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Die Wahrheit · 1902-11-28 · Heft 45 (28.11.1902) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 45 (28.11.1902)
Date
1902-11-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Kesterr.-unaar. Canloren-Ztitung Nr. 45. Beilage zur Zeitschrift „Zir Wahrheit. 22. Iahrg. Aus dem österr.-ungar. Cantoren-Vereine. Der Vorstand des üsterr.-ungar. Cantoren-Vereines hat in mehreren, in letzter Zeit stattgehabten Berathungen sich mit dem gegenwärtigen Stande der Berufsorganisation befasst und mit großer Gewissenhaftigkeit und Gründlichkeit auch die nunmehr einzuleitenden Schritte discutirt. Die Ergebniße seiner Be« rathungelt und der von allswärts eingeholten Informationen wird der Vorstand in den 'nächsten Tagen dem vom letzten Cantorentage eingesetzten Wiener Comit« vorlegen und auch die! weiteren Berufskreise, besonders jene, die bereits ihren Beitritt! zugesagt haben, durch das Fachblatt wie durch Aussendung von > Circularen über die gefassten Beschlüsse eingehend unterrichten, j Organisation nnd Fachblatt. Von M. T i n t n e r—Bunzlau. i IV. ' Wir können aber erst dann auf die Durchführung der : materiellen Postulate dringen, wenn die Cantoren vorher die idealen Forderungen verwirklicht haben. Wollen wir Besseres; haben/ so müssen wir uns auch berstreben, etwas Besseres zu! leisten. Was wir 'in materieller Beziehung beanspruchen, ist j schon oft verlangt worden. Es ist aber wirklich auch die höchste j Zeit, dass dieses Begehren endlich einmal erfüllt werde. Vor Allem fordern wir natürlich die d e f i n i l i v e Anstellung. Es ist eines Cantors und Religionslehrers unwürdig, dass ihm, wie einem Knechte, jeden Monat gekündigt werden kann, dadurch befindet sich der Beamte fortwährend in; gedrückter und abhängiger Stellung; das darf nicht.sein. Damit : er seines Amtes als Cantor und insbesondere seines Erziehuugs-; Werkes voll walten kann, muß er unabhängig sein und auch dem Einen oder Ander en einmal einen Spiegel Vorhalten können. Kann er das heute? Er darf es nicht. Der Herr Vorsteher; könnte es sehr übel deuten, und wie lange dauerte es dann, nach Ablauf der Vertragszeit wird der „M i e t h s c o n t r a c r" j nicht erneuert, und der Cantor kann sich eine andere Stelle; suchen. j Ist das ein eines Cultnsbeamten würdiger Zustand?! Und dann, wenn er alt geworden ist. wenn er die letzten Kräfte j im Dienste der Gemeinde verloren hat, dann heißt es: „Der j Cantor sei schon alt, er kann nicht mehr amtiren." Darum! wird er entlassen. Ist ein solches Verfahren nicht himmelschrei-! end? Die definitive Anstellung ist der Anfang und das Ende! unserer Forderungen. Darauf hin müssen wir mit aller Kraft; arbeiten, das sei unser erstes und» letztes Ziel. Mit Erreichung dieses Zieles werden dann die anderen Forderungen Hand in! Hand gehen; denn mit der definitiven Anstellung kommt dann! auch die Pensionsberechtigung. Kann es denn eine Gemeinde verantworten, dass sie einen Beamten, der so und so viele Jahre für ein kärglich Stückchen Brot gearbeitet hat, dann einfach gehen lässt, weil er hinfällig und abgearbeitet ist? Oder muß er bis zum letzen Augenblick seines Lebens im Amte bleiben? Was soll daun die Witwe mit ihren Kindern ansangeu? Darum ist unsere zweite Hauptforderung rPensionsberechtigung und Versorgung der Hinterbliebenen. Das andere findet sich dann leichter. Ist erst der Beamte definitiv angestellt, dann wird er in der Gemeinde eine ganz andere Stellung eiunehmen, denn ist ein unabhängiger, freier Beamter, der frei und ohne Furcht seines Amtes treu walte» kann. Er ist dann der Gemeinde „neben geordnet", nicht wie es heute so oft der Fall ist, wie ein Diener untergeordnet. Die Stellung, die der Cantor heute einnimmt, ist — ich spreche dies wiederholt aus — des Cantors unwürdig, und nicht blos seiner unwürdig, soudern auch unserer heilige» Religion; denn in den meisten Fällen vertritt doch der Cantor unsere Religion nach außen hin. Wer den Vertreter der Religion nicht achtet, der misachtet seine Religion, das ist klar. Eine durchgreifende Besserung in der socialen