Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 40 (22.10.1902)
- Date
- 1902-10-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Är. 40. Aeikage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 22 Iahrg. Wir Muchen die geehrten Herren College» itm Ein-^ •enduiflf der Abonnenten tsgebühr für das flttt 1. OctoÄr begonnene 4. Quartal und um Begleichung der jBfidtstande. Di« Redaktion. Samuel Goldmauu. Zu seinem 40jährigen^Cantor-Jubiläum in Gr.-Kanizsa. Don Obercantor Singer-Wien. Ein zweiter Cantor! Wenn wir von einem verdienstvollen zweiten Cantor sprechen, so muffen wir Wiener uns unwillÄrlich an die Lichtgestalt des nun seit Jahren Heimgegangenen, hochverdienten einstigen College» Adolf Fischer b"i erinnern. Man kann füglich behaupten, dass Fischer der Schöpfer der zweiten Cantoren war. DrS Gepräge, welches Sulzer dem ersten Cantor verlieh, suchte Fischer durch seine rmpouirende Persönlichkeit, durch sein umfassendes Wissen, durch seine seltene Pflichttreue, mit welcher er durch Jahrzehnte täglich seinen Dienst am Morgen und am Abend versah, und in allererster Reihe durch seine geradezu mustergiltige Führung, auszugestalten. Fischer, verbuchst seiner umfassenden cautoralen Wirksamkeit einer der bedeutendsten Quartettsänger Snlzer's war, blickte neidlos auf die weltbekannten Erfolge seines Meisters, freute sich vielmehr mit denselben, wie er auch bis zu seinem Lebensende der treue Freund und College des Schreibers dieser Zeilen war, ohne jemals einen lüsternen Blick nach den Erfolgen und Errungenschaften seines Vorgesetzten zu werfen. Mit dieser kurzen Lebensskizze Fischer's ist auch der Lebensgang und die Wirksamkeit unseres Jubilars Samuel Goldman» hinlänglich gezeichnet. Als Kind eines armen Rabbiners, das frühzeitig nächst Gott auf Selbsthilfe angewiesen ward, hat sein Werdegang sogar die gleiche Schule, Sulzer, Reumann und später seines Schwiegervaters, des einstig berühmten Bassisten und Chordirigenteu Josef Jaiteles, aufzuweisen. Auch seine langjährige Wirksamkeit an der Seite eines Meistercantors von der- Bedeutung eines Leon Kartschmaroff lässt erschöpfend auf die Bedeutung unseres Jubilars, Herrn Samuel Goldmann, schließen. Wer in einer der hervorragendsten Gemeinden, wie es Gr. Kanizsa ist, an der Seite eines Obercantors Kartschmaroff durch volle 40 Jahre seines heiligen Amtes zu allgemeiner Erbauung seiner Zuhörer und zur uugecheilten Zufriedenheit seiner Gemeindemitglieder gewirkt, der hat nicht allein seine Lebensaufgabe in des Wortes umfassendster Bedeutung erfüllt, sondern auch einen mächtigen Baustein zur Befestigung des jüdischen Cantorates geliefert, der uns Vertreter des jüdischen Cantorates mit Dank erfüllt und welcher Dankeszoll unserem hochverehrten und hochwürdigen College», Herrn Samuel Goldmann am heutigen Tage voll und ganz entgegengebracht werden muss. Rein, nein 1 der Altar Gottes wird nicht weinen. Wenn die Bausteine dieses Altares, an welchem Samuel Goldmann seit 40 Jahren seines heiligen Amtes gewaltet, ihre empfangenen Eindrücke wiedergeben könnten, sie würden ausjubeln angesichts einer solch' edlen, unangetasteten 40jährigen Amtswirksamkeit eines jüdischen zweiten Cantors. Jüdische Mädchen und Frauen. Die schönen, warmen Tage, die der Ruhe und Erholung gewidmet waren, sind vorüber, die belebten Sommerfrischen werden allmählich öde. Mit frischen Kräften ausgerüstet, werden die Stadtwohnungen bezogen. Auch die Vereine nehmen ihre Thätigkeit wieder mit neuer Schaffensfreude auf. Als einer der ersten wird der liter. Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen »Moria" Sonntag den 26. d. M. halb 4 Uhr nachm, in der Religionsschule der ssr. Cuftusgerneinde I. Seiten stettengaffe 2. H. St. seine literar. Rachmittage wieder aufnehmen. Der Verein „Moria" erfreut sich'wegen seiner lang« . jährigen, erfolgreichen Thätigkeit der allgemeinen Beliebtheit in den weitesten Kreisen. War es doch »Moria", die als eine der Ersten die jüd.! Mädchen und Frauen aus dem tiefen Schlafe des Vcrgessens an die Liebe zum eigenen Volke, an die Kenntnis der Vergangenheit und Literatur der eigenen Nation wachzurütteln verruchte. Es gelang ihr auch, durch ernstes Bestehen das Natioualgesühl ihrer Schwestern zu wecken,, indem sie ihnen nicht nur Gelegenheit gab, durch Belehrung und Einblick m die kostbarsten Schätze der Luteratur selbe würdigen zu lernen, sondern indeim sie auch den Beweis, erbrachte, dass wir nicht nöthig haben, fremde Gesellschaft auszusuchen, vielmehr uns im eigenen jüd. Kreise dieselben geistigen Genüsse bieten können,-ohne uns der Gefahr preiszugebe», als Eindringlinge insultirr und verachtet zu werden. Ein festes Band der Zusammengehörigkeit umschließt nicht nur die zahlreichen Mitglieder, auch unsere stets getreuen Gäste fühlen sich innig verknüpft mit unseren Wünschen und Hoffnungen für die Zukunft unseres Volkes. Für deren Verwirklichung rastlos zu kämpfen und zu arbeiten, habey wir uns zu unserer hehren, idealen Aufgabe gemacht Jüdische Frauen und Mädchen, die Ihr bis jetzt den Zion-Mädchen? und Frauenvereinen ferner gestanden habet, es, ist Euere.heilige Pflicht. Euch an dem Wiederaufbaue des JudenthumD zu bethätigen. Suchet die Vereine auf und Ihr werdet reichlich lohnende Arbeit finden und Euch auch des beseliegenden Bewusstseins erfreuen, für die Befreiung des eigenen bedrückten Volkes eine Lanze gebrochen zu haben. Der Verein „Moria" erlaubt sich anlässlich der Wiederaufnahme seinen liter. Nachmittage alle jüd. Mädchen und Frauen recht herzlich einzuladen, den Vorträgen beizuwohneu. Von einer erhabenen Idee geleitet, wollen. wir mit ganzem Herzen der Hoffnung Raum geben, dass auch unsere neu eingeführten Gäste die in unserer Mitte verlebten Stunden nicht zu den verlorenen zählen werden. B. H. Verschiedene Nachrichten. Men. Der verdienstvolle Präsident der Türk. Gemeinde, Herr Marcus M. Russo wurde von Sr. Majestät dem' Sultan mit dem Os». manie-Orden II. C lasse ausgezeichnet.; Wien. Sonntag, den 26. d. M., halb 3-Uhr Nachmittags, findet im Tempel in. der Seitenstettengasse die Trauung des Frl. Margit Grünseld, Tochter-..des ehemaligen LultuSvorstehers Docenten Dr. Josef Grünfeld Mtz. der Präsidentin des .Ferienheim" Frau Sophie Grünfeld, mit HHnsi J)r. Julius Knöpfmacher stall. Md Hier Vorstand der „Jüdischen Toynbee-Halle in Wien versendet folgende MiitheiluUg: In wenigen Tagen eröffnet - 'c /Jüdische Toynbee-Halle", XX., Karajan gaffe 20, wiederum ihre Psorterü;• Äm Sonntag, den 26, d. M. tritt diese so -segensreich wirkende Institution in das dritte Jahr ihres Bestandes- Was sie in den ersten zwei Jahren