Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 40 (22.10.1902)
- Date
- 1902-10-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Mr.-40. Vie Wahrheit. Seite 5. sieihr--edles'Wirken in stille Anmuth, in das Gewand der - Bescheidenheit zu hüllen wussten. - Schließlich fehlte auch niemals solcher in Jsra.ls Mitte, die -aller Vorzüge des Wuchses, des Fruchtertrages und Duftes bar. geradezu ein Abbild des ärmliche» Weidenstrauches bilden. Wenn sie auch nicht durch besondere Leistungen für unsere Gemeinschaft hervorrqgen, so weiß das liebevolle Auge des'Propheten nichtsdestoweniger auch bei ihnen einen Vörzug herauszuleseu, nv* 2^21 — dass sie sich wenigstens an den Namen eines Juden festklammern. Israels Glaubensgememchaft hat sich nie als engherzig erwiesen; der Feststrauß nimmt auch diese, ohne erst nach Rang und Leistungen diel zu fragen, als vollständig gleichberechtigte Glieder in seinen Bund auf und lässt sie auf ihre Weise das Lob Gottes verkünden. Erst in dem Augenblicke, wo sie den jüdischen Namen von sich werfen, da erscheinen sie recht wie die Weiden, denen das Wasser abgegraben wird, in ihrer nackten Armseligkeit und über kurz oder lang müsse» sie völlig dahinsterben t So Haben wir denn gesehen, dass Sukkoh und Lulaw; die bedeutsamsten Sinnbilder unseres Festes, sich gegenseitig ergänzen. Vereinigt stellen sie die Bedingungen der Erhaltung Israels über die Flucht der Zeiten in Jugendlichkeit, ' Kraft und Frische dar. Nun begreifen wir auch, weswegen gerade unsere Festtage dazu ausersehen waren, Volksfeste im wahren Sinne des Wortes abzugeben. An ihnen konnte das jüdische Herz die höchsten und vollsten Töne der Freude austimmen, so dass die Weisen lehren: „Wer den zu Ehren des: Wafferschöpfens veranstalteten Jubel nicht miterlebt hat, . der weiß überhaupt nicht, was Freude bedeutet". (Sukkah 51b) '.Diese Freude war eine allgemeine. Weise vom Schlage eines Hillel hatten sich ebenso an ihr betheiligt, wie der Geringsten einer. Das alleine verbietet uns schon, ihre Ursachen in den gemeinen Niederungen des Lebens zu suchen. Aus unseren Darlegungen ergibt sich jedoch ihr hoher Ursprung von selbst. Der einzelne Mensch mag sich schließlich darein finden, dass ' er dent Gesetze der Sterblichkeit erliegt. Ein ganzes Volk " kann erst dünn seines Lebens wahrhaft froh werden, wenn es sein Dasein für unberechenbare Zeiten gesichert weiß. Sukkoh und Lulaw bilden aber für v rael die höchsten Bürgschaften seftier unverwüstlichen Dauer. Damit ist auch der Gesichtspunkt gefunden, aus welchem der räthselhafte ' Ausspruch unseres unvergleichlichen Hillel erflossen ist. Wenn er auf dem Tempelberge gelegentlich der Freude des Wasserschöpfens sich in den allgemeinen Volksjubel mengte, sprach er: 710 ’ö po s'n om j«3 ^3rf |«3 'jx dk „Wenn ich hier bin, so sind alle hier; wäre ich aber nicht da, wer sollte denn hier sein?" Seltsame Worte in der That! Allein, wie wir gesehen hüben, feierte Israel in dem Sukkothfeste den Sinn seiner unverwüstlichen Fortdauer. Hillel in seinem von Liebe Merströtnenden Herzen, wollte diesen Grund noch durch einen neuen Gramtfelsen sichern. Er sagte daher: po ban sr» ’jm ok Wenn ich — der Geringste in Israel, die Bachweide seines Feststraubes — an dieser Freude theilnehmeu darf, wer in aller Welt wäre da noch geringer, dass wir ihn davon ausschließen dürften? Nun könnte aber einer die Folgerung dahin ziehen: nachdem ich mich als der Geringsten einer zu betrachten habe, so geht doch schließlich dem Jndenthume nichts verloren, wenn ich von demselben abfalle. Dem begegnet er mit dem anderen Satze: sru *a pt dki „Wenn ich Mich ansschließe, wer wird sich da noch anschließeu V So würde denn das ehrwürdige Gebäude des Judenthums durch meine Schuld ausschließlich zusammenbrechen. Soll das Judenthum groß und herrlich dastehen, so muß ein jeder, was seine Person betrifft, sich als den Geringsten halten, — seine Verantwortlichkeit