Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 38 (30.9.1902)
- Date
- 1902-09-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ÖiebacHon uub Abministration: Wien, ll/,. Novaragaffe 27. St. l. österr. Posriv-rcrssa Check-Como Nr. 846.251 Inserate 20 Heller per Sronpareille-Zelle. Abonnements» unb JnserationSbeträge flnb in Wien zahlbar unb klagbar. «abhängige für jüdische Verngspreis: j Ganzjährig. . . K 12.— | Halbjährig . ... ft. 8.— Für CultuSbeamte: . Ganzjährig.... St- 10 — Erich eint jeden Kreitng. Hotto: „Uns Siegel Gottes ist Wahrheit!" Für Ausland/. j Ganzjährig . . .8 Mark. 6 Rubel oi>er 16 FcS »r. 38. Men. 38. Zeplember 1988 Inhalt: An unsere Leser. — Heinrich Klinger. — Neujahrsgedanken. — Ein Protest im Namen der Civilisation. — Wissenschaft oder — Gelehrsamkeit. — Synagogen-Einweihung in Wiener-Neustadt — Vor dem französischen Kriegsgericht. — Rosch haschonoh und Jom kippur. — Verschiedene Nachrichten. In liniere Leser! Unentwegt hat unser Blatt an seinem Programme, das Interesse für die erhabenen Mete des Iudenthnms in assxn MevöMerungsschichten zn wecken, festgehalten unh dabei die Anerkennung der maßgebendsten Kreise des Judenthums gefunden. Unser Bestreben wird auch fernerhin darauf gerichtet sein, jüdisches Leben in allen seinen Erscheinungen zu pflegen, die innere Hrganisation mit affen Jtxäften zu fördern, die Iorsälte im Kemeinde- und Wereinsteven mit maßvoller und objectiver Kritik zu beurtheiten und den Kampf nach Außen mit Würde nnd Entschiedenheit zu führen. Solches Streben verdient gewiss die vollste Unterstützung aller Glaubensgenossen und indem wir dieselben dringenost ersuchen, diese ehrliche publicistische Thätigkeit durch Abonnierung unseres Mattes nnd durch möglichste Werbreitnng desselben zu fördern, bitten wir, den Urännmerationsbetrag für das am 1. Kctober beginnende L^. Quartal umgehend einzusenden. Probenummern stehen zur Verfügung. Die Redaction. Heinrich Klinger. (Z u {einem 70. Geburtstage.) Die Marksteine im Leben der in der Oeffentlichkeit und für die Allgemeinheit hervorragend wirkenden Männer laden nicht nur diese selbst zu rückschauender Betrachtung über ihren bisherigen Lebensweg ein. sondern bieten immer auch der Mitwelt willkommenen Anlass, ihrem Urtheil über den Werth uud die Bedeutung der betreffenden Persönlichkeit lauten und beredten Ausdruck zu geben. Und fo kann auch der 1. October d. an welchem der derzeitige Präsident der wiener Tultusgemeinde. Herr kaiserlicher Rath Heinrich Klinger. das 70. Lebensjahr vollendet, trotz seines dringendsten Wunsches, diesen Tag nur im engen Familienkreise zu begehen, in weiteren Kreisen nicht unbeachtet bleiben. Aus eigener Kraft und gestützt durch hervorragende kaufmännische Tugenden hat der Jubilar sein Haus zu einer achtunggebietenden Stellung im industriellen Leben Oesterreichs emporgeführt und seine reichen Erfahrungen auf dem Gebiete wirthfchaftlicher Erkenntnis nicht nur für sich selbst behalten, sondern in verschiedenen öffentlichen Vertrauensstellungen der Allgemeinheit zu Nutze gemacht, Hiefür wurden ihm zu wiederholten Malen Auszeichnungen Sc. Majestät des Kaisers und ehrende Anerkennungen seitens der Berufskreise zu Theil. Doch nicht von dem Industriellen Klinger wollen wir heute und an dieser Stelle sprechen, sondern davon, was st ine Bedeutung als Präsident der wiener Tvltusgemeinde ausmacht. Die Geschichte dieser Gemeinde zeigt eine Ehrengallerie ausgezeichneter Männer des Iudenthums, die mit strammer Hand ihre Glaubensgenoffen leiteten und in gefahrvollen Situationen mit vielem Geschicke den Ausweg zum Guten fanden. Diesen Männern reiht sich kais. Rath Heinrich Klinger würdig an. Es waren schwere Zeiten, als er zum Führer der Wiener Iudenfchaft berufen wurde. Bedrängnis von Außen, Umwälzung im Innern. Die wiener Tultusgemeinde war in der Umbildung zur modernen Großgemeinde begriffen; ihr Territorium und ihre Mitgliederzahl erhielt durch Einbeziehung der Vororte eine gewaltige Vergrößerung; neue Verhältniße entstanden, neue Bedürfniße machten sich geltend, die an den Gemeindesäckel hohe Anforderungen stellten und das Gleichgewicht im Gemeindehaushalte störten; verschiedene Strömungen tauchten auf, die den Frieden der Gemeinde zu zerstören drohte» — und aus all' diesen Fährnißen und Wirrnißen hat sich die wiener Tultusgemeinde unter der Führung Klinger's zur Höhe wieder emporgerungen und während seiner Präsidentschaft Institutionen geschaffen, die noch der spätesten Nachwelt den Ruhm ihrer Gründer verkünden werden. Namentlich die Ordnung der Finanzen ist ein hervor» ragendes Verdienst des Jubilars. Ein neues Steuerreglement wurde geschaffen,, das besonders den. reicher begüterten Mitgliedern bedeutend, erhöhte Lasten auferlegte, und es ist kein