Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 39 (10.10.1902)
- Date
- 1902-10-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 39 Die Wahrheit. Seile 11. Leuthen, Haubt-Leuthen, Vicedomben, Pflegern, Verwesern, Ambt-Leuthen, Burgermestern, Richtern, Rathen, Burgern, Gemeinden, und sonst allen andern unseren Unterthanen und Getreuen, Geistlichen und Weltlichen, was Würden, Stands oder Wesens die allenthalben in unfern N. Oe. Landen gesoffen: fürnemblich aber denen, unter welcher Jurisdiction, Obrigkeit und Gebiet Juden wohnhaft seyn, denen diß unser General fürkomnt, verkünd! oder zuwiffen gethan wird, unsere Gnad und alles Gutes. Uns kombt an unseren Kayserl. Hoff glaubwürdig für, wie daß sich die bemelten Juden eine Zeit hero in berührten unfern N. O. Landen übermäßige, wucherliche Contract zuüben und zutreiben unterstanden haben, dadurch die armen Lands-Unterthanen verderblichen außgesaugt, auch von Haus und Hoff gedrungen werden. Dieweil Uns als regierenden Herrn und Lands-Fürsten, dann solche beschwerliche und verderbliche wucherliche Contract abzustelleu und zubestraffen gebühren will; So ist demnach an euch sammt und sonders unsere ernstliche Befehl und wollen, daß ihr ofstbemeldten Juden das übermäßige allzuviel und unleydentliche wucherliche Fürleyhen auff der Unterhalten Grund-Güter und Fechsung, so denen Christen zutreiben verwehrt, durchauß keinesweegs gestattet, sondern das alles ernstlich abschaffet,' mit der starcken Betrohung, da deren einer oder mehr hierüber betretteu, und knnfftig Beschwärung wider sie fürkommen, und man die auff sie offen und wahr machen wurde; darauff ihr dann euer fleißiges Auffmercken haben und bestellen sollet, daß demselben sein außgelihenes Geld und angeschlagene Wucher eingezogen, und noch am Leib und Gefängnuß gestrafft, folgends unverschont nicht allein auß diesen, sondern allen andern unfern Landen stracks geschafft, und weiter darinnen nicht gelitten werden sollen. 31. Octod. 1567. Verschiedene Nachrichten. Wien. Dienstag, den 30. Sevtember, fand im Tempel in der Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein Lili Lieben, Tochter des I. Sekretärs der Wiener Cultusgemeinde, Herrn kaiserl. Rathes Dr. Theodor Lieben, mit Herrn Francois Breitmann aus Constantinopel statt. Ein den ersten Kreisen der Residenz angehörendes Publicum füllte das Gotteshaus in allen Räumen. Man sah u. A. Se. Exellenz General Chukri Pascha von der türk. Botschaft, den Präsidenten der Cultusgemeinde, Herrn kaiserl. Rath Heinrich Klinger, mit dem gesammten Cultusvorstande, die Präsidenten der türkisch-israelitischen Gemeinde Markus M. Russo und Licco Adutt mit den Functionären, die Bethausvorsteher der Gemeindetempel, Abordnungen vieler Vereine, sowie den gesammten Beamtenkörper der Cultusgemeinde. Ober-Rabbiner Dr. Güdemann vollzog den Trauungsact und führte dem Brautpaare die würdigen Eltern als Muster für ihren ferneren Lebensweg vor. Obercantor Singer versah in vorzüglicher Weise die cantorale Function. Nach der Trauung fand in der Wohnung des Herrn kais. Rathes Dr. Lieben der Empfang statt, der Zeugnis gab von der großen Sympathie, deren sich die Eltern des Brautpaares in allen Kreisen erfreuen. Höchst ansehnliche Geschenke und eine nach Hunderten zählenden Menge von Telegrammen und Glückwunschschreiben sind der Familie zugekommen. Wien. Die am 28. September stattgefundene Hochzeit der -Tochter des allverehrten Obmannes im X. Bezirke, Herrn Carl Seligmann, Fräulein Jda Seligmann, mit Herrn Dr. Philipp Schwarz gestaltete sich zu einer wahren