Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 36 (12.9.1902)
- Date
- 1902-09-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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')lv. 36. Die Wahrheit. Seite 9. finden wir ans Zeilen, die weit vor den Namens-Oktroyirungen liegen, bereits die symbolischen Zeichen von Thieren als Namenszeichen bei der hebräischen Inschrift. Um sich Löwe zu nennen und gar einen Löwen als symbolisches Namenzeichen zu führen, konnte einer von Haus aus z. B. Ariel heißen, das bedeutet „Löwe Gottes". Selbst der Name Hirschfeld ist nur eine Uebersetzung von Ajalon, jenes berühmte „Thal Hirschfetd", wo (laut Josua 10,12) der Mond soll stillgestandeu haben. Da die Juden von Osten gekommen sind, so ist es natürlich, dass wir, je weiter wir nach dem Osten Europas reisen, sie um so mehr im lebendigen Zusammenhang mit ihrer Cultur scheu, mit dem, was ihnen von Haus aus natürlich war soweit nicht die Vorurtheile der Rasseg^unter denen sie gerathen sind, slawisch-polnische Galizier. Slawen, Mähren,. Rumänen, Serben, sie behindert haben, sich zu entfalten. . Und so mag gerade der Jndenfriedhos von Prag, der gewissermaßen die westlichste Vorburg dieser jüdischen Wandercnlter ist, als Ausgangspunkt unserer Betrachtung gelten. Er lehrt uns in der That in recht lebendiger Anschauung, dass die Lieblingsvorstellung vieler Inden, sie stellten einen uralten Adel dar, sicherlich richtig ist. Denn hier sehen wir sogar ihre Wappen ans den alten hebräischen Grabsteinen; wir sehen, dass uralte Traditionen aus Makkabäerzeiten auch Namen eines Heldenadels sogar unter diesen Zwischensiedlern erhalten haben, die zeitweilig freilich nur zum Handel zugelassen waren. Wir erinnern uns an solchen Grabmäleru der Rabbiner unmittelbar, dass auch uralte Intelligenz östlicher Völkerschaften sozusagen ihr geistiges Hab und Gut, ihre Wissenschaft und Dichtung auf die Wanderung in jenen Zustand der Zwischensiedlerschaft mitnahm, von dem wir noch mehr zu sagen haben. Die Traube auf den Rabbinersteinen zeigt uns, dass alte biblische und im Talmud weitergeführte Vorstelluirgen lebendig blieben, denn die alte Weisheit verglich sich selbst gern mit einem Weinstock und seinen Früchten, sogar der Rabbi von Nazareth nannte sich den „Weinstock" und seine Schüler die „Reben". So blieb auch die Rabbiner- Traube Symbol talmudischer Weisheit. Die Wanderkultur brachte es ja auch mit sich, dass »um im Talmund sozusagen die Encyklopadie aller Wissenschaften beisammen hatte, um sie nebst den heiligen Schriften gewissermassen immer reisefertig bei sich zu führen. Und so führt uns auch die alte Synagoge von Prag anschaulich in den Zusammenhang dieses Lebens. Eine alte Sage will diese Alt-Neuschule, wie der Synagogendieuer zu erzählen pflegt, von Flüchtigen aus dem eben erst zerstörten. Jerusalem gegründet sein lassen; jedenfalls sehen wir hier sehr alte Geräthe aus dem zwölften, ja noch aus früheren Jahrhunderten und können den Faden einer eigenthümlichcn Cnlturspracke zurückknüpfen bis zu altjerusalemischen und babylonischen Ausgrabungen. Die Fahne aber von 1648, welche den Prager Juden von Kaiser Ferdinand III. für ihre Tapferkeit bei Belagerung der Stadt gestiftet ward, muß man noch in der alten Schule sehen, um manche westlicheen Vorurtheile schon hier niederzulegen.- „Israelitische jQIianz zu 'Wien.“ Der Yerein bezweckt: 1. Die Yolkserziehung bei den Israeliten durch Errichtung oder Unterstützung von Schulen und durch andere geeignete Mittel zu fördern; 2. Israeliten, wo sie ihres Glaubens wegen zu leiden haben, eine wirksame Stütze zu bieten. Durch Leistung eines Jahresbeitrages von mindestens drei Gulden ö. W. wird man ordentliches, durch einmalige Zahlung von hundert fl. 5. W. lebenslängliches Mitglied des Yereines. Anmeldungen zu Beitritt werden erbeten unter der Adresse: „Israelitische Allianz zu Wien“ I., Weihburggasse 10. I. Stock MAzcde Ctkraiitet Approbiert vom hohen k. k Ministerium für Kultus und Unterricht. Heransgegeben von Rudolf Fuchs in Wien. Preis gehunden Auf 5 Kilo in Leinwand gehen * Fibel, 1. Teil: Die Leselehre . . . K —.32 48 Exemp* ,, 2. Teil: Gebete und d. Schöpfungsgeschichte .. —.40 45 ,, . Der Pentateuch. Vollständiger Text pädagogisch bearbeitet. Das 1. Buch Mos (mtrina) . . . . „ 1.48 12 ,, " 2. „ „ (.TO).152 13 „j 3. „ „ (*npn) ..... „ 1.10 18 „ „ 4. „ (-,2122).,.1.08 15 „ 5. „ ur-rnn).