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Die Wahrheit · 1903-03-20 · Heft 12 (20.3.1903) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 12 (20.3.1903)
Date
1903-03-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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v„ . Redaktion und Administration: Wien, II/l- Novaragaffe 27. ff. k. österr. Postivarcaffa Check-Conto Nr. 846.2517 Inserate 20 Heller per Nonpareille»Zeile. Abonnements» und JnserationSbeträge sind in Wien zahlbar und klagbar. ^abhängige Heitfchnft für jüöifche Intere^en. Erscheint jeden Motto: „Das Siegel Oottes ist Wahrheit!" Berussprets: Ganzjährig. , . . & 12.— Halbjährig .... ff. 6.— Für Cultttsbeamte: Ganzjährig.... ff. 10.— Für Ansland: Ganzjährig . . .8 Mark. 6 Rubel oder 16 Fc» »r. 12. Wien, 2V. Mär; 1903. Inhalt r Der Streit um Babel und Bibel. — Kinderfürsorge. — Vereins» und Gemeindebote. — Verschiedene Nachrichten. — Zur Berufsorganisation. — Schlesischer Cantoren-Verband. — Synagogen-GesLnge. — Verschiedene Nachrichten. Der Streit um Label und Libei. Von Dr. D. F e u ch t w a n g. V. Ueber diese Reste babylonischer Vorstellungen i.n Talmud und in spcuhebräischer Litteratur will ich an anderer Stelle eingthend abhandeln. Hier sei nur erwähnt, daß die Tiamatsage nnd,die Idee des Unglücks-Sabbath sich bis in die neupersische Zeit hinein erhalten zu haben scheinen. Hätte dies Delitzsch gewußt, welche umstürzende Schlußfolgerungen hätte er daraus gezogen? Doch, woher soll er das wissen? Ist ihm doch der Text der wichtigsten u n d markante st e n P e n täte u ch st e l l e n unbekannt. Wer sich solche Blößen gibt, wie Delitzsch sie sich in seinem zweiten Vortrage gegeben hat, der hat ein für allemal das Recht verwirkt, in aittestamentlichen Fragen mitznsprechen. Und doch hat Delitzsch die unbegreifliche Dreistigkeit, anzukündigen, er werde seinen Standpunkt gegenüber dem alten Testament und namentlich den Propheten gegenüber in der nächsten Auflage seines zweiten Vortrages klarlegen. Dieser Klarlegung bedarf es nicht. Delitzsch i st, dies muß einmal klipp nnd klar gesagt werden, d a r i u a b s o l u t n n k o m p e t e n t; er hat darüber kein wissenschaftliches Urteil; er v e r st e h t viel zu wenig hebräisch, als daß er imstande wäre, mit der von ihm allerdings angemaßten Souveränität über die Bibel und die Propheten zu sprechen. Kaiser Wilhelm und Admiral Hollmann können das nicht wissen, weil sie wahrscheinlich weder Talmud noch Thora studirt haben dürften, und die Empfangsräume des deutschen Reichskanzlers sind keine Akademie der Wissenschaften. Ich kann mir ersparen, über den S -ü n d e n f a l l, Paradies und Sabbat zu sprechen, zumal in diesen Blättern gelegentlich des Referats über meinen Bortrag bereits darüber gesprochen wurde. Wol aber müssen wir uns noch mit der Monotheismus-Frage beschäftigen. Nicht vom Standpunkte der Theologie. Delitzsch hat „leider auch Theologie studirt.^ Aber, ich sage das in. aller Rahe und versichere" wiederholt, daß ich diesen ausgezeichneten Gelehrten, wie jeder Orientalist/ hochschätz.e und , als Meister der Assyriologie verehre, er versteht von Theologie furchtbar wenig. Was er da im zweiten Vortrage, dessen dreißigstes Tausend eben erscheint, leistet, ist unglaublich. Noch unglaublicher, wie solch' dilettantische, oberflächliche Aeußeruugen, die man wissenschaftlich gar nicht widerlegen kann, weil sie ohne jedes solide Mark und Bein sind, die Köpfe intelligenter, ja hochgenialer Männer verdrehen konnten und können. Es ist Delitzsch in den letzten Wochen oft genug gesagt worden, daß fast Alles, was er in seinen beiden Vorträgen gesagt hat. Jahrzehntelang unbestrittenes, allgemein bekanntes Gut der Wissenschaft ist, insofern als er Tatsachen vorgebracht hat. Nur um solche kann es sich handeln. Seine Phantasien, Dichtungen, Combinationen, Expectoratiouen interessiren uns nicht. Oder soll man vielleicht das seichte Gerede über Offenbarung, das geradezu den Hohn und Spott der Gelehrten herausfordert, für ernst nehmen? Delitzsch verlangt ja, wie er dies einem Mitarbeiter der „Zeitgesagt hat, und wie ich dies in meinem am 2. März im „Wissenschaftlichen Club" gehaltenen Vortrage festgenagelt habe, von demjenigen, der ein competentes Urteil in den von ihm angeregten Fragen adgibt, daß er das alte Testament in allen seineil Teilen und nach allen Richtungen hin, sprachlich, sachlich, historisch, religionsgeschichtlich durchgearbeitet habe; daß mau ferner sich durch die harte Schule der alttestamentlichen Sprache durchgearbeitet habe! Gut. Das ist unbedingt richtig. Aber Delitzsch wird diesen Ansprüchen keine sw g s gerecht. Wer das Gebot des Dekalogs „Du sollst nicht morden!" mit lo tiZtol citirt, in einem Vo rtrage und in einem Zusammenhänge citirt, der von schweren Anwürfen gegen Theologie und Theologen, ja gegen die Bi b e l u n d M o s e s st ro tz t, d e r h a t e i n für allemal d a s R e ch t verwirkt, in alttestamentlichen Dingen mitznsprechen. Delitzsch spricht von von ihm angeregten Fragen! Welche Frage hat er denn angeregt? Er hat nur in höchst unbescheidener, unwissenschaftlicher, eines ernsten und ehrlichen Gelehrten absolut unwürdiger. Form Dinge vorgetragen, die längst vorher in bescheidener, wissenschaftlicher, gelehrter, würdiger Form Andere, Competentere, Größer, bereits vorgetragen haben, ohne allerdings ihre Arbeit von gekrönten Häuptern sanctioniren zu lassen. Delitzsch spricht, als hätten vor ihm David Friedrich Strauß, Renan, Wellhausen, de Wette rc. rc. gar nicht gelebt. Als wäre er der

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