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Die Wahrheit · 1903-01-23 · Heft 4 (23.1.1903) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1903
Issue
Heft 4 (23.1.1903)
Date
1903-01-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Gelte 6. Die Wahrheit. Nr. 4. jenem schönen Roth färbten, wie es nur dem Menschenblute eigen ist, wurde sür oder gegen „das Buch" heraufbeschworen. Die Kreuzzüge, die Kämpfe mit dem Islam, die durch Jahrhunderte sich hinziehenden Religionskriege zwischen Katholiken und Protestanten — was Anderes sind sie denn, als Angriffe und Vertheidigungen auf, beziehungsweise gegen die Bibel? Auch jetzt kreuzen sich Klingen im Kampfe um die Bibel, aber beileibe nicht ehrenwerthe Damaszener, sondern solche aus schnödem Druckpapier, und was vergossen wird, ist nicht schönes, rothes Blut, sondern ganz gemeine Tinte und Druckerschwärze. Wie schön ist es doch, daß die Menschheit so „gesunken" ist! Der Schlachtenruf, mit dem sich die Krieger ins Gefecht stürzen, lautet diesseits „Babel und Bibel", worauf die Gegenpartei mit „Bibel und Babel" antwortet. Der Fremde, der Ohrenzeuge dieser garnicht wild lautenden Losungsworte ist, kann es sich schwer enträthseln, warum eigentlich der wilde Kampf tobt; wir wollen also versuchen, die Genesis und das Wesen dieses Kampfes hier zu verewigen. Die Entzifferung der Keilinschriften, die gerade vor einigen Monaten ihre Hunderste Jahreswende feierte, hat insbesondere in den letzten Jahrzehnten ein so reiches Material historischer Tatsachen ans Licht gefördert, daß es uns möglich wurde, einen Blick ins Getriebe von Jahrtausenden zu werfen, die wir bisher mit der Grabschrift „vorgeschichtlich" versehen haben, weil wir von ihnen bis aus einige magere Sagen nichts wußten. Die Grabungen, die von englischer, amerikanischer und neuerdings auch von deutscher Seite in Babylonien und Assyrien bewerkstelligt wurden, hab-n unter dem Schutt und den Trümmern der Jahrtausende nie geahnte Schätze, Ueberbleibsel untergegangener Weltkulturen ausgedeckt, die unseren Gesichtskreis sowohl was den Raum, als was die Zeit der alten Geschichte betrifft, ins Riesenhafte ausdehnen. Und was das Interesse der christlichen, wie der jüdischen Welt an diesen Entdeckungen noch steigert, ist der Umstand, daß »e gerade jene Länder betreffen, die mit Palästina, durch vielfache und fast ständige Beziehungen verkettet waren, so daß viele Ereignisse, die in der Bibel erzählt werden, erst durch die neuentdeckten Daten so recht verständlich wurden. So wurde die Stadt Ur Kaßdim (der Chaldäer), aus der Abraham stammte, im Jahre 1849 entdeckt, die Könige Sayon, Sanherib, Merodech Paladan, die im Zusammenhänge mit der jüdischen Geschichte erwähnt werden (Jes. 20, 1; 2 Kön. 18, 14; 2 Kön. 20, 12), erscheinen vor uns in Keilinschriften und Abbildungen als mächtige, aber auch kunstliebende und kulturfördernde Könige, ja es wird ganzen Völkern zu theilweiser Auferstehung, verholfen. Assyrische Kunstdcnkinäler verewigen Typen von Völkern, die ganz untergegangen sind, wie Elemiter, Hettiter und Sumerer, nebst den Typen von Judäern und Israeliten und bieten uns Illustrationen, durch welche die Ereignisse neues Licht erhalten. All dieses, was übrigens auf dem großen Saatfelde keilinschriftlicher Entdeckungen nur einige Halme bedeutet, ist Forschern und Sachkundigen auch bisher nicht unbekannt gewesen; viele Bände der sogenannten „Keilinschristen Bibliothek" und außerdem eine ganze reiche Literatur sind die Ergebnisse des wunderbardn Fleißes vieler Gelehrter, das große Publikum aber fiand diesen Mysterien ziemlich fremd, gegenüber, bis der gefeierte Assyriolog Friedrich Delitzsch (nicht zu verwechseln mit dem vorstorbenen großen Hebraisten und Bibelforscher Franz Delitzsch) kam und im Gegenwart des Deutschen Kaisers unter dem Titel „Bubel und Bibel" einen Vortrag hilt (als Broschüre bei I. E. Heinrichsen, Leipzig), in dem er die Beziehungen Babylons zu den Hebräern auseinandersetzte und den Einstuß Babels auf die Bibel zu kennzeichnen sich bestrebte. Delitzsch verfährt mit den Hebräern und der Bibel ziemlich grausam. Wie das schon so Eigenheit