„ 120 14 „ Gebetbuch >32 mwn (nicht approbiert) ,, 1.68 8 * „ [man mwn mit deutschen Überschriften .. 108 13 * Gebetbuch sl-NS' m?sn mit hebräischen Überschriften .1.— 12 „ 10 Vorlegeblätter zur jüdischen Briefschrift ,. —.90 Alle diese Bücher, ausser den mit * bezeichnten, sind nach der Methode der korrespondierenden Zeilen übersetzt. Der Pentateuch enthält einen Auszug aus dem i''Bn-Kommentar nebst einer Leselehr» der •'"an-Schrift, sachliche und grammatische Anmerkungen und einen grammatischen Anhang. Rabatt für Wien 20* 0, für die Provinz 25°/,0 für das Ausland 30%. Zu beziehen beim Herausgeber und Verleger Rudolf Fuchs, padagog. Schriftsteller in Wien, II. Komödiengasse 6. In meinem Verläge erschien soeben: ZE3Zad.assa. Sebef- und Andachtsbuch für isr. Frauen und Jungfrauen von Oscar Sachariasohn unter Mitwirkung der Rabbiner: Df. M. Kayserling, Dr. M. Güdemann, Dr. Ad. Schmied!, Dr. Juliua Fischer, Prag. Preis in hübschem Einband mit Goldschnitt K 1.80; in elegantem Leinwandband mit Goldschnitt K 2.40. Dieses Buch übertrifft sowohl an Reichhaltigheit als an typographischer Art alle bis jetzt auf diesem Gebiete erschienenen. Ünd doch habe ich für dasselbe sehr massige Preise festgesetzt, um ea den weitesten Kreisen zugänglich zu machen. Bei grösserer Abnahme gewähre ich entsprechenden Rabatt. Osias Geyer, Buchhändler, Budapest. Königsgasse 20. Sigmund und Kegiue Kauderssche Keirats-Kusstattuugs-Stittuug kur mitlelkole jüdische Mräule. Aus der obgenannten Stiftung sind am 26. November 1902 di? JaHreserträgniße per K. 22o vor allen Anderen an Verwandte des stifterischen Ehepaares, Herrn Sigmund Kauders und deffen Gattin. Frau Regine, gebor. Schlesinger (in erster, zweiter und dritter Linie), an Verwandte der Familien Dr. Anton Kauders und Johanna Wolf verehelichten Kauders in Eisenstadt, Ungarn, Joses Schlesinger und Johanna Neubrunn, verehelichte Schlesinger in Tyrnau. Ungarn, (in erster, zweiter und dritter Linie), und in Ermanglung von Bewerberin» nen der vorgenannten Kategorien an nach Wien zuständige, bezw. in Wien geborene und bis zur Zeit der Bewerbung daselbst wohnhafte Bewerberinnen, endlich in letzter Linie an Bewerberinnen österreichisch oder ungarischer Staatsangehörigkeit, ohne Rücksicht aus Zuständigkeit und Wohnort,' zu verleihen. Die Gesuche find mit dem Geburtszeugniße, dem Mittellosigkeits- oder Armutszeugniße, dem Sittenzeugniße, sowie dem Nachweise des Brautstandes zu belegen; Bewerberinnen, welche das Vor» zugsrecht der Verwandtschaft geltend machen wollen, haben dieselbe dokumentarisch nachzuweisen; Bewerberinnen, welche nach Wien zuständig sind, haben die Wiener Heimatsberechtigung, in Wien geborene endliche den Umstand, dass sie bis zur Zeit der Bewerbung in Wien domizilirten mit dem Meldzettel zu belegen. Die Ueberreichung der ordnungsgemäß belegten Gesuche hat bis längstens 30. September 1802, im Einreichungs» Protokolle der israelitischen Cultusgemeinde Wien I., Seitenstettengaff«: 4, I. Stock, woselbst Gesuchsblanquette während der Amtsstunden 9 bis 12 Uhr vorm, unentgeltlich behoben werden können, zu erfolgen. Auszüge aus den Geburts-Sterbe- und Traungs-Matriken der israelitischen CultuSgemeinde Wien find als Gesuchsbelege nicht erforderlich, sondern genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten. Nicht entsprechend», belegte oder verspätet überreichte Gesuche werden in keiner Weise berück» fichtigt. Wien, 1. September 1902. Her Vorstand der Israel. Caltusgemeiiide Vien.