für die Gesammtheit dagegen als die höchste betrachten. Äus der Mrner Lnltnsgemnnde (Plenarsitzung des Vorstandes vom 19. October 1992, unter dem Vorsitze des Präsidenten kaiserl. Rath Klinger.) Aus dem Einlaufe wird bekanntgegeben: Eine Zuschrift des Präsidenten kaiserl. Rath Ktinger. mit welcher derselbe unter gleichzeitigem Erläge eines Capitales von Kronen zehntausend 4percentiger österreichischer Kronenrente mit Coupons vom 1. März 1993 eine Widmung errichtet, welche für immerwährende Zeiten die Bezeichnung: „Widmung Heinrich Klinger 1992" tragen soll. Die Zinsen dieses unantastbaren, in der Verwaltung des Vorstandes der israelitischen Cnltnsgemeinde verbleibenden Betrages sollen alljährlich am 1. October an zwei der Unterstützung würdige Handels- und Gewerbetreibende jnd. Consesiion verabfolgt werden, und zwar zum ersten Mate am 1. October 1903. (Wird mit lebhaften Beisalle zur Kenntnis genommen.) Bon den eiugelaufeuen Spenden seien besonders hervorgehoben eine Spende des Herrn Präsidenten käiserl. Rath Klinger anlätslich der Feier seines 79. Geburtstages für verschiedene Wohltätigkeitsvereine per Kronen 19.599.— und eine Spende des Herrn Michael Mautner in Budapest, für einen vom Präsidenten kaiserl. Rath Klinger zu bestimmenden wohlthätigen Zweck per 1.009.— welchen Betrag der Präsident der Armenanstalt der israelitischen Cnltnsgemeinde zuweist. Anknüpsend an die Verlesung dieser uud weiterer Spenden bemerkt Herr Cultnsvorsteher Salo Cohn, er fühle sich veranlasst, daraus hinzuweisen. dass sowohl die in dieser Plenarsitzung verlautbarte Spende von Kronen 1999. sowie eine frühere Spende in gleicher Höhe seitens naher Angehöriger des Herrn Präsidenten, über dessen Wunsch an Stelle der ihm zugedachten Geschenke, für wohlthätige Zwecke der Gemeinde zur Verfügung gestellt wurden. (Lebhafter Beifall.) Ueber eine Zuschrift Sr. Ehrwürden des Oberrabbiners Dr. Güdemann wird ausnahmsweise gestattet, dass dem grersen Ehepaare Jacob und Rachel Marmarosch, welches am Simchas-Thora-Feste seine diamantene Hochzeit feiert — mit Rücksicht auf die Seltenheit einer solchen Feier und der besonderen Würdigkeit des Jubelpaares — an diesem Tage eine Ehrung im Tempel nach dem vom Oberrabbiner im Einvernehmen mit dem Bethausvorstande festgestellten Ceremoniale zutheil werde. Vor Uebergang zur Tagesordnung ersucht der Präsident, hm zu gestatten, einige Worte in persönlicher Angelegenheit an die Versammlung zu richten. Der Vorstand habe sich jüngst corporativ in seinem (des Präsidenten) Heime eingesunden, um ihn anlässlich seines 79sten Geburtstages zu begrüßen. Die Auszeichnung, die ihm der Vorstand hiedurch zu Theit werde» ließ, sei ebenso in dem corporativen Erscheinen, wie in der Ueberreichuug einer aus das Prachtvollste ausgestatteten Adresse von hohem künstlerischem Werthe gelegen. An jenem Tage war cs ihm, da ihn Rührung und Freude üdermannten, nicht möglich so zu danken, wie es seine Pflicht und sein Wunsch gewesen wäre. Deshalb bitte er, heute erneuert seinen tiefgefühlten Dank aussprechen zu dürfen. Erwähnen wolle er noch, dass er sich ursprünglich mit der Absicht getragen habe, an dem Tage seines 79)ten Geburtsseftes fern von Wien zu verweilen; er müsse aber sagen, dass er es nicht bereue, dem Drängen seiner Freunde nachgegeben zu haben und in Wien verblieben zu sein. Den» ein Moment sei zu Tage getreten, ans das er im Interesse der Gemeinde mit besonderer Genugthuung blicke: Die Einigkeit in der Gemeinde. Aus allen Kreisen, ans allen Schichten der Gemeinde, von Vereinen und Instituten der verschiedensten Ten - denzeu uud Schattirungen seien ihm Knnrgebnngen von Wien und ans der Prohin; zu theil geworden, die ihn mit ganz besonderer Freude elsnllen. In allen diesen Knndgebnngen wurde seiner Leistungen als Präsident der Cnltnsgemeinde ehrend gedacht. Wenn es ihm gelungen sei, im Interesse der Gemeinde thätig zu sein, so danke er dies in erster Linie dem