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Die Wahrheit · 1902-07-25 · Heft 29 (25.7.1902) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 29 (25.7.1902)
Date
1902-07-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Rr. 29 Die Wahrheit. Senk 9. verschiedene Nachrichten. A-ie«. Denr ordentlichen Profeffor des Handelsnnd Wechselrechtes an der Universität in Wien, Hofrath Dr. Karl Samuel Grünhut, wurde das Komthurkreuz des Franz Josef-Ordens verliehen. ASie«. Ein finsteres Geschick waltet über dem Hause des Großindustriellen David Ritter v Gutmann. Vor ungefähr zwei Jahren wurde ihm der einzige, hoffnungsvolle Sohn, Dr. Ludwig Ritter von Gulmann, in der schönsten Blüthe der Jahre durch den Tod entriffen, und nun betrauert er den Heimgang der innigst geliebten Gattin, Frau Sophie v. Gutmann, die Montag, den 2t. d. nach längerem Leiden in Baden bei Wien verschieden ist. Die Verblichene konnte den tiefen Seelenichmerz, den ihr der Verlust des einzigen Sohnes. bereitete, nie j recht überwinden. Seit dieser Zeit zog sie stch vom gesellschaftlichen i Leben, in welchem sie vermöge des hohen Ansehens des Hauses Gutmann! und ihrer bekannten, großartigen Freigebigkeit für alle Bestrebungen auf > dem Gebiete der Philanthropie, der Kunst und Wissenschaft eine hervor-; ragende Stellung einnahm, gänzlich zurück und begann zu kränkeln, bis der Tod ihr Sehnen nach dem geliebten Sohne stillte. Frau Sophie von Gutmann war eine edle Frau von seltener Güte. Ihr war es ein Herzensbedürfnis, mit den reichen Mitteln ihres Hauses und unterstützt von ihrem ausgezeichneten, echt jüdisch fühlenden Gatten, großartige Acte der Wohlthätigkeit, biefür ewige Zeiten der Menschheit zum Heile gereichen sollen, zu vvllführen, aber auch fern von der Oeffentlichkeit. im Stillen und im Geiste der wahren jüdischen Wohlthätigkeit verborgen fließende Thränen zu trocknen und unzählige durch Elend, Roth nnd Krankheit Gebeugte zu neuem Leben wieder aufzurichten. Die Armen von Wien die von Baden, wo sie im Sommer weilte, und von Tobitschan iu Mähren, wo sie das ehemalige gräflich Khuenburg'sche Gut besaß, verlieren an ihr eine nie versagende Stütze Unter ungewöhnlich starker Betheiligung aller Gesellschaftskreise wurde Frau Sophie v. Guttmann, Mittwoch, den 23. dm. zu Grabe getragen. Die Leiche der Verblichenen wurde von Baden nach Wien überführt, und um 5 Uhr Nachmittags fand vom Trauerhause, Heugasse Nr. 2. aus das Leichenbegängniss statt, an welchem der tiefgebeugte und schwergeprüfte Gatte nicht theilnehmen konnte. Unter den Trauergästen waren zu sehe» : Sectionschef. Dr. Exner, Generaldirector Palmer, die Hofräthe Dr. Marcell v. Frydmann und Jeitteles, Hofrath v Schrötter, Regierungsrath v. Winternrtz, der Präsident des Journalisten-und Schriststellervereins „Concordia" Edgar v. Spiegl, Chefredacteur Dr. Bacher. Regierungsrath Küttig, der Präsident der Cultusgemeinde, kaiserlicher Rath Klinger, mit den Bicepräsidenten Dr. Alfred und Landesschulrath, Dr. Kohn, und den Vorstehern Ritter von Taußig. Architekt Fleischer, Bezirksschulrath Dr. Spitzer, Oberbaurath Taußig, Emil Horner, Dr. Kurända, und Dr. Berger, I. Secretär kais. Rath Dr Lieben, und Secreteur Dr., Adler, eine Deputation der Badner Cultusgemeinde, bestehend aus dem Präses Leitner, Vorsteher Schneider, Rabbiner Reich, und Cantor Seifert,, eine Vertretung der Tobitschauer-Gemeinde, die Rabbinen Dr. Gelbhaus, Dr. Taglicht, Dr. Bach, Reich, Crannuer, Lector Friedmann, Obercantor Bauer von der türk. Gemeinde. Obercantor Guttmann, Obercantor Schorr, Obercantor Löwy-Floridsdorf, Obercanior Wittmann, Director Hammerschlag, Director Bunzl, Banquier Reitzes. Geitler v. Armingen, Dr. Wahrmann, Stadtbaumeister Donath Zifferer Hofräthin Pfeiffer, Moriz Edler v. Kuffner, Director Kuranda, Armenvorsteher Jellinek, die Qrtsschulräthe Heit und Secretär Fuchs, Operateur Dr. Herzfeld, Dr. Ascher, Profeffer Kanitz, Vertreter zahlreicher Wohlthätigkeitsinstimte, Profeffor