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Die Wahrheit · 1902-12-12 · Heft 47 (12.12.1902) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 47 (12.12.1902)
Date
1902-12-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redartto». uni». Administrativ r: Wien. H/i. Novaragaffe 27. K. k. österr. Po'kvsrcrsia Check-Conio Nr. 018.251 Inserate 20 Heller per Nonpareille-Zeile. Abonnements» und JmerationSbeträge sind in Wien zahlbar und klagbar. Keilschrift für Mische Interessen. Erscheint jeden Kreitag. Notto: ,,va« Siegel Oottea ist Wahrheit!" Bezugspreis: Ganzjährig. . . St vi.— Halbjährig . ... St. fl.— Für CultuSbeamte: Ganzjährig.... ff IO.— Für Ausland) Ganzjänrig . . . S Mart 6 Rubel oder Ifl Fc» Ur. 47. Wien, 12. December 1W8 Anhalt r Gedenket der armen, kranken Kinder! — Jüdische Sagen und Legenden. — Die Unsitte der öffentlichen Kinderbekleidung. Die In den und der Talmud. — Beitrag zur Geschichte der Judenverfolgungen in Oesterreich-Ungarn. — Gemeinde- und Vereinsbote. — Verschiedene Nachrichten. - Zur Berufsorganisation. — An die Mitglieder des „Oesterr.-ung.ir. Cantoren-Vereines". — Obercantor Arnold Kr. lik's Amtsjubiläum. — Vor dem französischen Kriegsgericht. Erdenket der armen, kranken Kinder! In den mannigfachsten, das menschliche Mitgefühl tief bewegende Gestalten tritt das soziale Elend besonders in ber Großstadt ^n Ta>e, aber am rübrendsten erscheint es, wenn Krankbeit und Nolh sich vereinen, um einen unter günstigen Verba lniißen »och zu rettenden sugendlicken Organismus zu zerstören oder ein derarnges bejammernswertdes Dasein mit ewigem Siewlbum zu belasstn. U»d darum muß das segensreiche Wi - ken des „Verein Kinderhei m", der sich die Ausgabe der Gründung und Erhaltung von Heimstätten für verkrüppelte und r e c o n v a l e s c e n l e jüdische Kill der gestellt har. öffentlich anerkannt und den weltesten Kreisen nn'erer Glaubensgenossen zu werkthätiger Unterstützung wälmstens anempsohlen werden. Die erste Heimstätte wurde in der Umgebung von Wien in dem Gntsbofe „Laa" nächst Neulengbach errichtet, und der soeben ausgesendete Jahresbericht bietet ein wahrhaft erfreuliches und e»quickenbes Bild von ber wohlthntigen Wirksamkeit des Vereines Das in würziger Waldluft erbaute und allen Anforderungen der modernen Hygiene entsprechend eingerichtete Heim steht unter Leitung einer Hausverwaltern,, welche sowohl das Hauswes 'N zu leiten als die Pfleglinge zu überwachen hat. Eine provisorisch ausgenommene Lehrerin beschäftigt die Kinder je nach ihrer Besähtgung. Das Heim istmit guten Lagerstätten, einer Hausapotheke, Verbandzeug, elektrischem Apparat rc. ausgerüst-t. Das Streben des Vereinsvorstandes geht dahin, die vei klöppelten Pfleglinge je nach ihrer körperlichen und geistigen Elgnung ansznbilden. Das wird aber erst daun möglich sein, bis die Mittel vorhanden sein werden, mindestens 15 Pfleglinge anfzunehmen und zu erhalten. Beschäftigungen im Gemüse- und Obstgarten und künftig auch in einer zu gründenden Baumschule, aber nur solche Beschäftigungen, die die Kräfte nur ganz minimal in Ansprlich nehmen, sollen zur Hebung der Kräfte, zum Vergnügen und zur geistigen Anregung der Kinder dienen. Im Lause des letzten Sommers ,wurde in den Monaten Juli und August den der Erholung und Kräftig» g bedürftigen Schützlingen des Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhortes freie Unterkunft in diesem Heim gewährt, was von sehr j günstigem Erfolge für den Geslindheitszustaud der betreffenden I Mädchen begleitet war. Der Einfluß der würzigen Luft, der zweckmäßigen Erj nährung, des Gebrauches von Bädern machte sich in der we-! sentlichen Körpergewichtszunahme und in dem blühenden Aus- J sehen der Zöglinge ausfallend bemerkbar, insbesondere bei j jenen Kindern, welche wegen Körprschwäche, Blutleere, Scro- : phulose, Recouvalescen; nach schwerer Erkrankung im Heim; Aufnahme fanden. Ausnahme finden bekanntlich verkrüppelte oder schwache; reconvalescente Kinder, welche mindestens vier Jahre alt, in! Oesterreich-Ungarn gebürtig, unbemittelt und bildungsfähig! sind, auf Kosten des Vereines.! Das Heim hat die Ausgabe, jene nnglücklichert Kinder! in Obhut zu nehmen, das allgemeine Wohlbefinden derselben! durch k ästige Ernährung, gute Lust, zweckmäßige Unterkunft! und zweckentsprechende Lebensweise zu fördern, eine Besserung : der körperlichen Gebrechen anzustreben, auf die Geistesbildung! durch entsprechende wohlwollende Behandlung eiuzuwirken und l auf die Ausbildung der Kinder soweit bedacht zu sein, dass i dieselben später in einem entsprechenden Gewerbe thätig sein j können. Ju hygienischer Hinsicht obliegt die Obiorge für die! Pfleglinge und die Beobachtung der sanitären Vorschriften im j Heim sowie die Aufnahme der Kinder einem dem Vorstände j ungehörigen ärztlichen Beirathe. l Zur Aufnahme ist erforderlich: 1. Ausuahmsgesuch; 2. Geburtsschein; 3. Jmpfzeugnis; 4. Gesundheitszeugnis (Nach- ' weis, dass seit sechs Wochen in der Familie eine ansteckende ' Krankheit nicht wahrzunehmen ist; dieses Zeugnis muß von! einem Bezirks- oder Gemeindearzt unterfertigt sein); 5. Schuli entlassungszeuguis (Dispens vom Schulbesuche); 6. Mittel-! losigkeitszeugnis; 7. Zuständigkeitsausweis (Heimatsscheiu der i Eltern); 8. Die Zustimmung des Vaters oder Vormundes zur Aufnahme in die Anstalt; 9. Aufllahmsschein des ärztlichen Beirarhes. Für die Uederbringuug der Kinder haben die. jenigen zu sorgen, welche um die Aufnahme in der Anstalt! angesucht oder dieselbe veranlasst haben. Die dafür erwachsenen Kosten werden von der Anstalt nicht getragen. Vor der Aufnahme werden die Kinder vom ärztlichen Beirathe und Borstandsmitgliebe, Herrn kaiserlichen Rath Doctor Kohn in Wien, II., Slefaniestraße °2, in den Ordinationsstunden (1 bis 3 Uhr) untersucht.

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