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Die Wahrheit · 1903-06-12 · Heft 23 (12.6.1903) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 23 (12.6.1903)
Date
1903-06-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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lcsterr-nngar. Canlaren-Zeitnng. Mährischer Caiiioreil-Verein. Am 24. Mai l. I. hielt der Verein der Cantoren Mährens im Sitzungssaale der israelitischen Cnltusgemeinde Brunn seine diesjährige, sehr zahlreich besuchte ordentliche Generalversammlung ab. Dieser Berathung brachte die Versammlung ein besonders erhötes Interesse entgegen, weil Herr Negiernngsrath Landes- Sanitätsinspektor Dr. Salomo» Spitzer sein Erscheinen zugesagt hatte, um über die in Durchführung begriffene Pensions- Versicherung für mährische Cultusbedienstete Aufschlüsse zu erteilen, und auch der I. Secrctär der Brünner Cnltusgemeinde, Herr Dr. Oppenheim, aus gleichem Anlässe an der Beratung teilgenommen hatte. Nach der üblichen Begrüßung der Anwesenden durch den Präsidenten, Herrn Obercantor Heller, wobei derselbe die für die Versammlung hocherfreuliche und ehrende Anwesenheit der beiden obgenannten ausgezeichneten Ehrengäste nachdrücklichst hervorhob, wurde zur Tagesordnung geschritten. Schriftführer Obercantor Steiner verlas das Protokoll der letzten Generalversammlung, dessen Inhalt im Wesentlichen mit einem Expose des Vorsitzenden über 'die Vereinstätigkeit im abgelaufenen Jahre übereinstimmt; es erwähnt ferner die Teilnahme der Herren Obercantor Singer und Bauer, Wien, an der Generalversammlung, behufs Anschlusses unseres Vereines an den projektierten allgemeinen Cantorenbund, enthält den Bericht über! den Stand des Vereinsvermögens und über die aus Vereinsmitteln an hilfsbedürftig Collegeu und Cantorenwitwen ertheilten Unterstützungen. Die nun unter gespannter Aufmerksamkeit der Zuhörer folgenden Ausführungen leitete Herr Negierungsrat Dr. Spitzer mit dem Bemerken ein, es habe ihn stets wehmütig berührt, daß Leute, die ihr ganzes Leben dem Dienste einer Cultusgemeinde gewidmet, schließlich der öffentlichen Mildtätigkeit preisgegeben sein sollen. Er habe deshalb seinerzeit durch den mähr.-jüd. Landesmassafond den Kaiser-Jubiläums-Pensionsfond für Cultusbeamte, der noch bestehe, ins Leben gerufen, der aber wegen Unzulänglichkeit der Mittel den gehofften Erwartungen nicht entsprach. In weiterer Verfolgung dieser Idee habe er einen neuen Versicherungsplan ausgearbeitet. Diesem gemäß sollen auch bereits vollzogene Dienstjahre in die Versicherung einbezogen werden, so zwar, daß eine Carenzzeit ganz entfällt, wodurch diese Versicherung von der staatlichen sich vorteilhaft unterscheidet. Das Mehrerfordernis aus dem Titel bereits vollstreckter Dienstjahre soll durch eine Capitalsnachzahlung ganz oder .in 40jährigen Annuitäten gedeckt werden, und habe er es durchgesetzt, daß der Landesmassafond zur Amortisation dieser Nachzahlung den mähr. Gemeinden einen Jahresbeitrag von K. 10.000 für einen Zeitraum von 40 Jahren zngefichert hat. Es haben zwar Beschlüsse der Cullusvorsteher-Bersammlung in Brünn vielseitig Besorgnisse wachgeruseu, es finden aber diese Beschlüsse teilweise ihre Berechtigung in Umständen, die Herr.Negierungsrat des näheren ar.seinandersetzte. Dies sei jedoch kein Grund zu einer pessimistischen Auffassung der Sachlage, weil die Erkenntnis von dcr Notwendigkeit und Nützlichkeit des Anschlusses der Gemeinden an die Pensionsversicherung schließlich doch allseitig platzgreifen werde, und selbst dort, wo ein Unrecht geschehe, wird man, angeregt durch das bessere Beispiel anderer Gemeinden, bestrebt sein, das Unrecht nachträglich wieder gut zu machen. Der Herr Rebiernngsrat gedenkt auch im weiteren Verlaufe seiner Rede der wackeren Mithilfe des Herrn Dr. Oppenheim und fordert die Anwesenden auf, auch ihrerseits in den Gemeinden aufklärend zu wirken, insbesondere aber betonte er, daß die Gemeinden bei großer Schmälerung der N-ensionsbezüge gegen ihr eigenes Interesse handeln, w^il ja nach dem größeren oder geringeren Erfordernisse auch die B eiträge des Landesmassafonds zu den Annunitälen und die der Bediensteten zu den Prämienzahlungen entsprechend größer oder geringer sich gestalten. Nach mehreren weiteren auf diesbezügliche Anfragen noch erteilten Auskünften seitens des Regierungsrates ergreift