Dr. Büchler, Professor Monri, Professor Sulzer, Gotthart v. Capellen, Profeffor v. Reuß, Gustav und Theodor Redlich, Commereialrath Stiasny, Hermann o. Goldschmidt, Ernst Boschan, einige Mittglieder des Centralausschuffes mit dem Secretär der Gesellschaft vom Weißen Kreuz Ratzky u. v. A. Nachdem Obercantor Singer, affistirt vom I. Cantor Schiller, Cantor Rothwein und dem Chorpersonale, die übliche Trauerliturgie angestimmt hatte, wurde der Sarg gehoben, und in fast endloser Wagenreihe bewegte sich der Leichenzug zum Centralfriedhofe, woselbst Oberrabbiner Dr. Güdemann und Rabbiner Schmied! der Verblichenen Grabreden hielten, in denen sie ihre ausgezeichneten Tugenden besonders aber ihren stets regen Wolthätigkeitssinn rühmten. Für das Curatorinm des vom Hause Guttmann errichteten israel. Waisenhauses, dem die Verblichene jederzeit besondere Sorgfalt angedeiheu ließ, sprach Dr. Alfred Stern tiefempfundene Abschieds- und Dankesworte, und hierauf wurde Sophie v, Gutmann zur ewigen Ruhe bestattet' rva'swi HVerholaSrurrn Zl.-Hest Das hiesige k. k. Staats-Gymnasium erfreut sich in den maßgebendsten Kreisen sowohl hier, wie auch in der Umgegend und vornehmlich in Wien des besten Rufes, weshalb auch sehr viele Wiener Schüler diese Anstalt besuchen, da es nur 1 Stunde Bahnfahrt von Wie» entfernt ist. Von 26 Maturanten, die sich Heuer zur Ablegung der Reifeprüfung an dem hiesig, k. k. Staatsgymnasium meldeten, erhielte» 22 das Zeugnis der Reife (darunter 4 mit Vorzug), dreien wurde die Nachprüfung in einem Gegenstände nach den Ferien zu machen z bewilligt und einer wurde auf ein Jahr reprobirt. Israelitische Schüler j finden hier in sehr anständigen isr. Privatfamilien liebevolle Ausnahme! und strenge Aufsicht, so dass bei der Wahl. einer paffenden Anstalt! Oberhollabruun mit seinen prachtvollen Anlagen (electrische Beleuchtung! und schönen Waldungen) allen P. T. Eltern aufs Wärmste empfohlen werden kann. Der hiesige Religionslehrer und Matrikenführer Herr S. > Jellinek, ist zu jeder Auskunft gerne bereit. Hedeuvurg. Am 15. d. M. ist hier Frau Johanna Hacker, Gattin des Privatiers Herrn Jakob Hacker im 52. Lebensjahre nach kurzem Leiden gestorben. Eine edle Wohlthäteriu sinkt mit der Verewigten inS Grab, durch deren Hinscheiden viele geachtete hiesige Familien in Trauer versetzt wurden. Obercantor Eduard Deutsch executirte die Trauergesänge in erhebender Weise und am Grabe hielt Herr Rabbiner Dr. Max Pollchk eine ergreifende Trauerrede. Kattowitz r. i>. Weich angesehene und geachtete Stellung unser allverehrter Obercantor. Herr Simon Singer, hier einnimmt, und welch' große Beliebtheit er sich trotz seiner noch kurzen Wirksamkeit in den weitesten Kreisen erworben hat, das zeigte sich anlässlich seiner am 16. Juli stattgefundenen Hochzeit mit Fräulein Elise Gräupner ans Benthen, die ein erquickendes Bild allgemeiner und herzlich freudiger Betheiligung seitens der hiesigen Gesellschaft und der Rotabilitäte» der Umgebung bot. Die Trauung fand in Benthe», Oberichlesien, dem Wohnsitze der Brauteltern statt. Die festlich beleuchtete Synagoge daselbst gestattete in Folge der vrächtigen Raumverhäl'niße de n imposanten Hochzeitszuge freieste Entfaltung, und in dem schöllen Bilde, das derselbe darbot, erregte die in fügendlicherAnmuth und Schönheit prangende Braut an der Seite ihres stattl'chen Bräutigams allgemeine Bewunderung. Die Trauungsfeierlichkeit begann mit'einem von der Stadtcapelle vor« getragenen Hochzeitsmarsch, woraus der Beuthener Obercantor De Beer das Mincha-Gebet und den Miaddir mit sympathischer Stimme und weihevoller Nuancirung vortrug. In der hierauf folgenden Ansprache des verehrten Ortsrabbiners Dr. Kopfstein wies er, anschließend an die trefflich gedeuteten Tertesworte Rad tvvn oholeeho jaakow :c. auf die von dem Brautpaare im Hause der beiderseitigen Eltern empfangene Tradition hin und rieth, die Befolgung dieser empfangenen Eindrücke als V rmächtnis ins eigene Haus