Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 31 (8.8.1902)
- Date
- 1902-08-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 31. Die Wahrheit. Seite 9. gemacht habe, sowie in den neuen 'Zeiten vorzüglich gottesdienstliche Gesänge aus Melodien componin werden, die vielleicht mehrere tausend Jahre alt sind und durch eine Reihe von so vielen Jahrhunderten tvahrscheinlich schon manchem Lichter ähnliche Dienste geleistet haben. Eine solche alte griechische Melodie aus den Zeiten der Sappho soll Horaz verschiedenen seiner Öden gebraucht und vorzüglich zur zweiten Ode des ersten Buches an den Kaiser Augustus benutzt haben. Diese Gewohnheit, alte schon bekannte Melodien aus verschiedene Gedichte von ähnlichem Versmaß zu übertragen, hat es auch veranlasst, dass dieselbe Melodie, von welcher hier die Rede ist, in den ersten Jahrhunderten der christlichen Kirche aus einen Hymnus ans den heiligen Johannes : „utque aut laxis resonare fibris etc angewendet und so bis aus unsere Zeiten gebracht worden ist?) Wir werden dem Judenthum hoffentlich keine Unehre mache», wenn wir vermuthen, dass auch die Peitanim in einer Zeit, da die Ernte der iynagogaleil Poesie alle Erwartungen überstieg, von dieser Methode Gebrauch machten. Wir besitzen deshalb viele Gebete und Piutim in unserer Liturgie die. obwohl Prodnctionen der verschiedenen Z.-i'.en, dennoch dieselben Melodien trage». (Fortsetzung folgt.) Lilteratiu. Das freie 2Sort. Frankfurter Halbmonatsschrift für Fortschritt auf allen Gebieten des geistigen Lebens. Herausgegeben v. Max Henning. Die soeben zur Ausgabe gelangte Nummer (II. Jahrgang, Nr 8) enthält als Leitartikel einen Aufsatz von hervorragender katholischer Seile „zur r e l i g i ö s e n F r a g e der G e g e n w a r t", in welchem der Verfasser nichts weniger als ein R e s o r in p r o g r a m m zur Ucberwindung der konfessionellen Gegensätze ans undogmatischer Basis ausstellt.' Roman S e »i b r a t o w h c z, der bekannte rnthenische Publizist, zeigt in seinem von reichem statistischem Material getrageneil Artikel „D i e Polen in Galizieil" die Polen bei ihrer itulerdrückungsarbeil gegenüber den Ruthellen, die so umfassend und skrupellos sei, dass die preußische Regierung bei den Polen in Galizien in die Schule gehen könnte. -— Ein Anonymus glossiert scharf in dem Aussatz „A a rb e n e r Heiligtümer" die Schaustellung der Aachener Reliquien. — Dp. Eduard v. Di aber behandelt in einem geistvollen Essai das Problem des Z u'f a l l s in der Kunst. — W. Sauer weist in seinem Aussatz „Indisches" knapp und schlagend die verblüffenden Parallelen zwischen der Gebnrtsgejchichte Jesus von Nazareth und Krischnas nach. Zwei kurze-Arlikel, beleuchtend das Wort des Kaisers „wer sein Leben ilicht aus die Basis der Religion stellt, ist verloren", und das eigentümliche Verhalten drs preußischen Herrenhauses gegenüber der Abstinenzbewegung, schließen den reichen Inhalt dieser Nuiumer der iempera»ientvollen Zeitschrift ab. - Ter Verlag gibt bekannt, dass er auf Verlangen Probehefte gratis abgibt. Verschiedene Nachrichten. Nieu, (T e in p e l b a u in der Josefstadt). Nach jahrelangen Kämpfen und Einwendungen hat endlich die Commune Wien ihren Widerstand gegen die Erbauung eines jüdischen Gotteshauses in der Josefstadt endgültig allfgegeben. Der Wiener Magistrat hatte bekanntlich mit dem Bescheide vom 19. Mai l899 dem Tenrpelbauvereine des Bezirkes Josefstadt die Bewilligung zur Erbauung einer Synagoge in der Neudeggergasie Nr. 12 verweigert. Die Baudeputation iür Wien hat über, den Recnrs des Vereines den angefochtenen Bescheid aufgehoben und ausgesprochen, dass der projectirte Synagogenbau unter den von den