Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 25 (26.6.1903)
- Date
- 1903-06-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ahrchsit : Redactiou iiub Sldministratio.l: Wien, II/t- Novaragnffe 27. K. k. österr. Posikv^rcasia Check-Couro Nr. 816.251' Inserate 20 Heller per Noupareille-Aei'le. Abonnements- und JnserationSdeträge sind in Wien zahlbar nnd klagbar. ^abhängige Heitfchrift für jüdische Hntere^err. Erscheint jeden Freitng. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ Berugsprris: Ganzjährig. . . fl 12.— Halbjährig . . . . K. 8.— Für Cultnsbeamte: Ganzjährig.... fl. 10.— Für Anstand: Ganzjährig . . .8 Mark. 6 Rubel oder 16 FcS Ar. 85. Wien, 86. Luni 1963. Anhalt: Der Inspirator der ruffischen Judenhetzen. — Belgrad—Kischinew. — König Alexander. -- Das Weib Hiob's. — Verschiedene Nachrichten. — Litteratur. — Zum hundertsten Geburtstag Salomon Sulzer's. Die geehrten Kerren Aöonnenten^werden um umgehende Erneuerung des Abonnements für das am 1 Inti beginnende HI. Kuartat ersucht, damit die regelmäßige Zusendung des Mattes keine Unterbrechung erleide. Gleichzeitig bitten mir unsere geehrten Kerren Abonnenten, uns ihre Adressen in Sommerfrischen nnd Gurorten rechtzeitig bekannt zu geben. Die Administration. Der Inspirator -er russischen Iudenhetzen. Aus Petersburg werden von gutuuterrichteter Seite folgende Thatsachen gemeldet, die die direkte Einflußnahme des Ministers Plehwe auf die Massacres in Kischinew vollauf bestätigen und für die dortige Lage in hohem Grade charakteristisch sind: Herrn Kruschewan, dem berüchtigen Herausgeber des «Bessarabetz"uud des „Suamja", haben es seine hohen Protektoren ermöglicht, ein Buch, das er über Beffarabien geschrieben hat, dem Zaren zu überreichen. Das Werk ist genau in dem Geiste geschrieben, in dem der „Beffarabetz" redigiert wird, das heißt die Schrift ist durchtränkt vom ärgsten und fanatischesten Zelotismus gegen alle „Fremden", das heißt gegen alle Russen, die nicht zur orthodoxen g r i e ch i s ch - k a t h o l i s ch e n K i r ch e g e h ö r e n. Besonders bemerkenswert ist nun,' daß der Zar Herrn Kruschewan für die Ueberreichung des Buches gedankt hat. Aus dieser Tatsache geht hervor, in welcher Weise es gelungen ist, den an und für sich wohlmeinenden Zaren durch eine Entstellung der Tatsachen zu vorgefaßten Anschauungen zu bekehren. Ueber die Tragweite dieser Beeinflussung des Kaisers von Rußland kann man sich nicht täuschen, wenn man die folgende verbürgte Aeußerung des Ministers P l e h w e hinzunimmt. Er bemerkte einem einflußreichen, liberalen russischen Christen gegenüber, von dem er annahm, daß er mit jüdischen Kreisen in Beziehung stehe, das Folgende: j,Wenn die Juden nicht dafür sorgten, daß ihre Glaubensgenossen der Anteilnahme an den sogenannten revolutionären Bestrebungen entsagen, so würde er Mittel und Wege fluiden, die Juden zur Auswanderung aus Rußland zu zwingen. Was Jgnatiea» gelungen, sei, würde er auch fertig bringen. Danach möchten! sich die Juden richten."! D i e s e D r o h u n g i n Verbindung m i t d e u E r e i g n i s s e n i n K i s ch i u e w i st d e u t l i ch genug, und sollten daher neue Ementen gegen die Juden ansbrechen, so wird man wiederum im Voraus wissen, daß sie unter d e m S ch u tz d e s M i n i st e r s st a t t g es u n d e n haben. Die Drohung des Ministers ist umso unverständlicher, als es natürlich kein Mittel gibt, einzelne zur Verzweiflung getriebene jüdische Fanatiker daran zu hindern, sich der Bewegung jener Teile des griechisch-katholischen russischen Volkes anzuschließen, die auf eine Beseitigung der Willkürherrschaft in Rußland abzielr. Belgrad—Kischinew. Roch hat sich die Erregung, die die gesainmte zivilisirte Welt anläßlich schrecklichen Vorgänge in Kischinew erfaßte, nicht gelegt und wiederum steht ganz Europa unter dem mächtigen Eindruck des grausamen Dramas, das si.y in der Nacht des 11. Juni in der Königsburg von Serbien abgespielt hat. Würde einen nicht die legitime Zeitrechnung ans Schritt und Tritt daran erinnern, daß das 20. Jrhrhundert längst begonnen, wahrlich man wäre angesichts solcher Ereignisse zu glauben versucht, daß wir uns noch im grauen Mittelalter befinden, wo Despotenthum und Barbarei in höchster Blüthe standen, wo Staatsgesetze, Völker- und Menschenrechte nur zu oft von fanatischen Volksschichten mißachtet und mit Fußen getreten wurden, wo wilde, lüsterne Zerstörungssncht öffentlich und ungehindert ihre wüsten Orgien feiern durften und selbst vor Dynastien und Throne, vor gekrönten und gesalbten Häuptern keinen Halt zu machen wußten. Man traute seinen eigenen Ohren nicht mehr ob der Dinge, die man da der Reihenfolge nach zu hören bekem, nnd wie beim Fall Kischinew drängt sich jedem gesitteten, humandenkenden Genossen unserer Znt die Frage auf: „Ja, herrschen denn in den östlichen Ländern Europas äs kaoto solche Zustände, die einen unwillkürlich an asiatische Verhältnisse gemahnen? Ist es. möglich, daß der Bevölkerung eines Landes, das im Centrum Europas, hart an der Grenze des cnltivirten Habsburgerreiches liegt, alles, was sie voa Caltur»