Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 24 (19.6.1903)
- Date
- 1903-06-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 24 Die Wahrheit Seite 11. dem Berichte über die Brünner Versammlung zum mindesten sachliche Gründe für die ablehnende Haltung erwartet, und da solche nicht mitgeteilt wurden, liegt die Vermutung nahe, daß hier wieder nur persönliche Motive, die bei Behandlung so wichtiger allgemeiner Staudessragen außer Spiel bleiben sollen, ihren schädigenden Einfluß übten. Und das muß zur Aufklärung der weiteren Berufskreise mit aller Deutlichkeit gesagt werden. So bedauerlich auch diese Erscheinung an und für sich ist, wird sie dennoch nicht die einmal ins Rollen gebrachte Frage der Cantorenorgauisation aufhalten können und für den Vorstand des Oesterr. Ungar. Cantoren-Vereines nur ein neuerlicher Ansporn sein, mit aller Energie das angestrebte Ziel weiter zu verfolgen und hiebei, unbekümmert, ob Andere durch scheinbare, höchst problematische Momenterfolge geblendet, blos an sich selbst denken, immer nur das Interesse der Gesammtheit der Berufsgenossenschast als Leitmotiv seiner Handlungen und Entschlüsse gelten zu lassen. Ans dem „Oesterr.-ungar. Cantoren-Vereine". Die am 16. d. M. stattgehabte Vorstandssitzung beschäftigte sich zunächst mit der Haltung des „Mähr. Eantoren- Veieines" gegenüber der Gesammtorganisation, worüber an vorstehender Stelle berichtet wurde. Im Anschlüsse hieran wurde eine längere Beratung über die im März 1904 in Aussicht genommene Eentenar-Feier Salomon Sulzers gepflogen und der Beschluß gefaßt, ein großes Eomite, bestehend aus Cantoreu des In- und Auslandes zu constituiren und dasselbe zur Mitarbeit an den Vorbereitungen zur Centenarseier heranznziehen. Die Beschlußfassung über die Details der geplanten Actionen erfolgt in nächster Sitzung. Im Schoße des Vorstandes werden anch eingehende Studien und Beratungen bezüglich allgemeiner Pensions-Versicherungen der Cantoren gepflogen, über welche zu geeigneter Zeit öffentliche Mitteilungen erfolgen werden. -i- -i- An Mitgliedsbeiträgen haben eingezahlt: Samek-Schüttenhofen 2 K.; Stezka-Mähr. Aussee 4 K.; Rosenfeld-Pisek 2 K.; Blum-Schlan 3 K.; Faust-Belovar 4 K.; Rausnitz'Gablonz 8 K.; Schönseld-Tab 2 K. Ueber mehrfache Anfragen wird neuerdings bekannt gegeben, daß die Eintrittsgebühr 4 K. und der Jahresbeitrag 8 K. (zahlbar in zwei oder vier Raten anticipando) beträgt, und werden die P. T. Mitglieder in ihrem eigenen Interesse ersucht, die Zahlungen pünktlich zu leisten. Sämmtliche Gelder sind an den Vereinscassier, Herrn Obercantor M. Schorr, II., Ob. Donaustraße 47, zu senden. Wien, am 18. Juni 1903. Der Vorstand des österr.-ungar. Cantoren-Vereiens. Litteratur. Für Kischinew. Zum Besten der Kischinewer Juden hat der „Jüdische Verlag", Berlin, den Ertrag eines kleinen Buches bestimmt, welches die Judenmetzeleien von Kischinew auf Grund von authentischen Materialien und Origiualberichten behandelt. (Der Schrift sind eine Anzahl von photographischen Reproduktionen beigegeben.) Der Preis des Buches ist auf 1 Mark (excl Porto) festgesetzt worden, und es soll nun für die denkbar größte Verbreitung Sorge getragen werden. Besonders sei jüdischen Vereinen Md Institutionen der Bezug und Vertrieb dieser Schrift nahegelegt, damit durch möglichst große Massenauflage die Hilfsaktion gestärkt und zugleich das öffentliche Gewiffeu aufgerüttelt werde. Bestellungen sind zu richten an den „Jüdische n Verlag", Berlin SW., Großbeerenstraße 75. Jüdische Statistik. Der Verein für jüdische Statistik (Berlin-Halensee, Mitgliedsbeitrag 6 Mk.) läßt eben im „Jüdischen Verlag" (Berlin) und unter der Redaktion von D r. Alfred R o s s i g seine jüngst angekündigte erstegPublikation erscheinen. Das