Vertretern des Stadtbauamtes und des Stadrphysicats gestellten Bedingungen in öffentlicher Rücksicht zulässig ist und die gegen das Project gerichteten Einwendungen privatrechtlicher Natur aus den Rechtsweg verwiesen. Dem gegen diese Entscheidnng von der Gemeinde Wien ergriffenen Recurs hat das Ministerium des Innern keine Folge gegeben. Es wurde jedoch die Zulaffung des Baues noch an folgende weitere Bedingungen geknüpft: Der Faffungsraum tvird für eine Besucherzahl von 480 Personen festgesetzt, welche nicht überschritten werden darf. Die in die seitlichen Hofräume führenden Thore, sowie die drei Hauptthore sind während der. Benützung des Tempels stets offen zu halten. Die Ansgangsthüren aus dem Tempel sind mit einer Fettstoffbeleuchtung zu versehen. Diese Entscheidung .stützt sich auf die Erwägung, dass das Bauproject den Vorschriften der Bauordnung für Wien entspricht und die'vom Standpunkte der Verkehrs- und sonstigen öffentlichen Rücksichten erhobenen Einwendungen nicht als begründet angesehen werden können. Stadtrath Gsottbauer hat in der letzten Sitzung des Sladtrathes über diese Entscheidung berichtet und beantragt, dieselbe zur Kenntnis zu nehmen und von der Ergreifung der Beschwerde an den Verwaltungsgerichtshof abzusehen, da keine Aussicht auf Behebung der Ministerialentscheidung vorhanden ist. Dem Anträge wurde zugestimmt. .«) Ibick .S. 493. Wien. Vor uns liegt der Jahresbericht der vour „Verein zur Errichtung und Erhaltung höherer Töchterschulen im zweiten Wiener Gemeindebezirke^ gegründeten zweiclaffigen Mädchen-Fortbildungsschule am Czerninplatz 3. Mit diesem Berichte beschließt die Schule das siebente - Jahr ihres Bestandes. Wenn auch 7 Jahre siür den Bestand einer Anstalt nur ein kurzer Zeitraum sind, so ist doch aus den bereits erzielten schönen Erfolgen zu ersehen, wie die der Anstalt zugrunde liegende Idee aus kleinen Anfängen sich zu einein bedeutenden Baue za entwickeln geeignet ist. Im Hinblicke aus die hier verfolgten edlen Ziele und! Zwecke, wie nicht minder wegen der Entwickelungssähigkeit und der j schönen Unterrichtsresultate kann dieses Unternehmen mit Recht zu den , Wohlsahrls-Einrichrungen unserer ^eir gezählt werden. Von den 300! Schülerinnen, welche die Anstalt bereits adjolvirten. har sich ein großer! Theil eine ehrende Stellung in der Gesellschaft erworben, während andere! das hier Erlernte dazu benützen, um die Kunst im Elrernhauje zu pflegen i oder da, wo die eigene Hand nicht IN tthälig sein kann, durch ihr ge»; läutertes Urtheil. ihren entwickelten Geschmack die Litten ihrer Umg-bung; zu veredeln und später die eigene Behausung mit dem Gefühle des Wohl-; behagens auszustatten, oder, wo es das Leben fordert, durch Ausübung eines ehrenden Berufes sich und ihre Angehörigen vor Noth zu bewahren. . Daraus erhellt, dass diese Lehranstalt den B.dürsnißenj des praktischen Lebens Rechnung trägt und der geistigen Begabung ihrer Schülerinnen Geltung zu verschaffen bemüht ist. Dieser schöne Erfolg ist jedenfalls in erster Linie der unermüdlichen Hingabe und Opserwilligkeit des Vereinsvorftandes zu danken, dessen Mitglieder zumeist seit Gründung der Anstalt sich unverdrossen ihrem zeitraubenden Amte mit Liebe widmen. Dem Vereinsvorstand gehören an die Herren: Carl M. Mayer. Gemeinderarb. Lbinann. E. I. Müller, Gemeinderatb. Obmann» Stellvertreter. I. M. Himerwaldner. k. k. Schulrath und Bezicks-Schul» inspector. Ferdinand Klebinder, Obmann des Ortsschulrathes. Carl; Helbig. Gemeiuderath. Julius Pollak. Bezirks-Ausschuss und Ortsschulrath. Leopold Strauß, Octsschulrath. Dr. Joses Breilenstein, Adoocar. Anton Schier. Procurist des Wiener Bank-Verein. Diese Schule hat den