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Die Wahrheit · 1903-02-20 · Heft 8 (20.2.1903) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 8 (20.2.1903)
Date
1903-02-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 8. Die Wahrheit. Seite 11. Noch ein Wort zur Lerüfsorganijation. von M. T i n t n e r, Bunzlau, Preuß.-Schlesien. Noch einmal schauen wir zurück auf die abgehaltenen Cantoreu- und Lehrerversammlungen und besonders aller sonstigen „Vereinchen", die eigentlich nur nominell ein klägliches Dasein fristen. In schier endloser Frucht liegen sie hinter uns, die nächsten noch belencktet vom Hellen Liü te der Gegenwart, die die entferteren schon verdämmernd in der Zeiten Ferne. Unwillkürlich sucht man nach dem Plane, nach dem sie geordnet sind, damit er dem verwirrten Blicke als Führer diene. Aber welches sind die großen Errungeschaften aller dieser in die Welt hinausposaunten Bestrebungen, "was ist erreicht für geistigen und socialen Strömungen in dem Thun und Treiben der Organisationen? — Das Ziel soll doch die Glückseligkeit des Einzelnen fördern, die Fortbildung durch den Meinungsaustausch ooch endlich Bedürfnis werden, aber nicht Jeder kann und darf sich als „General" aufwerfen Unter solchen Verhällnissen kann natürlich das Cantoren-Vereinswesen nicht gedeihen. Muß es uns nicht weh' thnn, daß wir das Elend der Hinterbliebenen unserer Amtsbrüder vor der Oeffentlichkeit preisgeben und beleuchten müssen! Die Ehrenrettung muß uns und jeder Gemeindeans Herz gelegt werden, damit nicht in den Zeitungen das „Bettelglöckchen" für unsere Witwen und Waisen erklinge, wie auch für die alternden und siechen Collegen, die gebrechlich und verbraucht, ohne Pension, in eine unbeschreibliche Notlage geraten, die zu schildern die Feder sich sträubt! Wir können die Frage nicht unterdrücken: Was wird nach unserem Tode aus unserer Familie werden? Wenn wir ausgekämpft haben, so müssen doch unsere Lieben den Kampf des Lebens weiter führen, sie sind dann sich selbst überlassen. Ihr Schiffleiu entbehrt des Steuermannes. Wohin wird es auf den Wellen des Lebens treiben? Wird es zerschellen? Das Schicksal unserer Lieben nach unserem Tode kann uns doch nicht gleichgiltig sein, nicht gleichgiltig die Frage, ob sie den Stürmen des Lebens gegenüber Stand halten werden können? Unsere Aufgabe bleibt es, dahin zu wirken, die Hinterbliebenen möglichst selbständig zu machen in geistiger wie auch in materieller Hinsicht, den Witwen und Waisen in ihrer Trübsal mit Nach und Thal beizustehen, dann darf die Familie, wie groß auch der Verlust ist, sich nicht dem herben Schmerze allein überlassen. Es gilt, den Kopf nicht zu verlieren; es gilt ein sofortiges Handeln und Eingreifen, das dem Vorstände durch die Organisation des Cantoren-Vereines obliegt. Wie schön passen doch Göche's Aussprüche für die Gegenwart. Sie enthalten für uns stets beherzigenswerte Gedanken, dass eine Auffrischung recht wohlthuend wirken könnte. „Immer strebe zum Ganzen, und kannst du selber kein Ganzes werden, als dienendes Glied schließ' an ein Ganzes dich an!" „Jsts nicht möglich, dass treffliche, mit vielen Gaben ausgezeichnete Männer auf einen Zweck wirken und vereint das Gute das Vollkommene schaffen können?" — „Einheit ist allmächtig deshalb keine Spaltung, kein Widerstreit unter uns' Insofern wir Grundsätze haben, sind sie uns allen gemein!" „Was der Mensch auch ergreife und handhabe, der Einzelne ist sich nicht hinreichend; Gesellschaft bleibt eines wackeren Mannes höchstes Bedürfnis." „Das Edelste und Beste des Menschengeschickes ist ein Zusammenwirken mit Guten und Gleichgesinnten." Zum Schluss noch eine Bemerkung: Mancher College wird sagen, der hat gut reden. Nun lieber College, du hast keine Ahnung, was mir alles zu Gehör gebracht wird, wie viel Briefe ich