hinüberzunehmen. Die aus dem Herzen kommende und zu Herzen dringende, ganz ausgezeichnete Ansprache machte allgemeinen Eindruck. Nach Vornahme des eigentlichen Trauactes recitirte der Bräutigamvater, Herr Obercantor Singer aus Wien, die Sehewah Berachot, und es war leicht begreiflich, dass die vor 39 Jahren in diesen Räumen gern nnd oft gehörte, jetzt imiller noch mächtige Stimme des allverehrten Meisters wie ein Gruß aus der goldenen Jugendzeit klang und die Zuhörer kies bewegte. Dem Trauungsacte wohnten bei: Aus Kattowitz der königliche^ Musikdirector Profeffor Oskar. Meister; in Vertretung des im Bade' weilenden Präses Herrn Stadrath Wiener, der Vicepräses Herr Director Max Fröhlich mit den Vorstehern Herren Bergwerksbesitzer Silberstein und Stadrath Kleemann, den Gemeinderepräsentante» kgl. Notar Dr. Epstein. Banquieur Nothmann, Ortsrabbiner Dr. Kopfstein und in Vertretung des verreisten Kattowitzer Ortsrabbinecs Herrn Dr. Cohn, dessen Stellverteter Herr Dr. Braunschweiger; eine Deputation des schlesischen Cantorenbundes, Obercantoren Davidsohn (Gleiwitz),^ Sußmann (Tarnowitz) und der Verein junger Kaufleute durch die Herren Wiener. Heilborn und Rappaport aus Kattowitz. Auf die feierliche Handlung des ^Trauactes folgte im Hotel „Zum weißen Adler" das Hochzeitsmahl, an welchem außer dem Familienmitgliedern auch alle von auswärts erschienenen Festgäste Antheil nahmen. D.r erste Toast wurde Herrn Obercantor Singer aus Wien zugedacht, welcher an seine ehemalige eigene Amtswirksamkeit in Beuthen auknüpfie. um darzuthun, dass nun sein lieber Sohn gleichfalls dieselben Bahnen wandelt und getragen von der Sympathie der Kattowitzer Gemeinde sein heiliges Amt versiehter bringe nun sein Hoch auf die Kattowitzer Gemeinde, auf den Vorstand und das Repräsentanten-Colle« gium. Hierauf toastirte Herr Rabbiner Dr. Kopfstein in sein pointirter Weise aus Herrn und Frau Obercantor Singer aus Wien, Herr Notar Dr. Epstein in Humor- und geistsprühenden Worten aus das Brautpaar; Obercantor de Beer auf den Bräutigam, dessen Bühnencollega er war, Herr Wiener in geistvoller Weise aus den Bräutigam, indem er namentlich betonte, dass ihr Obercantor gerade zur rechten Zeit nach Kattowitz kam, um nicht allein den syuagogalen Gesang zu heben, sondern auch aus die allgemein künstlerischen Verhältniße bedeutsamen Einfluss zu üben rc. rc. Nach dem Bentschen wurden nahezu 400 Telegramme, Briefe und Karten von früheren Kunstgenoffen, Rabbinern, Cantoreu Corporationen u. s. w. aus Deutschland und Oesterreich verlesen. Unter den Absendern derselben seien besonders erwähnt: Stadtrath Wiener, Präsident der Cultusgemeinde Kattowitz. und der Kattowitzer Rabbiner Dr. Cohn, die beiden Bicepräsidenten der Wiener Cultusgemeinde Dr. Alfred Stern und Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, Architekt Fleischer, Oberrabbiner Dr. Güdemann, kaif. Rath Dr. Lieben, die Rabbiner Dr. Schmiedl, Dr. Gelbhaus, Dr. Bach, Dr. Taglicht, Mayersohn, Kramer und Forst, Obercantor Bauer und I. Cantor Blatt, namens des Vorstandes des „Oesterr.-ungar. Cantoren-Vereines* und des Comitss der Wiener Cantoren, Dr. Bloch, Dr. Löwy, Dr. Königstein, Kammervirtuose Gri'nneld. Kammersänger Demuth, Lector Friedmann, Director Zeller, Professor Strakosch. Professor Sulzer. Profenor Kanitz, Professor Pollak, Professor Julius Epstein. Directionssecretär Gucimano, Secretär Fuchs, Rabbiner Dr. Roienthal-Bresla«, Rabbiner Dr Grunwald Hamburg u. A. Die von einzelnen Corporationen und Gemeindemitgliedern empiangenen Geschenke speciell anzuführen, übersteigt den Raum dieses Berichtes. Doch müssen ras werthvolle Silbergescheuk des Kattowitzer Vorstandes sowie zwei herzliche Zuschrisre» des Wiener^Cultusnnd Bethausvorita^des mit Anerkennung genannt werden. Auf dem bierauf folgenden Balle wurde bis zum Morgengrauen flott getanzt. Möge diese Festesfreude das junge Paar auch mit auf seinen Lebensweg begleiten.

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