vieler Gelehrter ist, daß sie alle Probleme mit Hilfe ihrer Wischenschaft lösen zu können glauben — wir ennnern nur daran, wie manche mit Bekanntwerden der indischen Literatur das ganze Christenthum aus Indien herleiten wollten —, glaubt auch Delitzsch säst den ganzen Inhalt der Bibel in den Keilinsriften, natürlich in originalerer Form, aufgefunden zu haben, Ueberdies ist Delitzsch auch, was speziell die Bibel betrifft, nicht der Einzige, der ihre „Quellen" endeckt zu haben meint. Professor Budde in Marburg berichtet in einem „Das alte Testament und die babylonischen Ausgrabungen" betitelten Hefte, wie gerade in jüngster Zeit ein gar nicht unbedeutender Egyptolog die ganze Bibel in egyptischen Quellen vorfindet; ein anderer Gelehrter wurde durch seine Studien dahin geführt zu behaupten, daß die Quelle allen Lichtes in der altirischen Kultur zu suchen und zu finden sei, demnach die ganze Kulturbewegung nicht in der Richtung von Südost nach Nordweft, vielmehr von Nordwest nach Südost stattgesunden hätte. Und das Alles konnte er klipp und klar aus seinem altirischen Material beweisen! (Schluss folgt) Äus der Wiener Cultusgemeinde. Aus der Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde in Wien vom 18. Jänner 1903 unter dem Vorsitze ^des Präsidenten kais. Rat Klinger. Beginn der Sitzung halb 11 Uhr Vormittag. Im Einlause werden bekannt gegeben: An Spenden: Bon Herrn David Schwarzmann K. 2000.— zur weiteren Verstärkung der zur Errichtung eines Stiftungsbettes in der israelitischen Versorgungsanstalt erlegten Beträge; von Herrn Jsak Theneu K. 520.— zur Vertheilung in Beträgen von je K. 40.— an die Armenanstalt, den Waisenverein, den Frauen- Wohltätigkeits-Verein, die Versorgungsanstalt, das Blinden- Jnstitut, das TaubstummenJnstitut, den Volksküchen-Verein, die Allianz, die Kinderbewahr-Anstalt, den Handwerkerverein, den israelitischen Studenten-Berein, den Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien; von Herren Gebrüder Gutmann K. 200.— zur Bekleidung armer israelitischer Schulkinder für die Bezirke Xll—XV; von Frau Charlotte Blau K. 10.— zur Verköstigung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau; von Frau I. Wiener K. 10'— zur Verköstigung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau; von Herrn Johann Seelenfried 3 Flaschen Cognac zu Heilzwecken für die Insassen des israelitischen Siechenhauses. Zur Verlesung gelangt eine Zuschrift des Herrn S. Heller, Direktors des israelitischen Blinden-Jnstitutes, mit dem Danke sür die ihm anläßlich der erhaltenen Allerhöchsten Auszeichnung übermittelten Glückwünsche des Cultusvorstandes. Die am 11. Jänner unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rat Klinger stattgefundene Konstituirung der ständigen Kommissionen und der Spezial-Comitäs wird zur Kenntnis gebracht. — Im Präsidialberichte beglückwünscht der Vorsitzende unter lebhafter Zustimmung des Cultusvorstandes Herrn Baurat Stiaßuy anläßlich der ihm zuteil gewordenen Allerhöchsten Auszeichnung auf das Herzlichste. Weiters erbittet sich der Vorsitzende die Ermächtigung, dem um die Ausgestaltung des Spitales so überaus verdienten Direktor desselben, Herrn Professor Dr. Oser, welcher durch Verleihung des Hofrat-Titels ausgezeichnet wurde, aus diesem Anlasse die Glückwünsche des Cultusvorstandes auszudrücken. In einer an den Präsidenten der Cultusgemeinde gerichteten Zuschrift teilt Herr Dr. Adolf Schorstein mit, daß er im Namen der Erben nach der am 1. Oktober 1902 verstorbenen Frau Fanni Apfel, Witwe des Herrn Simon Apfel der Kassa der israelitischen Cultusgemeinde K. 14.000.— übermittelt zu nachfolgender Verwendung: K. 12.000.— zur Errichtung einer auf den Namen „Simon und Fanni Apfel" lautenden Bettstiftung im Wiener israelitischen Siechen-; oder Altersversorgungshause und K. 200 J.— zur Verteilung an Wiener israelitische Wohltätigkeits-Anstalten und Institutionen, deren Auswahl dem Ermessen des Präsidenten der Cultusgemeinde überlassen bleibt, welcher im Sinne d:r Erblasserin die betreffende Verfügung bereits getroffen hat. — Der Präsident gedenkt bei oiesem

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