umfang- und inhaltsreiche Werk („Jüdische Statistik") zerfällt in vier Teile. Eröffnet wird es durch die Bibliographie der jüdischenStatistik. eine Arbeit großen Fleißes, welche die in den verschiedenen Ländern begründeten Sektionen des V. f. j. St. hergestellt, um die erste Grundlage für eine jüdische Gesamtstatistik zu schaffen. Es folgen die offiziellen Berichte der jüdischen Organisationen über ihre statistischen Arbeiten, schon darum bemerkenswert, weil es zum ersten Mal gelungen ist, diese Institute und Gesellschaften zu einer gemeinsamen Arbeit zu vereinigen. Die Jewish-Colonization-Affociation hat mit großem Aufwand an Mühe und Kosten eine Statistik der Juden in Rußland aufnehmen laffen, deren erste Ergebnisse hier zur Veröffentlichung gelangen. Großes Jntereffe verdienen auch die zahlreichen Arbeiten des Ordens Bnei-Brith, die von der Oesterr.-Jsrael.-Union unternommene Enquete über die Lage der jüdischen Bevölkerung in Galizien, die Erhebungen des des Deutsch-Jsrael.-Gemeindebnndes in Deutschland und der Enquete unter den jüdischen Studierenden der europäischen Hochschulen, dnrchgeführt vom Bureau „Jüdische Hochschule", Der dritte Teil „Beiträge zur Statistik der Juden in einzelnen Ländern" ist so zusammengestellt, daß er ein übersichtliches Bild der Lage jener bedrängten Masten des jüdischen Volkes ergiebt, die in ihren Heimatsländern den furchtbarsten Katastrophen ausgesetzt sind, ihre Existenzgrundlagen verlieren und sich zur Auswanderung gezwungen sehen. Kenner der Verhältnisse, wie L. W e n g i e r o w, Eduard Bernstein, I o s e f I a co b s, G. H a lper n, Dr. R i m al o v s k y, Dr. F i s h b e r g n. v. A., schildern hier das mobile jüdische Proletariat auf seiner Wanderung aus dem europäischen Osten nach England, Nordamerika und dem Orient. Den Abschluß (bilden Beiträge zur jüdischen Weltstatistik, in denen die phy-! sichen Rasseneigenschaften der Juden sowie ihre Zahl. Ver-! teilung und Zunahme auf der Erde untersucht werden (Dr.; Ruppin, Rev. Harris, Dr. B a r u e t t, Dir. Zelle r). Ueber Bedeutung, Ausgaben und Organisation der jüdischen Statistik schreibt der Herausgeber Dr. Alfred Noisig. Die Publikation, welche als erste authentische Jnformationsgruudlage über die Verhältnisse des Judentums nicht nur die jüdischen Kreise, sondern auch die Männer der Wissenschaft und die praktischen Sozialpolitiker lebhaft iutereffieren dürfte, ist zum Preise von 7 Mark beim „Jüdischen Verlag" (Berlin 8. W. 47) sowie durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Conenrs. Mit 1. August 1903 gelangt in der Kultusgemeinde Kremsier der Posten eines II. Kantors, Kore, Schochet Ubodek, mit einem Jahresgehalte von 1400 K zur Besetzung. Bewerber, die das 35. Lebensjahr nicht überschritten, müssen österr. Staatsbürger sein u. müssen die Befähigung nach weisen, als Sekretär sämmtliche Agenden der Cultusgemeinde führen zu können, in der Buchhaltung eingeführt, und musikalisch gebildet sein, um einen Chor dirigieren zu können. Gesuche mit den nötiigen Beilagen versehen, sind bia 12. Juli 1. J. an den Kultusvorstand einzubringen. Kremsier, am 18 Juni 1903. _Der Kultusvorstand. Handbuch für Cultusbeamte — Y'&h zweite vermehrte und verbesserte Auflage. Enthalt sämmtliche Geibete und Hegeln für Functionen in- und atisserhalb des Tempels sowie edle in’s Fach schlagenden Vorschriften und ein complettes alphabetisch geordnetes Verzeichnis aller männlichen und weiblichen hebräischen Namen und JtfecJiunes, nebst 2 Liedern mit ungarischem und deutschem Texte, componirt von Ober-Cantor M. Sonntaff aus Tetnesvür. Zu beziehen beim Verfasser Salomon Miinz in Turocz Szt. Märton (Ungarn). Preis: brochirt 60 kr., im Prachtband 90 kr. franco Porto gegen Einsendung des Betrages.