlldentum bemüht war, seiner tiefempfundenen Liebe zum Monarchen auch äußerlich Ausdruck zu verleihen. 8. M. Ikora Ueich geö. Larrdesmanu Wöchnerinnen - Widmung. Aus der von Herrn Alois Reich zum Andenken an feine am 25. Oktober 1899 verschiedene Gattin, Frau Flora geb. Landesmann begründete Widmung, gelangen am 25. Oktober a. c. die Jahreszinsen per K. 84 an eine arme, israelitische Wöchnerin zur Verleihnng. Gesuche um Verleihnng dieser Widmnngserträgnisse sind mit dem Geburts,-Trauungs,- und Armutszeugnisse belegt, bis 30. Seplernöer 1993 im Eiureichungsprotokolle der israelitischen Kultnsgemeinde I., iLeitensietteligasse 4, 1. Stock woselbst auch Gesuchsblankette unentgeltlich verabfolgt werden, zu überreichen. Auszüge aus dem Geburts-,Tra>.iungs- und Sterbematriken der israel. Kultusgemeinde Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich, sondern genügt die genaue Angabe der bezüglichen Daten. Nicht entsprechend belegte oder verspätet überreichte Gesuche werden nicht berücksichtigt. Wien, 1. September 1903 Der ^orstancl 6sr israel. ^ulfuLgamsincis "Wien. Are geehrten Kerren Kantoren werden nm Kinjendrmg der restlichen Aöonnewentsöeträge ersucht, damit die oftmaligen Mahnungen unteröleiöen können. Me Administration.