Kundgebung, welche Zeugnis ablegte, welch angesehene und hochgeachtete Person Herr Carl Seligmann ist und weich großer Beliebtheit er sich ob seines Wirkens mit Recht in den weitesten Kreisen erfreut. Der Tempel, sein Werk, ein Prachtbau und eine Zierde des Judenthums, wgr festlich beleuchtet und mit Palmen und Blumen geschmückt und der große Raum, der dem schönen Bilde freieste Entfaltung gestattet, dicht besetzt. Die Trauerfeierlichkeit begann mit einem von dem Gesangsverein .Jovia" vorgetragenen Lied, worauf Obercantor Schlesinger mit seiner schönen Stimme und dem gutgeschulten Chore das Miaddir anstimmte. Die Ansprache des Herrn Rabbiner Dr. Taglicht, welcher dem Brautpaare das Bild der Eltern vor Augen führte und auf den lauteren Character des Vaters der Braut besonders hinwies, machte sichtlich allgemeinen Eindruck. Dem Trauungsacte wohnten Deputationen zahlreicher Vereine bei. Vor allem der Vorstand des Tempelvereines und der Vorstand des Jüdischen Schulvereines im X. Bezirke, mit dem Obmanne Herrn Jacob S. Straßberg an der Spitze, u. v. A. 3. P. Wie«. Herr Philipp Bassel, seit dem Jahre 1877 Cantor am Vereinstempel des israel. Tempelvereines für den IV. und V. Bezirk, Margarethenstraße 73, begeht mit dem Samstag den 18. October d. I. stattfindenden Gottesdienste das 25-jährige Jubiläum seiner ununterbrochenen, musterhaften und pflichttreuen Function an dieser heiligen Stätte. Dem Jubilar, der unter den Gemeindemitgliedern allseitige Achtung und Anerkennung genießt und auch im Kreise seiner College» große Beliebtheit besitzt, sind aus diesem Anlässe mannigfache Ovationen zugedacht. Cantor Philipp Baffel ist auch seit dem Bestand des öfters.» ungar. Cantorenvereines Vorstandsmitglied desselben. Wie». Wieder ist ein gutes Stück vom Gesammtkörper des heimatlichen Judenthums geschwunden. Moritz Käs, der in hiesigen Lehrerkreisen bestbekannt gewesene jüdische Religionslehrer ist am zweiten Neujahrstage nach schmerzlichem Krankenlager im Alter von 77 Jahren gestorben. Er war ein vorzüglicher Hebraist, der, wie nur äußerst wenige der zünftigen Religionslehrer, vollkommen vertraut mit dem Urtexte der Bibel war, die er über alles hochhielt und liebte. Er schrieb ein äußerst gefälliges, correctes und formvollendetes Hebräisch. Sein vor einigen Jahren im Eigenverlage unter dem Titel „Porim ve-charusim" erschienener Band hebräischer Gedichte hat den ungetheilten Beifall der Kenner erlangt. Vorzüglich und edel war sein ganzer bescheidener Character. An der Bahre würdigte Oberrabbiner Dr. Güdemann die Verdienste des Hingeschiedenen, und Lehrer Straßer nahm mit tiefbewegten; Worten im eigenen und im Namen der vielen Freunde und Verehrer des j Verblichenen Abschied von demselben. I Wie». (Jüdischer Verein jugendlicher Arbeiter.) Sonntag, den 12. j d. M. findet im neuen Vereinslocale ein Vortrag des Herrn Oskar! Barth aus Olmütz statt. Thema: „Judenthum und Socialismus." Beginn! 6 Uhr Abends. Gäste willkommen. Gleichzeitig gibt der Verein bekannt.! dass Zuschriften und Zeitungen an die Adreffe des neuen Locales II.! Untere Augartenstraße 19 (Cafv Herz) zu senden sind.! Wiener-Zleustadt. Die hiesige israelitische Cultusgemeinbe sah! sich veranlasst, unserem allbeliebten Herrn Obercantor und Secretär. j M. A. Landau, der, ein treuer Mitarbeiter - unseres geschätzten Cultus-! Vorstehers Herrn Schischa, durch unermüdliche Arbeit sowohl um das! Zustandekommen unseres neuen, prachtvollen Tempels, als insbesondere durch seine glänzenden cantoralen Leistungen bei der Einweihungsfeier.! die von allen Anwesenden mit