Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1903
- Issue
- Heft 9 (27.2.1903)
- Date
- 1903-02-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Desterr.-ungar. Cnnloren-Zeitung. Meikage zur Zeitschrift ..Die Wahrheit." 23. Jarbg. Nr. 9. Zur Gerussorganisation. In letzter Zeit sind aus dem Kreise der Collegenschaft bezüglich der Zwecke und Ziele, welche die Berufsorganisation anzustrebeu habe, dem Vorstande des österr.-ungar. Cantoren- Vereines mannigfache Vorschläge unterbreitet worden, die, so gutgemeint sie auch sein mögen, dennoch bei dem gegenwärtigen Stande der Verhältnisse undurchführbar erscheinen müssen und uns in der Ansicht bestärken, daß bei vielen Berufsgenoffen die Anschauungen über dasjenige, was mit den derzeitigen dem Vereine zur Verfügung stehenden Mitteln erreichbar ist, noch ziemlich, unklar sind und daß jetzt schon Forderungen ge-/ stellt werden, an deren Realisirung erst in einem vorgerückteren Stadium der Organisation gedacht werden kann. Um nun nach dieser Richtung völlige Klarheit zu verschaffen, wollen wir uns im Nachfolgenden mit den gegebenen Anregungen beschäftigen. Der Curiosität halber sei nur constatirt, daß alle möglichen Wünsche laut wurden. Der Eine plaidirte z. B. dafür, daß der Vereinsvorstand in Anbetracht des bei den Berufsgenoffen stark ausgebildeten Reisetriebes Fahrpreis- Ermäßigungen bei den einzelnen Bahnen, der Andere, daß er für die in der Haupstadt zum Besuche weilenden Collegen Freibillete in die Hofoper erwirken möge. Wenn wir über derlei Lächerlichkeiten einfach hinweggehen und uns ernsteren Dingen zuwenden, wird uns dies hoffentlich Niemand übelnehruen. College Stößler in Olmütz bemängelte in der letzten Nummer der „Cantoren-Zeitung" die unklare Fassung der Statuten bezüglich der in Aussicht gestellten Jnvaliditäts- und Witiwenunterstützung uno rät an, bestimmte, ziffernmäßige Normen aufzustellen. Vor allem anderen müssen wir darauf erwidern, daß der Vereinsvorstand diesbezüglich an der klar ausgesprochenen Auffassung des letzten Wiener „Cantorentages" sesthält, daß Jnvaliditäts- und Witwenversorgnug nicht auf dem Wege der Selbsthilfe, sondern unter Mitwirkung und Beitragsleistung seitens der Cultnsgemeindeu auzustreben sei. Die betreffenden statutarischen Bestimmungen haben nur einen provisorischen Charakter für die Zeit des Uebergangsstadiums, und wenn hiebei nicht bestimmte Beträge in Aussicht gestellt werden, so liegt die Ursache darin, daß die Behörde bei Genehmigung der Statuten die Forderung stellen würde, daß sich der Cantorenverein auf versicherungstechnischer Basis constituire, was er mit Rücksicht auf den Mangel der hiezu nötigen Capitalien, und auch in Anbetracht der verhültnißmäßig geringen Anzahl der Mitglieder derzeit nicht tun kann. Dazu gehörte znm mindesten ein Fond von etwa 200.000 Kronen, oder ein Mitgliederstand von etwa 1000 Mitgliedern. Aber selbst angenommen, es wären diese Voraussetzungen erfüllt, glaubt Herr College Stößler, daß man überhaupt bei einem Jahresbeiträge von 8 Kronen jährliche Subventionsbezüge für Berufsunfähige, oder Pensionen für Witwen und Waisen beschaffen kann? Da müßten die Vereinsmitglieder schon viel tiefer in die Tasche greifen und zum Mindesten das zehnfache des jetzigen jährlichen Beitrages leisten. Weil wir nun der Ueberzeugung sind, daß 'unter den jetzigen Verhältnissen eine solche Beitragsleistung seitens der Collegen nicht erwartet werden kann, und weil wir weiters auf die Mitwirkung der Gemeinden für eine ausgiebige Versorgung ihrer Angestellten und ihrer Hinterbliebenen nicht verzichten wollen, müssen wir vorläufig uns in bescheidener, unseren gegenwärtigen Dritteln entsprechender Weise mit einmaligeil Unterstützungen im Jnvaliditäts- und Todesfälle zufrieden geben, Unterstützungen, die durch Pflichtbeiträge seitens der Mitglieder und einen eventuellen Beitrag der Vereinscaffe, je nach bem Stande derselben, beschafft werden