Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 25 (26.6.1903)
- Date
- 1903-06-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheit Seite 9. Nr. 25. Was' Sulzer scheinbar im Schir Zion I vernachlässigte, nämlich die Hintansetzung des Traditiönsgesanges. das finden wir im Schir Zion II mit erschöpfendstem Ernste und echt künstlerischer Gesinnung vollinhaltlich ersetzt. Nicht allein' die allgemein bekannten Chasonus-Stellen wie FreitageSehoJosehregolim und Rosch haschonoh-Abendliturgie; Geschem und Tall; Mussaf Kaddisch für Rosch haschonoh nebst Tfillah lescheliach zibbur, al horischonim, akdomus, zena ure enah, sowie die kleinsten Partikelchen des alten Chasonus rc. erscheinen ausgenommen, sondern der Meister war auch bemüht, im Synagogengesange anerkannte allgemeine Intentionen, wie Berosch haschonoh, od jiskor lonu, malchios, sichronos schof’ros rc. ein modernes Gepräge bei vollständiger Beibehaltung des ursprünglich traditionellen Musikgedankens zu verleihen; ebenso das Chanukka-Licht-Anzünden, die Megillah, Ti8cho beaw Sabbath-Ausgang und viele andere ans der Nesormsynagoge noch heute verbannte altjüdische Gesänge und Gebräuche, sie haben allesammt Salomon Sulzer allein ihre Existenzberechtigung in der modernen Synagoge zu verdanken. Haben wir es noch nötig, ans die Gestaltungssahigkeit Snlzer's für die gesanglichen Funktionen von Trauung und Leichenbegängnissen hinzuweisen? — Ja wol! Die Nacharbeiter insgesamint, sie schlüpften behende und leicht in die ihnen von Sulzer vorbereitete musikalische Gewandung, versuchten vielleicht die Gesangsmotive organischer sortznbilden, die Grundstimmnng poetischer zu erfassen rc.; wer aber, fragen wir, zeigte ihnen Allen den Weg, den sie zu wandeln haben? Und wenn uns eingewendet werden sollte, daß Salomon Sulzer die bedeutenden Composilionen des Schir Zion nicht selbst gearbeitet, so gestehen wir das vollinhalllich zu, betonen jedoch, Haß Salomon Sulzer auch darin seine gewaltige Genialität bekundete, daß cr die Befähigung und die Machtvollkommenheit besaß, eine imponirende Anzahl von Mnsikgrößen allerersten Nanges um sich zu schaaren und seinen Intentionen dienstbar zu machen. Was Salomon Sulzer als edler, ür Woltuu stets bereiter Menschenfreund geleistet, mit welch' voller Hingabe er talentirte aber unbemittelte Kunstjünger zu fördern bestrebt war, darüber könnte wol die stattliche Gemeinde derjenigen Künstler, die durch sein Hinznthun den Parnaß der Kunst erklommen, den erschöpfendsten Aufschluß geben. Wozu wir all die allgemein bekannten Tatsachen noch einmal aufzählen und die künstlerisch menschliche Lebeusgeschichte des Meisters hier noch einmal anfzurollen bemüht sind? Um schon jetzt die Gemüter empfänglich zu machen und ihre Herzen vorzubereiten für den großen Tag, den die jüdischen C an to r en ihrem Meist er S a l o m o n Sulzer zu seinem h u n d e r t st e n Geburtstage bereiten wollen. Wol wissen wir, daß bei uns jüdischen Cantoren das Panier der Sonderinteressen hoch geschwungen wird. Sondervereine, Sonderfeste, Sonderanstalten rc. nur nicht das Unterordneu unter die Allgemeinheit, um durch die Majestät der Machtfülle unsere großen Gedanken verwirklicht zu sehen; im Gegenteile, jeder von uns, der in erborgten Tönen und mit falschem Pathos sein wetaher libb enu leowdecho beemmes in die Welt hineinschreit, vermeint eine Stufe des Aufstieges zur allge. meinen Glückseligkeit errichtet zu haben, stimmt mit in den Nus ein knlonn chachomim kulono ne newonim und besitzt nicht die geistige Befähigung, vor der Hoheit des wirklich Bedeutungsvollen sich zu verneigen. Deshalb ergeht schon jetzt an die jüdischen Cantoren iusgesammt der Lockruf „wetaher libbenu“, reinigen wir unsere Herzen, leowdecho beemmes, daß wir in Wahrheit der guten Sache zu dienen im Stande sind. Der „Oesterr.