Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 22 (5.6.1903)
- Date
- 1903-06-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Kesterr-ungar. Canluren-Zeitnng. Mc. 22. Meilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 23. Iahrg. Esther. Biblisches Schauspiel für Chor, Solo und Orchester. Von Heinrich Fabisch, Cantor der Synagogengemeinde Göttingen. Die inusikalitche Litteratur des jüdischen Gottesdienstes hat im vergangenen Jahrzehnt viel werthvolle Bereicherung erfahren, und wenn wir hier speziell dem deutschen Theil derselben die gebührende Anerkennung zollen, dann müssen wir sagen, daß es Herr Fabisch-Göttingen war, der mit seinen „Gesänge der Andacht" einem längstgefühlten Bedürfniß entgegekommen ist. Das Verdienst, welches er sich damit erworben hat, ist ein entschieden großes; ^größer aber noch ist dasjenige, welches aus seinem dramatischen fünfaktigen Werke „Esther" für Chor, Solo und Orchester spricht. Ich habe nicht allein in die Partitur desselben Einsicht genommen, sondern ich habe es am vergangenen Purim in der hiesigen Stadthalle zur Aufführung gebracht und folge darum gerne dem Wunsche mein Urtheil darüber zu veröffentlichen. Zunächst etwas über das Text, buch. Der Verfasser desselben ist der Komponist selbst. Herr Fabisch hat es verstanden, die Purimgeschichte im Stille des Operntextes dramatisch darzustellen und wirksam auszugestalten; er hat den hervorragenden Trägern derselben entsprechende Partien geschaffen, die im komponirten Theil wie im Dialog unstreitig charakteristisch sind. Die einzelnen Szenen und Situationen sind von packender Ueberzengung, sodaß man wobl sagen darf, das Textbuch an und für sich bedeutet schon eine respektable Leistung. Demgegenüber darf indessen nicht verschwiegen werden, daß die Dichterfreiheit bei der Einführung des Haman zu der biblischen Darstellung in Widerspruch tritt, und daß auch noch andere kleine Mängel und Unebenheiten vorhanden sind, die aber bei einer bereits in Angriff genommenen Umarbeitung des Textbuches für die Zukunft in Wegfall geraten. In Bezug auf die Partitur ist zunächst zu bemerken, daß das Werk, wie schon angedeutet, nicht durchkomponirt ist, d. h. der Text wird, wie in vielen Opern, theilweise gesungen, theilweise gesprochen. Ein sinniges Vorspiel, an dem der ganze Justrumentalkörper partizipirt, macht uns gleichsam dispositionell mit den Hauptmomenten der Musik bekannt und leitet harmonisch zu dem 1. Akt hinüber, der mit einem markanten Huldigungsmarsch für Ahasveros chorisch seinen Anfang nimmt. Ein humoristisches Trinklied sowie ein feinempfundeues Lied zum Preise Vasthi's bilden im weiteren Gefolge mit einem launigen Liede der Seres den musikakischen Inhalt des ersten Aktes. -- Der zweite Akt beginnt mit einem Gespräch zwischen Esther und Mordechai und fährt dann fort mit dem reizenden Duett: „An den Strömen Babels saßen wir und weinten." Die orchestrale Einleitung hierzu ist sehr treffend charakterisirt durch Arpeggienarkkorde, welche die im Texte erwähnten Harfen imitiren, und auch das darauf folgende Trompetensignal ist bemerkenswerth durch die geschickte motivische Zugrundelegung von Balajloh haha nodadoh schnaB hamelech. Nach einigen Dialogszenen erscheint der prachtvolle Bußgesang : „Herr, nicht im Zorne strafe uns" als Wechselgesang zwischen Chor und Esther. Hier will mir im 5. Takt des ersten Satzes die Harmonie nicht einleuchten; ich würde anstatt des Fermatenakkordes in v moll einem reinen g dur-Akkord den Vorzug geben. Die Wirkung dieses Gesanges ist außerordentlich mächtig und hinreißend. — Der 3. Akt enthält die Krönung Esthers und bildet auch den musikalischen Höhepunkt des ganzen Werkes. In den beiden ersten Szenen ist er