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Die Wahrheit · 1903-02-20 · Heft 8 (20.2.1903) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 8 (20.2.1903)
Date
1903-02-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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akrksit Redaction und Administration: Wien, H/t- Novaragafse 27, K. k. österr. Poftkvarcassa Eheck-Conto Nr. 846.251' Inserate 20 Heller per Nonpareille-Zeile. Abonnements» und Jnserationsbeträge sind in Wien zahlbar und klagbar. ^abhängige Aeitschrift für Mische Interessen. Erscheint jeden Freitag. »ilotto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" Berugspreis: Ganzjährig... . L 12.— Halbjährig . ... ft. 8.— Für Cultusbeamte: Ganzjährig.... ft. 10.— Für Ausland:! Ganzjährig . . .8 Mark.! 6 Rubel oder 16 Fc» Nr. 8. Wien, 80. Februar 1903. Inhalt r Der Streit um Babel und Bibel. — Die jüdische Frau und ihr Einfluß auf das Familienleben. — Das ungarische Gemeindeleben. — Aus den Geheimnissen des großen Prozesses. — Beitrag zur Geschichte der Judenverfolgungen und Judengesetze in Oesterreich- Ungarn.' — Die Juden und der Talmud. — Kaiser Wilhelm über Babel und Bibel. — Verschiedene Nachrichten. — Zur Berufsorganisation. — Noch ein Wort zur Berufsorganisation. — Litteratur. Der Streit um Gabel und Bibel. Von Dr. D. F e u ch t w a n g. III. „Ich blickte auf das Meer, indem ich Wehklagen erschallen ließ, und alle Menschen waren wieder zu Erde geworden. Ich öffnete die Lucke, das Licht fiel auf mein Antlitz, ich ließ mich nieder, indem ich s a ß u n d weinte und über mein Antlitz die T r ä n e n r a iiu e n. Nach 12 Tagen stieg das Land empor, auf den Berg Nizir fuhr das Schiff l o s. Der Berg Nizir hielt das Schiff fest, ließ es sich nicht bewegen. Als der siebente Tag Hera n k a m, ließ ich eine Taube hinaus u n d l i e ß sie l o s. Es flog die Taube fort und kehrte zurück, da aber e i n Ort zum Sitzen nicht d a war, kehr teste um. Ich ließ eine Schwalbe hinaus und ließ sie los. Es flog die Schwalbe fort u n d k e h r t e z u r ü ck, d a a b er e i n Ort zum Sitzen nicht da war, kehrte sie zurück. Ich ließ einen Raben hinaus und ließ ihn los. Es flog der Rabe weg, sah die V e r m i n d r u n g der Wasserfluten, flog näher hin zu, krächzte und kehrte nicht zurück. Da ließ ich hinaus Alles nach den vier Winden, opferte ein Opfer, machte eine Spende auf dem Gipfel des Berges. Opfergefäße stellte ich auf, unter sie. schüttete ich Kalmus (Ziment?) Cedernholz und Räucherwerk. Die Götter rochen den Wolgeruch, die Götter sammelten sich wie die Fliegen um den Opferer". Was'weiter im keilinschriftlichen Sintflutberichte folgt, ist für unsere Zwecke ohne Belang. Schon vor der Wiederentdeckung des babylonischen Altertums durch die Ausgrabungen war uns. ein babylonischer Sintflutbericht längst bekannt. Und zwar aus den Fragmenten des griechisch schreibenden babylolonischen Priesters Berossos aus der Zeit kurz ^nach Alexander dem Großen. (300 b. d. g. Z.). Man hat bei diesem Schriftsteller wegen der frappanten Aehnlichkeit seiner Berichte mit denen der Bibel ' Beeinstussung durch jüdische Gelehrte angenommen, davon braucht - nunmehr lucht die Rede sein, nachdemwir Berüssos* Quelle kennen. — Für den. später zu besprechenden Schöpsungsbericht der Keilinschriften gilt, dasselbe. Dieser keilinschristliche Sintflutbericht stammt, wie so ungeheuer viele kostbare Funde, aus jener uralten Zeit, aus der Thontafelbibliothek des Assyrerkönigs Asurbanipal-Sardanapal in Ninive (7. Jahrh. v. d. g. Z.), woselbst er bei den englischen Ausgrabungen im Jahre 1872 gefunden wurde. Die Originaltafelu liegen im Britischen Museum und wurden zum erstenmale von George Smith gelesen und erklärt. Delitzsch zieht aus dem Berichte folgende Schlüffe: „Diese ganze Erzählung, genau wie sie hier niedergeschrieben war, wanderte nach Kanaan. Aber bei den von Grund aus anderen Bodenverhältnissen vergaß man, daß das Meer der Hauptfactor gewesen, und so finden wir denn in der Bibel zwei Erzählungen von der Sintflut." Hiezu muß Folgendes erklärend bemerkt werden. Im Winter 1887 wurden zwischen Theben und Memphis in El- Amarna, der ehemaligen Palaststadt Amcnophis IV etwa 300 Thontafeln gefunden. Es sind Briefe babylonischer und assyrischer Könige an die Pharaonen Amenophis III. und IV. Schreiben ägyptischer Statt Halter aus Tyrus, Sidon, Akko, Askalon an den ägyptischen Hof. Das Merkwürdigste in dem Funde sind die Briefe aus I e r u s a l e m. Aus diesen Briefen ist ersichtlich, daß damals, das heißt 1400 v. d. g. Z. zur Zeit der Einwanderung der zwölf Stämme Israels in das gelobte Land in Palästina Keilschrift und baby lonisch geschrieben und gelesen worden ist, woraus die Affyriologen folgern, daß Palästina damals eine „Domäne babylonischer K u l t u r" gewesen sein müsse. Natürlich ist auch Delitzsch dieser Anschauung. Er führt auch den übrigens von Jastrow und mir*) längst hervorgehobenen und beleuchteten charakteristischen Zug an, daß gleich bei der Erobernng von Jericho ein babylonischer Mantel (Jos. 7. 21.) die Habgier des Achan reizte. Nach dem übereinstimmenden Urteil hervorragender Forscher ist es aber durchaus unrichtig, aus den, wenn auch noch so bedeutsamen und für die Geschichte hochinteressanten Berichten jener Tafeln aus El-Amarua schließen zu wollen, daß Palästina von babylonischer Kultur durchdrungen und durchtränkt gewesen sein müsse. Es ist unerfindlich, wieso die Tatsache des Gebrauchs der Keilschrift zu diplomatischer *) Vergleiche meine „Affyriologischen Studien" in der „Zeitschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums." Jhrg. 18S3.

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