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Die Wahrheit · 1903-01-23 · Heft 4 (23.1.1903) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 4 (23.1.1903)
Date
1903-01-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Kekerr.-mlgar. Cantvren-Zettung. Ur. 4. Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 23. Iahrg. Wir ersuchen höflich st um Einsendung der Köonnemenls-Nückstände und desArännmerationsöetrnges für das Laufende Kuartat. Die Administration. Die Harten der Concurs-Äusschreibungen. Nor zwei Jahrzehnten, als mit der Gründung des österr.- ungar. Cantoren-Vereines die ersten Keime der cantoralen Berussorgauisation in hoffnungsvolle Erscheinung traten, wurde in diesen Blättern nebst anderen socialen Uebelständen auch die grausame und höchst ungerechte in allen Concnrs-Ausschreibungen wiederkehrende Clansel: ..Reisespesen werden nicht vergütet", oder: „Reisekosten werden nur dem Acceptirten vergütet"', in allen möglichen Variationen eingehend besprochen. Und wer sich des enthusiastischen Beifalles erinnert, mit welchem diese Artikel in allen Berufskreisen ausgenommen wurden, dem muß es fast unfaßbar erscheinen, daß die Berufsorganisation, trotz ihrer unleugbaren Noihwendigkeit und Dringlichkeit, in der langen Reihe der Jahre so wenig Fortschritte gemacht hat. Ja noch mehr, alle Bestrebungen des österr.-nngar. Cantoren-Vereines, die Cantoren Oesterreich-Ungarns, die unter dem gleichen Joche seufzen, zu gemeinsamer Thätigkeit und zu gemeinsamer Abwehr zu vereinigen, fanden Hinderer im eigenen Lager, und der bedauernswerthe Jndifferentismus gegenüber den eigensten Interessen erfaßte immer weitere Kreise. Einen Lichtblick in dieser für jeden Berufsgenossen trüben Erscheinung bot der Cantorentag, der im Sommer des Jahres 1901 in Wien abgehalten wurde. Neue, mächtige Impulse, zur Berufsorganisation sind von ihm ansgegangen, aber daß sie immer noch nicht von den Berufsgenossen mit dem rechten Verständnis erfaßt werden, das beweist ein Artikel, den wir vor einiger Zeit unter dem Titel: „Reisespesen werden nicht vergütet" im „Palyazat" lasen. Da schrieb ein ungarischer College Folgendes: In der heutigen sogenannten „neuen" Zeit hört man viel von Fortschritt und dergleichen sprechen, und das mit Recht, denn dem Zeitalter der „Elektrischen" darf ein Fortschritt nicht abgesprochen werden. Umsomehr wundert es, wenn in manchen Fällen ein direkter Rückschritt partout seinen Platz behauptet, und einen solchen will ich hier zur Sprache bringen: Sehr oft lese ich bei Vakanzen von Cantorstelleu: „Reisekosten werden nur dem Gewähsten vergütet" oder gar: „Reisekosten werden nicht vergütet". In unserer Zeit, in der Alles nach Verbesserung der Existenz ringt, sucht man diese somit dem Cantor zu erschweren oder gar unmöglich zu machen. Gar Mancher würde mit Aussicht auf Erfolg eine Probefahrt wagen, aber die Chance, sich zwecklos große Unkosten verursacht zu haben, muß den meist wenig bemittelten Beamten die Lust dazu rauben. Es ist oft bei größeren und selbst bei den mittleren Ge- Gemeinden Ulsus, 10—15 Kandidaten auf deren eigene Kosten zur Probe zu berufen. Wenn man bedenkt, daß ja nur Einer acceptirt werden kann, so ist es doch geradezu eine Sünde, 9—14 meist dürftigen Beamten zwecklos größere Kosten zu verursachen. Wäre es nicht Schuldigkeit der Gemeinde, statt dessen selbst die Unkosten zu tragen? — Im allgemeinen ist es doch Brauch, die Lasten apf starke Schultern zu laden, hier ist es das direkte Gegentheil. Hier muß' Wandel geschaffen werden! Leider entbehren wir eines Cantoren-Vereines, dessen Pflicht es wäre, gegen solchen Unfug einzuschreiten. Aber auch die Pflicht eines jeden Einzelnen muß es. sein, prinzipiell einen Probevortrag nur gegen Erstattung der Reisekosten abzuhalten. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß diese meine Worte nicht ungehört verhallen. Vielleicht finden sie auch in den Augen der Vorstände und Gemeiudevertreter die verdiente und gebührende Beachtung. In jedem Falle ist es unsere Pflicht, diesem Mißbrauch energisch entgegen zn treten. Ein ungarischer Cantor. Es ist ein altes, oft gesungenes Jammerlied, das hier zu. unseren Ohren klingt, aufrichtig und wahr in allen seinen Tönen, aber verwundert stehen wir der Behauptung entgegen, daß diesem Uebel nicht gesteuert werden kann, „weil wir keinen Cantoren- Berein haben". Ja höret und sehet Ihr nicht, Ihr Collegen in Ungarn? Vernehmet Ihr nicht den Ruf, den der österr.- nngar. Cantoren-Verein in Wien seit Jahren und Monaten an Euch ergehen läßt? Reichet uns die Bruderhand, nehmet Anlheil an unseren Bestrebungen und vereinigt Euch mit uns zn gemeinschaftlicher Thätigkeit, und wenn wir geeint und geschlossen auftreten, dann wird auch für die gesummte Berufsgenossenschast Oesterreich-Ungarns eine bessere Zukunft aufdämmern. Verschiedene Nachrichten. ZSanjatuka. Man schreibt uns über die jüngst stattgehabte Einweihung des neuerbauten Tempels wie folgt: Hier fand die Einweihung! des unter schwierigen Verhältnissen und großen Opfern erbauten Tempels! der österreichisch-ungarischen israelitischen Cultusgemeinde in Banjaluka > statt. Es ist dies der zweite israelitische Tempel in Bosnien. Um 10 Uhr j Vormittags bewegte sich ein langer Zug von Wagen zum Tempel; in! den ersten Wagen fuhren die Herren Funktionäre mit den Vorständen, die die Gesetzrollen hielten. Um 10l/2 Uhr beim Tempel angelangt, erwarteten bereits sämmtliche Honorationen in Vertretung verschiedener Behörden und Vereine die Ankunft des Zuges. Vor dem Eingänge hielt der Präsident, Herr Ad. Mittler, eine kurze Ansprache an dm in Vertretung des Kreisleiters erschienenen Herrn Bezirksvorsteher Vorkapics und empfahl das neu erbaute Gotteshaus dem Schutze der Regierung, worauf zwei weißgekleidete Mädchen, namens Aranka Mersch und Edith Bruckner, von welchen Erster« eine kurze Ansprache hielt, dem Herrn Bezirksvorsteher den goldenen Schlüssel zum Oeffnen des Tempels überreichten. Alsbald füllte sich der Tempel, mit Andächtigen, die Orgel erklang und Herr Oberkantor Roth aus Sissek trug mit seiner kräftigen und schönen Barytonstimme „Ala towu“ vor. Dann bestieg Herr Dr. Brettholz aus Sissek die Kanzel und hielt eine schwungvolle Rede, die alle Anwesenden begeisterte. Er setzte die Ziele des neuen lGotteshaufeS auseinander, das zur Ehre Gottes und zur Erbauung der Betenden errichtet worden ist. Nachdem er das „ewige Licht" angezündet hatte, trug Herr Roth das vom Breslauer Kantor Friedland komvonirte „Hör Israel" überaus würdig vor. Nun folgte ‘ bie Einweihung der Bundeslade und Jnstallirung der Gesetzesrollen in derselben. Nachdem noch der kroatische Gesangverein „Naäa* die Volkshymne vorgetragen, hielt Herr Dr» Brettholz noch eine kurze Ansprache, in der er die Mitglieder zur Einigkeit und Eintracht aufforderte. Ausweis. Zur Unterstützung der Cantorswittwe S. Ehre haben die Herren Cantoren Löwensohn und Feigen in Stanislau 22 Kronen eingesandt. Weitere Spenden übernimmt die Redaction.

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