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Die Wahrheit · 1903-09-04 · Heft 34 (4.9.1903) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 34 (4.9.1903)
Date
1903-09-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redactlon und Administration: Wien, H/i- Novaragafse 27 fl. k. österr. Postsparcaffa Check-Conto Nr. 846.251' Inserate Berugsprris: Ganzjährig. . . L l2.— Halbjährig . . . . fl. 6.— Für Cttltttsbeamte: Ganzjährig.... fl. 10.— 20 Heller per Nonpareille-Zeile. Abonnements- und Jnserationsbeträge sind in Wien zahlbar und klagbar. Erscheint jeden Freitng. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ Für Ausland: i Ganzjährig . . .8 Mark. 6 Nabel oder 16 FcS ilr. 34. Wien, 4. September 1903. Inhalt r VI. Zionistencongveß in Basel. — Der Privat-Unterricht für zurückgebliebene Schulkinder. — Die Brandkatastrophe in Budapest. — Amtsantritt des Rabbiner Dr. Grunwald in Wien. — Verschiedene Nachrichten. VI. Iiomstencongreß in Lasel. Die gesammte jüdische Welt steht unter dem Eindrücke des in der vorigen Woche in Basel abgehalteuen Zionisten- Congresses, der sowohl durch die Zahl seiner Teilnehmer, als auch durch die Wichtigkeit der auf demselben erstatteten Referate und gefaßten Beschlüsse seine Vorgänger übertroffeu hat. Die strenggläubigen Zionisten haben allerdings eine Enttäuschung erfahren, indem selbst vom Aktionscomitee zugestanden werden mußte, daß die Hoffnungen, die der Zionismus auf die Gründung einer Heimstätte in Palästina gesetzt, in absehbarer Zeit nicht verwirklicht werden können, aber wenn auch die Erfüllung des Zionistentranmes in weitere Ferne gerückt erscheint, so muß dennoch anerkannt werden, daß das Aktionscomitee seit dem letzten Congresse ein großes Stück ernster Arbeit geleistet hat, die zu gedeihlichem Ende geführt, für das Schicksal des jüdischen Volkes nicht gleichgültig bleiben wird. Ueber die Verhandlungen des Congresses wollen wir nun im Nachfolgenden das Wesentlichste wiedergeben. Wie bereits in voriger Nummer gemeldet, wurde der Congreß Sonntag, den 23. August, im großen Saale des Baseler Stadtkasinos unter stürmischem Jubel von nahezu 2000 Teilnehmern mit einer Rede Dr. Herzl's eröffnet. Von den Ausführungen desselben wollen wir in Ergänzung unseres vorwöchentlichen Berichtes jene Stellen nachtragen, die sich auf den projektirten Landerwerb ans der Sinai-Halbinsel und auf das Ostafrika-Projekt bezogen. Dr. Herzl sagte: Nach der Erfolglosigkeit der letzten Verhandlungen in Konstantinopel und angesichts der wachsenden Not mußten wir andere Wege suchen. . So setzte ich mich denn im Oktober vergangenen Jahres mit einigen Mitgliedern des britischen Kabinets in Verbindung und unterbreitete ihnen den Vorschlag, uns eine Landkonzession für die Sinai-Halbinsel zu bewilligen, damit wir dort eine Ansiedelung für unser Volk gründen. Sowohl die Minister, denen ich hier meinen allerwärmften Dank ausdrücken möchte, als auch die hohen Beamten der britischen Regierung, welche für diese Angelegenheit zuständig sind, haben mich mit dem größten Wohlwollen und Entgegenkommen ausgenommen. Es wurde mir bedeutet, daß, da das in's Auge gefaßte Territorium egyptisch sei, es notwendig wäre, unmittelbar mit der egyptischen Regierung zu verhandeln, doch, stellte die' englische Regierung mir großherzig ihre Empfehlung zur Verfügung und drückte ihrem Vertreter in Egypten, Lord Cromer, ihre Hoffnung ans, daß der Plan von ihm und den Räten Sr. Hoheit des Kheoive in wohlwollende E wäguug gezogen werden würde. Die Britische Regierung gab uns anheim, als vorbereitenden Schritt die Entsendung einer Commission 'von Fachleuten anzuordnen, die den Landstrich auf seine. Eignung zur Besiedelung und auf die Aussichten seiner Kolonisation prüfen sollte. Um die Zustimmung der maßgebenden egyptischen Autoritäten zur Entsendung der Kommission und deren Unterstützung zu erlangen, begab sich unser Vertreter, Mr. Greenberg, versehen mit Empfehlungsschreiben des englischen Auswärtigen Amtes an die egyptische Regierung, Ende Oktober nach Egypten. Lord Cromer und der egyptische Minister des Auswärtigen nahmen ihn sehr freundlich auf und gaben nach einigen Verhandlungen ihre Zustimmung zur Entsendung der Kommission. Sie gestatteten auch, daß ein Vertreter des egyptischen Landvermessttngsamtes sich der Kommission als Mitglied anschloß. Die Kommission wurde hierauf gebildet und bestand aus den Herren: Ingen. Keßler, Architekt Marmorek, Oberst Goldsand, Ingen. Stephens, Prof. Laurent, Dr. S. Soskin, Dr. Hitlel und dem egyptischen Regierungsvertreter Mr. Humphreys. Die Kommission kam in Egypten Ende Januar an und brach Anfang Februar nach der Sinai-Halbinsel auf. Inzwischen verließ unser Vertreter, Mr. Greenberg, England und ging wieder nach Egypten, um dem Lord Cromer und der egyptischen Regierung den Entwurf eiues Charters für einen Landstrich auf der Siuai-Halbiusel zu unterbreiten. Nach langen Verhandlungen erhielt unser Unterhändler von der englischen Regierung ein Schreiben, worin sie sich mit dem Grundsatz des vorgeschlagenen Charters einverstanden erklärt. Dieser bestimmt die jüdische Selbstverwaltung für den in Betracht kommendeu Landstrich und gewährt Munizipalrechte für das gesamte bewilligte Gebiet, unter der Voraussetzung, daß die entsendete Commission einen günstigen Bericht erstatte, welcher der Regierung die Ueberzeuguug beibringt, daß die Besiedelung der Halbinsel tunlich ist. Die Kommission kehrte Anfang März nach Egypten zurück und ich reiste selbst hin, um mit ihr zusammenzutreffeu. Ich unterbreitete Lord Cromer und der egyptischen Regierung verschiedene Vorschläge, betraute jedoch, da ich nun nach Europa

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