Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 34 (29.8.1902)
- Date
- 1902-08-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Redaetion und Administration: Wien, u/l- Novaragaffe 27. K. k. österr. Postsparkasse Lheck-Conto Nr. 846.251 Inserate 20 Heller per Nonpareille-ZeUe. Abonnements» und JnferationSbeträge sind in Wien zahlbar und klagbar. ^abhängige Heitfchrifi für jüöischc Mtere^en. Erscheint jeden Freitag. Hollo: „Dai Siegel Gotte« ist Wahrheit!“ Verngsprris: Ganzjährig. . . L 12.- Halbiährig .... L. 6.- Für CuttuSbeamte: Ganzjährig. ... St. IO.— Für Auslands: | Sanzjädrig . . .8 Mark, i 6 Rubel oder 16 Fe» Nr. 34. Mm. 29. Äuguft MS. Inhalt r Innere Organisation. — Aus der Prager Cultusgemeinde. -- Die Juden-Auswanderung aus Rumänien. — Wiffenfchast oder — Gelehrsamkeit. — Die Juden und der Talmud. — Die Entwicklung der synagogalen Liturgie bis nach der Reformation des 10. Jahrhunderts. — Verschiedene Nachrichten. Wir ersuchen höffichst um Einsendung der Kbonnements-ZLückjiände und des Uränumeralionsöetrages für das tausende Kuartat. Are Administration. Innere Organisation. ii. Wir haben in vorletzter Nummer an leitender Stelle auf dir lobenswerten Bestrebungen unserer Glaubensgenossen in Deutschland hingewiesen, welche darauf abzielen, die deutschen Cultusgemeinden durch innere Organisation zu gemeinschaftlicher Thatigkeit zusammen zu schließen. Dieser Hinweis erscheint für uns in Oesterreich jetzt um so aetueller, als eben der „Allgemeine österreichifche-iftaelitische Bund" einen Bericht über seine bisherige Thatigkeit versendet, in welchem wir einen großen Theil dessen vermissen, was wir als seine eigentliche Aufgabe betrachten. Bevor wir jedoch auf einen Vergleich zwischen hüben und drüben eingehen, wollen wir vorerst einiges über das Programm jener Organisation mittheilen. Rechtsanwalt Julius Plottke aus Frankfurt a. M. äußert sich hierüber in folgender Weise: „Die vorhandenen, die deutschen Juden zusammenfaffenden Organisationen, insbesondere der Deutsch-Israelitische Gemeindebund, die deutsche Großloge des U. O. B. B.; der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der Rabbiner- und Lehrer-Verband, sollen in einer gemeinsamen Organisation den sittlichen, socialen und Bildungs-Interessen der Glaubensgenossen in kleinen Gemeinden, namentlich in solchen, in welchen kein Rabbiner fungirt, die erforderliche Fürsorge zuwenden. A.. Die Fürsorge soll in folgenden Richtungen erfüllen: 1) Es ist für die Jugend ein vollwerthiger methodischer Religions-Unterricht, der unter steter Controle der Aufsichtsorgane des Verbandes steht, einzurichten. 2) Es ist für die Erwachsenen in den betreffenden Orten a) eine fortdauernde Belehrung herbeizuführen durch allgemein bildende, periodisch sich wiederholende Vorträge, insbesondere über die Geschichte und die Litteratur des Judenthums und über seine religiös-sittlichen Grundgedanken, über die Pflichten des Einzelnen gegen den Staat, gegen die Gesellschaft und gegen die Glaubensgemeinschaft, über Erziehung, Berufswahl u. dgl. b) In den Familien ist eine halbmonatlich oder monatlich erscheinende Zeitschrift unentgeltlich oder gegen ganz geringes Entgelt zu verbreiten, in welcher in populärster Weife durch kurze Artikel, Erzählungen, geeignete poetische Uebertragungen von einzelnen Theilen der biblischen und nachbiblifchen jüdischen Litteratur fortdauernd das Interesse und das Verständnis für die jüdische Geschichte und Litteratnr erhalten und sittliche Anregung gegeben wird. Daneben sollen auch in volkswirtschaftlichen Artikeln Fragen der Erziehung, der Berufswahl n. dgl. behandelt werden. e) In den jüdischen Schulen ist Handfertigkeits-Unterricht überall einzuführen, und es find Schulgärten anzulegen, um die Kinder von frühester Kindheit manuell geschickt zu machen und in ihnen das Verständnis und die Liebe für Bodenbearbeitung und ästhetischen Sinn zu erwecken. ä) Durch Berathung der Eltern ist in geeigneter Weife ein nützlicher Einfluss auf die Berufswahl durch rechte Ausbildung herbeizuführen. e) Die kleinen Gemeinden sind zu bewegen, für gemeinsaure Zwecke der Religionsübung und Religionslehre sich zu engeren Verbänden zu vereinigen. L. Um solche Einrichtungen zu treffen, ist es zunächst erforderlich, durch eine persönliche Enquete und Inaugenscheinnahme e n sicheres Bild über die hier in Frage kommenden Zustände in den einzelnen kleinen Gemeinden zu gewinnen. Für diese Enquete wären mchrere tüchtige Persönlichkeiten zu bestellen, welche die einzelnen Gebiete des Vaterlandes zn bereisen und nach einem auszustellenden Fragebogen sich persönlich Gewissheit über die betreffenden Punkte zu verschaffen hätten. 0. Diese Enquste wurde durch die obenbezeichneten Verbände zn veranlassen sein. Dieselben hätten sich zn einer gesammten Organisation zn vereinigen, derart dass die einzelnen Verbände Delegirte bestimmen, welche die Enquete veranlaffeu und überwachen und auf Grund derselben dann gemeinschaftlich das dauernde sittliche und sociale Hilsswerk zu organifiren hätten. Die Koster dieses Hilfswertes wären von den betreffenden Verbänden gemeinschaftlich zu tragen. Die Delegirten hätten den abordnenden Verbänden periodisch über den Fortgang der Thäthigkeit Bericht zu erstatten, um über die von denselben