erhalte und wie oft ich im Stillen wirke. Nicht zum Vergnügen, auch nicht um zu moralisireu, schreibe ich diese Zeilen, das wäre zu unbescheiden, sondern nur um Alle aufzurütteln, die in der Lage sind, zu helfen zu raten und thaten — und auch diejenigen zu ermuntern, welche von der Organisation noch abseits stehen. Grandiose und phrasenhafte Ansprachen zur Gründung neuer „Vereinchen^ haben keinen Zweck! Stärket durch k o l legi all s ch e s Einvernehmen den alten „O e st er r. - ungar. Cautoren-Verei n", und t e f e't das Fachblatt! Allen denen aber, die nur einreißen und nicht aufbanen wollen, rufen wir zu: KFoli turbare circulos meos! Littemtur. Jüdischer Almanach 5663. Redaktion des litterarischen Teiles: Berthold Feiwel, des künstlerischen Teiles: E. M. Lilien. Jüdischer Verlag, Berlin. Ein hochinteressantes Sammelwerk, das viel Belehrendes und Unterhaltendes bietet und jeder jüdischen Familie warm empfohlen werden kann. Durch seine elegante Ausstattung und reichen Bilderschmuck wird dieser jüdische Almanach jedem Salontisch zur Zierde gereichen. fest- und 8addathpredi§1en, von Dr. Joachim Jacob Unger, Rabbiner der isr. Cu.'tusgemeinde in Jglau. Verlag von Jakob B. Brandeis. Der greise Gelehrte hat mit der Veröffentlichung dieser 40 Predigten seinen jüngeren Fachgenoffen eine köstliche Gabe geboten, für die ihm jeder großen Dank wiffen wird. Aber auch für Laien bietet diese Sammlung eine Fülle von Belehrung und Erbauung, wie sie nur ein solcher Gelehrter von der alten Schule zu bieten vermag. Hagoren, Sammlung wissenschaftlicher Abhandlungen, hebräisch, herausgegeben S. A. Horodezki in Berditschew. III. Buch. 1902. Den ersten zwei Sammlungen aus den Jahren 1898 und 1900 reiht sich diese dritte Sammlung nicht nur würdig an. sondern übertrifft beide zusammen. Wertvolle, gediegene Biographien aus der bewährten Feder des Herausgebers wechseln ab mit Beiträgen eines Lector Friedmann, Prof. Bacher, Abraham Epstein,. Dr. Harkatvh, Kayserling u. s. w. — durchweg gesunde geistige Nahrung. Haeschkol, ebenfalls eine Sammlung hebräscher Arbeiten, herausgegeben von Dr. Ginzig, Krakau, 1902, IV. Band. Diese Sammlung dient nicht ausschließlich wiffenschaftlichen Zwecken, sie enthält auch viel Belletristisches in Poesie und Prosa und zeigt denselben Charakter wie die drei ersten Bände. Hakescheth (der Regenbogen). Jllustrirte hebräische Monatschrrst für Kunst, Litteratur und Leben. I. Jahrgang, Nr. 1. Berlin. Wir wünschen diesem Unternehmen recht guten Erfolg. Geschichte der Juden in Bromberg. Zugleich ein Beitrag zur Geschichte der Juden des Landes Posen. (Mit Illustrationen) von I. Herzberg. Frankfurt a/M. 1903. Verlag von I. Kauffmann Mk. 2.50. Eine ausgezeichnete, fleißige Arbeit, ein willkommener Beitrag zur Geschichte der Juden in Deutschland. Kundmachung. Es wird hiermit zur Kenntnis gebracht, dass auschliesslich die nachbenannten Verkaufsstellen für Koseherfleisch unter der besonderen Aufsicht des Rabbinates der Cultusgemeinde stehen: Im 1. Bez. Ignatz Weinstein, Seitenstettengasse 3. „ 2. „ J. A x e 1 r a d, Krummbaumgasse 2. „ 2. „ J. Heiss, Leopoldsgassse 31. „ 6. „ Joh. Fleischhacker, Schönbrunnerstr. 15. „ 14. „ Ernst Fuchs, Sechshauserstrasse 35. „ 16. „ Heinrich K o h n, Ottakringerstrasse 86. „ 16. „ Anna Willner vormals Weiss, Grundsteingasse 12. „ 16. „ Franz Schwadosch, Hofferplatz 10, „ 19. „ Adalbert Wilhelm, Osterleitengasse 2 , 20. „ Eli Kalter, Jägerstrasse 22. Kur für die hiergenannten > erkaufsstellen übernimmt das Rabbinat die Yerantwortlichkeit in Betreff des Kaschrus. Der Vorstand der Israel. Cultusgemeinde Wien. - Schir Zion - von Sulzer in mehreren Exemplaren (nur wolerhalten) zu kaufen gesucht. Offerte an Buchhändler Löwit, Wien, i., Rothenthurmstrasse 22.

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