nun Obercantor Steiner - Groß-Meseritsch das Wort. „Wer da weiß, mit welch' banger Sorge wir. namentlich die in ihrem Dienste ergrauten Cantoren, in die Zukunft blickten; wie viele kummervolle Tage und schlaflose Nächte wir durchlebt, wenn der Gedanke an uns herantrat: Wer wird für uns im Alter, wer für unsere Frauen und Kinder sorgen, wenn unser Auge sich dereinst für ewig schließt? der wird die Größe der Tat zu würdigen wissen, die ein edler Mann aus eigener Initiative in jahrelangen rastlosen, unentwegten Streben sich zum Ziele gesetzt hat. Dieser edle Mann, durch seinen ärztlichen Beruf bestimmt, ein Helfer der leidenden Menschlichkeit zu sein, er will auch ein Retter in der Not werden. Er findet nicht Genüge an den hohen Ehren und Auszeichnungen, von denen er allseits umgeben ist. Wohltun ist seine Devise und nur in der Betätigung dieses edlen Triebes findet er Befriedigung. Dieser, Mann hat uns heute die Ehre seines Besuches zuteil werden lassen; es ist Herr Regierungsrat Dr. Salomon Spitzer. Ein zweiter Salamon der Weise, hat er als unvergängliches Denkmal seines Edelsinnes einen Altar errichtet, bestimmt für Opfer der Nächstenliebe. Auf diesem Altäre wollen wir Dankopfer darbringen, das seien unsere Geb.te; Gußopfer die Frendenträuen vieler Beglückter, und ihr Lob ans so vieler Munde, das seien die Spezereien, deren Wolgeruch zum Himmel emporsteigt und von Gott gnädig ausgenommen wird. Unsere Dankbarkeit und Hochachtung für Sie, hochgeehrter Herr Regierungsrat, ist so groß, tief und nachhaltig, daß sie nicht in Worte gekleidet werden können und wollen wir für Sie, und wenn die gütige Vorsehung nur einen Teil unserer Wünsche gewährt, dann ist das Glück Ihres Hauses dauernd begründet. Empfangen Sie, hochgeehrter Herr Regiernngsrat, die Versicherung, daß. ihr edles hochherziges Wirken bei uns und kommendeit Geschlechtern in unauslöschlicher Erinnerung bleiben werde (Sammtliche Anwesend« n hatten sich zum Zeichen ihres Dankes von den Sitzen , erhoben. Tiefbewegt dankt Herr Regiernngsrat für diese Kund-! gebung und gibt die feierliche Versicherung, auch fernerhin das j Möglichste zu tun, um die Versicherungsangelegenheiten zu einem! allseits befriedigenden Abschlüsse zu bringen. Auch Herrn Dr. Oppenheim dankt Obercantor' Steiner im Namen der Bernfsgenossen für das unserem Stande gegenüber bei mehrfachen Anlässen stets betätigte Wolwolten. Der nun vom Vorsitzenden gegebene Rechenschaftsbericht über das Vereinsgebahren liefert den besten Beweis von der i rührigen, unermüdlichen Tätigkeit des Herrn Obercantors j Heller im Interesse des Vereines im Allgemeinen und zur I Förderung der Wolfahrt einzelner College» in Besonderem, was auch voir der Generalversammlung unter lebhaftem Dankes - ausdrncke anerkannt wurde. Dem Vereinscassier Obercantor Kohn, Lundenburg, wird auf Grund seines Berichtes und der vorgenorumenen Revision der Jahresrechuung das Absolntorium erteilt. Vicepräsideut Obercantor Stößler, Nen-Raußnitz referier über die seitens der Delegierten unseres Vereines mit dem Vorj stände des öfter -ung. Cantorenvereines in Angelegenheit des Anschlusses an den zu gründenden allgemeinen Cantorenbund geflogenen Unterhandlungen, die ein negatives Ergebnis lieferten. Für die armen Opfer von Kischiuew wurde eine Gabe von 25 Kronen aus Vereinsmitteln bewilligt. Erfreulicherweise haben auch dieses Jahr mehrere Cantoren ihren Beitritt dem Vereine angemeldet, so daß das Interesse derselben für Vereiusleben stetig wächst. Auf Ansuchen des Vereinspräsidenten, Herrn Obercantor Heller, wurde von Seite der Theaterdirektion resp. vom Jurnalisten- und Schriftstellerverein voir Mähren und Schlesien in besonders entgegenkommender Weise dem Cantorenvereine eine bedutende Anzahl von Parquettsitzen und Logen zur Befügung gestellt, und wird der auserlesene Kunstgenuß — es wurde die Oper „Carmen" mit der k. k. Hofopernsäugerin Frau Gutheil-Schröder-Wien, gegeben — den Anwesenden Cantoren unvergeßlich bleiben. Abends fand eine gesellige Zusammenkunft statt, wobei unter Gesangs-- und anderen Borträgen auch ein neues Vereins-Bundeslied von sämmtlichen Cantoren zu Gehör gebracht wurde, — die Zeit in gemütlicher Unterhaltung angeuehul verstrich und schied man mitjdem gegenseitigen Wunsch: „Auf fröhliches Wiedersehen l" St-

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