Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 32 (21.8.1903)
- Date
- 1903-08-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nedaction und Sldmiuistratio.l: Wien, II/,. Novaragasse 27 . St. t. österr. .Posisvarcasia . Check-Cöilto Nr. 846.251' Inserate 20 Heller 4>er Nonpareille-Zeile. Abonnements- und JnserationSberräge sind in Wien zahlbar | und klagbar. i Erscheint jeden Fre itng. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" J Berugspreis: J Ganzjährig. . . St 12.— | Halbjährig . . . . St. 6.— Für Cnltnsbeamte: Ganzjährig.... Sfc 10.— Für Ausland: Ganzjährig . . .8 Mark. 6 Rubel oder 16 FcS ilr. 32.. Wien, 21. Äuguli 1903. Anhalt: Welchen Beruf sollen unsere Kinder wählen? — Auch- und Bauchjuden. — Die Juden und der ^Talmud. — Der Jahresbericht der „Jca''. — Transkausische Juden. — Verchiedene Nachrichten- . — Was nutzt uns die Idealität?^ .Welchen Kerns sollen unsere Linder wählen? Mit einer gewissen Sehnsucht sehen alljährlich, sobald die Schulkampagne ihren Abschluß gefunden, unzählige Kinder dem Zeitpunkte entgegen, der auch gleichzeitig den äußerlichen Abschluß ihres Kindesalters bedeutet und den Jüngling wie die Jungfrau in die nun zu wählende Berufssphäre, in die Aera der neuen Pflichten und neuen Rechte eintreten läßt. Leider gehört es aber zu den täglichen Erscheinungen, daß viele unserer Kinder, die mit voller Hosfnungs- und Schaffensfreude ins öffeniliche Leben hinaustraten, in dem . neuen Fahrwasser allzubald Schiffbruch erleiden, und die bittersten Enttäuschungen erleben und man kann sehr oft die Wahrnehmung machen, daß so mancher dieser jugendlichen Emporkömmlinge dem der rauhe Ernst des Lebens frühzeitig daß jugendliche Her; erschüttert hat, wehmutsvoll in die schöne Kinderzeit, in das sogenannte Jugendparadies zurückblickt und der Wunsch auf ihren Lippen schwebt: „Ach, wenn ich doch noch ein Kind, ein freies, ungebundenes Kind wie ehedem war". In solchen Fällen zeigt es sich nur, daß es beit jugendlich Unerfahrenen, zur geeigneten Zeit, an dem rechten Führer und Berather gemangelt hat, daß die' betreffenden Eltern es nicht erwogen und ermessen haben, daß von der Berufswahl des Sprößlings dessen Zukunft, das Wohl und Weh seines ganzen Lebens abhängt und daß sich kein Mißgriff so bitter rächt wie.derjenige am Scheideweg zwischen der Schule und dem Eintritt ins öffentliche Berufsleben. Welchen Beruf sollen unsere Kinder wählen? Was soll ans dem Knaben, dem Mädchen werden? Das sind die Fragen, die sich uns aufdrängen und uns unausgesetzt in Atem halten, sobald der eine oder andere unserer Sprößlinge das 14. Lebensjahr znrückgelegt, der Schulpflicht entsprochen und ohne seine Studien weiter fortzusetzen . einem Lebensberufe zugeführt werden soll. Wie oft aber stellt es sich heraus, daß wir, die wir ja doch mit der Berufswahl über das Schicksal unserer Anvertrauten zu entscheiden haben, bei derselben entweder unentschlossen und wankelmütig dastehen und selbst der Beratung und der Unterweisung bedürftig sind, oder aber, dem Zuge unserer ungestüm vorwärtsdrängenden Zeit folgend, dabei eine Ueberhastung und Voreiligkeit au den Tag legen, die für den verantwortungsvollen Schritt nur die schädlichsten Konsequenzen nach sich. ziehen. Abgesehen -davon, ^daß oft Berufe gewählt werden, die überhaupt mit der körperlichen und geistigen Veranlagung des Kindes nicht im Einklang zu bringen sind, bieten dieselben sehr häufig den jugendlich Unerfahrenen auch noch eine Handhabe, das Wenige und Spärliche das sie an Religion und Glauben, an jüdisch.m Fühlen und Empfinden aus der Kinderzeit in das reifere Alter hinübergerettet, allmälig dem Zeitgeiste, der herrschenden Strömung zu opfern, es mit der Zeit völlig abzuichütteln nud in Bausch und Bogen über Bord zu werfen. Welch unsägliche Mühe geben sich oft jüdische Eltern und welch große, unerschwingliche Opfer kostet es sie, ihren noch im zarten Kindesalter stehenden Lieblingen eine streng religiöse Erziehung angedeihen zu lassen, sie in ihrem Sinne und nach ihrem Vorbilde zu echten rnd rechten Juden und Jüdinnen heranzubilden, und siehe da, kaum haben diese jugendlichen Zukunftsmitglieder der Gesellschaft die ersten Schritte ins öffentliche Leben getan, kaum die ersten Etappen in der ihnen angewiesenen Berufssphäre zurückgelegt, da vollzieht sich schon mit ihnen — wie dies die täglichen Erfarungen lehren — eine gradezn erschreckende Metamophose. Alles, was mit Religion und Glauben zusammengefüh'.t, wird ihnen mit einemmale eine lästige Bürde, ein unerträglicher, überflüssiger Ballast und. alles was sie zu Juden, zu Bekeunern des jüdischen Glaubens stempelt, bietet ihnen ein Hindernis in der Ausübung ihres Berufes, einen Hemmschuh in der Anstrebung ihrer Lebe sstellung, mit einem Worte, ein Stein des Anstoßes, der um jeden Preis beseitigt und aus dem Wege geschafft werden muß. Braucht es da noch hervorgehoben zu werden, daß solche Erscheinungen vorwiegend auf die ungeeigneten Berufswahlen zurückznsühren sind und daß es nur dem unüberlegtcn oder überhastenden Eingreifen der betreffenden Eltern zuzuschreiben ist, wenn ein Boden geschaffen wurde, der solche Blüthen hervor gebracht und solche Früchte gezeitigt hat? „Chanoch lanaar al pi darko“ ruft der königliche Sittenprediger und Volkspädagoge Salomo dem Oberhaupte der Familie zu „führe den wohlerzogenen Knaben, so derselbe an der Mündung, am Beginn seiner selbständigen Lebenbahn steht, einem ihm geeigneten Berufe, einer ihm angemessenen Carriere zu „gam ki jaskin. Io possu mimeno, wenn ihm die guten Lehren und richtigen Anschauungen von Religion und Glauben, die er in seiner allerersten Jugend empfangen, bis ins späteste Alter bewahrt und erhalten bleiben sollen. Und»