Zweck, jenen Mädchen, welche die Bürgerschule absolvirt haben, eine über den Lebrvereich der Bürgerschule hinausgehende allgemeine Bildung, sowie nach gewissen Richtungen hin, Unterweisung in der Erfüllung ihrer zukünftigen Pflichten zu gewähren, so dass sie befähigt werden, einmal in ihrem eigene» Heim eine gedeihliche Wirksamkeit entfalten zu können. Die Schule besteht aus zwei Jahrgängen. Ausnahme sinden solche Mädchen, welche die dritte Bürgerschulclasse mit gutem Erfolge absolvirt und iorer gesetzlichen Schulpflicht entsprochen haben, oder Mädchen, welche das schulpflichtige Alter überjchcitt.'n haben und durch eine Ansnahmsprüsung die serwrderlichen Vorkenntniße Nachweisen. Das Schnlfahr beginnt am!. Ocwber und endigt am 30. Juni. Die Unterrichtszeit ist Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 2 bis 3 Uhr; Mittwoch und Samstag von 8 bis l2 Uhr. Das Schulgeld beträgt jährlich «3 sl. und kann auch in monatlich voraus zu bezahlenden Raten n 7 sl. entrichtet werden, wobei jedoch am I. Occober zugleich die Raten für die Monate Mai und Juni desselben Schuljahres zu erlegen sind. Bei der Anmeldung oar jeer Schülerin 2 sl. Einschreibegebühr und weiters einen Lehrmittelbeitrag von 2 st. zu entrichten. J:u abgelaufeneii Schuljahre haben '.Oi Schülerinnen die Anstalt frequent'.rt, von denen 3» einen vorzüglichen Erfolg erzielten. Den Untericht ertheilen Director M Beer riud ein aus ausgezeichneten Fachmännern bestehender Lehrköiper. Die Lehrgegenstände sind: Deutsche Sprache und Litteratur. iranzösische Sprache, englische Sprache, Geographie und Geschichte, Kunstgeschichte. Geietzeskunde, Arithmetik uu? Buchführung, : Handels-Eorreipondenz, Erstehungslehre, Haushaltuugskuude. Gesundheits-! lehre. Zeichnen. Handarbeiten, Stenographie. Im Winrer-Semester wird im Anschlüsse an die Unterrichtsstunden ein Tanzenrs avgehalten. Wien. Montag, den 4. August ist Herr Abel Appermann, Schwiegervater des Ooercanror Josef Schlesinger im Xi. Bezirke, nach längerem, schweren Leiden im »4. Lebensjahre gestorben. Das Leichenbegängnis des Verblichenen, der in kaufmännischen Krei'eu vielseitige Sympathien genoß, fand unter großer Betheiliguug Mittwoch den 3 v. M. am Eeutralsriedhoie statt. rl'z,s,:,n Hroßwardein Der längst verstorbene Cardinal-Biichos Schlauch von Großwardein stand mit vielen Israeliten in regem Verkehr. Je. Eminenz stvar Mikpräsidenr des hiesigen vvlyklinijchen Vereins, a i dessen Spitze der bekannte Ohrenarn. Pros. Dr. Cornel Lichtenberg, ein Jude, steht. Der akademische Maler Anton Zilzer. ebeinalls ein Jade, har das , letzte Bild des verstorbenen Kircheusürsten gemalt. Zilzer barte die Ehre,! den Besuch des Lardinals Schlauch öfters zu erhalten. Montreal. Vor kurzer Zeit wurde der Rabbiner der ^hiesigen Judengemeinde, R.w Jsak Land in a n u, auf mehrere Jahre wiedergewählt. Das vier erscheinende sranzösiiche Blatt „La Parrie" äußert ' sich aus diesem Anlasse über die jüdische Colonie in Canada wie folgt: „Mit offenen Armen beißen wir Alle willkommen, wenn sie die Absicht j haben, gute Bürger zu sein, rmsere Gesetze ju befolgen und unsere Einj richtungen zu respectiren. Die Bedeutung der jüdischen Colonie in > Montreal wächst von Tag zu Tag; sie umfasst Tausende von Bürgern,! in deren Besitz sich jedes Land glücklich schätzen könnte. Canada ist ein! Land der Freiheit, des gleichen Rechtes für Alle".! HteKeuverärrderungen. Obercantor Heinrich Rosenberg hat sein! Amt in Ung.-Brod bereits angetreten. — Cautor Adolf Reif, bisher in Bremen, ist einstimmig zum Cantor der großen Chorsynagoge in Bukarest I gewählt worden. — Herr Baffer, bisher in Alt-Ofen, wurde zum Oberj cantor in Neusatz gewählt.