-ungar. Cantorenverein" hat sich bereits mit den Vorarbeiten für die Centennar-Feier Sulzer's beschäftigt und wird demnächst in der Lage sein, ein erschöpfendes Programm für die betreffenden Festtage den jüdischen Cantoren entgegenzubringen. Concnrs. Mit 1. August 1903 gelangt in der Kultusgemeinde Kremsier der Posten eines II. Kantors, Kore, Schocket Ubodek, mit einem Jahresgehalte von 1400 K zur Besetzung. Bewerber, die das 35. Lebensjahr nicht überschritten, müssen österr. Staatsbürger sein u. müssen die Befähigung nachweisen, als Sekretär sämmtliclie Agenden der Cultusgemeinde führen zu können, in der Buchhaltung eingeführt, und musikalisch gebildet sein, um einen Chor dirigieren zu können. Gesuche mit den nötiigen Beilagen versehen, sind bis 12. Juli 1. J. an den Kultusvorstand einzubringen. Kremsier, am 18 Juni 1903. Der Kultusvorstand. Concurs. Mit 1. September 1903 gelangt in der israelitischen Cultusgemeinde Floridsdorf der Posten eines "N^orbeters, Schochef, Rore und 'Religionslehrers Bmt£> mit einem Jahresgehalt von Kr. 13( 0 und einem Nebeneinkommen von Kr. 400 zur Besetzung. Bewerber, welche das 40. Lebensjahr nicht überschritten haben dürfen, mögen ihre Gesuche mit den nöthigen Belegen bis 10. Juli 1. J. an den Cultusvorstand einbringen. Bevorzugt werben solche Bewerber, welche musikalisch gebildet sind, um einen'Chor dirigiren zu können. Reisespesen werden nur dem Acceptirten vergütet. Floridsdorf, am 23. Juni 1903. Der Cultusvorstand. consrcTXiRS. Besetzung einer Untereantorstelle in Czernowitz Bukowina. In. der israel. Kultusgemeinde der Landeshauptstadt Czernowitz (Bukowina, Oesterreich) ist die Stelle eines Unter-Cantors zugleich Chor-Dirigenten an dem Gemeindetempel zu besetzen. Bewerber um diese Stelle müssen die mit der Funktion eines Unter-Cantors und Chor-Dirigenten entsprechenden musikalischen Kenntnisse und die volle Eignung besitzen, einen grösseren Chor auszubilden und zu leiten; insbesondere wird auf Bewerber reflektirt, welche eine schöne Tenorstimme besitzen und keine Kohanim sind. Zur provisorischen, eventuell definitiven Besetzung dieser Stelle wird hie mit der Concurs ausgeschrieben, und haben die Bewerber ihre Competenzgesuche, welche die Nachweise über die Staatsangehörigkeit, das Alter und den Familienstand, dann über die genossene musikalische Ausbildung und die bisherige YerWendung und Wirksamkeit in einer derartigen Stellung nebst den bezüglichen Attesten enthalten müssen, bis spätestens 15. Juli 1. J. beim Vorstände der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde zu überreichen. In dem Competenzgesuche hat jeder Bewerber die von ihm verlangten Gehaltsansprüche anzugeben. Die Cultusgemeinde-Repräsentanz behält sich selbstredend die Anstellung oder Abweisung der Bewerber ohne Angabe von Gründen, ebenso wie die eventuelle Einladung einschreitender Bewerber zur Abhaltung von Probevorträgen in dem Gemeindetempel in Czernowitz vor; Reisespesen werden jedoch nur dem Acceptirten vergütet werden, Czernowitz, am 8- Juni 1903. Für den israel. Cultusvorstand Der Präses: Naftali Tiitinger, kais. Rath.