melodramatisch, von da an aber auf dem Motive Uwhagia tör Esther streng durchkomponirt. Eine Perle reiht» sich hier der andern an: es erscheinen die Dienerinnen mit dem anmuthigen Gesänge: „Heil Dir, neue Königin!" ihnen folgt die Kronenträgerin mit dem glückverheißenden Liede: „Nimm diese Krön' aus meinem Händen," und der König, den Akt der Krönung vollziehend, singt nach einem kurzen Rezitativ ein Lied zum Preise Esthers. Wunderschön ist dann das sich dem anschließende Terzett zwischen Esther, König und Kronenträgerin: „O, Gott wie hast Du mich erhoben, resp. die Götter haben dich erhoben." Bei dem darauf stattsindenden Hoffest darf natürlich auch das Ballett nicht fehlen, und so erscheint weiterhin eine Ballettmusik, die ihrem Komponisten alle Ehre macht. Mit einigen Wiederholungen geht der dritte Akt zu Ende. — Der 4. Akt ist musikalisch gar nicht bedacht, der 5. dagegen größentheils. Nach ein Paar einleiten, den Akkorden singt das Volk auf eine Ansprache des Königs den Huldigungsgesang für Mordechai, wozu das bekannte Wajialu es homon al hoez das Motiv bildet; ein Klarinetten-Solo schließt mit dem Echo- Niggun, der bekanntlich auch in der Megillah vorkomint. Mächtig auf strebend und das Ganze pathetisch abschließend ist das Schlußgebet: „Erheben will ich Dich, du guter Gott" als Terzett für Sopran (Esther), Tenor (König), Baß (Mordechai) und Chor. Die hier in einer großartigen Massenentfaltung zum Ausdruck gebrachte dramatische Kraft dokumentirt den Herrn Fabisch als routinirten Komponisten und läßt auf diesem Gebiete noch manch Schönes von ihm erwarten. Der musikalische Aufbau ist theils kontrapunktisch, ^theils rein hamonisch, jedenfalls aber so, daß er dem Werke den Charakter eines künstlerisch abgerundeten Ganzen verleiht. Ein kleines Monitum wäre allerdings im Liede der Kronenträgerin dahin zu formuliren, daß im 5. Takt für die zweiten Violinen nicht f notirt fein dürfte, sondern eis, wie dies ja auch durch die Klarinetten an derselben Stelle anerkannt ist. Die Instrumentation ist durchweg schön und wohlklingend, sodaß ich kurz resümirend nicht anstehe, die „Esther" des Herrn Fabisch als ein Werk zu bezeichnen, welches nicht genug empfohlen werden kann. Hermann Z i v i. Elberfeld. Concups. Ich suche per 1. Juli einen tüchtigen, musikalisch gebildeten Bassisten mit klangvoller Stimme. Monatsgehalt 60 Kronen und Nebenemolumente. Offerte bis Ende Juni an Obercantor Weiss, Zala Egerszeg, Ungarn. Concnrs. An dem mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehenen israelitischen Blinden-Institute Hohe Warte in Wien ist die Stelle einer ordentlichen internen Lehrerin mit einem Anfangsgehalt von jährlich von K 1200 nebst freier Station mit Beginn des Schuljahres 1903/04 zu besetzen. Offerte bis 25. Juni d. J. zu richten an die Direction der Anstalt. GOlsTGURS. In der israelitischen Cultusgemeinde zu Przemysl gelangt die Stelle eines Rabbiners zur Besetzung. Mit dieser Stelle ist ein Jahresgehalt von 3600 Kr. nebst den üblichen Emolumenten verbunden. Als Rabbiner der hiesigen Cultusgemeinde können nur österreichische Staatsbürger angestellt werden, deren Verhalten in sittlicher und staatsbürgerlicher Hinsicht vorwurfsfrei ist (§ 10 des Gesetzes vom 21. März 1890, R. G. Bl. Nr. 57). Bewerber haben unter Vorlage der Zeugnisse über ihr talmudisch-rabbinisehes Wissen und romn rnntr bezüglich ihrer allgemeinen Bildung den Nachweis zu liefern, dass sie das Obergymnasium absolvirt und die Maturitätsprüfung mit gutem Erfolge bestanden haben. Die mit sämmtlichen Belegen versehenen Eingaben sind spätestens bis zum 25. Juni 1803 an den Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde zu Przemysl zu überreichen. Przemvsl. den 10. Mai 1903.