gleicher Bewunderung angehört wurden,; sich ganz besondere Verdienste erwarb, den Dank der Gemeinde abzustatten! und gleichzeitig ein Ehrengeschenk zu verleihen. j HoSitscha». Festliche Tage, wie noch nie, hat die israelitische! Cultusgemeinde in Tobitschau am letzten Itosek-üascüoaoü-Feste und dem > darauffolgenden Sabbathe gefeiert. Jllttstre Gäste sah man in dem alt-! ehrwürdigen Gotteshäuser den Schloßherrn von Tobitschau, David R. v. > Gutmann, und dessen durch ihr wohlthätiges Wirken bekannte Schwieger»! tochter, Frau Mathilde von Gutmann, deren Vater, den bekannten i Philanthropen Horace Baron Günzburg,und dessen Sohn Baron Wladimir 1 Günzburg, Redacteur Dr. Münz :c. :c. Eine besondere Weihe erhielt der Gottesdienst am Neujahrstage dadurch, dass, um den bereits bejahrten! Bal-Tokea zu verschonen, Herr Wladimir Baron Günzburg ohne Vor- > bereitung mit bestem Erfolge die Function des Schosarblasens übernahin. i Hierauf hielt Herr Dr. Kapralik, der Erzieher der Söhne des verstorbenen; Dr. Ludwig Ritter von Gutmann, eine schwungvolle Predigt, in der er in! geistvoller Weise die von den Vereinigten Staaten zu Gunsten der j rumänischen Juden eingeleitete Action besprach. Samstag den 4. October j feierte der Sohn des allzufrüh dahingeschiedenen Dr. Ludwig Ritter von! Gutmann das Baimirvak-Fest. Mit fester Stimme trug der Confirmand i die Schluss-Parascha und die Hafrorah vor. worauf Dr. Kapralik an j ihn mit ernsten, zu Herzen gehenden Worten die Mahnung richtete, ein j strenggläubiger Jude zu sein und dem Muster seines verklärten Vaters, seiner beiden Großväter, sowie seiner frommen Mutter nachzuleben, welche! diesen feierlichen Anlass benützte, um sämmtliche Cultus- und Humanitäts- , Institute der Cultusgemeinde Tobitschau mit namhaften Spenden zu be-! denken. Auch der Confirmand spendete größere Geldbeträge für die! Zwecke der Gemeinde. Allen Anwesenden werden diese weihevollen Tage! gewiss in nachhaltiger Erinnerung bleibe». j A Hgerszeg. Anlässlich der Kossuth-Feier fand am 19. v. M. in! unserer Gemeinde ein Festgottesdienst statt, an welchem der Obergespan, | der ganze Magistrat, der evangelische Pfarrer, viele Vereine und sonstige j Honoratioren der Stadt theilnahmen. Die ausgezeichnet ausgeführten! Gesänge unseres beliebten Cantors Jenö Weiß, die von Chor und Orgel! trefflich begleitet wurden, wirkten erhebend, und ebenso die begeisterte | Festrede des Herrn Oberrabbiner Engelsmann.! Hemesvar. Nach beendetem Gottesdienste am Erew-Rosch-haschonoh i verließ der 82jährige Kaufmann Wolf Fischer die Synagoge der Vorstadt; Fabrik, er trippelte über die Straße, als ein Motorwagen der elektrischen! Tramway dahersauste, den armen Greis überfuhr und buchstäblich zer-! malte. Die Hand des Todten umklammerte den Sammtbeutel, welcher die Gebetbücher und den weißen Gebetkittel enthielt. London, 30. September. Sir Marcus Samuel, der gestern gewählte neue Lordmayor von London, ist der sechste jüdische Lordmayor. Sein letzter Vorgänger gleichen Bekenntnißes war Sir George Faudel Philipps 1397. Bei Uebernahme der Amtskette hielt er eine Dankrede, in welcher er unter Anderem sagte: „Ich kann nicht vergeffen, dass nicht überall dieselbe Freiheit Jenen meines Glaubens gewährt wird, wie sie, gottlob, in der City von London vorherrscht." Die Wahl Sir Marcus Samuel ist besonders bedeutsam angesichts der schwebenden Einwanderungsfrage, in die Einzelne einen antisemitischen Zug bringen möchten. An Isokge des Kukkoty-Akestes erscheint die nächste Aummer unseres Mattes Mittwoch, de« 22, Kctoöer- Me Ztedactiou