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Die Wahrheit · 1903-05-29 · Heft 21 (29.5.1903) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 21 (29.5.1903)
Date
1903-05-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Kesterr.-ungar. Canloren -Zeitung. Weilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 23. Iahrg. Nr. 21. Wir ersuchen um gefällige Einsendung der restlichen Aöonnementsbeträge. Kleichzeilig Sitten wir unsere geehrten Kerren Abonnenten, uns ihre Adressen in Sommerfrischen und Kurorten rechtzeitig bekannt zu geben, damit die Zusendung des Mattes Leine Unterbrechung erleide. Die Administration. Salomon Nojsi und Salomon Sicher. Von P. Minkowsky, Obercantor, Odessa. (Schluß.) Mit diesem Programme, den ganzen mittelalterlichen Ritus umzugestalten, widmete Salomon Sulzer sein ganzes Können und Wissen total der heiligen Sache, und Wie treu und nreisterhaft erfüllte er sein Unternehmen J Wie. König Salomon zum Bau des ersten Tempels die Mitwirkung der phönizischen Baumeister nicht verworfen hat, wenn seine eigenen Kräfte nicht hinreichend schienen, so verstand es auch Salomon Sulzer, die Hilfe anderer Tondichter auszunutzen, wo seine eigenen Mittel nicht ausreichten, um den coloffalcnBau der ganzen Liturgie moderll aufzurichten. Durch derartige Hingebung und solch unermüdlichen Kampf gelang es Salomon Sulzer, wie keinem vor ihm, eine ueue Aera in der jüdischen Liturgie zu schaffen. In Kurzem, Salomon Rossi bleibt mit seiner ganzen Größe für uns blos „Ehrengast", dem anstandshalber keine Kritik zu nahe treten darf, während Salomon Sulzer, als Gründer und Vater unserer modernen Liturgie, nicht nur verehrt sondern der Kritik aller zukünftigen Generationen ausgesetzt bleibt. Außer dem persönlichen Eontrast der beiden Salomone müssen wir auch den Unterschied der Zeiten, in welchen die Beiden gelebt und gewirkt haben, in Betracht ziehen, und dieses Moment liegt auch meiner Behauptung zu Grunde, daß der Verfall unserer Liturgie mit der Epoche der Renaissance angefangen hat. Die Vorsehung wollte diese zwei berühmten Tondichter als zwei Grenzsäulen der verhängnisvollen Ghetto-Epoche aufstellen, den ersten am Anfänge und den zweiten am Schluffe derselben. Solomon Rosst blühte am Ende des 16. und am Anfänge des 17. Säculums, in einer Uebergangsperiode von unerwarteten Judenhetzen und plötzlichen Ueberfällen in eine Periode systematischer und permanenter Judenbedrückungen in einem abgeschlossenen Ghetto. In einer solchen Zeit, wo fast alle Völker darauf losgiengen, uns alle Lebenslust zu rauben, uns in verpesteter Luft innerhalb des Ghetto schmachten zu lassen und uns außerhalb desselben mit grünem Barett und rothen Flecken am Kleide zu kennzeichnen, wäre auch für die schönsten Melodien und reichsten Harmonien Rossi's weder Bedürfnis noch Empfänglichkeit vorhanden gewesen. Möglich, daß seine Zeitgenossen auf ihren großen Bruder Rosst, der durch seine Kunst eine persona grata an den Höfen der Könige und Fürsten geworden und von allen Schandzeichen befreit war, mit Stolz blickten, in ihrer Liturgie jedoch war kein Platz für Rossi's Schöpfungen. Auch unternahm Rossi nicht den . mindesten Versuch, seine Eon,Positionen in die Ghetto-Synagogen einzuführen. Er mag vielleicht weder Zeit noch Mut hiezu gehabt, oder die Unmöglichkeit einer synagogalen Reformation in einer solch ungelegenen Zeit eingesehen haben. Eines ist gewiß, daß er keinen Finger für diese Sache rührte. Dagegen haben kabbalistische Strömungen und sophistische Haarspaltereien des- Talmud, die in dieser Zeit das ganze Judentum beherrschten^ die gesunde Logik und den einfachen Geschmack so verdorben» daß für keinerlei Reformation der richtige Boden vorhanden, war. So blieb Salomon Roffi außerhalb der jüdischen: Liturgie. Salomon Sulzer aber lebte am Ende der Ghetto- Epoche, nach der großen französischen Revolution, nach der Mendelssohn'schen Bewegung, wo der alte Rassenhaß als ein Anachronismus des Mittelalters gänzlich beseitigt zu werden schien, wo überall in Israel ein Drang nach Aesthetik und Geschmack sich rege machte und durch energische Vorsteher und freigesinnte Rabhiner alle Vorbereitungen für eine synagogale Reformation bereits getroffen waren. Es fehlte blos ein musikalischer Organisator, der alle diese Strömungen zu einem Ganzen zusammenfaßte. Wäre vielleicht ein viel Geringerer als Salomon Sulzer gekommen, er hätte auch alle Chancen des Erfolges für sich gehabt. Was Wunder also, wenn die Erscheinung einer solchen Persönlichkeit, wie Salomon Sulzer, Epoche gemacht und sich in der Geschichte der Synagoge ein unsterbliches Denkmal errichtet hat?! Persönlichkeit und Zeit haben sich so günstig in der Epoche Sulzers zusammengetroffen,- daß wir kaum im Stande sind, zu unterscheiden, ob Sulzer „Schöpfer" oder blos „Geschöpf" seiner Zeit gewesen ist. üSir bleiben immer Verehrer Sulzer's, auch wenn wir ausgesprochene Gegner des Wiener Sulzerismus sind, der unbedingt den gänzlichen Verfall im Wiener Gottes» dienste bringen wird. Und da ich mich in meiner Broschüre nicht mit der allgemeinen Geschichte der jüdischen Musik überhaupt, sondern . mit der Entwicklung der synagogalen Liturgie beschäftigte,.! konnte ich nicht umhin, blos von denjenigen zu sprechen, die! die Liturgie beeinflußt und befördert haben. Cohcups. Ich suche per 1. Juli einen tüchtigen, musikalisch gebildeten Bassisten mit klangvoller Stimme. Monats* I gehalt 60 Kronen und Nebenemolumente. Offerte bis I Ende Juni an Obercantor Weiss, i Zala Egerszeg, Ungani. I €oncurs. j An dem mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehenen I israelitischen Blinden-Institute Hohe Warte iu Wien ist 1 die Stelle einer ordentlichen internen Lehrerin mit einem; Anfangsgehalt von jährlich von K 1200 nebst freier Station! mit Beginn des Schuljahres 1903/04 zu besetzen. Offerte! bis 25. Juni d. vJ. zu richten an die Directioii der Anstalt. Coneurs.! In unserer Gemeinde ist die Stelle des geprüften i Religionslehrers, Cantors und Vorbeters i bald zu besetzen. j Bevorzugt werden Bewerber, welche befähigt sind»! die Funktionen eines Predigers auszuüben. Gehalt incl. Einnahmen aus Legaten circa 1900 Mark I per Jahr. Meldungen nebst Abschrift der Zeugnisse und genauem Lebenslauf nimmt entgegen. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde Leobschiitz; Heinrich Magen.

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