sollen. „Wie lange soll dieses Provisorium dauern?" wird mancher Neugierige fragen. Das hängt einzig und allein von der Entwicklung und den Fortschritten der Organisation ab. Je mehr Coflegen sich derselben anschließen, desto wirksamer wird sie die gerechten Forderungen der Berufsgenoffen schaft geltend machen können. Nur dem Drucke der Mafien werden die Gemeinden nachgeben und deshalb liegt es an den Berufsgenoffen selbst, sich früher oder später den Weg in gesicherte Verhältnlffe zu bahnen. Um aus den gegenwärtigen, tristen Verhältnissen heranszukommen, gibt es nur ein Mittel, und das ist: unbedingter und möglichst zahlreicher Anschluß an den Cantoren-Verein. Der Verein wird Alles bieten können, wenn die gelammte Berufsgeuossenschaft, oder wenigstens der größte Teil derselben hinter ihm steht, er wird aber gar nichts erreichen, wenn er nur einen verschwindenden Bruchteil de. selben repräsentirt. Dies mögen sich die Collegen gesagt sein lassen, besonders Jene, die gleich vom Anfang an sich an eine gedeckte Tafel setzen und ihren Eintritt erst dann anmelden möchten, wenn ihnen bereits greifbare ulaterielle Benefizien angeboten werden. Wenn die Mehrzahl der Berufsgeuossenschaft so denkt, dann wird die Organisation der Cantoren, zum Schaden der Einzelnen wie der Gesammtheit, noch lange auf sich warten lassen. Litteratur. Es fehlt heutzutage nicht an musikalischen Zeitschriften. Als solche hat sich auch die in erster Reihe stehende „Neue WuMZeitnng^ (Verlag von Carl Grüninger in S t u t t g a r r) in Musikerkreisen längst Anerkennung und Geltung verschafft. Ihre ungewöhnliche Verbreitung und volkstümliche Beliebtheit verdankt sie dabei aber noch dem besonderen Umstande, daß sie als „i l l u st r i e r t e s F a m i l i e n b l a t t" auch der gesammien gebildeten Welt überhaupt, wo nur i nmer Liebe zur Tonkunst und Interesse für das musikalische Leben zu finden ist, durch gediegenste Stoffauswahl Anregung, Unterhaltung und Belehrung in gemeinverständlicher Form zu bieten versteht. So gibt es denn in der Tat kein anderes Blatt, welches in gleicher Weise wie die Neue Musik-Zeitung den Bedürfnissen des Musikfreundes und den Ansprüchen des Fachmannes zu genügen vermöchte. Allch das soeben vollendete Quartal dieser Zeitschrift (das erste ihres XXIV. Jahrganges) steht den früheren an reichen und interessanten Inhalt aller Art keineswegs nach. Hervorgehoben seien beispielsweise folgende Aufsätze aus der Feder hervorragender Schriftsteller: Die Sonate der Zukunft, Persönliche Erinnerungen an Brahms, Ein Oratorienentwurf von Goethe, Die Musik in Rußland, I. Dalcroze und seine Kinderlieber, Urteile bedeutender Männer über Mozarts Don Giovanni. Die Musik des Urwaldes, Händels Alexanderfest, Ein neuer Klavierspielapparat, Bachs Orgelwerke in Klavierbearbeitungen, Zn Richard Wagners 20. Todestage, Das böhmische Streichquartett; außerdem eingehende biographische Artikel (nebst Porträts) über I. F. Reichardt, Edward Elgar, Jsadora Duncan, Hans Psitzner, M. Clementi, M. E. Bossi u. a. Ferner brachte die Nene Musik-Zeitung fesselnde Erzählungen, orginelle Feuilletons, kritische Besprechungen über Neuheiten im Opernhause, im Konzertsaale, auf dem Bücher- und Mufikalienmarkte, zahlreiche Notizen aus dem Musikleben der Gegenwart, Anekdoten aus der Künstlerwelt und gewählte Texte für Liederkomponisten. Endlich enthielt jede Nummer küftlerisch aus ge führte I l l u st r a t i o n e n, Mufikbeilagen (Lieder, Klavier- und Ensemblestücke). Zu erwähnen wäre noch der Briefk a st e n, der den Abonnenten in allen möglichen Anliegen Willke und Ratschläge erteilt und kompositorische und literarische Versuche einer Beurtheiluug unterzieht. Trotz dieser unvergleichlichen Reichhaltigkeit beträgt der Abonnementspreis pro Vierteljahr (6 Nllmmern) nur 1 Mark. —> Probenummern versendet an Interessenten jede Buch-- und Musikalienhandlung, sowie der Verlag selbst aus Verlangen gratis und franko.