Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 26 (3.7.1903)
- Date
- 1903-07-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Lester r.-ungar. Canloren-Zertnng. . 26. Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 23. Iahrg. Aviso! Are geehrten Kerren Kantoren werden eöenso höflich als dringend ersuchtsowot den restlichen Köonnementsöetrag als auch das Abonnement für das neue, am 1. Juli öegonnene Huartak einsenden zu wollen. Aus dem „Gesterr.-nngar. Cuntoren-Verein.^ Ueher mehrfache Aufrageu diene-hiemit zur Kenntnis, daß die neuen, geänderten und von der Behörde bereits genehmigten Statuten .ans dem Grunde den Mitgliedern nicht zugesendet werden konnten, weil vorerst um Bescheinigung seitens des hohen k. k. Ministeriums des Innern augesucht werden mußte. Nachdem diese Bescheinigung in den letzten Tagen ertheilt wurde, sind die Statuten bereits in Druck gelegt worden und gelangen nächste Woche mit den Mitgliedskarten zur Versendung. Gleichzeitig werden die geehrten Mitglieder gebeten, die Vereinsbeiträge pünktlich an den Vereinscassier einznsenden und auch im Kreise ihrer Eollegen für die Organisation, die nur durch zahlreiche Theilnahme Erfolge für die Gesammtheir erringen kann, eifrige Propaganda zu machen. Die nächste Vorsiandssitznng findet Freitag, den 3. Juli d. I. statt. Oer Vorland des Oesterr.-ungar.Cantoren-Vereines. Die echten hebräischen Melodien. Nur ein so warm fühlendes Herz, wie es in des ach! so rasch von hinnen. geschiedenen David Kaufmanns Brust pulsiert hat, nur ein so feinsinniger Geist, wie er dem vollendeten, wackeren, tiefbeklagten Mann eigen gewesen, konnte . mit nimmer ermüdender Ansdauer und begeisternder Standj Hastigkeit den wunderlichen und gottbegnadeten Dichter! Seligmann Heller*) „zu dem nach Gestaltung rufenden Horte! der mittelalterlichen jüdischen Dichtung hindrängen, so unj veigänglich herrlichen Schöpfungen durch unablässiges Mahueu! und Wecken ins Dasein zu verhelfen." > Wenn es mit Recht als wohlbegründeter Ruhmestitel ' der Mächtigen der Erde hervorgehoben wird, daß sie mit Verständnis und Einsicht ihre Mitarbeiter ausgewählt haben; so darf mau mit der gleichen Berechtigung es zum Preise der Geistesheldeu erwähnen, wenn sie für eine geistige Arbeit den dazu berufenen Mann ausfindig zu machen und ihn dafür zu begeistern vermögen. David Kaufmann durfte sich auch dieses hohen Verdienstes rühmen. Ohne seinen Scharfblick für die gewaltige dichterische Schaffenskraft Seligmaun Hellers hätte, wir dürfen das mit vollem Recht aussprecheu, die deutsche Litteratur einen ihrer Schätze entbehren müssen. „Mir war es", sagt Kaufmann im Vorworte zur ersten Auflage der „echten hebräischen Melodien", „wenn ich Heller erst dazu drängen mußte, sich des Schatzes der jüdischen Poesie zu bemächtigen, als müßte man Jemand nöthigen, die Herrschaft über ein Gebiet anzutreten, das nur darauf gewartet zu haben scheint, ihn als Herrscher ausrufen zu können. Nie war ein Mann wunderbarer vorbereitet und wie ausersehen, eine große , *) Die echten hebräischen Melodien. Uebersetzungen von S. Heller. Aus dem Nachlasse herausgeg. von Prof. Dr. sDavid Kaufmann. 2. Ausl., besorgt von Irma Kaufmann. Breslau 1903. S. Schottlaender. Besprochen von Heinrich Bloch, „Pester Lloyd". Aufgabe zu lösen als er. Er hatte die Kammhöhe des Lebens überschritten, alle Offenbarungen der Weltliteratur in sich auf? genommeu, an allen Altären der Kunst geopfert,. in alle Geheimnisse der dichterischen Thätigkeit sich versenkt, au den schwierigsten Problemen seine Meisterschaft im Uebersetzen er-! ruugen und gesichert, als er spät und widerstrebend, aber ' daun mit einer Art heiliger Leidenschaft die Aufgabe ergriff,! das Vollmaß des Erworbenen und Ersiegten in den Dienst der hebräischen Poesie, der Muse seiner Kindheit, zu,: stellen.; Wie in ein verlorenes' Zauberland trat er da in e^.e Welt,! die in traumhafter Schönheit seit d-u Tagen seiner Jugend in seinem Geiste geschlummert hatte, ein Singen und Klingen ‘ wie aus versunkenen Gründen drang zu ihm empor, von tausend Zweigen drängte der Segen ihm entgegen, nach dem er nur zu langen brauchte, um die Seele >u füllen in langentbehrtem Vollgenügen. Aber es war auch ein beseligendes Geben und Nehmen; als hätte das Dornröschen der jüdischen Pöesie nur auf den richtigen Erwecker und Erlöser gewartet, so ging ein neues Weben und Rauschen durch den alten Dichterwald. Wie im ersten Grün, im jungen Tau so stand der ganze Liederfrühling der Muse Judas vor seinem begeisterten Blicke, es war ein Blühen und Leuchten, von dem die Seele ihm wieder hell und weit wurde."! Und diesen Liederfrühling der Muse Judas hat uns! Seligmaun Heller durch Kaufmann'» Drängen und mit dessen - Hilfe erneuert, den Liederfrühling, vor dem die Seele des! Lesers hell und weit wird. Töne klingen aus diesen Gedichten und Liedern, welche die Poesie aller Völker und aller Zeiten anschlägt. Die zarten Saiten des Liebesharfe schwingen in melodischer Harmonie, aber stets tönt das Klagelied des bedrückten Israel dazwischen. 2o z. B. in Israel Nadscharas „An die Geliebte" betitelten Gedichte: Der Mond verbirgt die helle Pracht, Wenn deines Glanzes Zauber lacht; In deinrin Aug' ist süße Macht, Mein Herz hats überwunden. Es strömt von deinem Lippenpaar Die Rede hold und köstlich klar, So freue denn dich immerdar, Sprich, was du tief empfunden. Nicht sei gerechter Stolz versagt Dem Haupt, das wie die Palme ragt: Erheb' ihn, den du tief verzagt Im Dornbusch einst gefunden. Noch blüht die Hoffnung irgendwo! Wenn Sturm und Winter dir entfloh. Dein König herrscht, daun wirst du froh Und frei, die einst gebunden! Die Hilfe naht, sie bleibt nicht fern! Dir sprießt die Saat aus edlem Kern, Wer zählt am Himmel Stern an Stern, Kann deine Zahl erkunden. (Schluß folgtH CONCURS. Im Betverein „Zion“ in Wisowitz ist die Stelle eines Religionslehrers zu besetzen. Derselbe muss der böhmischen und deutschen Sprache vollkommen mächtig sein, ausserdem, hat derselbe den Dienst als Schächter, Kore, Vorbeter zu versehen. Bewerber, welche für den Unterricht geprüft und autorisirt sind, haben den Y rzug. Jährlicher Gehalt K 1200, freies Quartier und kleines Rebeneinkommen. Acceptirte erhalten Reise Vergütung. Für den Yerein „Zion“ Karl Singer.