Stellung, wie auch in materieller Hinsicht ist unbedingt erforderlich. Das kann aber nur dann erreicht werden, wenn wir eine starke B e r u f s o r g a u i s a t i o n und ein von der G e s a m m r - heit u n t e r st ü tz t e s F a ch b l a l t besitzen. verschiedene Nachrichten. Wien. (Jubiläum des Professors Pollitzer.) Der Begründer der wissenschaftlichen und klinischen Ohrenheilkunde, Proseffor Dr. Adam Pollitzer, begeht heuer das vierzigjährige Jubiläum seiner akademischen Lehrtätigkeit. Die Feier hätte schon im vorigen Jahre stattfinden sollen, denn mit dem 19. d. waren es gerade 41 Jahre, dass Proseffor Pollitzer an der Wiener Universität wirkt, aber die Festgabe, eine auf Onhxunterlage künstlerisch ausgearbeitete Silberplaquette, die dein Gelehrten seine Hörer zugedacht hatten, konnte zu dem Termin nicht fertiggestellt werden. Nebst der Plaquette wird dem Jubilar noch eine Festschrift überreicht, worin die wissenschaftlichen Arbeiten seiner Schüler, namentlich der Herren Professor Ring, Docent Pollak, Docent Gomperz, Dr. Hrubesch, Dr. Kaufmann, Docent Hainmerschlag, Dr. Alt itnd seiner jetzigen Assistenten, der Doctoren Frey, Alexander und Neumann, enthalten sind. Die Feier, die einen ganz intimen Charakter tragen wird, wird Anfangs des nächsten Monats an der Klinik des Jubilars abge halten werden. Wie». Dienstag, den 18. d. fand unter großer Betheiligung das Leichenbegängnis des Herrn Louis C. Neumann statt, an welchem der Vorstand des Kranken- und des Bethausvereines „Montesiore^ mit den Obmännern Joses Pollak und Weiß, der Obmann-Stellvertreter des Vereins „Nächstenliebe", und v.'n der Türkischen Gemeinde, dessen langjähriger Tempelbesucher der Verblichene war, der Chewra-Kadischa Vorsteher, Herr Licco M. Ruffo, Rabbiner Papo, Obercantor Bauer und Cantor Löwit, ferner Prof. Nascher u. v. A. theilnahmen. Im Namen des Vereines „Montefiore" widmete Rabbiner Dr. Rosenfeld im Trauerhause dem Dahingeschiedenen einen tiefempfundenen Nachruf, welcher auf die ganze Trauerversammlung einen ergreifenden Eindruck machte. Am Grabe sprach Prof. Nascher im Namen der Familie sehr wirkungsvoll. Wie«. Am 24. d. M. fand das Leichenbegängnis des gewesenen Cantor in Prerau, Herrn Salomon Ehre, statt, welcher einer langen, schweren und tükischen Krankheit erlegen ist. Der Verblichene war ein braver, pflichttreuer und stimmbegabter Cantor und durch seinen biederen Charakter in den Berufskreisen beliebt. Er hinterlässt eine Witwe mit fünf unversorgten Kindern im zartesten Alter. Zum Leichenbegängniße am Centralsriedhofe fanden sich ein: Obercantor Bauer, Cantor Löwit, Cantor Silbermann, Cantor Pekarnik, Chordirigent Zelnik, die Tempelsänger Wallerstein und Nestler. Da der Verstorbene ein Schüler des Obercantor Bauer war, übernahm letzterer auch die Funktion, während die anderen Herren die üblichen Gesänge executirten. Am offenen Grabe sprach Cantor und Chordirigent Löwit einen Nachruf. n'a'X'i'rs Blkse«. Montag, den 8. December, 1 Uhr Nachmittags, findet im Hotel Bristol in Prag die Trauung des Herrn Leo Freisinger, Sohn unseres hiesigen allbeliebten Obercantors Armin Freisinger, mit F äulein Gertrud Breslauer statt. Nerki». Am 24. d. Mts. findet in der Philharmonie eine musikalische Aufführung althebräischer Gesänge statt. Das Programm ist nach mufikgeschichtlichen Gesichtspunkten unter dem sachverständigen Beirat des Herrn Pros. Dr. Oskar Fleischer entworfen. Die Leitung des Chors hat Herr Kapellmeister Albert Kellermann, Chordirigent der neuen Syna - goge, freundlichst übernommen. Für die Solipartieen sind bewährte Kräfte gewonnen, so: Frau Sophie Heimann-Engel (Sopran), Herr Rudolf Berger, kgl. Hofopernsänger, (Baryton), Herr Werner Alberti. (Tenor). Herr Heinrich Grünseld, kgl. Hofcellist (Cello), und verspricht diese Auf» führung somit eine genußreiche, intereffante Darbietung. Da überdies der Reinertrag für einen wohltätigen Zweck bestimmt ist, nämlich zur» Besten des 1. isr. Volkskindergartens und Volkskinderhorts, darf woht auf zahlreichen Besuch gehofft werden.

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